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Die Stimme · 1932-05-19 · Heft 228 (19.5.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 228 (19.5.1932)
Date
1932-05-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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228 — 19. Mal 1932 OIE STIMME Seifte 7 Sotten Juden nach Bad Gasiein gehen? Die geehrten Abonnenten, die mit den Beiugsgebttltren im Rackstande sifid, bitten wir, dieselben mittels der zugesandten Posterlagscheine gfl. ehestens zu überweisen. Die Stimme Der Sabbath in Erez Israel Im Rahmen einer Veranstaltung des Weltverbandes Schomre Schabbos sprach am 11. Mai in Berlin Dozent Dr. S. Grünberg über den Sabbath im aufblühenden Erez Israel. Es war ein Rechenschaftsbericht über die Palästinareise, die Herr Dr. Grünberg vor kurzem im Aufträge des Weltverbandes Schomre Schabbos unternommen hat. Doktor Orlinberg glaubt konstatieren zu können, daß auch jene Menschen, die aus relegiös indifferenten Kreisen stammen, je länger sie im Lande weilen, desto mehr Verständnis für religiöse Fragen gewinnen. Das möchte der Referent ganz besonders auf den Sabbath bezogen wissen, der den jüdischen Zentren des Landes seinen Siegel aufdrücke, so daß auch die Freireligiösen sich seinem Eindruck nicht entziehen könnten. In ganz Erez Irael gäbe es kein jüdisches Geschäft, das am Sonnabend geöffnet sei, obwohl ein staatliches Wochentagsruhegesetz nicht existiere. In Tel-Awiw vollends sei der Sabbath durch eine Fülle von Verordnungen, die sich bis zur Regelung der Restauirationsbetriebe erstrecken, gegen öffentliche Entweihung geschützt. Bedauerlich sei nur, daß eine Autogesellschaft, an der einflußreiche Juden beteiligt sind, ihre Wagen zwischen Tel-Awiw und Jerusalem am Sabbath fahren lassen. Die viel besprochenen Schwierigkeiten mit den sportlichen Veranstaltungen fänden darin ihre Wurzel, daß die jüdische Jugend ihr Bedürfnis nach sportlicher Betätigung, das man ihr prinzipiell nicht abstreiten könne, an einem anderen Tage der Woche zu befriedigen nicht in der Lage sei, da ja der Sonntag als ein normaler Arbeitstag gelte. Es gäbe daher keinen anderen Weg als daß die Arbeitgeber und"Schulen des Landes an einem wochentägigen Nachmittag die erforderliche Freizeit gewährten. Jüdische Gefangene auf dem Sträflingsschiff «Chaco» Das berühmte argentinische Sträflingsschiff «Chaco», dessen Schicksal die Spalten der Weltpresse wochenlang füllte, hat im polnischen Hafen Gdynja zehn pojnische Bürger abgesetzt, unter ihnen sechs Juden. Die jüdischen Gefangenen erklärten, daß sie ehrliche Arbeiter wairen und sich nur gewerkschaftlich betätigten. Nur auf Grund von Denunziaiionen kamen sie auf die schwarze Liste der politischen Verbrecher. üoszf Schmidt Caruso redivivus Seit einem Jahre setzt ein junger Tenor die ganze Musikwelt Deutschlands und Oesterreichs in grenzenlose Begeisterung. Es ist zum ersten Mal in der Geschichte der reproduktiven Kunst — und es könnte nur ln der Zeit des Radios und Grammophons Vorkommen — daß ein nachschaffender Künstler berühmt wird, ohne daß das Publikum ihn je zu Gesicht bekommen hat. In der knappen Reihe großer jüdischer Sänger (Demuth, Josef Schwarz, Hermann Jadlowker, Schorr u. a.) steht Josef Schmidt zweifellos an erster Stelle. Er besitzt eine jener ganz seltenen Stimmen, die von Natur aus sozusagen «sitzen»; damit ist es zu erklären, daß sie italienisch geschult klingt, obwohl Schmidt bei Prof. Weissenborn an der Berliner Hochschule studierte, also nach der deutschen Gesangsart