Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 228 (19.5.1932)
- Date
- 1932-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Stolle 2 DIE STIMME Nr. 228 — 19. Mai 1932 gönnen haben. Und dennoch haben diese Unternehmungen binnen kurzer Zeit eine beträchtliche Ausdehnung genommen. Eine Fabrik, die Marmor schneidet und nur mit siebzig palästinensischen Pfund Kapital begonnen wurde, beschäftigt jetzt 28 Personen. Eine Gruppe von sechs Personen, die im Jahre 1922 eine Eisenbetonwerkstätte mit zweieinhalb palästinensischen Pfund gründeten, beschäftigt jetzt 24 Personen. Zwei Brüder, die im Jahre 1925 eine Gießerei und mechanische Werkstätte mit zweihundert Pfund errichteten, geben jetzt 45 Arbeitern Verdienst. Man könnte viele andere gleichartige Beispiele anführen. Palästina ist heute vielleicht das einzige Land der Erde, das keine Arbeitslosigkeit kennt und in dem die Industrie im Wachsen begriffen ist. Die Bauindustrie ist voll beschäftigt und doch werden alle beim Bau verwendeten Fenster- und Türbeschläge usw. importiert. Hunderte Artikel könnte man aufzählen, die weder in Palästina noch in den Nachbarländern erzeugt werden und die deshalb importiert werden müssen, während Betriebsanlagen, die gerade diese Artikel durch Juden in den Auswanderungsländern erzeugen, um ihre nackte Existenz zu kämpfen haben. Man hofft, daß viele Touristen, die sich jetzt im Lande aufhalten, Studien in den Branchen machen werden, für die sie besonderes Interesse haben, In der Absicht, Fabriken und Werkstätten in Palästina zu schaffen. Ich benütze die Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf gewisse Zweige der Lokalindustrie zu lenken, die hauptsächlich von Rohmaterialien abhängen, die im Lande selbst oder in den Nachbarländern gefunden werden. Im besonderen möchte ich anführens Möbelindustrie. Die Erfahrung hat gelehrt, daß Eucalyptusholz für die Erzeugung moderner Möbel im höchsten Grade geeignet is,t. Dieses Holz läßt sich mit Mahagoni und Palisander vergleichen, ist aber viel billiger. Eine einheimische Firma stellte auf der Kolonialausstellung, die im letzten Jahre in Paris stattfand,.eine Einrichtung aus Eucalyptus aus, die großes Interesse erregte. Eucalyptus wächst sehr rasch und diese Baumplantagen werden vergrößert. Marmor. Palästina besitzt vielfarbigen Marmor mit natürlicher und dauerhafter Politur. Es gibt schon einige Marmorwerke, die sich in normaler Weise entwickeln. Lithographis c h e Steine. Dieses wichtige Material ist in Palästina gefunden worden. Die Druckversuche, die mit diesem Stein gemacht wurden, haben glänzende Resultate gezeigt. Weiters wird der Stein in einer nicht sehr tiefen Schicht angetroffen, so daß seine '^Gewinnung nicht mit großen Kosten verbunden ist. Glas. Palästina importiert beträchtliche Mengen 'Gfaswaren jeder Art und die Situation ist dieselbe wie in anderen benachbarten Ländern. Andererseits hat das Land Sand, geeignet für die Fabrikation von Glas. Manchmal ist der Gehalt an Kieselsäure nahezu 95 Prozent. Erzeugung von Keramiken. Es gibt viele Arten von Lehm in Palästina und man glaubt, daß man die verschiedensten Tonwaren erzeugen könnte. Andererseits importiert Palästina gerade diese Artikel, angefangen vom heimischen Steingut bis zum gewöhnlichen Bau- und Dachziegel, es wäre wünschenswert, daß dieses wichtige Rohmaterial in größerem Maße gewonnen wird, als es bis heute geschehen ist. Wollfabrikation. Palästina und die Nachbarländer erzeugen ziemlich beträchtliche