Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 230 (2.6.1932)
- Date
- 1932-06-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite b DIE STIMME Nr. 230 — 2. Juni 1032 50ie iüdfsdke Stau Counciltagung der Wizo ln Wien Die diesjährige Coiincilta^iuuj der Wizo findet am 12. Juli in Wien (nicht, wie ursprünglich gemeldet, in Berlin) statt, dieser alle zwei Jahre zwischen den Kongressen abgehaltenen Tagung, an der nur ein bis zwei Vertreterinnen jedes Landes außer der Exekutive tednehmen, kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Wiener Gruppe der Wizo (Organisation zionistischer Frauen < U’sterroichs), die bereits mit den Vorarbeiten begonnen hat, bittet freiwillige Helferinnen, insbesondere geübte Stenotypistinnen, mre Kraft für die etwa vier bis fünf I nge der Councilsitzung ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Ebenso bittet sie Gesitinungsgenossinnen, die über genügend Raum verfügen, ein Gastzimmer mit oder ohne Verpflegung für diese zeit zur Verfügung zu stellen. Anmeldungen sind schriftlich an die Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs, IX., Nußdorferstraße 42, erbeten. Eine Enzyklopädie jüdischer Frauen Auf Veranlassung der jüdischen Frauenorganisationen von New York hat Rebekka Kohu t, zusammen mit Estelle M. S t e r n b e r g e r, die Herausgabe einer Enzyklopädie jüdischer Frauen übernommen. Rebekka Koliut ist eine führende Figur der amerkanisch-jlldischen Frauenbewegung, auf dem Weltkongreß der jüdischen Frauen in Hamburg (1929) wurde sie zur Präsidentin des damals neugegründeten Weltbundes jüdischer Frauen gewählt. Estelle M. Sternberger war über ein Dezennium Exekutivsekretärin des Nationalen Rates der jüdischen Frauen Amerikas und hat sich um die jüdische Frauenbewegung sehr verdient gemacht. Die Enzyklopädie wird alle Vorgänge und Ereignisse der amerikanisch-jüdischen Frauenbewegung registrieren, die Stellung der Frau im Judentum behandeln und alles darstellen, was sich auf die Tätigkeit der Frau im Judentum und für dieses bezieht. Dem vorbereitenden Komitee gehören alle führenden Kräfte der amerikanisch-jüdischen Frauenbewegung an. Frauenbericht über Erez Israel Die Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina in Ber- 1 i n veranstaltete einen Palästinaabend, auf dem drei Frauen, die das Glück gehabt haben, diesen Frühling in Erez Israel zu erleben, Bericht erstatteten. — Als-erste Fräulein Frieda W e i n r e i c h, die Sekretärin der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Ihre Sachkenntnis befähigte sie, die palästinensischen Einrichtungen für soziale Fürsorge, für Kinder, Kranke und Erholungsbedürftige zu beurteilen, das, was dort geleistet und was noch mehr erstrebt wird. So unter Leitung von Miß Szold eine Zusammenfassung der vielen noch bestehenden Einzelinstitutionen. — Die zweite Rednerin, Frau Byk, ist mehrere Monate in einer Moschawsiedlung bei Haifa gewesen. Sie gab eine freudig bewegende Schilderung des Lebens dieser opferfrohen Menschen, ihrer schweren Arbeit, ihres hilfreichen Gemeinschaftsgefühls, ihres Schabbat und ihrer Abendstunden. Eindrucksvoll war die Darstellung einer Abendfahrt nach Rechowoth zu einer Aufführung der Habimah, auf Leiterwagen unter dem Schutz einiger Schomrim. — Die dritte Rednerin, Frau Jenny Blume n f e 1 d, die schon mehrmals im Lande gewesen ist, wies auf den