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Die Stimme · 1932-05-19 · Heft 228 (19.5.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 228 (19.5.1932)
Date
1932-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 üit SUMME Nr. 228 — 19. Mai 1932 öffnen sich neue industrielle Möglichkeiten im Land. Der Gesamteindruck der Reise, schloß Pruchnik, bietet einen gewaltigen Ansporn für jede praftische und energieheischende Aufbauarbeit. Man scheidet vom Lande mit einem Gefühl unendlicher Dankbarkeit und Sehn? sucht. Gewaltiger Applaus durchbrauste den Riesensaal, als Minister Pruchnik mit den prophetischen Worten seine Ausführungen beendete: «Es verdorre meine Rechte, wenn ich Dein vergesse, o Jerusalem!» Dr. Arnold Fr 1 edmann. Das hebräische Schrifttum vor dem Krieg Jugendliteratur Vor dem Kriege bildete das Jugendbuch einen wichtigen Teil des neuen hebräischen Büchermarktes. Das Lehrbuch der hebräischen Sprache hatte an diesem den Löwenanteil. Nach dem Kriege stellten sich die größten Schöpfer der hebräischen Literatur in den Dienst der Jugendliteratur. Wir erwähnen: Bialik mit seinen berühmten Agaduth, Tschernichowski und Schneur mit ihren Kinderliedern. Der «Oitanuth»- Verlag hat 160 «Megiloth», das sind Bücher aus allen Gebieten des jüdischen und menschlichen Wissens, herausgebracht, und zwar althebräische Literatur, Mischnah, Mittelalter, neuhebräische Literatur, Geschichte und Naturgeschichte. Er hat im Verein mit dem Hauptbureau des Keren Kajemeth 37 Bändchen «Lanoar» veröffentlicht. Der «Omanuth»-Verlag hat ferner 56 Bände allerbester Uebersetzungsllteratur für die Jugend herausgegeben. Er erfüllte hiemdt ein wahres Lebensbedürfnis für die jüdische Jugend im Land. Dieser Verlag hat ferner ein Novum allererster Bedeutung eingeführt, indem er alle seine Bficher mit vollständig punktiertem Text druckte. Da diese Ausgabe ungemein sorgfältig durchgeführt und die hebräische Grammatik konsequent berücksichtigt wurde, bedeutet diese Methode eine Vereinheitlichung der Vokalisierung der hebräischen Worte und schafft so die Grundlage für die Beseitigung der Anarchie, welche im Lesen unpunktierter hebräischer Texte bisher herrschte. Schöne Literatur. Bialik erschien in einer Gesamtausgabe. Von Schimonowitsch, dem Dichter des neuen jüdischen Palästina (speziell in seinen Idyllen), erschienen vier Bände. Von Tschernichowski ist eine Gesamtausgabe in Vorbereitung. Von Jehuda Leb Gordon kamen sechs Bände in einer Neuauflage heraus. Perez, Schalom Alejchem und Asch erschienen in ausgezeichneten hebräischen Üebersetzungen und wurden so in die jüdische Ewigkeit hinübergerettet. Auch die Werke Moses Chaim Luzzatos wurden neu herausgegeben und schließlich erhielt man vier Bände des Buches «Sefer Hamaasijoth» von Mordechaj ben Jecheskel. Dieses Buch stellt den erstmaligen Versuch dar, die berühmten Volksgeschichten in einer Gesamtsammlung dem jüdischen Publikum vorzuführen. Hiebei stellte sich heraus, daß deren Original hebräisch war! Eine ganz besondere Bedeutung besitzen die Üebersetzungen aus dergroßen Weltliteratur. Auf diesem Gebiet leistete der Sztybel-Verlag Unvergängliches. Ganz besonders sich nach dessen gottgefälligen Werken. Da erfährt er eine Geschichte von edler Selbstaufopferung und Selbstüberwindung, welche in den wesentlichen Zügen mit dem übereinstimmt, was der Held des Gedichts von Rudolf von Ems vollbracht hat. An der Wende des Mittelalters zur Neuzeit behandelt der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs das talmudische Motiv von dem Mann mit den zwei Frauen, deren eine ihm die grauen Haare auszupft, während es die andere auf die noch