Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 229 (26.5.1932)
- Date
- 1932-05-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Seite 7 JNf. 229 — 26. Mal 1932L Vogel? Mathematik 1, Vogel: Mechanik II; Geilnckt Maschinenkunde f. Chemiker. Wir ersuchen die KoHegen, dk mit ihrem Mitglledsbeitrag rückständig sind, diesen noch vor Schluß des Semesters zu entrichten. — Vogelkursc. Wir machen die Kollegen wieder auf die « Vogelkunde» aufmerksam. Von dem «ungezählten Betrag erstatten wir unseren Kollegen ein Viertel zurück. Auskünfte im Verband. — Statistik an der Wiener Technik. Wintersemester 1931/32. Gesamtzahl der Hörer 3412, davon Juden 408. Die Zahl der Ausländer betrug 496. Davon Deutschland: 76, C. S. R. 92, Polen 57, Ungarn 67. Unter den 408 Juden sind 118 Auslände* die größtenteils aus Polen, Rumänien und Ungarn stammen. — Wir verweisen auf die von uns angeregten Ferienlager an der Adria und am Presseggersee In Kärnten. Jüdisch-akademischer Verein Theologia Wien, Il„ Tempclgasse 3 Amtsstunden täglich von 9 bis 10 Uhr vormittags mit Ausnahme von Samstag. Am 23. Mai fand unse*e ordent- Wozu? Hane Ambor: «Lieder aus Erez Israel», Carmel-Verlag, Haifa Ein kleines, schönes Büchlein. Gutes Papier, guter Druck. Wo erschienen? Im Carmel-Verlag, Haifa. Deutsche Bücher erscheinen also In Palästina. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber in diesem Falle müß gefragt werden: war es wirklich nötig, daß dieses Buch gedruckt werde? Konnte Herr Hans Ambor seinen dichterischen Drang nicht anders abreagieren? Kein Wort gegen die Gesinnung, gegen den Inhalt. Man kann ja gegen belanglose Nettigkeiten nichts haben. Es sind Gedichtchen, die sich für einen Chanukkahabervd, abgehalten irgendwo in Europa im Jahre 1910, ganz gut geeignet hätten. Alte Phrasen, abgedroschene Sentimentalität, überschwängliche und daher: künstlerisch verdächtige Heimatliebe, Bewunderung der Meeresbläue man kennt zur Genüge diese vertrauten Klänge. Aber geigen die Form muß protestiert werden. Im Jahre 3932 brauchen wir keine Vorkriegslyrik, die nach hergebrachten Mustern fabriziert ist. Und dazu noch deutsch geschrieben ist, in einem Lande, wo ein Grünberg, ein Hameirl, ein Schlonski lyrische Kunstwerke in hebräischer Sprache schafft! Es geht ja auch deutsch. Aber die Anerkennung, die der wahrhaft dichterischen Seele einer Irma Singer gezollt wird, muß in diesem Falle versagt werden. Oder glaubt der Autor, daß es genügt» schlecht und recht reimen zu 'das Land ' zu «besingen»? ‘Nein," «Lieder aus Erez Israel» des Herrn Hans Ambor sind kein Singen. Deutsche zweitklassige Vorkniegslyrik ist 1m heutigen Palästina ein Anachronismus Und zwar ein vielfacher. Also wozu? S. W. Für die jüdische Jugend Juliusz Wolfsohns Jüngste Komposition 1 Juliüsz Wolfsohn gab am 27. April im Saal der B’nai ß’rith einen internen Nachmittag für die jüdische Jugend. Zwei seiner Schülerinnen, die kleine achteinhalbjährige Evi Wächter und Sarah Stuckart spielten Stücke aus Wolfsohns jüngster Komposition, einem «Für die jüdische Jugend» betitelten Album kleiner Charakterstücke für Klavier zu zwei Händen. Den einleitenden Vortrag und die verbindenden Worte sprach der Komponist selbst. Mit seiner Komposition wollte er jene Lücke io der Literatur ausfüllen, die fühlbar wird, wenn man jüdische Kinder jüdische Kindermusik spielen lassen will. Die Musikllteratur anderer Völker weist genügend solcher Werke auf, allein den jüdischen Kindern blieb bis heute die Freude versagt, bei ihrem musikalischen Unterricht und Ihrer musikalischen Erholung aus dem reichen Born