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Die Stimme · 1932-05-26 · Heft 229 (26.5.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 229 (26.5.1932)
Date
1932-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Dlt diiiVUMüt Nr. 229 — 26. Mal 1932 Uli 4 Dp. (soll Robinsotin Der verewigte Dr. Isak R obinsohn entstammte einer urwüchsigen jüdischen Familie. Seine Eltern wohnten auf dem Lande, sein Bruder war der plötzlich verschiedene Dr. Abraham Robinsohn, hebräischer Dichter und Mitarbeiter Brenners Im «Hameorer». Er war Sekretär Wolfsohns und dessen- Biograph. In seinen ersten Studentenjahren stand Doktor Isak Robinsohn dem jüdischen Volk und dem Zionismus indifferent gegenüber. Sein Interesse wuchs jedoch immer mehr, bis er schließlich einer der treuesten Zionisten wurde. Es war sein Prinzip, alle Kranken aus Palästina unentgeltlich zu behandeln. Seine Liebe zu Palästina wuchs immer mehr, bis sie seine ganze Seele ausfüllte und er fest entschlossen war, sein persönliches Schicksal mit Palästina zu verbinden. Den einzigen Urlaub vielleicht, den er sich in seiner jahrelangen unermüdlichen Berufsarbeit gegönnt hatte, verbrachte er in Palästina, wo er über Einladung der «Hadassa» die Röntgenologische Abteilung reorganisierte. Sein Plan, in Palästina zu arbeiten, scheiterte an der Unmöglichkeit, mit der «Haclassa» zu einer Einigung zu gelangen. Dafür aber hatte er das große Glück, seine Tochter, die unter Oberrabbiner Chajes eine tiefe jüdische Bildung im Chajes-Pädagogium sich angeeignet hatte, nach Palästina ziehen zu sehen, wo sie den Leiter der Röntgenabteilung der «Hadassa» heiratete. Der verewigte Oberrabbiner Chajes war ein Kollege und Schüler Dr. Robinsohns. Beide verband bis zum Tode des Oberrabbiners echte Freundschaft. Das Schicksal des jüdischen Volkes und Erez Israels beschäftigte Dr. Robinsohn unaufhörlich, ln einer Reihe von Vorträgen, die er bei den «Bnai Brith» hielt, nahm er zu den Ewigkeitsfragen unseres Volkes Stellung. Zuletzt erlebte er gelegentlich des Aufenthaltes von Bialik in Wien und dessen Empfanges bei den «Bnai Brith*- tiefste Eindrücke, denen er auch in einem Aufsatz in den Blättern der B. B. Ausdruck verlieh. Schreiber dieser Zeilen hatte einige Wochen vor dem Tode Dr. Robinsohns Gelegenheit, über die Zukunft unseres Volkes mit ihm zu sprechen. Die traurigen Ereignisse im Leben unseres Volkes in der letzten Zeit vermochten seinen Glauben an die Ewigkeit des Volkes und die Realisierung des Zionismus in gar keiner Weise zu erschüttern. Er glaubte auch an die Renaissance des von vielen als verloren angesehenen russischen Judentums. Er meinte, der Kampf gegen das Judentum in Rußland werde ebensowenig ausrichten wde seinerzeit die Verbrennung von Talmudexemplaren. Jn den letzten Wochen verfaßte er einen Vortrag «Göhls und Diaspora», den er letzten Dienstag bei den B. B. halten sollte. Dies war ihm jedoch nicht mehr vergönnt. Eine seiner letzten jüdischen Taten war, daß er sich der «Histadruth Ivrith» als aktives Mitglied anschloß und glücklich darüber war, daß er als solches die Verpflichtung hatte, täglich hebräisch zu lesen. Er nahm die Lektüre der Bibel auf und wollte sich an die Lektüre Achad Haams machen, als ihn der Tod ereilte. In diesem Blatt veröffentlichte Dr. Robinsohn einen Nekrolog auf seinen Lehrer Holzknecht, der für beide höchst charakteristisch war. Der Verewigte war wieder ein Beweis dafür, daß alle wahrhaft Großen und Charaktervollen in unserem Volke zum Zionismus kommen müssen. Dr. Chaim Tartakower. Prof. Bela Diamant Worte des Gedenkens Als Präsident der «Theologia» in Wien und als