ausgebildet wurde. Solche Naturtalente, wo der Lehrer nicht viel zu schaffen hatte, waren: Masini, Tamagno, Caruso und Jeritza. Josef Schmidt verbindet in sich die Vorzüge der größten italienischen und russischen Sänger in vokaler Hinsicht mit den Eigenschaften unserer großen jüdischen Künstler wie z. B. dem Hauch der Poesie, die Tiefe des Empfindens, das Sensible, Zartfühlende, Wannpulsierende, die ganze Glut des feurigen Temperaments und echt jüdisches tragisches Pathos. Manchmal klingen die Töne wie aus einem Traum und nehmen die Sinne des Zuhörers gefangen; es liegt ein romantischer Zauber in seinem Gesang. Ob er Mozart oder Puccini, ob er Tschaikowsky oder seinen geliebten Verdi singt — alles mutet an, als ob es in leuchtenden Farben hingehaucht wäre. Mitunter wieder strotzt alles ha berückender Kraft und Pracht. Josef Schmidt ist jetzt trotz seiner sehsundzwanzig Jahre die größte Sensation und Zugkraft. Aus dem engen Rahmen eines Rundfunk- oder Schallplattensängers heraus, trat er vor einigen Monaten in einem grandiosen Wohltätigkeitskonzert in Berlin vor ein Auditorium von zwölftausend Menschen und wurde enthusiastisch empfangen. In Wien sang er in der Ravag in der zum ersten Male aufgeführten Oper «Die Räuber» von Verdi und zwei Tage darauf im Arien- und Duettenabend mit unserer berühmten Glaubensgenossin Vera Schwarz. Er kam, sang und siegte. Ganz Wien war im Taumel und ist begreiflicherweise auf sein Konzert, das er am 15. November absolvieren wird, sehr gespannt. Josef Schmidt erzählte mir über seinen Werdegang, der so einfach und doch so interessant Ist wie er selbst. Sohn eines jüdischen Wirtshausbesitzers in der Bukowina, füngierte er schon im zartesten Alter als Chorknabe im Tempel; seiner grundtiefen Musikalität verdankt er außer dem prächtigen Gesang auch die Be- Die «Stimme» veröffentlichte am 27. August des vorigen Jahres folgende Zuschrift, auf welche die Kurkommission von Bad Oasteln bezeichnenderweise mit keinem Wort reagierte: «Trotz der angeblich schlechten Saison gab es in Bad Gastein heuer schon zirka 13.000 Kurgäste. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß mindestens die Hälfte davon Juden waren, von denen wieder ein sehr erheblicher Teil aus dem Auslande kommt. Die Gasteiner Hoteliers verdanken also einen großen Teil ihres Wohlstandes dem Zufluß von jüdischem Geld. Ich erfahre nun soeben aus durchaus verläßlicher Quelle folgendes: Im September 1930 fand im Hotel Bellevue in Bad Gastein eine Versammlung der Hotel- und Kaffeehäuserbesitzer von Bad Gastein statt. Bei dieser Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, bei jüdischen Firmen keine Einkäufe zu besorgen. Ich für meinen Teil werde daraus die Konsequenz ziehen, in ein anderes Bad zü gehen, den Bad Gasteinern überlasse ich es, ihren versteckten Antisemitismus offen zu dokumentieren. Es würde mich aber interessieren, wie sich die Gemeindevertretung und die Kurkommission von Bad Gastein zu dieser Angelegenheit stellt.» Und nun veröffentlicht der Wiener «Morgen» die nachstehende Mitteilung: «Das Orchester der Kurmusik von Bad Gastein besteht seit vielen Jahren aus Mitgliedern des Tonkünstler-Orchesters. Im heurigen Jahre erhielten nun die Mitglieder plötzlich die Verständigung, daß sich die Kurkommission ein Ablehnungsrecht vorbehält. Tatsächlich hat sie in diesem Jahre von den seit vielen Jahren der Kurmusik angehörenden Mitgliedern drei abgelehnt, und zwar bezeichnenderweise die drei jüdischen Musiker der Kapelle; das Ablehnungsrecht hinsichtlich der nichtjüdischen