jüdischer Volksmusik zu schöpfen. Diesen Mangel-beseitigte nun Wolfsohn mit seinem letzten Kinderwerk. Es enthält zwanzig kleine Stücke, welche die Begebenheiten des täglichen Lebens eines jüdischen Kindes mit jüdischer Volksmusik begleiten. Durch die Formung des jüdischen Volksliedschatzes zu Klavierstücken und dazu passende Ueberschrlften wird die jugendliche Kinderphantasie zum Denken in nationaler Richtung angeregt. Ein «Morgengebet» (Nr. 1), in das auch die Melodie des betenden Vaters hineinfönt, bildet den Anfang, Stücke wie «Beim Turnen» (Nr 3), «Spaziergang» (Nr. 9), Ausflüge «ln der Eisenbahn» (Nr. 12), «Im Freien» (Nr. 13) und die dazu gelungenen «Palästinensischen Lieder» (Nr. 10 und 20) gelten der körperlichen Erziehung und Erholung. Ueber diie geistige Seite geben Stüke wie «In der Schule» (Nr. 2) Aufklärung. «Besuch des Rabbi» (Nr. 14), «Die Verlobung der Schwester» (Nr 19) geben Familienfeste wieder, die Stücke «Pessach» (Nr. 15), «Simchas Tora» (Nr.. 16), «Chanukah» (Nr. 17), «Purim» (Nr. 18) dagegen die fröhlichen Feiertage des gesamten jüdischen Volkes. Allen Stücken liegen entweder Originale oder von Wolfsohn mit treffsicherster Intuition erfundene jüdische Melodien zugrunde (Nr. 3, 4, 7, 9), Bei manchen erscheint. Sogar der originale Text unterlegt (Nr. 2, 5, 11, 14). Sie alle ahnen vollste Schönheit des auch in seiner Fröhlichkeit schwermütigen HK!Hohen Melos. Leicht eplelhat, dankhar Im Klavierlieh« Oetieratversammlung statt, über die wir demnächst berichten werden. Studentenkorps Haganah IX., Nußdorferstraße 16 Auskünfte und Anmeldungen Montag und Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Kommt zunr Gartenfest der Haganah, da« Donnerstag, den 2. Juni, 8 Uhr abends, im Kasino Zögernitz, XIX., Döblinger Hauptstraße 76. stattfindet. Akademie, Tan«. Eintrittspreis S 2.50, Vorverkauf bei den Leitungsmitgliedern. * Anfragen, die «Stimme des Studenten» betreffend, sind an den Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Zimmermannplatz 8, zu richten, In dessen Händen die redaktionelle Leitung dieser Beilage Hegt, Wir fordern die Kollegen auf, für die in zwei bis drei Wochen erscheinende zweite Nummer Beiträge zu senden. satz, einfach und doch charakteristisch harmonisiert, bedeuten sie eine wichtige Neuerscheinung, der ebenso vom national-pädagogischen wie auch vom rein musikalischen Standpunkte die rascheste Drucklegung zu wünschen wäre. Dr. J. Torbe. Konzert Dauber Die bekannte Konzertsängerin Nora D a u b e r gab am 18. d. im Ratiborpalals einen eigenen Arien- und Liederabend, der besonderen Kunstgenuß bot. Das Konzert war trotz dem herrlichen Wetter glänzend besucht. Hohes Können und beseelten Ausdruck zeigte die Künstlerin in Liedern von Brahms, Hugo Wolf und Richard Strauß. Mit schöner, inniger Stimme sang Nora Dauber Arien von Verdi und Bizet. Am Flügel begleitete feinsinnig Prof. Julius Katay. Eine mitwirkende Violinvirtuosin von Format war Magda Ha ja. Sie spielte mit vollendeter Technik und künstlerischer Auffassung die Romanze Andaluza von Sarasate und die Faust-Phantasie von Wieniawsky, kunstverständig begleitet von Kapellmeister Paul Ul anowsky. Beide Damen wurden bejubelt und vom dankbaren Publikum mit Blumen bedacht. N. B. «Zigeunerbaron» hebfälsch Anläßlich der Touristensaison fanden in der Oper in Tel-Awlw mehrere Aufführungen des «Zigeunerbaron» in hebräischer Sprache statt. Guido Treves gestorben. Im Alter von 50 Jahren starb in Mailand der bekannte italienisch-jüdische Schriftsteller Guido Treves, Inhaber des Verlagahauses Treves und Chefredakteur der großen