schwarzen abgesehen hat, so daß er schließlich kahlköpfig ist. Am eindruckvollsten, nicht nur für die deutsche Literatur, sondern für das ganze deutsche Geistes- und Seelenleben des Mittelalters war die anhaltende Beschäftigung mit dem Hohen Lied*), das als Sehnsuchtsgesang der «minnenden Seele» nach der Vereinigung mit Gott aufgefaßt wurde und auf Grund dieser theo* logischen Auslegung im 14. Jahrhundert den Keim zur «Mystik» legte, in der christliche Religiosität des Mittel* alters auf dem deutschen Boden ihre tiefste Verinnerlichung und ihren vergeistigtesten Ausdruck fand. Vielleicht hat die Dankesschuld der deutschen Kultur an die jüdische ihren Anteil an der bemerkenswerten Tatsache, daß die besten Köpfe des deutschen Mittelalters Toleranz gegen die Juden predigten. Die Dichter Walter von der Vogelweide und Freidank, ja sogar der Geistliche Thomasin von Girklaria, der alle Ketzer und Ungläubigen auf dem Scheiterhaufen schmoren sehen möchte, finden beherzigenswerte Worte der Duldsamkeit für die Juden. «Es ist ein Zeichen des Verfalls im dreizehnten, wie im neunzehnten Jahrhundert», schreibt Wilhelm Scherer, «wenn die Hetzer auftreten, die die konfessionelle und nationale Unduldsamkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben.» *) Um 1065 übersetzte, paraphrasierte und kommervtierte e* Abt Williram, für das nächste, das 12. Jahrhundert ist das «Trubberter Hohe Lied», für das 13. Jahrhundert das «Hohe Lied» des Magdeburger Konstablers Bruno von Schönebeck charakteristisch. jedoch muß auf das große Ereignis der Homer- Uebersetzung von Tschernichowsky hingewiesen werden. Tschernichowsky hat auch in einer herrlichen Weise den Oedypus von Sophokles, den Anakreon und das Gilgamesch-Epos übertragen. Das jüdische Volk wird zu beglückwünschen sein, wenn Tschernichowsky Gelegenheit gegeben sein wird, seine grqße schöpferische Uebersetzungsarbeit fortzusetzen. Es soll ferner auf die Gesamtausgaben von Berditschewsky und Brenner des Sztybel-Verlages hingewiesen werden. Wissenschaftliche Literatur. Dr. Simon Bernfeld brachte sein großes Werk der Einleitung zur heiligen Schrift heraus — ein Versuch, die moderne Bibelkritik zusammenfassend dem jüdischen Publikum vorzuführen. Das wunderbare Werk von Bacher: «Die Agadoth der Tanaim und Amoräer» wurde durch Alexander Süßkind Rabinowitz in die naturgegebene Form — in die hebräische Sprache — gegossen. Der «Sefer-Agadah» von Bialik wurde — bisher zwei Bände — erweitert und punktiert herausgegeben. Dann ist das klassische Werk von Prof. Samuel Kraus: «Kadmonijoth Hatalmud», die Kulturgeschichte der Juden in der Zeit des Talmud, zu erwähnen. Golak gab ein vierbändiges Buch über die Grundlagen des hebräischen Rechtes heraus, eine klassische Zusammenfassung des altjüdischen Rechtes in moderner leichtfaßlicher Art. Auf dem Gebiet der Medizin erschien von Mosche Perlmann: «Midrasch Harefuah», von Assaf Quellen zur Geschichte des jüdischen Erziehungswesens, von Horodetzky ein vierbändiges Werk über Chassidismus. Der bekannte Kritiker Fischl Lachower schrieb eine Geschichte der neu-hebräischen Literatur. Dr. Josef Klausner hieß drei Bände seiner wunderbaren Essays über die bedeutenden Gestalten der Haskalah und nationalen Literatur erscheinen. Jecheskel Kaufmann verdanken wir drei Bände seines sehr bald berühmt gewordenen Buches «Golah w’Nechar», eines neuen Versuches der Erklärung der Erhaltung des jüdischen Volkes. 