Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 231 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 2 DIB STIMME Nr. 231 — 9. Juni 1932 Angabe von Vor- und Zunamen, Beruf, Adresse und eventuell Telephon-Nummer auf Korrespondenzkarten tu richten an Dr. Rudolf Glücklich, Wien, I., Kärntnerstraße 28. Der French-Bericht Seine Entstehungsgeschichte und sein Gegenstand Von Israel Cohen. Der Zeitpunkt, ln dem der Bericht über die Untersuchung, mit der Mr. Lewis French vom Colonial Office betraut worden war, durch den High Commissioner der Jtwish Agency ebenso wie der Arabischen Exekutive zur Aeußerui.g übergeben werden wird, rückt näher heran. In diesem Stadium der Entwicklung lohnt e& sich, sich noch einmal die Tatsachen, die zu dieser Untersuchung geführt haben, ins Gedächtnis zu rufen. Die Untersuchung, die Mr. French durchzuführen hatte, war eine unmittelbare Konsequenz des Briefes d-es Premierministers an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931. Dieser Brief wiederum war, wie in allgemeiner Erinnerung sein wird, eine autoritative Interpretation des Weißbuchs vom Oktober 1930, das eine Darstellung der von der Britischen Regierung verfolgten Politik unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Berichte der Shaw-Kommission und Sir John Hope Simpsons geben wollte. Die Shaw-Kommission hatte erklärt, daß eine der Ursachen, die nach ihrer Meinung zu den Unruhen von 1929 beigetragen hatten, die angebliche Verdrängung von Arabern von ihrem Boden durch Juden gewesen sei, und die durch diese Erklärung hervorgerufene Kontroverse war durch die Behauptungen von Sir John Hope Simpson bezüglich der Größe des vorhandenen kultivierbaren Bodens und der Zahl der «dislozierten» Araber noch verschärft worden. Die Jewish Agency beschränkte sich in ihren öffentlichen Erwiderungen nicht auf den Nachweis, daß diese Behauptungen unbewiesen und die niedrigen Zahlenangaben Simpsons bezüglich der kultivierbaren Fläche ebenso wie seine hohen Daten bezüglich der «dislozierten» Araber in gleichem Maße ungenau seien, sondern protestierte gegen die von der Regierung in Aussicht genommene Boden- und Einwanderungspolitik a,miTdem Hinweis darauf, daß sie mit den Mandats- ,-ibestimmungen im Widerspruch stehe. Der Brief des Premierministers, der sowohl Fragen der Auslegung des Mandates wie verschiedene ökonomische Fragen 'behandelte, stellte dementsprechend die Grundsätze für die Boden- und Einwanderungspolitik der Regierung fest. Um die in dem Briefe des Premierministers skizzierte Politik zur Durchführung zu bringen, ernannte die Britische Regierung im Juli des vergangenen Jahres Dr. Lewis French zum Landentwicklungs-Direktor. Die Aufgabe, mit deren Durchführung er beauftragt wurde, wurde als eine vierfache angegeben, und zwar 1. ein Verzeichnis der verdrängten Araber laut der Definition im Briefe des Premierministers MacDonald aufzustellen; («solche Araber, bei denen gezeigt werden kann, daß sie von den von ihnen okkupierten Ländereien infolge des Ueberganges der Böden in jüdischen Besitz verdrängt wurden, und die weder andern Boden, auf dem sie seßhaft werden konnten, noch eine andere ebenso befriedigende Beschäftigung finden konnten.») 2. einen Plan zur Wiederansiedlung solcher verdrängter Araber nebst einem Kostenanschlag auszuarbeiten; 3. Untersuchungen anzustellen Uber die Methoden, die notwendig sind, um in den Grenzen der verfügbaren Mittel — die von der Regierung in Aussicht genommene Landentwicklungspolitik, wie sie im Brief des Premierministers skizziert wurde, durchzuführen («welche Staats- und sonstigen Ländereien für geschlossene Ansiedlung von Juden mit Rücksicht auf die Verpflichtung, die gemäß Artikel 6 des Mandates der Mandadarmacht obliegt, verfügbar sind oder verfügbar gemacht werden