italienischen Zeitschrift «Hlustrazione Italidna». Das von seinem Vater Emilio Treves gegründete Verlagshaus hat vielen jetzt bekannten italienischen Schriftstellern den Weg zu der Leserwelt gebahnt. Mussolini und Gabriele d’Annunzio, die enge Freunde des Verstorbenen waren, haben der Familie Treves Kondolenztelegramme gesandt. Ehrenabend des Komikers Max Zelnlker. Montag, den 30. d.. 8 Uhr, findet im Theater Reklame, 11., Praterstraße 34, ein Abend zu Ehren des beliebten Komikers Max Z e 1 n i k e r statt. Zur Aufführung gelangt die Komödie «Schwer zu sein a Kapzen» mit Zelmker in der Hauptrolle. Zelnlker verabschiedet sich an diesem Abend und tritt eine Tournee durch Nordamerika an. Restliche Karten sind an der Abendkasse zü höben. Jüdischer Student! Jüdische Studentin! Im Gegensatz zu den zionistischen Jugendbünden und Chaluzorganisatlonen, die die wachsende Not des jüdischen Volkes im Galuth mit erhöhter Aktivität beantworten, herrscht in den Kreisen der jüdischen Studentenschaft vielfach Uneinigkeit und Untätigkeit. Es gibt bisher keine zionistische Studentenorganisation, die imstande wäre, die zionistische Idee in weite Kreise der jüdischen Studenten zu tragen. Die «Judäa» kann infolge ihres unpolitischen Charakters diese Aufgabe nicht übernehmen. Die bisher bestehenden zionistischen Studentenverbindungen und Vereine sind Uber eine verhältnismäßig kleine Mitgliederzahl nicht hinaus« gekommen. Diesem Mangel soll abgeholfen werden. Ein großer «Verband zionistischer HochschUler» soll entstehen, der imstande ist, den Zionismus auf den Hochschulen wirksam zu propagieren. Dieser Verband soIT auch durch seine streng überparteiische Einstellung in seinem Rahmen den inneren Feindseligkeiten ein Ende bereiten, die unsere Kräfte verbrauchen und uns nach außen hin schwächen. Für die Einheit der zionistischen Organisation und den Primat der nationalen Interessen im Galuth, für den Palästina-Aufbau und die Pflege der hebräischen Sprache, für die Verbreitung jüdischer Kultur und Förderung jüdischer Erziehung wollen wir tatkräftig eintreten und kämpfen. Jüdische Kollegen und Kolleginnen 1?ilm Peter Voss, der Millionendieb Willy Forst, von zahlreichem Schlagerfilmen bekannt und boitobt, hat in dem neuesten Dupont-Fllm reichlich Gelegenheit, sich in verschiedenen heiklen Situationen und in allerlei Verkleidungen zu zeigen. Man hat schon besser« Leistungen von ihm gesehen, aber auch diesmal erspielt, er sich die Gunst des Publikums. Von der Handlung Ist nicht viel Gutes au sagen; einem Regisseur wie Dupont hätt© man mehr Geschick und weniger Wiederholungen sogenannter komischer Szenen zugemutet. Doch da der Film in fremde Gegenden führt, und landschaftlich reizende Bilder irnd bewegte Episoden im exotischen Milieu bringt, unterhält man sich rocht gut und wird stellenweise sogar gefesselt. Da der Film Kürzungen vertragen würde, könnt© die witzig sein sollende Szene, in der ein als Marokkaner verkleideter Europäer arabische Sprache Vortäuschen will, indem er zu mauscheln beginnt, wcggelassen werden. Der Film würde dadurch keine Einbuße erleiden, sondern nur gewinnen. <*. r. Reise um die Erde ln 80 Minuten O seliger Phileaß Fogg! Du hast achtzig Tage gebraucht, um die Reise um die Erde zu vollenden und jetzt erlebt man sie ln achtzig Minuten — in einem Chauincl- Film (Gaumont), der in der Wiener Urania vorgeführt wird. Wie Foggs Schnellreise, vermag diese Blitzreis© natürlich nur Fragmente aneinander zu reihen, aber man bekommt Immerhin ethnologisch und auch landschaftlich prächtige Bilder zu sehen, wenn auch Chaumel soine Expedition, die in Marseille beginnt und endet, fast nur durch franeösisoho Gebiete geführt hat. Die die Szenorio begleitende Musik, welche zum Teil auf originalen Melodien und Themen beruht, untermalt die Vorgänge in diskret-sympathischer All. Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel Fritz Grünbaum leitete als Conferencier mit viel Humor die Komödie bei der Premiere ein. Das Stück schildert im Rahmen eines Konkurrenzkampfes zweier Schall* plattonfabrikeh ein amüsantes Spiel von Liebe und geschäftlichem Eifer. Hervorragend als allzeit verliebter Prinzipal der „Supraphon" Gustav Fröhlich, ebenso dessen Gegenspielerin Martha Eggert h als Verkäuferin einer Fabriksfiliale; ganz ausgezeichnet Fritz Grünbaum, der seinen „Papa Münzer", den Direktor der „Supraphon", köstlich spielt. Sehr gut auch Halmay und Sima. Di© Musik paßt sich dem Inhalt des Stückes gut an. Beiprogramm, wie immer im Apollo, erstklassig. Lilian Harvey nach Amerika entführt! Die FoX Film- Corporation, New York, hat Lilian Harvey engagiert. Di# beliebte Künstlerin wird in allernächster Zeit Europa verlassen, um in Hollywood zu filmen. „Vampir“. In einigen Tagen erscheint im Gartenbau-, Ufa-Ton-, Stafa- und Kolosseumkino der eigenartige Tonfilm des bekannten Avantgardereglsseurs Ch. Th. Dreyer, der in seinem Film das gespenstische Walten blutsaugender Vampire, die im. Grabe keine Ruhe finden und sich auf der Erde immer neue Opfer finden, in einer Bildsymphonie des Grauens schildert. Ein Schritt vom Wege, ln diesem deutschsprachigen Tonfilm der Fox spielt Janet Gayhor die Rolle einer Kabärettsängerin, die durch ihre Liebe und Treue einen jungen Tunichtgut, der von Charles Farrell verkörpert wird, vor dem Untergang rettet. Erschütternd sind die Szenen in den Opiumhöhlen von Schanghai. Fast scheint es, als soll dies das Ende, ihres Weges sein, doch Liebe ist mächtiger als Geld. Darsteller von Ruf wie Kenneth MacKenna, William Holden und Mary Forbes zeigen unter der Regie von Raoul Walsh ihr bestes Können. Der Film läuft ab Freitag ittt Rotentufm-Kino, Phönix VII., Handl-Kino und ln den Kammerlichtspielen am Schwarzenbergplatz. Erkennet die Notwendigkeit solcher Arbeit und erscheint alle bei der Gründüngsversammlung des «Verbandes zionistischer Hochschüler» am Dienstag, den 31. Mai, 8 Uhr, Im Saal der zionistischen Bezirkssektion II., Prater* straße 13. Es spricht: Prof. Dr. Wilhelm Stein Uber «Die Aufgaben des jüdischen Studenten» und ein Vertreter des Verbandes. Die Arbeit des Heren Hajemeth Ehrung des Gg. Adolf Böhm anläßlich des Doppel* Jubiläums unserer Bewegung Das Präsidium des Keren Kajemeth erhielt folgendes Telegramm: «Zionibüro Boehm Wien. Direktorium und ich gratulieren herzlich. Gesamte Bewegung kennt Ihre jahrzehntelange Ergebenheit unserem Fonds. Sei Ihnen vergönnt, unseren völligen Sieg erleben, allen Gegnern Feinden zum Trotz. Ussischkin.» Das Präsidium des Keren Kajemeth beglückwünscht seinen Präsidenten, Gg. Adolf Böhm anläßlich des Doppeljubiläums unserer Bewegung und dankt ihm für seine unermüdliche, der Sache voll und ganz ergebene, ungemein fruchtbare und erfolgreiche Arbeit für den Zionismus!m allgemeinen und für den Keren Kajemeth im besonderen. Es Ist stolz darauf, diesen als Menschen, Zionisten, Askan Leumi und zionistischen Schriftsteller gleich hervorragenden Mann seit vielen Jahren als Führer zu besitzen. Möge es ihm vergönnt sein, die Erfüllung seines teuersten Wunsches — die Verwirklichung uuseres nationalen Zieles — in voller geistiger Frische zu erleben. Liieraiur / Kunst /Theater Zionistisches Lehen in Wien