Mengen von Schafwolle gröberer Qualität, die für die Erzeugung von Anzügen und Decken geeignet ist. Durch Beigabe von Wolle höherer Qualität waren bessere Webfabrikate zu erzielen. Die Entwicklung dieser äußerst wichtigen Branche ist sehr wünschenswert. Gerberei. Schafhäute und Ziegenhäute gibt es in Massen in Palästina und den Nachbarländern. Die Preise stellen sich heute sehr niedrig. Es ist anscheinend Platz für einige Gerbereien, die teils für den heimischen Markt, teils für den Export arbeiten könnten. Das Konservieren von Früchten, Gemüsenund Fischen. Früchte und Gemüse jeder Art wachsen in Palästina sozusagen das ganze Jahr. Damaskus könnte ein wichtiger Bezugsort für manche Früchte bilden. Sardinen werden in beträchtlichen Mengen entlang der Seeküste Palästinas und im See von Kinereth gefunden. Obwohl man bisher nur einige zögernde Versuche gemacht hat, kleine Mengen gewisser Früchte und Gemüse zu konservieren, ist sicher Platz für eine viel größere Produktion. Mit der Sarclinengewinnung ist noch nicht einmal begonnen worden, obwohl billiges Oel und Tomaten im Lande verfügbar sind und obwohl Palästina größere Mengen Konservenfische importiert. Perlmuttergewinnung. Das Rote Meer ist äußerst reich an Perlmutter. Dieser wichtige Artikel könnte für die Fabrikation von Knöpfen, Scheiben und anderen wichtigen Dingen gebraucht werden. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Regierung Palästinas die Entwicklung der heimischen Industrie begünstigt, Indem sie alle industriellen Maschinen zollfrei hereinläßt. In vielen Fällen läßt die Regierung auch die grundlegenden Rohmaterialien zollfrei. Um den Exporthandel zu fördern, versucht die Jewish Agency Handelsagenturen in einigen wichtigen Handelszentren zu eröffnen. Die Jewish Agency ruft alle zionistischen Organisationen dazu auf, ständig mit ihrer Handels- und Industrieabteilung in Verbindung zu bleiben, die allmählich reorganisiert und vergrößert wird, um den zahlreichen Problemen, die diese Abteilung beschäftigen, gerecht zu werden. Es kann kein Zweifel sein, daß ein inniger Kontakt zwischen den Landesorganisationen und dem Handels- und Industriedepartement der Jewish Agency die gewünschten Resultate zeitigen wird. * Verband der ' Zionisten In Palästina bestehen gute Aussichten für die Schaffung einer Glasindustrie. Ein ausführliches Expos6 der Jewish Agency kann von Interessenten imBureaudes Zionistischen Landeskomitees, Wien, I., Kämtnerstraße 28, bei Sekretär Dr. G1 ü c k 1 i c h eingesehen werden. Bert Locker in Wien Auf Einladung durch das Zionistische Landeskomitee traf das Mitglied der Londoner Exekutive Berl Locker Dienstag abends in Wien ein. Gg. Locker, der das verantwortungsvolle Amt des Leiters des Organisationsdepartements bekleidet, sprach sofort nach seiner Ankunft ln einer Vertrauensmännerversammlung. Er spricht Mittwoch in einer Versammlung der Poale Zion- Hitachduth und Donnerstag, um y2 9 Uhr abends in einem vom Zionistischen Landeskomitee veranstalteten Massenmeeting Im Hotel Continental. Freitag früh verläßt Gg. Locker Wien und begibt sich in die Tschechoslowakei. Wir begrüßen Berl Locker als einen unentwegten, arbeitsfreudigen Kämpfer für die zionistische Sache und hoffen, daß seine Anwesenheit ln Wien dem Zionismus neue Impulse geben wird. In seinem Bestreben, die zionistische Organisation zu stärken, wird Locker in der großen Mehrheit der Wiener Zionisten treu« Mitarbeiter finden. Sichern sie eich das Spielvechf Die Ziehung der I. Klasse der XXVII. Lotterie beginnt schon neute, am 19. Mai 1932 Lospreise pro Klasse: l/a S 6.