mährischer Rabbiner errang Prof. Beia Diamant sich noch vor Jahren den Ruf eines aufrechten, sozial denkenden Juden. Ein eigenartiges Kapitel seines Lebens bildete der Krieg. Er zog als Seelsorger in den Krieg und erfüllte als Feldrabbiner durch seine bis ans Wunderbare grenzende Tätigkeit, seine jüdische Pflicht des Trösters, Helfers und des mitfühlenden Menschen. Was er dort geleistet hat, könnte einen Roman ausfüllen mit Gleichnissen für seelische Tatsachen, mit Bildern eines Seeienschwunges, der heute unbekannt ist. Dort holte er sich sein Leid, seine Krankheit und »eine Müdigkeit. Vor seinen Augen endete gräßlich im Kriege sein von ihm geliebter Bruder. Diesen Tod hat Diamant nie vergessen, da er bei aller Erdhaftigkeit sein ganzes Leben eine Träumerseele geblieben ist. Die Berufung zum Professor am Akademischen Gymnasium brachte ihn nach Wien, wo er unsere heutige jüdische Jugend mit vollem Verständnis der Zeichen unserer Tage lehrte und im Judentume unterwies. Der Einladung zum Aüslluo nach Perchioidsdori zum „Lag B’Omer“ - Gartenfest (SchQlerfest), welches mit Reichhaltigem Programm Im „Oaft Greif“, WlenerstraOe 23, um 3 Uhr nachmittag etattflndet Ztonlstlsoh* Sektion und Frauengrupps VI/VII Beruf eines ernsten, jüdisch-bewußten Religionslehrers an den Mittelschulen ist sehr schwer, besonders da Diamant ein aufrechter, unentwegter Zionist geblieben ist. Seine Liebe zum Hebräischen, zur Sprache eines lebenden Volkes war echt und erhaben wie eine jüdische Heilsbotschaft. In den Schulen, unbekümmert um alle Lehrpläne, führte er hebräische Lehrbücher ein und litt unsäglich darunter, daß die geringe Anzahl der Unterrichtsstunden jede Arbeit lähmte und daß das jüdische Heim teilnahmslos dieser Aufbauarbeit gegenüberstand. Er unterrichtete viel, und sein zermürbter seelischer Organismus war der Arbeit nicht Immer gewachsen. In seinem Streben, Grübeln und Schwärmen sah er eine Oestalt vor sich, der er, der führersuchende, müde Jude, treueste Gefolgschaft leistete — unseren unvergeßlichen Oberrabbiner Chajes — dessen Tod den armen, guten Diamant bis zur Trostlosigkeit gequält hat. Beinahe mit dem Tode ringend — die Schüler nannten ihn heuer den «lebenden Leichnam» — verstand er sie bis zuletzt durch sein Lehren des Judentums zu fesein und zu begeistern. Seine letzten Reden über Theodor Herzl waren klassisch, hinreißend, begeisternd. Damit schloß er sein Leben ab. Am Freitag mußten wir ihn zu Grabe tragen. Die Schüler, die kleinsten und die größten, erschienen in großer Anzahl. Am Grab sprachen Rabbiner Dr. Weiner, Prof. Dr. Pick, Präsident der Kultusgemeinde. Prof. Dr. Papo und Direktor Dr. Markus. Prof. Dr. K. Kupier. Sollen Juden nach Bad Gastein gehen? Unsere Notiz unter dieser UeberschrJft hat in den Kreisen unserer Leser nachhaltigen Eindruck hervorgerufen, wie sich aus zahlreichen Zuschriften und telephonischen Anfragen ergibt. Insbesonders wünschen unsere Leser zu wissen, ob die Kurkommission in Bad Gastein auf unsere Nachricht, die ihr eingesendet wurde, reagiert hat. Wir teilen unseren Lesern mit, daß die Kurkommission Bad Gastein auch nicht einmal den Versuch gemacht hat, auf die von uns gebrachte Nachricht über die skandalösen Vorfälle beim Engagement der Kurkapelle und den Boykottbeschluß der Bad Gasteiner Hoteliers auch nurmit einem Wort zu antworten. Solange diese Antwort nicht vorliegt, müssen wir annehmen, daß die vom «Morgen» und von uns gebrachte Nachricht auf Richtigkeit beruht. Dr. ‘ ' ' Hintop Einer der hervorragendsten Juristen und ein Mann von unverdrossener, rastloser Tatkraft tritt mit Doktor Siegfried Kantor an die Spitze der n.