Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 227 (12.5.1932)
- Date
- 1932-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIL SUMME Nf. 227 ~ 12. Mai1932 w nx rmm Jalfa-Oranaen. Grape Fralf Karmel-Weine, Koanak Schemen-OllvenSl Ckedera-Henla liefert zu billigen Preisen dire '■!n> Haus Samuel Halpem Wien, n., Fttriieream G Tal. A 46-4-12 „Zionismus des reinen Willens“ Von Dr. Schlomoh H o r o w i t z H. Wir haben uns bemüht, den Kern der Schwadronschen Gedankengänge wiederzugeben, Wir wollen nun versuchen, zu einigen von ihnen kritisch Stellung zu nehmen. Was Schwadron predigt, ist — wie er dies selbst einmal genannt hat — heroischer Zionismus. Schwadron begeht den Fehler, aktiven Heroismus nicht etwa von einzelnen oder Gruppen, sondern von einem ganzen Volke zu verlangen, dessen ethnische Instinkte im Laufe der Jahrhunderte völlig erloschen sindI Er postuliert also schon jetzt etwas, was nur als Abschluß und Krönung des zionistischen Werkes denkbar ist — wie uns ja unsere eigene Geschichte belehrt, — daß auch im Anfang beider Reichsgründungen der Fleischtopf Mizrajims, bezw. die «Spenden» der im babylonischen Exil Verbliebenen gestanden sind und daß erst später das nationale Leben sich zur vollen Blüte entfaltet hat. Schwadron Ist nun einmal ein Verehrer von Helden und Heldentum und was er in einem unvergeßlichen Vortrag uns vor 15 Jahren als Vorbild hingestellt hat, schwebt ihm allezeit vor Augen: die Besatzung jenes deutschen Kriegsschiffes nämlich, die in einer Schlacht in der Nordsee im Anblick des unvermeidlichen Todes die «Wacht am Rhein» singend in den Meeresgrund versank — mit solchen Zionisten möchte wohl Schwadron ausschließlich zu tun haben... Nun, Menschenmassen dieser Art stehen uns nicht! zur Verfügung. spricht das so sehr gegen unser Volk? Lebt in ihm nicht trotzdem der Wille, seine palästinensische Heimat wiederaufzurichten? Es hat vor I2 Jahren in der jüdischen Gasse eine Stimmung geherscht, wie zu Zeiten des Sabbatai Zwi: eine echte messianische Stimmung. Es gab damals noch die Wahl zwischen Palästina und Amerika und doch sind tausende nach Palästina geströmt und es wären noch viel mehr hingeströmt — wenn Palästina sie hätte aufnehmen können. Daß Palästina dies damals nicht vermocht hat und es auch heute nicht vermag, hierin liegt m. E. d e r Schwereinen Plan von Berkane für eine feindliche Regierung zeichnen. Auch der arabische Besitzer des Gartens, in dem sich die Dattelpalme befand, hatte für meine Tarzansitten kein Verständnis. Neuerlich mußte der ausgediente jüdische Offizier Fürsprache für mich einlegen. Er meinte, ich möge mir in seinem Garten den Magen an Früchten verderben. Der Sergeant drohte mir bei Wiederholung mit der Verhaftung und deutete mir an, ich möge den Umfang meiner Spaziergänge verkleinern. Ich sah den radfahrenden Arabern zu. Das sieht in einer Oase ein bißchen originell aus. Die arabischen Mädchen gingen an mir vorbei, ohne mich zu trösten, daß ich wieder zurück nach Melilla müßte. A zona espanol de Marocco. Fürchterlich. Ein betrunkener Araber wankte durch die Oasenstraße. Keiner sah ihn an. Er wurde mit Verachtung gestraft. Aber wenn er nüchtern ist, kauft man bei ihm gerne den verbotenen Opiumtabak «Kif-Kif». Der Koran verbietet das Berauschtsein auch von «Kif-Kif», aber Boab Achmed, der Araber, sagt seinen Käufern auch zur Entschuldigung seiner eigenen Alkoholräusche: «Allah habe schlechte Augen bekommen und sehe nicht mehr bis zur Erde». Ich plauschte mit Juden, sah den Moslems zu, wie sie sich auf der Straße gegenseitig abküßten, den Maultiertreibern, den Goldstickern, die feine Gewebe verzierten und herstellten und sah einen Kabylen, der reitend auf einem struppigen Maulesel sein Weib, das mit einer schweren Last beladen war, mit der Peitsche vor sich hertrieb. Abends