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Die Stimme · 1932-06-02 · Heft 230 (2.6.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 230 (2.6.1932)
Date
1932-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 230 2. Juni 1932 DIE STIMME Seite 5 Grauenhafte Folterung Die Unieveuchungsmeihoden rumänischer Mordbesiien Die Nachricht, daß in Jedinetz bei Chotin in Bessarabien der Führer der Poale Zion, Samson (Simon) Braunstein, von Gendarmen unter der Beschuldigung, daß er Kommunist sei, fürchterlich gemartert wurde, hat in der Judenheit Rumäniens tiefste Empörung hervorgerufen. Die Marterung hat sich, wie aus einem dem jüdischen Deputierten Dr. Manfred Reifer aus Jedinetz zugegangenen authentischen Bericht hervorgeht, wie folgt abgespielt: Braunstein wurde verhaftet und vom Gendarmeriehauptmann einem Verhör unterzogen. Da er nichts zu sagen und nichts mit der kommunistischen Bewegung zu tun hatte, war das Verhör ergebnislos. Um aber doch ein Geständnis herauszubekommen, übergab der Hauptmann Braunstein dem Postenkommandanten von Gordinesti, ferner dem Sergeanten Baba vom Postenkommando Jedinetz und noch zwei anderen Gendarmen, bekannt als Torturmeister im ganzen Judetz, welche unter der persönlichen Anleitung dieses Kapitäns die Torturarbeit in Angriff nahmen. Simon Braunstein wurde am Sonnabend, den 14. Mai, von 1 Uhr mittags bis 8 Uhr abends ununterbrochen «bearbeitet». Drei Gendarmen stellten sich auf die Brust des Unglücklichen und bearbeiteten ihn ununterbrochen, der vierte Gendarm schlug mit einem Stock auf die nackten Fußsohlen solange, bis sich die Haut von den Muskeln löste und Blut von den Füßen des unglücklichen Braunstein floß. Dann wurde ein Gemisch von Lehm und Salz hergestellt und auf die zerfleischten Fußsohlen gelegt und zuletzt die Füße in einen Kübel gesteckt, der mit Essig gefüllt war, damit er sich die Füße abwaschen kann. Damit Braunstein nicht schreien soll, wurde Ihm ein Knebel in den Mund gesteckt und jedesmal ihm über die Finger geklopft, sobald er diesen Knebel herausziehen wollte. In derselben Nacht wurde der Zustand Braunsteins fast hoffnungslos, so daß der Hauptmann einen Arzt holen ließ, der von 12 Uhr mitternachts bis 4 Uhr morgens beim Patienten verblieb, ihm Bandagen anlegte und sich dann entfernte. Inzwischen verbreitete sich in der Stadt Jedinetz die Nachricht, daß die Juden eine Delegation zum Generalprokuror entsenden, was den Kapitän veranlaßte, noch in derselben Nacht mittels Auto Braunstein in das Spital nach Trinca zu überführen. Als der Spitalarzt das unglückliche Opfer erblickte, bekreuzigte er sich und war einem Ohnimachtsanfall nahe. Beim Aufnahmeprotokoll verlangte ider Kapitän vom Arzt, daß der Kranke die Diagnose einer ansteckenden Krankheit erhalte, wogegen sich Die letzte Nummer des «Apikores», der kommunistischen Kampfzeitschrift gegen den jüdischen Gott, beklagt sich über ein tragisches, wirklich tragisches Vorkommnis über das Auftauchen von Christen, die Tfillin legen und Talmud lernen. Wißt ihr, wo man sie findet? In der jüdischen Republik Biro-Bidschan. Dort gibt es keinen Juden mehr, der noch Feste feiert und Tfillin legt und Talmud lernt, dafür aber russische Bauern, die schon seit langem nicht etwa "nur, wie die Subotniki, den jüdischen Sabbat, sondern das gesamte jüdische Gesetz auf sich genommen haben, und die sich schon seit Jahren darum bemühen, in ihnen adäquater jüdischer Umgebung zu leben. Als sie davon hörten, daß in