Fortschritt hin, den alles im Lande in den letzten ‘jzwei Jahren gemacht hat, die sehr erhebliche Vergrößerung der. Orangenplantagen, die neuen Viertel und Straßen in "Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa, die rege Bautätigkeit. Als ^großes Erlebnis das Purimfest in Tel-Awiw, ein wahres Volksfest, ohne Alkohol, das künstlerischen Sinn und Witz und keine Roheit zeigte. Daran schloß sich die Makkabiah, zu der zweitausend Sportler ins Land kamen, und wiederum als größter Eindruck die Sportler des Landes selbst — tozereth haarez — Gestalten voll Kraft und Schönheit. Delegiertentag der rumänischen Wizo Am 24. Mai wurde in Bukarest der diesjährige Delegiertentag der Asociatia Culturala a Femeilor Evree din Romania (A. C. I*. E. — rumaniscner Zweig der Weltorganisation ziomstircher Frauen Wizo) in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen im'Festsaal der Bukarester Bnei Brith Loge «Nona i ratermtate > von der Präsidentin oer A. C. F. E., Frau Selma Marguerita M a r g u 1 i e s, eröffnet. Die Vorsitzende wies auf die Spitzenleistungen des Verbandes in der Berichstperiode, die Errichtung des Musterkindergartens in Dudesti, die Vollendung und Eröflnung der Mädchenfarm in der palästinensischen Kolonie Ness Ziona und die Reorganisierung der großen Bukarester jüdischen Handwerksschule «Ciocanub (Der Hammer) hin. Oberrabbiner Senator Dr. I. Niemirower begrüßte die Tagung namens des rabbinischen Rates sowie als Präsident des zionistischen Zentralrates Rumämens und als Großpräsident des rumänischen Bnei Brith Distriktes und zog eine Parallele zwischen der Tätigkeit der A. C. F. E. und der des Ordens Bnei Brith, wobei er auf sein Einrteten zugunsten der Errichtung von Schwesternschaften innerhalb des Ordens hinwies. Nach einem Referat von Frau Fanny Calmanovici über die Organisierung der hebräischen Kindergärten durch die A. C. F. E. hielten Begrüßungsansprachen der Präsident der Exekutive der zionistischen Organisation Rumäniens Adv. Misu W e i ß m a n n, der Präsident der Kultursektion der Jüdischen Gemeinde Bukarest Apotheker Salomon, der Vizepräsident der sepliardischen Gemeinde Napoleon Ari6, Dr. S. B a r u c h namens der zionistischen Organisation von Bukarest, Nuel Bring namens der Loge Naua Fraternitate, Dr. A. M i b a s h a n namens des Keren Kajemeth, Keren Hajessod und Tarbuth, Dr. Al perin namens des Lehrkörpers der jüdischen Schulen und Adv. Josef Lern er namens der zionistischen Arbeiterpartei Zeire Zion. Abends fand im H:ui-e ('es Mitgliedes der Lehmig der A. C. F. E. Frau Rachel Schönberg ein Empfang für die auswärtigen Delegierten statt. Kein Coty-Parfiim in Palästina Die jüdischen Apotheker und Drogeriebesitztr Tel- Awiw s Italien beschlossen, die von dem französischen Antisemiten Coty erzcugicn Parfüms nicht zu vertreiben, da Coty neuerdings in Frankreich eine scharfe antisemitische Kampagne eingeleitet hat und die ehemaligen jüdischen Frontsoldaten des «kommunistischen Verrats» bezichtigt. Junge, verläßliche KindernSrliMriii zu 21/'jälirigem Buben nach Salzburg per 1. Juli gesucht. Zuschriften mit Lichtbild, Lebenslauf, Referenzen an Paula Schwarz, derzeit Hotel Bemmelmanns a. Ritten bei Bozen. Der Fall Bad Gastein Was die KufkOftimtallofl Mft. Die KurkommislIOn Bad Gastein hat in Beantwortung der In unserem Blatte erschienenen Autoätie «Sollen Juden nach Bad Gastein