war ich mit einer großen Schar Juden beisammen. Ich wurde nicht fertig, ihre Fragen zu beantworten. Man lud mich ein, in den Oasen und Dörfern, wo es überall Juden gäbe, von den europäischen Juden zu erzählen. Sie würden mich überall willkommen heißen, bewirten und ich könne Geld verdienen. Aber ich mußte zurück nach Melilla. Als der Autobus von Oudja kam, erzählte ich ihnen gerade von Theodor Herzl. Ich mußte einsteigen. Der Sergeant fuhr mit zur Grenze. Die Juden sangen mit mir Vagabunden die Hatikwah. Diese Szene blieb mir unvergeßlich. Eine elektrisch beleuchtete Oase, in der Menschen die Zionshymne sangen. punkt und zugleich die Tragik des ganzen Problemsl Wen wohl die Hauptschuld daran trifft? Es wäre ein Leichtes, mit allen Krähen mitzukrächzen: Weizmann! Aber erstens ist diese Auskunft zu einfach, um richtig sein zu können; zweitens hat uns ja Schwadron selbst gelehrt, daß die Führer noch immer besser waren als die Geführten ... Die Schuld wird sich wohl zu gleichen Teilen auf: l. die objektiven Schwierigkeiten (England — nicht die Araber!), 2. die Unzulänglichkeit der Leitung (Mangel eines großzügigen Aufbauplanes!), 3. die dem Produktivierungsprozeß innewohnenden Hemmungen und Widerstände (auch die Judensiedlung Sowjetrußlands weiß ein Liedchen davon zu singenI) und 4. das Versagen der Zionisten, verteilen. Diese Reihenfolge kann nach Belieben geändert werden — am Wesen ihres Vorhandenseins wird das nichts ändern! Sollen wir deswegen vollständig die Hoffnung aufgeben? Nein! Denn wir glauben daran, was Schwadron selbst an einer Stelle wundervoll sagt: «Der Zionismus ist der Lebensschrei des jüdischen Volkes» — und dieser Schrei kann und wird nicht mehr verstummenl Wir müssen uns freilich darauf gefaßt machen, daß die nächsten 10 Jahre schlechter sein werden als die vorangegangenen, denn die äußeren Schwierigkeiten sind gewachsen und mit ihnen die inneren: England will uns von Palästina fernhalten und die Araber (dadurch ermutigt!) werden uns das Leben bitter machen — und die Juden werden spärlicher nach Palästina wandern und weniger Mittel für Palästina hergeben. Und trotz alledem: der Zionismus wird nicht zugrunde gehen! Man glaube beileibe nicht, es sei dies eine Art credo quia absurdum! Es spricht hier bloß die simple Erkenntnis: Es gibt ganz einfach nichts, was an Stelle des Zionismus gesetzt werden könnteI Das einzige Konkurrenzunternehmen sozusagen, der Kommunismus, wird Uber kurz oder lang zur Auflösung bezw. Loslösung des russischen Judentums vom Weltjudentum führen; ein anderes Territorium außer Palästina kommt für eine konzentrische Judensiedlung kaum in Frage; die Judenheit wird immer mehr unter dem Judenhaß und der wirtschaftlichen Verdrängung zu leiden haben; es wird auch künftighin — wie ehedem — nur eine Rettungsinsel geben für Juden und Judentum: Palästina! Es fragt sich allerdings: wird das Judentum durchhalten und — wird Palästina warten? Die Antwort auf die erste Frage lautet: Das Judentum wird durchhalten, weil es durchhalten muß und weil die Unentwegten in seiner Mitte dafür sorgen werden, daß es durchhalten soll! Dies ist m. E. der tiefere Sinn des jetzt um sich greifenden gOalttthiQmit««. de*1 '.tutot.« als: das Judentum wach zu erhalten für jenen Augenblick, da eine ähnliche Situation eintritt, wie vor 12 Jahren. Denn der Sinn der Jahre 1917 bis 1920 liegt für mich nicht etwa im faktischen Wert der Balfour- Deklaratlon, sondern in der Offenbarung, die sie uns gebracht hat: daß nämlich — man darf wohl ohne Uebertreibung sagen — das ganze Volk vom elektrischen Funken der Begeisterung, des Befreitwerden — Wollens erfaßt worden ist. Wer die Dinge genau abwägt, weiß was dies bedeutet Das bedeutet, daß wenn einmal, wenn morgen oder in 10, in 20 Jahren wieder eine günstige Situation eintritt