Biro-Bidschan sich [Juden ansiedeln, hat sich ihnen ein alter Wunschtraum verwirklicht, sie sind aufgebrochen, um nun endlich einen richtigen Schochet und eine richtige Synagoge zu haben. Und sie sind gekommen und haben gesehen, daß Juden am Jom-Kippur wie an jedem anderen Tag aufs Feld gehen und pflügen, daß niemand an eine Synagoge und an einen Schochet denkt. Es hat ihnen furchtbar weh getan. Es war die größte Enttäuschung ihres Lebens. Und während draußen am Sabbat Motoren rattern und Wagen übers Pflaster holpern, stehen drin rotbäckige Muschiks, hüllen sich in den Gebetmantel und weinen über Israel, das seinen Gott verlassen hat. Ein Gegenstück dazu ist das tägliche Kaddlsch auf einem New-Yorker Postamt. Wißt Ihr, worauf diese eigenartige Einrichtung zurückzuführen ist? Nun sind gerade die amerikanischen Postbeamten im allgemeinen recht fromme Leute, mögen sie einem Glauben angehören, welchem sie wollen, und sind meist in religiösen Vereinigungen organisiert. So wurde denn auch bald eine «Jewish postal workers welfare league» gegründet, ein Verein, dessen Hauptsitz in New York liegt, der aber große Zweigvereine in Brooklyn und New Yersey besitzt. Da die religiösen Vereinigungen der christlichen Postbeamten bei der Arzt wehrte. Schließlich mußte er dem Drängen des Kapitäns nachgeben. Heute befindet sich Braunstein im Spital Von Trinca mit einem abgerissenen rechten Ohr, ein Werk des Gendarmeriehauptmanns. Ueberdies sind die Arme schwer verletzt, gerade an den Stellen, wo die Ketten angebracht waren. Die Nägel von beiden Händen sind blutunterlaufen und fallen von den Fingern ab. Beide Füße von der Ferse bis zu den Nägeln sind ganz deformiert und sehen wie Klötzer aus. Die Nägel an den Zehen sind nicht mehr sichtbar. Die ganze Fläche von der Ferse bis zu den Nägeln bildet eine Blut- und Fleischkruste. Hier versuchte man noch ein Geständnis zu erpressen, aber alles war vergeblich. Die Kischinewer jiddische Tageszeitung «Unser Zeit» schreibt in einem Leitartikel: Der Fall Braunstein ist nicht ein Einzelfall. Viele Juden wurden in den letzten Wochen in einer Weise gemartert, daß sie bereits den Todeskeim im Leibe tragen. Wie die Regnrraag wollen auch wir, daß in Bessarabien Friede und Ordnung herrsche. Aber wenn die Behörden selbst anarchische Methoden üben, wird die Seele der Jugend vergiftet. Ueberfall deutscher Antisemiten auf den Czemowitzer Makkabi Nach dem Endspiel um die Bukowinaer Fußballmeisterschaft, das in Czernowitz zwischen dem jüdischen Sportklub Makkabi und dem deutschen Sportverein «Jahn» ausgetragen und von Makkabi mit 2:1 gewonnen wurde, kam es zu einem Ueberfall der Anhänger des deutschen Vereins «Jahn» gegen die Spieler des Makkabi, von denen mehrere erheblich verletzt wurden. Besonders ernste Verletzungen erhielt das Mitglied der Makkabi-Jungmannschaft Schwarz, der in dem Augenblicke, als er das Auto der Makkabisten bestieg, um in die Stadt zurückzukehren, von einem Mitglied des Vereines «Jahn» mit einer Holzlatte zu Boden geschlagen wurde. Der Präsident des Makkabi, Ing. Schindler, wurde schwer insultiert. Die Mitglieder der siegreichen jüdischen Mannschaft setzten sich tapfer zur Wehr, bis ein größeres Polizeiaufgebot auf dem Platze erschien. Ein Spieler vom Makkabi wurde im fahrenden Auto von einem Stein getroffen, den ein Mitglied des Klubs «Jahn» gegen ihn geschleudert hatte. Der Makkabi-Mann sprang ab, faßte den Täter und übergab ihn einem Schutzmann. Mit seinem siegreichen