können.» Darüber hinaus wurde in unmißverständlichen Ausdrücken erklärt, daß die Erklärung über die Politik der Regierung «kein Verbot der Erwerbung weiterer Ländereien durch Juden enthielt,» noch ein solches beabsichtigt sei, sondern daß es ihre «definitive Absicht sei, eine aktive Entwicklungspolitik einzuleiten, von der sie glaube, daß damit sowohl Juden wie Arabern greifbarer und dauernder Nutzen erwachsen wird.»). Hierzu sollten auch Untersuchungen über Staats- und sonstige Ländereien, die für eine dichte Besiedlung mit Juden zur Verfügung gestellt werden könnten, sowie über die angebliche Zusammendrängung der Fellachen in der Hügelregion gehören; und endlich 4. auch die folgenden Fragen zu untersuchen: a) «ob es tunlich und ratsam sei, Kredite für arabische Bauern und jüdische Siedler zu beschaffen; im Bejahungsfälle, welches die beste Methode zur Erreichung dieses Zieles sei», b) «Vorschläge für Drainage, Bewässerung und anderweitigen Urbarmachung von Ländereien, die gegenwärtig gar nicht oder nur lft beschränktem Ausmaße bebaut werden, tu machen.^ Die Instruktion besagte ferner, daß die JeWllh Agency und die arabische Exekutive ersucht werden würden, je ein Mitglied zur Unterstützung des Direktors in beratender Eigenschaft namhaft 2U machen», Die Jewish Agency lehnte die Nominierung eines Beraters ab, weil zur selben Zeit die Regierung sich mit der Absicht trug, eine Boden-Verordnung in Kraft zu setzen, die eine schwere Beeinträchtigung der Interessen des Jüdischen Nationaihelms bedeutet hätte; die arabische Exekutive wiederum beschloß, aus ihren besonderen Motiven heraus, die Bodenentwicklungs- Kominission Überhaupt vollkommen zu boykottieren. Die Instruktion traf ferner Bestimmungen für die Ernennung eines Juristischen Beraters zur Prüfung der von Arabern, die sich um Aufnahme ln die Liste der dislozierten Araber bewerben würden, vorgebrachten Ansprüche und zur «Beratung des Direktors Uber die Zulänglichkeit des Beweismaterials in jedem Einzelfalle vor Anerkennung des Anspruchs». Dieses Amt wurde dem ln Palästina amtierenden Richter Webb übertragen. Bezüglich der Kosten der Ausführung des Planes selbst kündigte die Regierung ln der Palästinadebatte des Unterhauses vom 17. November 1930 an, daß sie eine Anleihe von Pfund 2,500.000 zwecks Durchführung eines Landentwicklungsplanes zugunsten der verdrängten Araber und der Juden garantieren wolle. Infolge der in der Folgezeit eingetretenen schwierigen finanziellen Lage wird jedoch allgemein damit gerechnet, daß der fragliche Betrag weit niedriger ausfallen wird als ursprünglich beabsichtigt war, obzwar bisher noch keine Andeutung auch nur über die annähernde Höhe des Betrages gefallen ist. Nach der Instruktion soll hinsichtlich des Berichtes des Landentwicklungsdirektors folgendes Verfahren eingeschlagen werden: Der High Commissioner «soll, bevor er der Regierung Vorschläge unterbreitet, die Jewish Agency und die arabische Exekutive um Bel beginnender Verkalkung der Blutgefäße führt der Gebrauch des natürlichen «Franz*Josöf»-Bitterwassers zu regelmäßiger Stuhlentleerung und Herabsetzung des hohen Blutdruckes. Aeußerung zu den praktischen Vorschlägen des Planes ersuchen»; dann soll der Bericht samt den Bemerkungen dieser beiden Körperschaften und den Empfehlungen des High Commissioners der Regierung in London übergeben werden, «die die Entscheidung darüber treffen wird, ob der Bericht und die in ihm enthaltenen Empfehlungen, bezw. welche von ihnen und in welcher Weise, zur Durchführung gebracht werden sollen.» In der Instruktion wird von dem Direktor verlangt, seinen Bericht oder einen vorläufigen Bericht nicht später als zum 31. Dezember 1931 vorzulegen. Mr. French stellte zunächst einen allgemeinen Bericht fertig. Ueber diesen Bericht, der zu Beginn dieses