-ö. Anwaltskammer. Wer die Bemühungen Dr. Kantors um die Schaffung der Altersversorgung für Rechtsanwälte vor gar nicht langer Zeit verfolgt hat, der erkannte erst recht die hervorragenden Qualitäten eines geborenen Führers, der sich mit unbeugsamer Energie durch nichts vom vorschwebenden Ziel abbringen läßt. Trotz allen Anfeindungen und Gehässigkeiten, die nicht zuletzt dem Juden galten, führte er sein Werk bis zu Ende durch. Weit jedoch über den Kreis des Berufes als glänzender Anwalt ragt die Persönlichkeit Dr. Kantors als aufrechter und unentwegter Jude hervor. In Zeiten des Krieges und insbesondere des Umsturzes, die das österreichische Judentum auf tiefste bedrohten, war Dr. Kantor einer der wenigen, der für die Hilfe der Bedrückten und dann für die Schaffung des jüdischen Selbstschutzes Unvergängliches leistete. Wir sind überzeugt, daß der neue Präsident der n.-ö. Anwältskammer durch seine angeborene absolute Integrität, seine unbeugsame Energie, sein wahrhaft jüdisches Reohtsgefühl auch jene kleinen Oelster für sich gewinnen wird, die gegen ihn gewählt haben. Man kann ein stolzer Jude und doch ein Europäer Im vollen Sinne des Wortes sein. Dies zeigte stets Dr. Kantor. Samuel Samuely achtzig Jahre Weiteren Kreisen ist Samuel Samuely als der hebräische Sekretär Herzls bekannt. Die wenigsten wissen jedoch, daß Samuely den seiten gewordenen Typus eines Maskil darstellt, der es in meisterhafter Weise verstand, Werte fremder Kulturen in den Dienst eines fundamentalen jüdischen Wissens zu stellen. Von Natur aus ein Schöngeist, gab er sich zeitlebens auch gründlichen talmudischen Studien hin und insbesondere war es die Agadah, die er auf Orund der europäischen Bildungserrungenschaften zu erforschen versuchte. Diesbezüglich erinnert er an seinen Bruder Nathan Samuely, der ebenfalls Autodidakt war und erst in späteren Jahren in deutscher Sprache eine Reihe prachtvoller Schilderungen des jüdischen Ghettolebens schrieb. Sogar da« sarkastische, echt Heinesche Lächeln in seinem Antlitz erinnert an den vor Jahren verstorbenen Bruder. Die Dienste die Samuel Samuely unserem verewigten Führer als hebräischer Sekretär leistete, gehören wohl der Geschichte an. Herzl hatte einen angeborenen Respekt für das Hebräische und so ist es nicht verwunderlich, daß er dem Träger dieses Hebräischen, mit dem er jahrelang zusammenarbeitete, besondere Achtung entgegenbrachte. Er zog Ihn auch oft ln zionistischen Angelegenheiten zu Rate und bezeichnend ist wohl der Ausspruch Herzls bei einer solchen Gelegenheit: «Sie haben doch einen talmudischen Kopf und werden schon das richtige herausfinden». Damit überließ Herzl die Entscheidung seinem Sekretär. Samuely ist eine Art europäischer Talmudchuchom und so wünschen wir ihm zu seinem achtzigsten Geburtstage, daß er mit seinem talmudischen Kopf noch viele Jahre tätig sein möge. S. D. BeglückwQnschunQ des Heren Kojemefti durch die Riener Kultusgemeinde Das Präsidium des Keren Kajemeth erhielt folgendes Schreiben vom Vorstände der Israelitischen Kultusgemeinde Wien: «Wien, den 16. Mai 1932. An das geehrte Präsidium des Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds), Zentralbüro für Oesterreich, Wien, L Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien erlaubt sich, Ihnen zu Ihrem Jubiläum anläßlich des dreißigjährigen Bestandes des Keren Kajemeth sein« herzlichen Glückwünsche zu übermitteln und Ihren Bestrebungen zur Erwerbung weiteren Bodens Im Heiligen Lande besten Erfolg zu wünschen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Amtsdirektor und erste Sekretär: Der Präsident: Reg .