Spiel gegen «Jahn» wurde Makkabi Bukowinaer Fußballmeister für das Jahr 1932. der Postdirektion durchgesetzt hatten, daß sie möglichst täglich ihre Mitglieder zu einer Andacht vereinen dürften, forderte die jüdische Postbeamtenvereinigung das gleiche Recht, zumal es unter den vielen hundert Mitgliedern es fast jeden Tag einen gab, der Jahrzeit hatte. Dem Ansuchen wurde stattgegeben und so versammelte sich jeden Nachmittag zur Minchazeit die Liga der jüdischen Postbeamten in New York in einem eigens zur Verfügung gestellten Saal der Post, und wer eben Kaddisch sagen muß, hat die beste Gelegenheit, mit Minjan dieser Pietätspflicht zu genügen. Man hat dann selbstverständlich auch durchgesetzt, daß die jüdischen Postbeamten möglichst an den Feiertagen vom Dienst befreit werden oder daß sie wenigstens den Gottesdienst besuchen können. Es gibt aber auch wirkliche Synagogen, die nur wenigen bekannt sind. Oder wißt Ihr schon von der tausendjährigen Synagoge in Wronke an der Warthe, Bezirk Posen? Nach der Ueberlieferung wurde die Synagoge durch portugiesische Juden im jüdischen Jahr 4693 (933 nach christlicher Zeitrechnung) erbaut. Dieses Datum ist in einen Pfeiler eingraviert. Im Vorraum des Betsaales befindet sich eine in die Wand eingemauerte, schwarze Steintafel, in der mit goldenen Buchstaben in hebräischer und deutscher Sprache ein Spruch eingraviert ist, in dem das Jahr 4693 als das Erbauungsjahr der Synagoge bezeichnet wird. Ein uralter Friedhof bei der Synagoge fiel erst vor fünf Jahren einer Straßenregulierung zum Opfer. Kurz vor der ersten Teilung Polens zählte die Gemeinde 483 jüdische Kopfsteuerzahler, 1921 187 Juden; heute leben in Wronke nur noch 15 jüdische Familien, von denen bloß 6 Familien Gemeinsteuern entrichten. Dieser kleinen Gemeinde fehlen die Mittel zur würdigen Begehung des 1000jährigen Jubiläums ihrer Synagoge. Ein anderer Tempel dagegen, der aus alter Zeit datiert, wurde soeben wieder entdeckt. Es handelt sich um BADGASTEIN Hotel EüsabeUihof Zeitgem. Preise. Kein Mahlzeitenzwangl die Freilegung der mittelalterlichen Hauptsynagoge in Ofen. In dem am Ofner Festungsberg gelegenen Stadtbezirke «Festung», in der sich seit dem 13. Jahrhundert nacheinander zwei bedeutende Judenniederlassungen befunden haben, wurden bei Adaptierungsarbeiten an dem neuerworbenen Palais des Baron Ludwig Hatvany, des bekannten Schriftstellers, die Reste eines gewölbten, großen unterirdischen Raumes dieses Tempels ausgegraben. An dem genannten Gebäude befindet sich eine Gedenktafel der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, mit der Inschrift: «Die benachbarte Gasse, die während der Türkenzeit Judengasse hieß, deren Synagoge in der nächsten Nachbarschaft des Wiener Tores gestanden.» Ueber dieses Gotteshaus der Gemeinde Buda (gleich Ofen), das in verschiedenen Werken erwähnt und auf vielen Stichen mit einem hochragenden Turm verewigt ist, wissen wir, daß es wahrscheinlich im 15. Jahrhundert unter dem Korviner Matthias errichtet und während der Einnahme der Stadt durch die Kaiserlichen am 2. September 1686 zerstört wurde. Die bisher freigelegte mächtig« Steiasäule mit achteckig romanischem Kapitel samt den anschließenden Bögen und Gewölben, lassen Größe und Schönheit der Synagoge in beträchtlichem Maße erscheinen. 