Jahres zu verschiedenen alarmierenden Gerüchten Anlaß gab, ist bisher nichts offizielles bekannt geworden: aber man erfuhr allgemein, daß er keinerlei direkte Vorschläge enthielt. Diese sollen sich vielmehr ln dem zweiten Teil des Berichtes befinden, der nunmehr fertiggestellt ist und dessen Uebergabe an die Jewish Agency jetzt mit solcher Ungeduld erwartet wird. Zweifellos war der allgemeine Charakter des ersten Teiles des Berichtes, von dem man annahm, daß er völlig über die klar bezeichneten Grenzen für die Untersuchung Mr. Frenchs hinausgehe, die Veranlassung für die vor einigen Wochen vom Colonel Buchan in seiner Unterhausrede so energisch gestellte Forderung, daß sich der Bericht «streng auf seinen eigentlichen Zweck und genau auf die von ihm zu behandelnden Punkte beschränken solle, und nicht, wie die anderen Berichte, jene apodiktischenßehauptungen über strittige Fragen enthalten dürfe, die so viel Unruhe geschaffen haben.» Die Exekutive der Jewish Agency, sowohl in Jerusalem wie in London, hat ständig in engem Konnex mit dem High Commissioner bezw. dem Kolonialamt gestanden, um die Interessen des Jüdischen Nationalheims zu wahren und hat zweifellos, soweit dies in Ihrer Macht stand, darauf hingewirkt, daß der Bericht Mr. Frenchs sich in den Grenzen seines speziellen Aufgabengebietes halte. Die Jewish Agency wird sicherlich die Ihr gebotene Gelegenheit zur Kritik an den Empfehlungen Mr. Frenchs voll ausnützen und, soweit dies im Interesse des Jüdischen Nationalhelms notwendig sein wird, Ihre Abänderung fordern; das Zionistische Aktionskomitee und das Administrative Komitee der Jewish Agency werden dazu Stellung zu nehmen haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es mindestens einige Wochen dauern, bevor die Regierung in der Lage sein wird, bezüglich der Durchführung der Einzelheiten des Landentwicklungsplanes Entschlüsse zu fassen. Bis dahin kann jedoch nicht genug betont werden, daß die Regierung durch den Brief des Premierministers vom Februar 1931 endgültig auf die Initiierung einer aktiven LandentwicklunglpOlitik festgelegt worden ist, von der man hofft, daß (wie es im Briefe heißt) aus ihr sowohl Juden wie Arabern greifbarer und dauernder Nutzen erwachsen wird. Das jüdische Volk mag Grund dazu höben, der Veröffentlichung de9 Ffench-Berlchtes mit Besorgnl* entgegen zu sehen, es hat jedoch in seinem Kampf um den Wiederaufbau seines nationalen Heims schon weit schlimmere Prüfungen erlebt und überstanden. Er wird sich durch nichts davon abschrecken und entmutigen lassen, seine Anstrengungen fortzusetzen. Palästina Die Einwanderung int April Den Mitteilungen des Einwatiderungsamtes Ist zu entnehmen, daß im April 814 luden als Einwanderer registriert worden sind, unter ihnen 563, die als Touristen einwandertfen und nachträglich die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. In dem gleichen Monat wanderten 33 Juden aus. Rabbi Meir Berlin beim High Commissioner Rabbi Meir Berlin, der Präsident des Weltmisrachi, hatte eine eingehende Besprechung mit dem High Cotnmissioner General Sir Arthur Wauchope Über Fragen der Sicherheit und der Einwanderung. Im Verlauf der Besprechung forderte Rabbi Meir Berlin, daß die Regierung das rabblnlsche Oericht und das Oberrabbinat In Palästina In der gleichen Weise wie die religiösen Organe der Moslems subvenioniere. Der High Commissioner erwiderte, er, der selbst religiös gesinnt sei, wisse das religiöse Werk des Misrachi zu schätzen, und werde darauf sehen, daß einige der Forderungen des Misrachi von der Regierung erfüllt werden. Wieder Angriffe auf jüdische Pflüger und Gebiete Arabische Dorfbewohner griffen eine revisionistische Arbeitergruppe, die mit dem Pflügen eines 400 Dunam großen Feldes in der Nähe der Kolonie N a t h a n i a, das dem Keren