gehen?» uns eine vom Bürgermeister und vom Kurdirektor Unterzeichnete Zuschrift zukommen lassen, in der sie die Richtigkeit der Mitteilungen über die Nichtaufnahme dreier jüdischer Musiker in das Kurorchester bestreitet. Die Kurkommission habe die drei Musiker nicht abgelehnt, da ihr das Verzeichnis der Orchestermitglieder für 1932 vom Leiter der Kurkapetle erst nach dem Erscheinen der Zeitungsmitteilungen über die Entlassung dieser Musiker vorgelegt wurde. Die Kurkommission habe auch gar keinen Einfluß auf die Auswahl der Musiker geübt, die dem Leiter der Kurkapetle seit Jahren überlassen sei. Die Kurkapetle sei aus Sparsamkeitsgründen von 33 auf 24 Mann herabgesetzt worden und Ihr gehörten noch mindestens zwei Musiker jüdischer Konfession an. Von den drei nicht wieder aufgenommenen jüdischen Musikern sollen zwei während des Sommers 1932 vollauf beschäftigt sein. Auch der Meldung von einem Beschluß der Hotel- und Kurhausbesitzer, bei jüdischen Firmen keine Einkäufe mehr zu machen» wird wiedersprochen. Eine Umfrage bei den in Betracht kommenden Kreisen habe ergeben, daß von einem solchen Beschluß niemandem etwas bekannt sei. Soweit die Erklärungen der Kurkommission Bad Gastein. Es muß nun an den Leiter der Kurkapelle, den Dirigenten R e k t e n w a 1 d, die Frage gerichteit werden, aus welchen Gründen er die drei jüdischen Musiker abgelehnt hat. Die Mitteilungen Uber die Vorgänge in Bad Gastein haben, wie wir bereits berichteten, ein lebhaftes Echo In den Kreisen jüdischer Kurgäste hervorgerufen. Auf Anfragen, die aus diesen Reihen an Hotels in Bad Gastein, die sie aufzusuchen pflegten, gerichtet wurden, kamen beschwörende Antworten, sich von dem Besuch des Heilbades nicht abhalten zu lassen, da von einer antisemitischen Strömung keine Rede sei. So hieß es in einem dieser Schreiben, das von einem bekannten Kurhaus stammt: «In Wirklichkeit werden doch die jüdischen Gäste hier mehr geschätzt als die anderen. ... Sie haben bestimmt bei einem Kuraufenthalt hier nicht die geringste Aufregung zu befürchten, im Gegenteil, sind doch die jüdischen Herrschaften bei uns immer sehr willkommen.» ln einem andern Schreiben, das von einem erstrangigen Fremdenheim herrührt, wird gesagt: «Ihren Aerger kann ich verstehen . . . Mir ist von einem Beschluß, nicht mehr bei jüdischen Kaufleuten zu kaufen, nichts bekannt Ich kaufe nach wie vor bei: (folgen die Namen jüdischer Firmen in Wien), was Sie leicht durch Nachfrage bestätigt erhalten können. Ich halte es für das Beste, wenn alle besonnenen Menschen in beiden Lagern ihr Möglichstes tun, um die vorhandenen Gegensätze auszugleichen, und bitte Sie, in diesem Sinne ln Ihren Kreisen zu wirken, wie ich es hier tun werde. Die Gasteiner Quellen 9ind zum Heil aller Menschen geschaffen.» Die Bedeutung der Sulzerschen Synagogengesange Von Oberkantor Gerson Herz Margolles Am Tag nach dem «Großen liturgischen Konzert» im Großen Konzerthaussaal (23. März), bei dem auch ich mitzuwirken die Ehre hatte, fragte mich ein Herr: «Wie kommt es nun, daß Sie unserem Suizer, dem Reformator und Begründer des modernen Synagogengesanges, auch nicht eine einzige Programmnummer offen hielten. Haben die Veranstalter denn an Suizer vergessen oder lag etwa gar Absicht in dieser auffälligen Unterlassung?» Es vermag sicherlich kein Gesellschaftskreis die Bedeutung Sulzers für die Schaffung