26 Bände «Hate- Bei Arterienverkalkung des Gehirns und des Herzens läßt sich durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwasfiers die Absetzung des Stuhles ohne starkes Pressen erreichen. In allen Apotheken und besseren Drogerien erhältlich. k u f a h» umfassen ein gewaltiges Material aus allen Gebieten der hebräischen Lateratur. Durch diese sowie überhaupt durch die großen Leistungen des Sztybel-Verlages hat sich sein Schöpfer Sztybel ein ewiges Denkmal in der Geistesgeschichte unseres Volkes gesetzt. Neue Kräfte. Jizchak Lamdan hat sich durch sein Epos «Massadah» einen Platz unter den Großen unserer Literatur erobert. Slonsky offenbart großes formales Können. Unter den neuen Erzählern ragt Hasass nicht nur durch den Inhalt seiner Werke, sondern durch einen außerordentlichen Reichtum der Sprache hervor. Das sephardische Judentum brachte in Burla einen Erzähler von großem Format hervor. Reuweni und Blank dringen immer weiter vor. Die Weiterentwicklung der «Alten». Bdalik widmete sich der jüdischen Sagenwelt, Jedoch hauptsächlich der Wiedereroberung der mittelalterlichen großen Meister Gabirol und Ibn Esra für unsere Zeit. In der allerletzten Zeit schenkte er uns seine MIschna-Ausgabe, die Einleitungen und Kommentar von ihm selbst aufweist. Vom großen Uebersetzer Tschernichowsky haben wir bereits gesprochen. Schimonowitsch, der nach Palästina — wie übrigens alle großen Dichter und Schriftsteller — übersiedelte, spiegelt den neuen Jischuw in seinen Idyllen wider. In der allerletzten Zeit schafft er herrliche Satiren. Agnon reifte zu einem unserer ersten Schriftsteller heran. Er fand einen Mäzen, der alle seine Werke in einer wunderschönen Ausgabe herausbrachte. Kabak versuchte erfolgreich im historischen Roman Perioden der alten jüdischen Geschichte wieder lebendig zu machen. Vom rasch klassisch gewordenen Schoffman liegt eine Gesamtausgabe vor. Achad Haam schenkte sich dem jüdischen Volk ein zweites Mal im neuen Gewände durch Herausgabe seiner sechs Bände «Briefe». Mordechaj ben Hlllel Hakohen bereichert uns durch Erinnerungen. Die Wiedereroberung der Bibel. Zwei Männer sind es, die sich sehr große Verdienste auf diesem Gebiet errungen haben: Samuel Leb Gordon und Abraham Kahane. Unsere Generation wird sich daran gewöhnen müssen, auf die Bibel zurückzugreifen; die beiden werden ihnen den Weg hiezu ebnen. Quantitativer Vergleich zwischen der Vor- und Nachkriegszeit. Tagespresse: Vor dem Krieg vier Tagesblätter, jedoch nicht immer zu gleicher Zeit erscheinend. Heute drei seit Jahren ständig erscheinende. Wochenschriften: Vor dem Krieg vier, heute zehn. Monatsschriften: Vor dem Krieg eine, heute sechs. Es gibt heute in Palästina 44 hebräische Zeit- Die größte jiddische Tageszeitung Europas »Der Moment« (Warschau) ist bei allen Zeitungsständen zu haben. Besonders reichhaltiger Inhalt in den Freitagnummern! Ebenso die interessante illustrierte Wochenschrift „Der Hausfreund“ schrifteil, darunter fünfzehn Fachzeitschriften. Vor dem Krieg gab es drei bedeutende hebräische Verlage, heute sind es fünf. Als die «Tuschiah» vor dem Krieg zweihundert Bücher ankündigte und herausbrachte, herrschte helle Freude im hebräischen Lager. Diese Bücher waren jedoch von sehr kleinem Umfang. Heute hat der «Dwir»-Verlag allein 180 bedeutende und umfangreiche Bücher veröffentlicht. Vor dem Krieg gab es noch zentrale Persönlichkeiten in der hebräischen Literatur (Achad Haam), heute bei der Parteienzersplitterung gibt es beinahe keine dieser Art. Nur Bialik nimmt heute annähernd die Stellung ein, die Achad Haam besaß. Die hebräische Literatur der Vorkriegszeit war mehr einUebergang zur europäischen. Heute ist sie in Palästina eine Literatur des Lebens geworden. Resum6. Unsere Literatur kann sich sehen lassen. Zu ihrer Verbreitung und Weiterentwicklung benötigt sie zweierlei: 1. Leser, 2. Käufer. Es