Kajemeth gehört, an. Dabei wurden acht Juden und zwei Araber verwundet. Elf Araber wurden verhaftet. Eine Gruppe Beduinen besetzte mit ihrem Vieh Keren Kajemth-Boden an der Haifa-Bucht. Drei aer Beduinen wurden verhaftet. . Arabische Hirten haben mit Ihrem Vieh widerrechtlich Felder, die der Kwuzah Ge sch er gehören, besetzt, etwa 150 Dunam Feld verwüstet und zwei jüdische Siedler geschlagen und verletzt. Einer der Angreifer wurde von der Polizei verhaftet. Nur eine jüdische Pflanzerabordnung nach Ottawa Zur britischen Reichskonferenz in Ottawa begibt sich eine Abordnung jüdischer Pflanzer Palästinas, um ZolWreiheit für palästinensische Produkte in den Territorien des British Empire durchzusetzen. Die Abordnung besteht aus dem Pflanzer Tolkovsky, dem Geschäftsführer der Gesellschaft «Pardess» R o k a c h und dem Advokaten Bernhard Joseph. Die arabischen Züchter, die anfänglich die Absicht hatten, Vertreter für eine gemischte arabisch-jüdische Delegation zu ernennen, haben eine Teilnahme nachträglich abgelchnt. Sokolows Abschied von Amerika Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und dir Jewish Agency, Nahium S o k o 1 o w, der mehrere Monate lang die zionistische Aktion in den Vereinigten Staaten geleitet hat, trat am 6. Juni an Bord der «Bremen» die Rückreise nach Europa an. Am 31. Mai abends fand im Hotel Astor zu New York ein Abschiedsempfang zu Ehren Sokolows statt, der vom Richter Julian D. Mack geleitet wurde. Die Herren Felix M. Warburg, Ehrenpräsident des Joint Distribution Committee, Dr. Cyurs Adler, Präsident des American Jewish Committee und des Council der Jewish Agency, Dr. Stephen S. Wise, Ehrenpräsident des American Jewish Congress und der Sohn des verstorbenen Philanthropen Nathan Straus, sandten Begrüßungen, in denen sie der Persönlichkeit Nahum Sokolows ihre Huldigung darboten. Zwei Juden ln der französischen Regierung Dem vom Führer der sozialistisch-radikalen Partei in Frankreich, Edouard H e r r i o t, gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei Juden als Minister an: Leon Mayer übernahm das Portefeuille der Handelsflotte und Senator Alexander Israel das Unterstaatssekretariat im Ministerpräsidium. Dem neuen Kabinett gehören ferner einige französische Staatsmänner, die sich in der Pro-Palästlna-Bewegung sehr hervorgetan haben, an; so u. a. der Minister für Hygiene lustin G o d a r t, Präsident des Comitd Franc-Palestine, der Unterrichtsminister Senator de M o n z i e, der Luftfahrtminister und frühere Premier Paul P a i n 1 e v 6 u. a. m. Auch der Ministerpräsident und Außenminister Herrlot hat sich bei wiederholten Gelegenheiten rückhaltlos für die zionistischen Ziele ausgesprochen. Die italienische Königin in einer jüdischen Schule Königin Elena von Italien besuchte die den Namen des verstorbenen jüdischen Senators Vittorio P o I a c c o tragende von 300 Kindern besuchte jüdische Elementarschule. Die Königin wurde von der Schulbehörde begrüßt und zog auch die Kinder ins Gespräch. Vittorio Polacco war Erzieher des jetzigen italienischen Kronprinzen und ist alt Schöpfer des jüdischen Schulwcrkes in Italien anzusehen. Freispruch Im Prozeß gegen die 19 jüdischen Soldaten in Saloniki Die neunzehn jüdischen Soldaten in Saloniki, die sich unter der Beschuldigung, kommunistische Propaganda getrieben zu haben, vor einem Kriegsgericht zu verantworten hatten, wurden gemäß einstimmigem Verdikt des Gerichtes freigesprochen. E Promotion. Josef Schmerler, Sohn unseres Ga. Charles Schmerler, IX., Seegasse 12, wird Mittwoch, 15. Juni, 12J4 Uhr mittags, im großen Festsaale der Wiener Universität zum Dr. Univ. Med. promoviert. JUDEN! Spendet anläßlich der BttchsenleerwMi des Keien Kaiemefh in der Zeit vom 29. Mai bis 12. Juni reichlich! Verlanget Keren Kajemeth-Legitimationen t