—, % S 12.—. y2 S 24.—, Vi. S 48.—. Lose sind zu haben bei der Geschäftsstelle der Klassenlotterie 1. M. Neufeld, Wien, 11., Krummbaumgasse 16. Telephon Nr. A 45-9-65. rött nöw ■■■■■■■■BKsiinninHnHnnBnnni Bravo! Nur weiter so! Die «Heil Hitler!» heulende Horde sucht Ihrem Herrn und Meister in allem und jedem nachzuäffen. Wie er sich räuspert, wie er spuckt, haben sie ihm getreulich abgeguckt. Wenn der große teutsche Heros — Herostrates will die Feder durchaus schreiben — Goethe verunglimpft und die Goethe-Feier in Weimar zu stören versucht, weil ihm Goethe zu wenig teutsch, zu wenig «aufgenordet» ist, so wendet sich der Wiener Hitler, Doktor Walter Riehl, gegen den hervorragenden Schauspieler Ernst Deutsch, der jetzt am Burgtheater in Rundts «Disraeli» und Bernard Shaws «Teufels* schüler» mit großem Erfolg auftrltt und sucht sich so als Vorkämpfer für «unverfälschte» teutsche Kunst und Kultur und gegen nichtarische Darsteller arischer Helden zu gerieren. Der Hakenkreuzler scheint aber dabei vergessen zu haben, daß der «reinarische» Held Rundts, Benjamin Disraeli, als Sohn jüdischer Eltern auf seine jüdische Abstammung sehr stolz war und sich gegen seine Nobilitierung gewehrt hat, weil er ja bereits vom ältesten, dem jüdischen Adel, abstamme, und daß Shaw dem von den Nazis verfemten wahren Sozialismus zugetan ist und den Ausspruch gemacht hat: «Wer heutzutage ein Alter von 25 Jahren erreicht, eine Schulbildung genossen hat und trotzdem der idiotischen Ideologie des Antisemitismus huldigt, ist entweder — ein Schurke oder ein Trottei». Für welche dieser beiden Arten entscheiden Sie sich, Herr Nazi-Riehl? Jedenfalls ist ihnen im Interesse der guten Sache zu raten, auch weiterhin Ihre Partei der Lächerlichkeit preiszugeben, denn Lächerlichkeit tötet. Das verführte deutsche Volk wird sich aber in nicht ferner Zeit bis in die Tiefe seiner Seele schämen, Ihnen und Ihresgleichen jemals Gefolgschaft geleistet zu haben. Drbf. ZwBieinhalbJHiI!ionenDoIlar<Kampa||iiB für Mittel- und Osteuropa Rabbi Jonah B. W i s e, der Präsident der Kampagne des American Joint Distribution Committee, gibt bekannt, daß das Committee an das amerikanische Judentum mit dem Appell hcrantreten wird, in diesem Jahre 2,500.000 Dollar aufzubringen, damit das vom Committee angenommene Minimal-Programni sozialer Hilfe und des Wiederaufbaues unter den notleidenden Juden Mittel- und Osteuropas zur Durchführung gelangen kann. Dieses Minimal-Programm, erklärt Rabbi B. Wise, basiert auf Tatsachen und Zahlen, die der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, unterbreitet hatte. Dr. Kahn stellt in seinen Berichten die Lage der Juden in gewissen Ländern Mittel- und Osteuropas als «an Panik grenzend» dar. Ein aus 585 prominenten jüdischen Männern und Frauen gebildeter Nationalrat, dessen Mitglieder in 211 Bezirken des Landes gewählt worden sind, wird an der Aufbringung des Fonds mitarbeiten. Primararzt Dr. M Robinsohn gestorben Montag, den 16. Mal, verschied plötzlich in seiner Wohnung in Klosterneuburg-Weidling der Röntgenologe Primararzt Dr. Isak Robinsohn. Das Begräbnis fand gestern statt. (talüstina Das Problem der Selbstverwaltung Wie «Dawar» mitteUt, sollen demnächst Vertreter der palästinensischen Bevölkerung als beratende Komitees zu den einzelnen Ressorts der Palästina-Verwaltung zugezogen werden. Bis jetzt bestand ein