8n die jüdischen Kriegsteilnehmer Aus den Tageszeitungen ist bekannt, daß die Bundesvereinigung der Tapferkeitsmedaillenbesitzer der Regierung den Vorschlag gemacht hat, aus den bisher nicht ausgezahlten und nicht aufgewerteten Medaillenzulagen einen Fonds für I n n e n k o 1 o n i s a t i o n zu bilden, um auch auf diese Weise zur Verringerung der Arbeitslosigkeit beizutragen. Es ist notwendig, daß sich auch die vielen jüdischen Medaillenbesitzer organisieren, damit sie ihre Ansprüche geltend machen und nicht wie schon so oft übergangen werden. Aus diesem Grund werden alle jüdischen Einwohner Wiens, die sich im Krieg vor dem Feind Auszeichnungen geholt haben, aufgefordert, sich schriftlich bei der Redaktion dieses Blattes zu melden. In dem Schreiben soll angegeben werden: Name und Adresse, ledig oder verheiratet, Staatsbürgerschaft, Charge, Auszeichnung und Kampfhandlung, bei der sie verliehen worden ist. Auf Grund dieser Angaben wird dann eine Vereinigung geschaffen und1 das Einvernehmen mit den bezüglichen behördlichen Stellen* versucht werden. Der vorbereitende Ausschuß. '' Achtzehn jüdische Deputierte im französischen Parlament Der französischen Kammer gehören folgende achtzehn Juden als Deputierte verschiedener französischer Parteien an: Leon Blum, Louis Dreyfuß, Louis Gros, Levy Alphandery, Georges Mantel, Leon Meyer, Moch, Sclaffer, Jacques Stern, Henri Torres, Joseph Vidal, Georges Weill, Fribourg, Andr6 Hesse, Max Hymans, Mendös-France, Theodore Valensi, Wallach. Zehn Fragen 1. Welche Rolle spielten Amilaios und Asinaiu.- 2. Was war das Judenrad? 3. Wer prägte den Ausdruck Antisemitismus? 4. Wer war Levi Saul Fränkel? 5. Welche Rolle spielte Zimberldn von Andlau in der jüdischen Geschichte? 6. Wer war Asasel? 7. Was ist ein Belfer? 8. Wie heißen die eingeborenen Juden in Indien? 9. Was waren «Pardon» und «Erech»? 10. Wer war der Gründer des ersten zionistischen Studentenvereines in Petersburg? Antworten. 1. Anilaios und Asinaios waren zwei Brüder aus der jüdischen Gemeinde von Nehardea in Babylonien. Zur Zeit des Partherkönigs Artabanos 111. (ca. 10—40 n. Chr.) eroberten sie an der Spitze eines Trupps die Macht in ihrer Satrapie und regierten 15 Jahre. 2. Das Judenrad war ein kreisförmiger Fleck, der auf dem Obergewand getragen werden mußte, um den Träger als Juden zu kennzeichnen (Gelber Fleck). 3. Den Ausdruck «Antisemitismus» prägte Wilhelm Marr in seiner Schrift: «Der Sieg des Judentums über das Germanentum» (1873). Später wandte sich Marr vom Antisemitismus ab. 4. Levi Saul Fränkel, Oberlandesrabbiner von Schlesien, trat 1809 zum Christentum über. Er kehrte später reuig zum Judentum zurück und starb 1815 im jüdischen Krankenhaus in Frankfurt. 5. Zimberlin von Andlau war der Führer einer antijüdischen Organisation, die den Namen «Armleder» führte und in den Jahren 1338—1339 im Elsaß Metzeleien unter der jüdischen Bevölkerung veranstaltete. 6. Asasel war nach der Vorstellung der alten IsraeHetn ein Wüstengeist. 7. Belfer (Behelfer) ist die Bezeichnung für den Gehilfen eines Lehrers, talmudisah «Rosc-h-Duchana» (Haupt des «Duchana» genannten Katheders). 8. Die eingeborenen Juden in Indien heißen Beni Israel. Sie sind ca 15.000 Seelen stark, sind mit Hindublut stark durchsetzt und wohnen hauptsächlich in Bombay. Auch in Aden gibt es eine Kolonie der Beni Israel. 9. «Pardon» war eine Konsumabgabe, «Erech» war eine Einkommensteuer der Berliner jüdisohen Gemeinde im 18. Jahrhundert. 10. Gründer des ersten zionistischen Studentenvereines «Achwath Zion» war der jüdische Student Wassili Bermann (1862—1896). WifW Ihr schon?

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