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Die Stimme · 1932-05-12 · Heft 227 (12.5.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 227 (12.5.1932)
Date
1932-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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."eite 2 liic anmm£ Nr. 227 — 12. Mai 1932 durch immer neue Beweise bestätigte: Der Luftweg l nach Indien von China hat seinen zentralen Stützpunkt ] in Palästina: Zweimal wöchentlich kann man an dem! lieblichen Gestade des Tiberias-Sees die großen transj kontinentalen Hydroplane bewundern, die sich hier, in der seit Jahrtausenden in tiefem Schlummer versun- I kenen Gegend, ein Stelldichein geben, die Post miti einander austauschen und dann weiterfliegen. Der Hafen von H«Ufa, mit seinem großen Hinterland, mit I der dort mündenden köhrenleitung für den aus Mossul ■ heran fließenden Petroleum-Strom, zeigt schon heute \ ein Temp oder Entwicklung, das in naher Zukunft ein I mittelländisches Hamburg oder Antwerpen ahnen läßt. Wichtige Eisenbahnlinien durchqueren bereits das Land, neue Schienenstränge sind geplant, die es zum Mittelpunkte des Verkehres machen werden, so wie es in der «Vision Herzls» vorausgesagt wurde. Und dann der wichtigste, nachhaltigste Eindruck, den ich mitnahm: Die «nationale Heimstätte für das jüdische Volk», die Herzl auf dem I. Basler Kongresse proklamiert hat, ist potentiell, — allen Hindernissen und Rückschlägen zum Trotz — schon heute ein in den Umrissen deutlich sichtbarer, vollständig lebensfähiger Organismus, auf den im wachsenden Maße die Augen der «alten Welt» gerichtet sein werden. Di^er Mikrokosmos hat in diesen paar Frühlingswocnen >n der IV. Levantinischen Ausstellung und in der jungjüdischen Olympiade der Welt Kraftleistungen gezeigt, auf die auch Herzl stolz gewesen wäre und die von Tausenden aus aller Welt herangeströmten Juden — Zionisten und Nichtzionisten — bejubelt wurde. (Unter den Altzionisten konnte man mit Freude die vier treuen Paladine Herzls feststellen: Cowen aus London [in Altneuland kurz Joe genannt], den Nestor des Keren Kajemeth Kremenetzky, Herzls Reisegenossen in Palästina Ing. Seidener und York Steiner.) ★ ★ ★ In Tel-Awiw, wo sich die «Muskel-Juden» der ganzen Welt im Stadion trafen, besuchte ich auch das Grab dessen, der diesen Ausdruck geschaffen hat, Max Nordau. Friedlich ruht er neben seinem ehemaligen Gegner Achad-Haam auf dem in sonniger Frühlingsschönheit prangenden Friedhof. Und der Gedanke drängt sich von selbst auf: Warum ruhen die Gebeine Theodor Herzls noch immer in fremder Erde, in dem Wien der Christlichsozialen und Hakenkreuzler? In seinem Testamente forderte Herzl vom jüdischen Volke diese eine kleine Gegengabe für alles, was er ihm hingab. Ein Kongreß nach dem anderen beschloß diese Ehrenschuld abzuzahlen und Herzls Wunsch zu erfüllen. Die Leiter der Zionistischen if&dkütive bekräftigten ihn wiederholt und versicherten, daß dieser Beschluß durchgeführt werden wird. Und tr»t»-allem ...? In kaum zwei Jahren werden es volle dreißig Jahre, seit Herzl tot ist und noch immer ist diese Ehrenschuld nicht abgetragen I Will man sie vielleicht durch den Zeitablauf, durch die berühmte Verjährungsfrist von 30 Jahren aus der Welt schaffen? Wahrlich, es ist höchste Zeit, daß diejenigen, denen diese Pflicht obliegt, sich aufraffen und endlich den Kongreßbeschluß durchführen! Hoffen wir, daß diejenigen, die im Jahre 