derartige1gemischter Beirat, dem neben Regierungsbeamten Vertreter der Juden und Araber angehören, nur für die Landwirtschaft. Die Zusammenarbeit in diesem Komitee hat sich sehir gut bewährt, so daß die Regierung nunmehr gleichartige Ausschüsse auch für öffentliche Arbeiten und für Handel und Industrie bilden will. Jn seiner großen öffentlichen Rede vor einigen Monaten hat Dr, A r l o s o r o f’f sich zur Frage der Mitarbeit der Bevölkerung an der Regierung des Landes geäußert. Nach der von ihm vertretenen Meinung ist gegenwärtig die Zeit für eine parlamentarische Vertretung, bezw. einen Gesetzgebenden Rat noch nicht reif. Doch sollten zur Vorbereitung dieses Stadiums zunächst eine Erweiterung der lokalen Autonomie (Stadt- und Gemeindeverwaltung), sowie gemischte Beiräte bei den einzelnen Regierungs-Ressorts eingerichtet werden. Erst wenn d:e Bevölkerung auf diese Weise mit den Aufgaben der Verwaltung vertraut wird, könne an eine Erweiterung ihrer MitbeStimmüngsrechte gedacht werden. Man darf vielleicht annehmen» daaß die Regierung, wenn sie jetzt derartige Ausschüsse einsetzt, sich den Anregungen des Vertreters der Jewish Agency angeschlossen hat . Die Attentäter von Kfar Jecheskiel ermittelt Drei Beduinen aus dem Beisan-Gebiet, wurden als diejenigen ermittelt, die vor einigen Tagen in der jüdischen Kolonie Kfar Jecheskiel tm Emek Jesreel Schüsse abgegeben haben, durch welche zwei Juden verletzt wurden. Zwei der Täter wurden verhaftet und haben ein Geständnis abgelegt, der dritte konnte entkommen. Brand ln Ness-Ziona In der jüdischen Kolonie Ness - Ziona brannte das Packhaus des Orangenzüchters Jeremiah Boxer vollständig ab, der Schaden ist beträchtlich. Es soll Brandstiftung vorliegen, die Spuren der Täter führen in da» benachbarte arabische Dorf Kubeiba. Zwischen der Einwohnerschaft von Kubeiba und der von Ness-Zlona bestehen die herzlichsten Beziehungen. Eine Nathan Laski-Kolonie Aus Anlaß des bevorstehenden 70. Geburtstages Nathan Laskis, des führenden Mitglieds der Jüdischen Gemeind» in M a n c’h e s t e r, hat ein aus Vertretern aller jüdischen Institutionen in Manchester sich zusammensetzendes Komitee beschlossen, in Palästina eine neue Kolonie zu begründen, die den Namen «Kfair Nathan Laski» führen soll. Der Botanische Garten eingeweiht Am i. Mai wurde unter Teilnahme der Professoren- und Studentenschaft der Botanische Garten der Hebräischen Universität eingeweiht. Das Grundstück und die Summe zur Erhaltung des Gartens stifteten die Brüder Lamport in New York, ffoten Polizeiterror Vor einiger Zeit intervenierte der jüdische Parlamentsklub beim Innenminister in Sachen des jüdischen Einwohners von W y s z n i c (Kreis W 1 o d a w’a), Aron S o r o k o, der auf dem Polizeiamt bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen worden war. Die Ortspolizei, die erfahren hat, daß die Intervention auf Grund einer Beschwerde jüdischer Bürger erfolgt sei, beschloß, an der jüdischen Einwohnerschaft Rach« zu nehmen. Mehrere Wochen hindurch regnete es Strafmandate wegen irgendwelcher Vergehen gegen polizeilich« Vorschriften gegen die jüdischen Bürger von Wysznlc Hunderte von Verhören wurden mit den Bürgern angestellt. Die diktierten Strafsummen sind dazu angetan, mehrere Bürger wirtschaftlich zu ruinieren. Der jüdische Parlamentsklub hat sich an den Innenminister mit dem Ersuchen gewandt, diesem polizeilichen Terror ein Ende zu machen. ihm um hiii sau rar len Keren Kajemeth learMlei «um? Ueberall lelerzelll