und wir dann besser vorbereitet dastehen als vor 12 Jahren, es uns ein leichtes sein wird, mindestens einen Teil jener Massen nach Palästina zu werfen, von denen Schwadron träumt. Und damit ist die Antwort auch auf die zweite Frage gegeben. Palästina wird nie arabisch sein, weil zu viele Machtfaktoren daran interessiert sind. Das wissen die Klügeren unter den Arabern — die anderen werden es früher oder später einsehen. Es kann, es wird eine Situation kommen, da sie bereit sein werden, uns gegen gewisse Kompensationen weitgehende Konzessionen zu machen. Diesen Zeitpunkt müssen wir abwarten. «Abwarten» nicht im Sinne gewisser Kreise, die Non-Cooperation verlangen — das bequemste Mittel, das man den heutigen Machthabern zwecks Sabotage des jüdischen Aufbauwerkes in die Hand geben kann! Sondern abwarten im Sinne von: Bereitschaft hatten, Geduld üben, die Reihen stärken, die junge Generation stählen, sprungbereit dastehen und — im geeigneten Moment zugreifen! Denn es ist nicht ganz richtig, was Schwadron sagt, es sei vorerst bloß das Wort von der Auferstehung, vom Zionismus unter die Massen gefallen, sondern im jüdischen Volk ist der ethnische Instinkt wieder erwacht — und das Ist sehr viel. Denn mag das Judentum heute noch das Bild größter Zerfahrenheit darstellen, mögen einzelne Juden nach wie vor wie Spreu von jedem Windstoß in alle Weltwinkel getragen werden, im großen ganzen lebt heute bereits im jüdischen Volke die Erkenntnis von der Notwendigkeit der sozialen Umschichtung und die Sehnsucht nach einem geschlossenen, eigenen Stück Land. Freilich ist von der Erkenntnis bis zur heroischen Anstrengung noch ein weiteres Stück Weges, aber da ich glaube, daß letztere im geeigneten Moment zu entfachen sein wird und mit Schwadron einer Meinung bin, daß nämlich alles Positive und Negative genau abgewogen, Palästina für uns noch das günstigste der Territorien darstellt — glaube ich an die Verwirklichung des Zionismus. «Und; wenn Er auch zögert, will ich dennoch täglich seines Kommens harren!» Jius dem t'or/ra^ssaol «Ge bene Zeitung» Als letzt«. Vera«; ug in dieser Saison brachte die Sektion «Landstraße» v\.rikr eine «Gesprochene Zeitung», Diesesmal in ernster Aufmachung. Das zahlreiche Publikum — es zeigte sich, daß diese Institution großem Interesse begegnet — konnte eine durchwegs gelungene Ausgabe der Zeitung konstatieren. Den Leitartikel sprach Präsident Dokior Oskar ür (in bäum. Der Redner beschäftigte sich mit der bevorstehenden alljährlichen Herzl-Feier und betonte, daß das Gedenken Herzls, des Gründers der modernen zionistischen Bewegung, nicht identisch zu sein braucht mit dem jetzt stark verwendeten Ruf: «Zurück zu Herzl!» Es liegt ein großes Mißverständnis vor, wollte man das Schaffen und die Ideen Herzls für so starr und unverändert ansehen, daß im Geiste Herzls leben und schaffen bedeuten muß, zurück zu Herzl! Herzl verstehen heißt: vorwärts schreiten und sich den gegebenen Verhältnissen anpassen. Dr. Emil Schmitt sprach zu den Fragen, die mit den abgelaufenen Wahlen im Zusammenhang stehen. Die Lage der Juden sei ernst und die Wahlen stehen, mag es sich um noch so ernste politische und wirtschaftliche Grundprobleme handeln, stets im Zeichen des Judenhasses. Frau Bauer schilderte als Gast ihre Palästinaeindrücke und vornehmlich die Wizo-Tätigkeit in Erez-Israel. Ihre Worte waren mit so viel Liebe und tiefstem Empfinden zu den Anwesenden gesprochen, daß sie einen bleibenden Eindruck hinterließen und den Wunsch, noch mehr und oft über Palästina und seine heilige Acbe.t tu hören. Zum Schlüsse erzählte Bruno R a b i n o w i t z im' kleinen Feuilleton einiges über die Marranen in Portugal, Auf Grund von Mitteilungen eines Abgesandten der Gemeind« Saloniki brachte der Referent neue und interessante Details über die Marranenfrage im allgemeinen und über die neuen Bestrebungen zur Wiederherstellung jüdischer Gemeinden in Portugal im besonderen. Hermann Abraham gestorben ln seiner Berliner Wohnung starb am 5. Mai der groß« Philanthrop und K.nderfreund Hermann Abraham inT Alter von 85 Jahren. 