-Rat Fuc hsgel-b m. p. Prof. Dr. Alois Pick m. p.» Antijüdische Boykottpropaganda in Damaskus Aus Damaskus hier einiaufende Berichte erzählen wiederum von einer starken anti jüdischen Strömung in Damaskus. Flugblätter mit der Aufforderung, die Juden zu boykottieren, werden verbreitet, wodurch eine erregte Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung geschaffen wird. Drei Juden würden auf der Straße schwer mißhandelt. Nach dem jüdischen Viertel wurden Polizeiverstärkungen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung entsandt. 0i» Zionistische Össirkssektlon Leopoldstadt gratuliert heraiiehst ihrem Vorstandsmitglied, Herrn Ferdinand Kornmehl, anläßlich der Promotion seines Sohne* Viktor zum Doktor der gesamten Heilkunde. Chajesreälgymuasium, II., Castellezgasse 35 Anmeldungen bis Ende Mai täglich zwischen 12 und I Uhr in der Direktionskanzlei. Jüdische Chronik der Woche 27. Mai 1096: Kreuzfahrer massakrieren in Mainz über 500 Juden. — 1790: Komponist lakob FrommertthaJ Haievi in Paris geboren, — 28. Mal 1349: Niedermetzelung von 60 Juden in Breslau. — 1845t Der Klaviervirtuose Professor Leopold Auer in Veszprim geboren. - 1901: Gründung des Hilfsverelnes der deutschen luden. — 1904: Der bekannte hebräische Oelehrte (Jhnim Selig Slonimski, Begründer der Hazefirah, gestorben. — 29, Mal 1795: Gefährlicher Brand im Ghetto von Padua. Die jährliche Wiederkehr dieses Tages (11. Siwan) wurde lange als Purim del Füoco gefeiert. 1830: Komportist und Musiktheoretiker Breslauer geboren. — 30« Mal 1090: Rettung der Juden in Köln vor den Kreuzfahrern durch die Bürgerschaft. — 1096: Martyrium der Prager Juden durch die Kreuzfahrer. — 1754: Komponist Ignaz Mosdieles in Prag geboren. — 31. Möl 1770: Im Ghetto von Mantua stürzt ein Haus während einer Hochzeit ein, wobei 65 Personen den Tod finden. Dieser Tag (13. Siwan) Surde lange in Mantua als Fasttag begangen. — 1. Juni 1790: er bekannte Gelehrte und Prager Oberrabbiher Salorhon Leib Kappaport (Schir) in Lemberg geboren. — 1244: Friedrich der Streitbare erläßt zur Regelung der Verhältnisse der Juden das «Privilegium Fridericianum». — 2. Juni 1453: ln Breslau werden unter Leitung des Hetzpredigers Capistranus die Juden gefoltert, 41 Juden verbrannt, der Rest vertrieben, alle Kinder unter sieben Jahren den Eltern geraubt und zwangsweise getauft. — 1907: Prof. Jakob Freudenthal, bekannter Historiker der Philosophie, in Breslau gestorben. Austria-Hotslbuoh 1932. Die siebente Anflago des Vom Oeaterreichischen Verkehrsbureau herausgegebenen Austria- Hotelbuches, eines Führers durch österreichische Hotels, Gasthöfc, Pensionen, Sanatorien, Kuranstalten üsw., bietet eine gründliche Ueberslcht Uber die Unterkunftsgelegenheiten in österreichischen Sommerfrischen und Kurorten mit genauer Angabe des Fassimgaraumes der Hoteis, ihrer Preise und ihrer Lage sowie der Indikationen der einzelnen Kurorte. Außdem findet man in dem mit Karten und Bildern gut ausgestatteten umfangreichen Buch viele andere Mitteilungen und Angaben, die für Urlaubs- und Vergnügungsreisen von Wichtigkeit sind. Auch die Nachbarländer Italien, Jugoslawien, die Tschechoslowakei und Ungarn sind kurz behandelt. Bin Buch also, das Jedem, der eine Reise machen oder auf der Suche nach einem Sommer- oder Winteraufonthalt ist, bestens empfohlen werden kann. Die größte jiddische Tageszeitung Europas »Der Moment" (Warschau, Nalewkl 38) ist bei allen Zeitungsständen zu haben. Besonders reichhaltiger Inhalt in den Freltagriummern. Ebenso die interessante illustrierte Wochenschrift »Der Hausfreund« «asm 1717

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