Orchestermitglieder wurde von der Kurkommission nicht ausgeübt. herschung verschiedener Instrumente. Er lernte nur ein Jahr Gesang und seine Militärzeit füllte er als Geiger in einer Militärkapelle aus. Dann kam er nach Berlin und sang einigen Agenten vor. Diese wiesen ihn mit der Begründung ab, er wäre für die Bühne viel zu klein. Die rasch aufeinander folgenden sensationellen Erfolge ersetzten ihm den ersehnten Theaterruhm. In der Zeit der epidemischen Theaterkrisen und Opernkrachs und andererseits des Radio-Aufschwungs dürft es für diesen gottbegnadeten Sänger kein großes Opfer sein, auf die fragwürdigen Bühnenerfolge vorläufig verzichten zu müssen, vorläufig, bis sich Komponisten finden werden, die für ihn Partien schreiben, bei denen die Körperlänge auch um einige Zentimeter geringer sein können wird als üblich. Es dürfte für jeden Tondichter verlockend sein, eine Rolle von einem so eminenten Gesangskünstler kreiert zu hören wie von Josef Schmidt. Der grenzenlos bescheidene, überaus sympathische Mensch Josef Schmidt gehört zu den seltenen Erscheinungen unter den «Stars»: kein Atom der bis zum Ueberdruß bekannten Tenor-Allüren der «Prominenten». Die berückende Natürlichkeit seines Wesens nimmt einen sofort für sich ein. Die bekannten antisemitischen Bezeichnungen angeblich jüdischer Eigenschaften wie Frechheit, Vorlaufes Benehmen, Vordrängen, Selbst* Überschätzung, Reklamhascherei etc., werden durch Josef Sohmidt (wie übrigens durch alle wahren großen jüdischen Künstler) vollkommen widerlegt. Jul. W o 1 f s o h n Jerusalemer Kunstausstellung Jerusalem, im Mai. Zum ersten Male ist hier der Versuch gemacht worden, eine Kunstausstellung zu veranstalten, die alle namhaften Künstler Jerusalems ohne Unterschied der Nationalität vereinigen sollte. Man kann im allgemeinen sagen, daß der Versuch gelungen ist, obwohl, wie immer in solchen Fällen, es kaum möglich war, ein einheitliches Niveau herzustellen und sehr bedeutende Bilder neben dilettantischen, schülerhaften Arbeiten zu sehen waren. Die Ausstellung war in zwei Räumen des sogenannten Davidsturmes untergebracht. Sie wurde vom Distriktsgouverneur eröffnet. Am stärksten waren Landschaften vertreten. Da sind zunächst drei wunderbare Zeichnungen von Frau Anna T i c h o zu erwähnen, i Kein Künstler in Palästina hat den Geist der Jerusalemer Altstadt so fein wiederzugeben vermocht. Der Stil Frau Tichos zeichnet sich durch sachliche, unsentimentale Präzision aus, die aber Hand in Hand mit einer gewissen herben Lyrik geht. Auch der bekannte Graphiker Leopold Krakauer stellt eine Skizze der Jerusalemer Altstadt aus, in der er mit wenigen Strichen die charakteristischen Linien des Stadtgebildes wieder- Die Bemühungen, diese tüchtigen und bewährte# Mitglieder bei der Kurkommission durchzusetzen, blieben vergeblich. Diese drei Musiker sind also während des Sommers stellenlos, und zwar offenbar nur deswegen, weil der Kurkommission wohl die jüdischen Gäste, nicht aber jüdische Musiker passen. Selbstverständlich bestreitet die Kurkommission, daß die Konfession dieser Mitglieder für deren Ablehnung entscheidend war, doch kann es nach dem Vorgesagten keinem Zweifel unterliegen, daß der wahre Grund für die Ablehnung eben die Konfession der drei Herren ist, zumal sie nicht nur künstlerisch, sondern auch sonst voll entsprochen haben und während vieler Jahre ln Bad Gastein anstandslos tätig waren.» Wir richten die dezidierte Frage an die Kurkommission von Bad Gastein, ob die von uns veröffentlichte Einsendung auf Wahrheit beruht