eines den modernen Anforderungen entsprechenden ästhetischen Gottesdienstes höher zu werten und richtiger einzuschätzen als die Kantoren. Sie sind ja die Nachfolger in seinem Amt und halten es für ihre Pflicht, das von ihm übernommene heilige Erbe ungeschmälert zu erhalten und zu bewahren. Suizer ist für den Synagogengottesdienst heute unentbehrlich und der von ihm geschaffene Stil wird für alle Zeiten die Basis bleiben für die Aesthetik der kantoralen Tempelvorträge. Ueber die Art jedoch, wie das Andenken an ihn und seine Meisterwerke zu wahren ist, herrscht eine tiefgehende Diskrepanz zwischen unseren und den Anschauungen der meisten Wiener Tempelvorstehungen. Diese verlangen in der Regel, es müsse der Gotesdienst ausschließlich mit Sulzerschen Kompositionen durchgeführt werden und sie perhorreszieren kategorisch den Vortrag jeder, und sei es auch der besten Tondichtung eines anderen Meisters. So kommt es, daß in den großen Wiener Tempeln seit vielen Jahrzehnten immer nur Suizer gesungen wird. Wie gerne würden wir etwas Neues bringen! Da uns Kantoren aber die Tempel für das Neue verschlossen sind, haben die Veranstalter des «Großen liturgischen Konzertes» bei Feststellung des Programmes beschlossen, diesen Abend weniger oft gehörten, aber anerkannt guten und, was ihnen die Hauptsache schien, gut jüdischen Kompositionen zu widmen, aber diesmal von Suizer abzusehen, da dieser das ganze Jahr hindurch in den Wiener Gotteshäusern ohne jede Abwechslung gesungen wird. Wir Kantoren glauben, das Andenken Sulzers Ein Erez-Israel-Kantor in Wien Og, David Retrilk, der Oberkantor ln der Kotome Rechowoth lat, weüt aek einiger Zelt in Wien, fcr folgte der Einladung der Zionistischen Bezirkssektion XX., im Lokal dweer Sektion an einem Abend vorm beten sowie auch sonst synagogale Lieder VOrzutfagen. Etwa vierhundert Menschen waren zu diesem Abend erschienen und folgten mit außerordentlich großem Interesse den Darbietungen Rezniks. Es aeigte sich, daß er nicht bloß die tmditloueHen Melodien wunderbar beherrscht und Über ein ausgezeichnetes Organ verfügt, sondern es gelang ihm auch, seine Zuhörer uurch eigen« Kompositionen hinsureißen. Wunderbar wirkte ein Vortrag aramäischer Oebete, in die er beinahe mystische Glut hineinzutragen verstand. Dr. G r ii n b a u m sprach vor den Versammelten Über die Ziele der zionistischen Bewegung und forderte die Versammelten auf, sich der Bewegung und der Organisation anzuschließan. Hervorragender hebräischer Lehrer aus Palästina. Gegenwärtig weilt in Wien ein Gesinnungsgenosse, der seit dem Jahre 1922 als Chalu* und Lehrer in Palästina tätig war. Zuletzt wirkte er als Lehrer Im «Kfar Hanoar» in Ben Schemen. Er ist einer der besten Lehrer des Landes sowie auch einer der ergehendsten Chaluzim. Er ist bereit, in Kursen, in Schulen sowie bei Privaten hebräischen Unterricht zu erteilen. Die Adresse Ist im Keren-Kajemeth-Bureau zu erfahren. Mumowististhe leite Heraus — herein In der Schule sitzt Jankel, während die anderen sich hin und her neigend beten, ruhig auf seinem Platz und starrt zur Decke hinauf. Sein Nebenmann, dem dieses Benehmen auffällt, stößt Ihn mit dem Ellbogen und flüstert Ihm zu: «Jankel, was sitzt du da und schaust da hinauf?» — «Laß mich, ich klär.» — «Was klärst du?» — «Ich klär, wie das ist: Wenn ein Topf ein Loch hat. rinnt das Wasßer heraus. Aber wenn mein