Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 231 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3053986--2993-3058455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 6 DIE STIMME Nr. 131 — 0. Juni 1931 Wir beginnen In dieser Nummer mit der Veröffentlichung der uns auf Grund unseres Preisausschreibens zugekommenen Beiträge. Zunächst drucken wir den nachfolgenden mit dem ersten PfeU (S 25,—) ausgezeichneten Aufsatz (Jury Dr. Z. F. FJikelstein, Direktor Dr. Viktor Kellner, Prof. Dr. Wilhelm Stein) ab und überdies das für die Konkurrenz nicht In Betracht gekommene Gedicht «Bialik lacht». Der zweite Preis wurde für den Aufsatz «Der Wegweiser» (Bert Chawiw—A. Lieber), der dritte Preis für den Aufsatz «Das Palästinaproblem» (Nathan Tuchmann) zuerkartni An uns Es ist etwas ganz seltsames um das Erleben eines Jungen Menschen. Er beginnt dann zu leben, zu erleben, wenn sich ihm in einer Stunde, die für ihn voll Wunder wird, das auftut, was für ihn Leben bedeutet. Von diesem Augenblick an beginnt er mitzuwirken ah dem Geschehen in der Weit, mit seinem Traum, seinem Ideal und seinem kleinen Tagwerk. Jetzt beginnt sein Kampf für das Neue, das ihn gerufen hat. In seinem Tiefsten sehnt sich der junge Mensch immer näCH dem Führer und er horcht mit seinem ganzen jungen drängenden Menschentum hin auf das, was die Welt bewegt. Seine junge, jubelnde Kraft ist da — mitzutuh an der großen Erlösung. Echt und stark ist seine Bereitwilligkeit, er will wahrhaft dienen und geben — aber nicht immer ist der wahrhaft große Führer für ihn da. Die jungen Menschen scharen sich am meisteh um jene, die sie am lautesten rufen und nicht immer vermögen wir zu unterscheiden und zu prüfen, denn Unsere Ungeduld und Sehnsucht ist zu wach und lebendig in uns. Es ist nicht schwer für einen Demagogeh mit entsprechender Aufmachung, Anhänger zu gewinnen, viel zu verheißen mit allem tönenden Klang — ea ist viel leichter, der Jugend die Waffen in die Hand tu drücken, als sie eine andere Kampfesart zu lehren. Das alles ist klirrend, leuchtend und hell, das springt in die Augen und lockt. So hat man uns junge Menachen betrogen — und wir vertrauen, wir haben ein großes ehrliches Vertrauen für unseren Führer. Wir haben das Recht zu vertrauen, das ist unsere ganze Kraft und Begeisterung, die uns antreibt. Wer wollte das nicht verstehen? Wer nun hat die Schuld, wenn die * jungen Menschen Scheinidealen nachrennen, wenn sie ungerecht und hart werden? Sie doch nicht, die nur das /Tun helfen, was die Menschen, ihre Mitbrüder am schnellsten zur Gesundung, zum Ziele führt, sie doch nicht, die glauben, daß das ein heiliges Werk, ein hohes Kämpfen ist, wie sie es ihr geliebter großer Führer gelehrt hat. Wir junge Menschen sollen und müssen das Recht haben, stark vertrauen zu können auf unseren Führer, aber verhängnisvoll und böse wird es, wenn wir falsch geführt werden, wenn unser großer geliebter Meister ein Betrüger, bewußt oder unbewußt, ist. Der Führer also, der seine Bewegung auf äußere laute Aufmachung und ohne innere Werte, ewige Menschheitswerte, aufbaut, der ist der Betrüger, der große Gewissenlose und Menschheitsmörder. Liegt da nicht ein hoffnungsloser Fatalismus drin? Wer sagt den jungen Menschen, ob sie dem wahren Führer nachfolgen? Wer gibt dem wahrhaften Ideal den Weg und Sieg? Und das ist es, was wir sagen müssen: / Wir jungen Menschen leben nicht, wir kämpfen nur. Wir können euch nicht von unserem* Leben, wir können nur von unserem Kampf sprechen. Wir wehren uns in unserem Innersten, betrogen zu werden, wir alle, wir wollen den wahren Weg, endlich, endlich nach diesen vielen, vielen Menschenaltern des größten, grausamsten