und was für eine Bewandtnis es mit der Meldung über das Kurorchester hat. Wir verlangen nicht eine Aufklärung darüber, ob die drei jüdischen Mitglieder des Tonkünsterorchesters abgelehnt wurden, weil wir nur zu gut wissen, daß die Herren Ausreden genug haben werden, um die Sache so darzustellen, als ob diese drei Künstler nicht gerade wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum ausgeschaltet worden wären. Wir fordern aber klare und eindeutige Antwort auf die Frage, ob nun das Kurorchester von Bad Gastein judenrein ist oder nicht. Eine ausweichende Antwort oder Stillschweigen wie im vorigen Jahr wird als Fingerzeig aufgefaßt werden können, daß Juden in Bad Gastein nicht erwünscht sind, soweit es sich um Geschäftsleute oder Künstler handelt, die dort ihr Stück Brot verdienen wollen. Unter solchen Umständen wird es aber auch nicht der jüdischen Würde entsprechen, als Kurgast nach Bad Gastein zu gehen. Diese Tatsache den Juden Oesterreichs und außerhalb Oesterreichs mitzuteilen, werden wir dann gewiß nicht ermangeln. gibt. M. Lender hat sich gleichfalls an der Altstadt versucht und eine stille Ecke zum Thema eines jugendlich farbenfrohen Bildes gewählt. Ausgezeichnet sind die kraftvollen und natürlich empfundenen Landschaften Arieh A11 w e i 1 s, die dicht neben die Bilder Blums zu hängen gekommen sind. Allweil, der auch als Porträtist Bedeutendes leistet, besitzt eine naive Empfänglichkeit für die Schönheit der palästinensischen Landschaft, zu deren Charakter seine lichtdurchtränkte, vielleicht ein wenig rücksichtslose (aber dennoch immer geschmackvolle) Art zu malen vorzüglich paßt. Ziemliches Aufsehen erregt das Bild Josef M a n ob 1 a s «Einsamkeit». Es ist sehr schade, daß er nur diese eine Landschaft ausstellt; denn dieser junge Maler besitzt in höchstem Grade das, was man auf dieser Ausstellung bei vielen routinierteren Malern zwecklos sucht: Originalität, und zwar nicht gewollte Originalität, nicht künstliche Abgrenzung anderen Stilarten gegenüber, sondern wahre Selbständigkeit, die keiner Mittel bedarf, um aufzufallen. Manobla besitzt ausgesprochenen Farbensinn. Diesen Farbensinn und dazu eine unerhörte Naturnähe besitzt auch ein arabischer Künstler aus Syrien, 0 m a r 0 n s i. Er ist ein wunderbarer Aquarellist. Seine Kunst ist primitiv, im besten Sinne dieses allzu oft gebrauchten und billig gewordenen Ausdrucks. Der in Jerusalem lebende polnische Maler Tadeusz Richter gehört der alten Schule an. Aber er ist ein wirklicher Künstler und seine Arbeiten sind lebensvoll und warm. Sehr schön ist das Bildnis eines jemenitischen Dienstmädchens der begabten jungen Künstlerin Schulamith Wittenberg. Solcher kleinen Jemeniterinnen gibt es in Jerusalem viele, sie arbeiten in jüdischen Häusern als Hausgehilfinnen und werden oft von der «Herrschaft» rücksichtslos ausgebeutet. Aus den Augen dieses dunkelhäutigen, schwarzhaarigen Mädchens spricht eine ganze freudlose und schwere Jugend. Stil und Schwung besitzt die amerikanisch-jüdische Malerin Ruth Light, ein bißchen zu viel Schwung vielleicht. Interessant sind auch die Federzeichnungen der Ani N e u m a n n, «Freundschaft» und «Ein Jude», feine, stilvolle, ein wenig zögernd ausgeführte Werke, vor denen man lange stehen bleibt. Erich Brill ist ein sehr guter Porträtist, was um so erstaunlicher ist, als seine Land- Werbet Abonnenten! Wir senden jedem Interessenten gratis und ohne jede Verpflichtung „Die Stimme“ durch 3 Wochen zu. IHeraiur/Kansi/Theaier

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