Schuh dn Loch hat, rinnt das Wasser herein.» Er kennt Tante Lea «Du, der Suppenschöpfer, den Tante Lea uns zur Hochzeit geschenkt timt, ist nicht von Silber, sondern von Alpakka.» — «Kennst du denn den Unterschied so genau?» — «Das nicht, aber ich kenne Tante Lea sehr gut.» Friedmann aus der Negerlegasse Prledmann sitzt im Kaffeehaus. Plötzlich wendet er sich an einen vorbeigehenden Herrn, welcher der Ausgangstür zustrebt: — «Entschuldigen Sie, mein Herr, sind Sie Herr Friedmann aus der Negerlegasse?» — «Nein. Wie kommen Sie zu dieser Frage?» — «Weil ich selber der Friedmann aus der Negerlegassc bin und Sie mit meinem Regenschirm Weggehen.» Kramp'acUrn, Ihre unangenehmen Begleiterscheinungen und Behandlung nach Information des Instituts Bständtg. Krampfadern sind krankhafte Erweiterung der Venenwände als Folgeerscheinungen von viel Stehen, Blutzirkulationsstörungen, Schwangerschaft und auch eventuell nach Operationen. Steht man von Operation oder Injektionen ab, so ist der einzig richtige Hellbehelf ein gut pulsender Krampfaderstrumpf. besser zu ehren und zu wahren, wenn wir seine Meisterwerke seltener und in Abwechslung mit Kompositionen anderer Meister im Tempel zu Gehör bringen. Erfült von ehrfürchtiger Bewunderung für Suizer und seine Werke, wird man es mir gewiß nicht als vermessene Kritik auslegen, wenn ich in diesem Zusammenhänge auf eine oft übersehene Tatsache hinweise. Das starre Festhalten an dem Axiom der Ausschließlichkeit wird von den Anhängern Sulzers auch damit zu begründen versucht, daß das Traditionell-jüdische ln seinen Arbeiten immer ästhetisch verschönert wiedergegeben sei. Diese Behauptung ist nicht ganz richtig. Suizer, dessen Haupttätigkeit in die Zeit der stärksten Assimilationsbestrebungen fiel, hat in seinen großen Kompositionen ergreifende, erhabene und melodienreiche Tonstücke geschaffen, das spezifisch jüdische Element aber darin fast gänzlich vernachlässigt und, wie auch seine gelegentlichen, nichtjüdischen Mitarbeiter, vor allem das deutsche Element bevorzugt, nur in den Rezitativen hat Suizer das Traditionelljüdische, den Nussach, festgehalten. Das soll, wie nochmals gesagt sei, nicht etwa ein Vorwurf oder eine Kritik seiner Werke, sondern nur zur Aufklärung konstatiert sein. Wie hat die Kirche zu allen Zelten es verstanden, die Künste in ihren Dienst zu stellenI Maler, Bildhauer, Dichter, Musiker und Sänger wurden herangezogen, wurden materiell sorgenlos gestellt und mit Ehren überhäuft — all das mit dem Ziele, den Gottesdienst in den Kirchen so feierlich als möglich zu gestalten. Niemals aber hat sie dem einen zuliebe die anderen ausgeschlossen. Neben J. S. Bach hört man in den Kirchen Mozart, Haydn, Schubert, Beethoven und ungezählte andere Meister. Wie fördert sie auch heute noch junge Künstler durch Aufführung ihrer kirchlicnen Kompositionen! Wie mächtig ergreifen die Töne de* herrlichen Orgei und wie rührt der Gesang des wohlgeschulten wunderbaren Chorsl Das alles hebt die Andacht und ruft die Leute wie mit Zaubermacht in die Kirchen. — Wie ganz anders ergeht es den jüdischen Künstlern! Ein bekannter jüdischer Klaviervirtuose zum Beispiel, der eine Komposition für die Kirche geschrieben hatte, wurde seinerzeit vom Oberkantor Don Fuchs gefragt, warum er, Sohn eines jüdischen Gelehrten, nicht auch etwas für den Tempel komponiere, Da% Literatur/Kunst / Theater