Waffenbetruges. Wem sollen wir das zurufen? Wir fühlen die Not unserer Zeit, wir ahnen unseren menschlichen Untergang und wir brauchen den großen Mei- •ter, der uns aus den Tiefen unserer Seele hinaus hinaufführt und uns erlöst. Wir brauchen den Großen, der das einfachste, höchste Wort alles Gott- und Menschentums s o sagt, daß es uns alle ruft und führt, dies .Wort, das seit Ewigkeiten ist und seit Ewigkeiten Immer mißverstanden wird von den Menschen: Liebe! Das Schaffen, das Tun in Liebei In aktiver, strenger, heilender Liebei Die Jugend schafft dieses Werk, dessen Idee es gelehrt wurde und daher sind die jungen Menschen immer, wenn sie Falsches tun, die betrogenen Betrüger. Wir jungen Menschen sagen: Wir glauben an keine grausame Vorherbestimmung, wir sind keine Pessimisten, die es sich am bequemsten machen, weil sie an keine Aenderung glauben, wir sind da und vornehme Vereinigung sucht Klubräiimc eventuell Beteiligung. Zuschriften unter „Einmal wöchentlich“ an die Administration des Blattes erbeten. hier ist unsere gläubige Kraft des Guten im Menschen. Aber wir brauchen den, der uni dies Zauberwort wirkt in unser neues lichtes Banner und es uns vorantragen heißt. Wenn Ihr sagt: So mancher Ist au euch gekommen und hat euch Liebe gelehrt und auch den Weg gezeigt, ja, aber für uns gilt nur, was uns von dem Tag unseres Wachwerdens an lebendig und leuchtend geworden ist. Das, was früher war, liegt hinter unsrem starken «Leben», unsrem «Erleben». Oder der Ruf jenes Künders war zu schwach und konnte nicht bestehen im Sturmschrei des Demagogen. Wir glauben fest daran, daß die Tat der Liebe siegt und beständig ist und wenn ihr klagt, daß euch trotzdem Mißerfolg beschieden war, so war eure Liebe, euer Ruf zu schwach. All unser Mißerfolg ist unsere eigene Schuld und wir müssen seine Ursachen bei uns selbst suchen und erst dann, wenn wir Erfolg haben ln unserer wahren Sache, ist es nicht unser besonders hervorzuhebendes Verdienst, denn dann erst muß es uns wunderbar klar werden, daß wir auf dem rechten normalen Wege sind und erst recht hinauf wollen. Wie einfach sagt sich dies und welch eine Welt von Schwierigkeiten liegt in diesem Höchsten Ideall Aber es ist würdig eines MenschenI Wenn dieses Zauberwort Liebe In unserer Zeit und ihren Problemen läge, anstatt all jener vielen schreienden Gewaltregeln der Bewegungen verschiedenster Färbung, dann müßte es doch anders sein, vor allem anders werden. Wie kann so etwas Einfaches den Menschen niemals klar werden? Ist es SU einfach für uns klügelnde arme Problematiker? Und wir? Wir jungen jüdischen Menschen? Was für alle gilt, gilt für uns In nur noch stärkerem Maße. Was tun wir? Wir haben erst lange und schwere Probleme zerkaut und sind zu einer großen Erkenntnis gekommen, daß uns etwas fehlt, aber für Menschen, die nicht leben, nicht Land und Sprache haben, ist auch das schon viel, ein großer Schritt, der den Weg zum Volksjniejijpie^^ mit deutschen Sprachkenntnissen zu Kindern für den Sommeraufenthait (ins Grüne am Donaustrand) mit bescheidenen Gehaltsansprüchen gesucht; mithebräischen Sprachkenntnissen bevorzugt.Zuschrifcen an or. Fr eil hei, Budapest, Teiehi ler 5 leben einschlägt, anders, verkehrt, wie unser ganzes Leben anders war als das der andern Völker. Wir kommen durch neue Erkenntnis zu einem neuen Leben, zu einer neuen jungen Lebensquelle, während es für die andern so ist, daß sie einfach leben, ohne Erkenntnis, ohne Probleme, aus der Kraft ihres Lebensinstinktes. Wissen wir auch, wir jüdischen Menschen, was wir auf uns genommen haben? Wir wollen ein Volk werden, gesund, gut und voller Werte, die wir aus der Kraft unsrer jungen geliebten Erde ziehen wollen. Wir wollen