1892 gründete Abraham als erster einen Verein für Kinder-Volksküchen. Aus diesem Anfang sozialer Sch ulkinder-Fürsorge entwickelte sich eine Reihe wohltätiges Errichtungen, die Abraham in unermüdlicher Tätigkeit organisierte. 176 Anstalten mit 2600 Angestellten, in denen Erwachsene und Kinder vor der schlimmsten Nahrungsnot bewahrt wurden, unterstanden ihm im Kriege Nach dem Kriege setzte Abraham sein Werk fort. Fünf Kinderheime und Genesungsheime entstanden, in denen 80.000 Jungen und Mädchen liebevoll betreut wurden. Als Hermann Abraham Anfang März d. J. seinen 85. Geburtstag beging, überreichte ihm Oberbürgermeister S a h m persönlich ein Glückwunschschreiben und die Ehrenplakette der Stadt Berlin. Reichspräsidenten von. Hindenburg sprach ihm in einem persönlichen Schreiben seine herzlichsten Glückwünsche aus- Auch Reichskanzler Dr. Brüning und der preußische Ministerpräsident Otto Braun würdigten in längeren Glückwunschschreiben die Verdienste Abrahams lüdische Lehranstalten Chajes-Realgymnasium <n. _ Anmeldungen bis Ende Mai täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der Direktionskanzlei. Malmonides-Institut (11., Praterstraße 11). Sommersemester 1932. Die Vorträge während des Sommersemestc's finden bis auf weiteres wie folgt statt (im Hörsaal des Institutes, Praterstraße 11): Jeden Monag, 6 bis 7 Uhr abends, Dr. A. Kaminka, Psalmen; 7 bis 8 Uhf abends, «More Nebuchim». Jeden Dienstag, 6 bis 7 Uhff abends, Rabbiner M. Horowitz, dkkarim»; 7 bis 8 Uhr abends, «En Jakob». Jeden Mittwoch, 7 bis 8 Uhr abends, Dr. N. Goldstein, «Mid'asch». Jeden Donnerstag, 6 bis 7 Uhr abends, Dr. A. Kaminka. «Agada zu Ruth». Jeden Samstag, 4 bis 5 Uhr abends, Dr. A. Kaminka. «Sorüche de^ Väter». Die Vorträge sind allgemein zugänglich. Teilnehmer-Beiträge und Spenden zur Erhaltung der Lehranstalt werden durch die Postspa-kasse (Konto 129.090) erbeten. Hebräisches Pädagogium (II., Tempelgasse 3). Neuanmeldungen von Hörern und Hörerinnen für das Sommersemester 1932 werden entgegengenommen Montag und Donnerstag von 10 bis 11 Uhr vormittags im hebr. Pädagogium, II,, Tcmpelgasse 3, 3. Stock. Jüdische Chronik der Woche 13. Mai 1763: Vertreibung der «ausländischen» Juden aus Böhmen. — 1873: Der deutschböhmische Dichter Moritz Hartmann gestorben. — 1900: Der berühmte Dirigent Hermann Levy, Vorkämpfer der Wagner-Musik, in München gestorben. — 14. Mai 1590: Einführung von Kleiderordnungen gegen die Juden in Mantua und Casale. — 1868: Der Sozialhygieniker Magnus Hirschfeld geboren. — 1886: David Uordon, der Herausgeber des «Hamaggid», gestorben. — 15. Mal 1802: Arthur Schnitzler geboren. — 1882: Einführung der antijüdischen Maigesetze durch Alexander 111. in Rußland. — 16. Mal 042: Tod des Gaon Saad'a, überhaupt der Akademie von Sura. — 17. Mai 1784: Eröffnung der ersten öffentlichen jüdischen Schule in Alt-Olen. — 1848: Ludwig Max Goldenberg, nach dem Kriege 1870—1871 maßgebender deutscher \V;rtsc*>aftsnolitiker. in TarnowHz geboren. — 18. Mai 1418: Die Synode von Forli beschließt Maßregeln gegen die Juden. — 1918: Der hebräische Schriftsteller josiia Barsilai gestorben. — 19. Mai 1103: Isaac a! Fasi, Berühmter Verfasser eines Talmudkompendiums, in Lucena (Spanien) gestorben. €clf5tcm’5 FamilUfl-petJsioti fititamiiloii, KiMci täglich 5-Uhr-lee SEMMERING TELEPHON II Hochstraße 43 nehen Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.-- aufwärts. Zentralheizung. il'olJendes Warm und Kaltwasser m teilem Zimmer. Auskunft unter Telephon w *27-8*24 ■mlf— rfflO .J -Ai’: ..... tUUifl