1934 nach Erez Israel kommen, denn doch die Möglichkeit haben werden, dem Grab Theodor Herzls in seinem Altntuland — ob am Karmelberge oder in Jerusalem, einerlei — die Ehrenbezeigung zu leisten. Er wartet darauf wahrlich länger, als z. B. der Bruder von Schaukat-AU aus Indien gewartet hat Und das Mausoleum Herzls sollte auch den Anfang bilden für ein jüdisches Pantheon, für alle, die im Galuth oder in Erez für ihr Volk gelebt und ihm bis zum letzten Seufzer treu ergeben waren... Aber zu allererst: Herzls Gebeine müssen nach Erez überführt werden! Politik der Woche Das Parlament windet sich in Krämpfen. Die Sozialdemokraten haben es sich in den Kopf gesetzt, die Auflösung des Parlaments zu forcieren. Sie sind dabei merkwürdigerweise Bundesgenossen der Nazis. Und das zu einer Zeit, wo Oesterreichs finanzielle Situation zum Reißen gespannt ist. Herr Dollfuß soll Bundeskanzler werden. Das ist derselbe Herr Dollfuß, der einen Vortrag an der Hochschule für Welthandel hielt und ruhig zuhörte und zusah, wie die Nazis die jüdischen Studenten aus dem Vortragssaale hinauswarfen. Die Zerfahrenheit im Parlament macht auch den Heimatblock wieder lebendig. Zur Zeit der Konjunktur der Heimwehrbewegung wurde unliebsam das Hervortreten des bekannten Operettenlibrettisten Dr. Fritz Löhner-Beda bemerkt, der nichts Besseres zu tun wußte, als sich als eine Art «jüdischer Heimatschützler» zu deklarieren. Daß Starhemberg von den «Asiaten* sprach, «deren Köpfe in den Sand rollen» würden, daß Hueber und Starhemberg zum Pogrom hetzten, genierte Herrn Dr. Löhner anscheinend nicht. Jetzt hat Herr Dr. Löhner sein Herz für das Judentum wieder entdeckt. Er ruft im «Neuen Wiener Journal», das sich den Hakenkreuzlern ebenso anzubieten versucht wie seinerzeit der Heiniwehr, zur Gründung eines jüdischen Selbstschutzes auf. Herr Dr. Löhner steht schon so lange jüdischer Betätigung ferne, daß er offenbar nicht mehr weiß, daß es in Oesterreich eine zionistische Organisation gibt. Er macht sich also selbständig und erklärt der staunenden Oeffentlichkeit, «die Vordringlichkeit und Machtgier der jüdischen Marxistenführer» habe «eine heftige Welle des Antisemitismus» hervorgerufen. Wir haben gewiß keine Sympathien für die konfessionslosen, das Judentum verleugnenden jüdischen Sozialdemokraten, lehnen aber die politischen Theorien des Herrn Dr. Löhner, der das nachbetet, was Seipel und Schmitz vorbeten, ab. Wir wollen auch hoffen, daß der Typus «faschistischer Jude», den Herr Dr. Löhner darzusteilen versucht, eine Einzelerscheinung ist, und daß uns eine «faschistische Assimilation» erspart bleiben wird. Die Judenfrage wird jetzt sogar bei der «Arbeiterzeitung» zum Problem. Früher gab es für die «Arbeiterzeitung» nur «Hakenkreuzler» und «Hakennäsler». Die üemeinderatswahlen haben unsere Sozialdemokraten nicht zur richtigen Erkenntnis des Judenproblems gebracht, sie fürchten nur, die jüdischen Wähler zu verlieren. Deshalb leitartikelt die «Arbeiterzeitung», daß sie den jüdischen Arbeiter ebenso hoch schätze wie den christlichen, daß sie aber auch gegen die jüdischen Kapitalisten ebenso kämpfe wie gegen die christlichen Kapitalisten. Eine Frage: Wo sind die jüdischen Kapitalisten? Das ist heute graue Theorie. Wie viele jüdische. «Kapitalisten» wären froh, wenn sie die Arbeitslosenunterstützung bekämen. Wo sind die jüdischen ArL. ..ehmer, die eine Gemeindeanstellung bekamen? Wir beurteilen