wieder werden, sagen wir, und da haben wir einen eigenen Weg frei: neu zu beginnen, mit jener ewigen, jungen, lebenden, schöpferischen Liebe. Können wir das überhaupt ermessen? Und wir jungen jüdischen Menschen müssen fortschreiten auf diesem Weg: zu prüfen, jeden Tag mehr, ob unser Werk täglich aus seiner eigenen Neugeburt gekommen ist, aus der Liebe, die es zur Tat werden ließ. Bfalifc lacht Ich wollt’ behalten seine Züge, Die gar za tiefe Furchen tragen. Der Kindheit Leiden sah ich dort, Des Menschen Qualen sind auch darauf. Die Qual der Brüder und des Volkes Sehnsucht, Der Galuth Pein, die Angst, es schwände seine Herde, Malt in seine Züge tief das Mal... Wenn man ihn lobt und Lieder für ihn singt, Verzerrt sich ungeduldig seines Antlitz’ Bild. Wenn endlich schweigt der Huldigung Wort Und Wissens Leute Geistes Früchte bringen, Lauscht er begierig jedem Worte Wie ein «Mathmid» dem hohen Lehrer, Als wollt’ er schnappen von dem Wissen, Als hätt’ er viel zu lernen nocht Doch all das Schönste von dem Schönen Ist sein eigen kindlich Lachen... Saht ihr schon ein Kind, das unverdient geschlagen ward, Das sich ln Tränen aufzulösen droht? Plötzlich kommt ein heiter Bild Vor des Kindes traurige Augen, Aus den Wolken seiner Tränen Kommt ein schmerzumrahmtes Lachen. Kindlich Lachen, traurig noch, Das schon erfreut ein liebend Herzt So lacht Blalik. Henny Jäkel Melchetts Bruder geadelt Aus AnlaB des auf den 3. Juni fallenden Geburtstages des Königs Georg von England wurde Dr. Robert Mond, | Bruder des verstorbenen Lord M e 1 c h e 11 (Alfred Mond) i in den Ritterstand erhoben. Die Ehrung wurde Robert Mond I für seine Verdienste als Präsident der Faraday-QeseUschaft zuteil. Die Liste der aus AnlaB des Geburtstages defl Königs Geadelten enthält noch den Namen eines anderen luden, Leonard Benjamin Franklins, Schwagers von Sir Herbert Samuel. SHe jüdische Stau Die Council-Tagung der Wizo in Wien lenkt schon jetzt das Interesse der zionistischen Oeffentllchkeit, insbesondere der Frauen, auf sich. Die Council-Tagung wird aller Voraussicht nach im Heim der Z. M. V. Miflam, die dieses unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, abgehalten werden. Ein umfassender Dienst jugendlicher Ördnerinnen wird eingerichtet werden. Die Tagung wird lihlreiclie prominente Persönlichkeiten der Zionistischen Frauenbewegung aus allen Ländern, Insbesondere aus Palästina und England, nach Wien bringen, vor allem die Mitglieder der Wlzo-Exekutive aus Jerusalem und London. Aber auch die übrigen Länder werden ihre bedeutendsten Vertreterinnen entsenden u. zw, jedes Land nur ein bis zwei Delegierte, da die Zahl der Cöuncilmitelieder außerordentlich eng begrenzt Ist. Im Anschluß an diese Tagung wird ein gesellschaftlicher Empfang In kleinerem Rahmen und eine große öffentliche Kundgebung abgehalten werden. Freiwillige Helferinnen für die Büroarbeit der Tagung sowie unentgeltliche Gastquartiere für die ausländischen Gäste Sind dringend erbeten. Zuschriften an die Organisation zionistischer Frauen, IX- Nußdorferstraße 42. Antisemitismus als Hindernis der Friedensarbeit Die Internationale Frauenllga für Frieden und Freiheit hielt ihren VII. Kongreß vom 19, bis 20. Mai in Grenoble (Frankreich) ab. Mehr als hundert Delegierte aus 40 Staaten nahmen an den Beratungen teil. Die Jüdische F r a u e n 11 g a, die eine Internationale Organisation mit dem Sitz in Gent ist, war auf dieser Tagung durch ihre Generalsekretärin, Frau Rosa Aberson*Ofenf, vertreten. Das dem Kongreß vorgelegene Kernproblem war: Abrüstung. Auf der Tagesordnung standen aber auch die Fragen: Minderheiten, Antisemitismus, Staatenlose, Behandlung politischer Gefangener u. a. m. Zu