gibt Hunderte von Menschen, seinerzeitige Maskilim, Schomrim- Zionisten, die den Weg zur hebräischen Literatur gefunden haben. All diese oder ein sehr großer Teil von ihnen hat den Kontakt mit der hebräischen Literatur verloren. Dieses Kapital der hebräischen Literatur wieder zu erobern, ist eine der Hauptaufgaben der «Histadruth Iwrith». Ihre Aufgabe ist es, in den genannten Kreisen sozusagen den Appetit nach dem hebräischen Buch wieder zu wecken. Einer der Wege hiezu ist, in der zionistischen Presse regelmäßig auf die Neuerscheinungen aufmerksam zu machen. Ein zweiter die Gewinnung all dieser Menschen als «aktive Mitglieder» der Histadruth Iwrith, das heißt als solche, die selber lesen und selber kaufen. Dr. Chaim Tartakower. Sitzung des Zionistischen Landeskomitees der Tschechoslowakei Unter dem Vorsitz von Dr. M a r g u I i e s fand in Mährisch-Ostrau eine Sitzung des Zionistischen Landeskomitees statt. Dem Bericht über die Schekei-Arbeit war zu entnehmen ,daß die Schekel-Ziffer, die im Jahre 5685 8346 Schekalinr betrug, im Jahre 5691 auf 18.693 gestiegen ist. Die Einberufung des Zionisten-Tages wurde für den 5. und 6. Juli nach Mährisch-Ostrau beschlossen Nach einem Referat Dr. Kahns über die Gründung des Territorial-Verbandes wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die dem Zionistentag Vorschläge unterbreiten soll. Die Kommission soll aus je einem Vertreter der Parteien des Landesverbandes und des Haschomor Hazair, des geschäftsführenden Ausschusses, des Präsidiums der Politischen Reichskommission und einer entsprechenden Vertretung der Sonderverbönde bestehen. Der während der Tagung erschienene Präsident der Israelitischen Kuitusgemeinde, Dr. Alois Hilf, wurde vom Vorsitzenden begrüßt. Exodus der Revisionisten Bei der Landeskomitee-Sitzung kam es zum Exodus der revisionistischen Fraktion. Die Revisionisten hatten schon vorher Wahlenthaltung zum bevorstehenden Zionistentag proklamiert. Jüdische Chronik der Woche 20. Mai 1851: Emil Berliner, der Erfinder des Mikrophons und Grammophons, in Hannover geboren. — 1889: Tod des Samuel Alatri, Führers der jüdischen Gemeinde in Rom, Vorkämpfers für die Emanzipation. — 21. Mai 1671: Zulassung der Juden in Brandenburg. — 1747: Moses Chaim1 Luzzato in Acco gestorben. — 1868: Dr. Heinrich Brody, bekannter Gelehrter und Oberrabbiner von Prag, in Mzhovod (Slowakei) geboren. — 1915: Der hebräische Schriftsteller Dr. I. L. Kantor, Begründer des ersten hebräischen Tagblattes, gestorben. — 22. Mai 1370: Verbrennung von einigen hundert Juden unter der falschen Beschuldigung der Hostienschändung. — 1848: Der französische Dichter Catulle Mendes geboren. — 1906: Der russische Staatsrat Dr. J. Dembo, Verfasser eines bekannten Werkes gegen die Schächtgegner, in Petersburg gestorben. — 23. Mai 1536: Einführung der Inquisition in Portugal. — 24. Mai 1241: Massaker in Frankfurt am Main. 180 Juden hiingerichtet. — 1810: Der Vorkämpfer der Reformbewegung, Abraham Geiger, geboren. — 25. Mal 1773: Aufhebung der minderen Rechte für die Neuchristen in Portugal. — 1851: J. L. Perez in Zamoc geboren. — 1894: Der jüdische Gelehrte Alexander Kohut in New York gestorben. — 20. Mal 1171: In Biois (Frankreich) ziehen 51 Juden (darunter 17 Frauen) den Tod in den Flammen der Taufe vor. GroBlleisclihauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse IV, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für irn-Fleisch ■Wir—nr— i—mn-"nr'wrwiiiiwi unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien auloauttellnng Kostenlos IX, Berggasse \k> XVlIi, Währingerstraße 79

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