diesen Fragen führte Frau Aberson u, a. aus: Antisemitismus hindert unsere Friedensarbeit, denn er lenkt die Massen von den eigentlichen Ursachen ihres Elends wie Krieg, soziale Unordnung U$w, ab und lähmt die Arbeit für bessere soziale Gestaltung. Die Rednerin besprach das Martyrium der Jüdischen HochscHuljugend in einigen Ländern, in denen Numerus clausus besteht, sowie In Deutschland, Oesterreich, Rumänien und Polen, wo zuletzt indische Studenten lind Studentinnen von antisemitischen Kollegen in der rohesten Welse angegriffen wurden, Frau Aberson machte Vorschläge für Aufklärungsarbeit durch die Internationale Liga, die der Kongreß annahm. Di« Rednerin besprach dann die Minderheitenfragen und verbreitete sich eingehender Uber die Leiden der politischen Gefangenen in Sowjetrußland. Vortragsreise Dr. Martha Hofmann Die «Selbstwehr», das Zentralorgan der Zionisten In der Tschechoslowakei, berichtet über die außerordentlich erfolgreiche Vortragsreise, die Frau Dr. Martha H o f m a n n im Mai durch eine Reihe größerer Städte, besonders des süd- und nordmährischen Distriktes, unternommen hat, wobei die inhaltlich wie formell hervorragenden Ausführungen der bekannten Vortragenden einen besonders tiefen Eindruck hinterließen. In einigen Städten, z. B. in Mähr.-Ostrau und Neutitschein, sprach die Rednerin über das «Problem der jüdischen Oegenwart und Zukunft», wobei sie die Judenfrage mitten in die geistigen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der Gegenwart hineinstellte. In anderen Städten, z. B. in Nikolsburg, Ung. Hradlsch und Teschen, behandelte die Referentin die großen «jüdischen Persönlichkeiten der Weltliteratur» und «Arthur Schnitzlers jüdische Persönlichkeit». Es gelang ihr durch diese Vorträge, das geistige Interesse der Zuhörerschaft wachzurütteln. Im Anschluß daran hielt Frau D'r. Hofmann Arbeitssitzungen mit den Gruppen der Wi20 und des Kontinentalbundes zionistischer Mädchenvereinigungen ab, um die Gruppenarbeit — insbesondere auf kulturellem Gebiete — zu besprechen. Die Vortragsreise brachte eine merkliche Intensivierung der zionistischen Frauenarbeit in der Tschechoslowakei mit sich. W. T. Spenden für das Hnhenhreuznpfep Jacques Klar Unser Appell, dem von einem hakenkreuzlerischen HochschUIer durch einen Dolchstich heimtückisch schwer verletzten jüdischen Fleischhauergehilfen Jacques Klar zu helfen, hat einen schönen Erfolg gehabt. Bisher sind uns folgende Geldspenden, die wir sofort an Klar weitergeleitet haben, zugekommen: Dr. A. L. Schilling 10.—, John Lifschiiz, VI., Mollardg. 9, 5.—, 0. K., I., 5.—, J. Hahn, IX., 5.—, Egon Wiener, II., 3.—, B. D. 50.—, Angestellte der Firma Delflner 6.—, Ernst Stern 10—, B. D., 111., 5.—, B. R. 1.—, S. F. 2.—, E. W. Gerstenfeld, IL, Taborstraße 59, 5.—, Dr. Grüß 10.—, Bauer 1.—, Prager 2.—, Sammlung Oberkantor L. Pollak Schilling 20.—, zusammen Schilling 140.—, Weitere Spenden werden wir In unserer nächsten Nummer ausweisen. Malmonides-Instltut (II., Praterstraße 11) Sommersemester 1932. Die Vorträge während des Sommersemesters finden bis auf weiteres wie folgt statt (im Hörsaal des Institutes, Praterstraße 11): Jeden Montag, 6 bis 7 Uhr abends, Dr. A. Kaminka, Psalmen; 7 bis 8 Uhr abends, «More Nebuchim». Jeden Dienstag, 6 bis 7 Uhr abends, Rabbiner M. Horowitz, «Ikkarim»; 7 bis 8 Uhr abends, «En Jakob». Jeden Mittwoch, 7 bis 8 Uhr abends. Frag Dr. Esiher Kllnger gew. langjährige Sekundarärztln Im Wiedner Kranken hause (Abt Prof. Halban) hat steh als Spezialärztin fUr Frauenkrankheiten in Wien, 11., Untere Augartenstraße 26 »tablieft und ordiniert täglich von 2 bis 4 Uhr nachmittags. Minderbemittelte werden weiigehend berücksichtigt 6