die Sozialdemokraten nicht nach dem, was sie und ihre Schlepper, «Die werktätigen Juden», vor der Waiu reden, sondern nach dem, was sie nach der Wahl tun. Albert Thomas gestorben Am 8. Mai starb der Franzose Albert Thomas, einer der großen Freunde der zionistischen Bewegung. Die Teilnehmer des letzten Kongresses hatte Gelegenheit, ihn sprechen zu hören. Er war aus Genf gekommen, wo er das Internationale Arbeitsamt leitete. Motzkin und Sokolow begrüßten ihn. Die Rede, die Thomas hielt, war ein großes Erlebnis. Thomas erzählte, wie Rüthenberg während des Krieges zu, ihm kam und Ihm sagte: «Jetzt* ist der Kriög zwischen allen Völkern entfesselt, jetzt* müßt ihr* uns helfen, die Befreiung des jüdischen Volkes zu erlangen und die zionistischen Hoffnungen zu verwirklichen.» Er erzählte von seiner gemeinsamen Arbeit mit Sokolow in Paris. Er gab seiner tiefen Ueberzeugung Ausdruck, daß der Zionismus sein Ziel erreichen werde. Er sprach die bedeutsamen Worte: «Es gibt keine lebendige Politik in unserer heutigen Zeit und auch keine lebendige nationale Politik ohne die Idee der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie haben als Ihre Mahnung die ganze wundervolle Tradition, an der die ganze Menschheit teilhat. Sie werden in der Geschichte Jerusalems Gründe genug finden, um die Hoffnung nicht sinken zu lassen und Ihren Weg mutig fortzusetzen.» Und er schloß mit den Worten: «Das Schicksal findet seinen Weg. Das Schicksal des Zionismus wird auch den seinen finden inmitten aller Kämpfe und Schwierigkeiten, getragen von dem gleichen Vertrauen, von der gleichen Hoftnung, von dem gleichen Willen zu Gerechtigkeit und Weltfrieden.» Als Thomas diese Worte gesprochen hatte — er war ein wundervoller Redner — erhoben sich die Delegierten wie ein Mann und jubelten ihm zu. Mit Thomas hat der Zionismus einen großen christlichen Freund verloren, dessen Name in unserer Bewegung immer mit Verehrung genannt werden wird. Steohen S. Wise als Friedensapostel Stephen S. Wise, der bekanntlich eine starke Agitation für den Eintritt der Vereinigten Staaten ln den Weltkrieg auf seiten der Entente geführt hatte, sprach kürzlich anläßlich des 25jährigen Jubiläums seiner Freien Synagoge darüber, wie er jetzt über den Krieg denke. «Obwohl ich persönlich keine Waffen trug, habe ich doch mit aller Kraft für die Vereinigten Staaten und die Alliierten gearbeitet. Ich werde so etwas nie mehr tun. Solange ich auf dieser Kanzel stehen werde, so lange wird von ihr aus kein Krieg, er mag gerecht oder ungerecht sein, gefördert werden. Ich würde ebensowenig Waffengewalt gegen den Hitlerismus unterstützen als den Versuch einer gewaltsamen Durchsetzung der jüdischen Forderungen ln Palästina.» Jüdische Kolonie in Belgien Wie die Antwerpener «Jüdische Presse» meldet, sind einige hundert jüdische Familien aus Deutschland im Begriff, nach Belgien auszuwandern. Sie haben bereits ein Territorium bei Middelkerke erworben und wollen dort eine Kolonie errichten. Es sollen dreihundert Häuser erbaut werden. Diese Familien haben sich, wie das erwähnte Blatt mitteilt, zum Verlassen Deutschlands entschlossen, weil sie die V c r f o 1 g u ngen durch Hitlerian er nicht mehr ertragen können. (faiösUna Sabbatkundgebungen Anläßlich der Anv/^.cniu'!! de« Präsidenten des Weltverbandes Schomre Schabbos, Herrn Sem.-Doz. Dr. S. G r U tv b erg in Palästina, uukk.ii m vcrsciucücttcii z.e.mvii Palästinas öffentliche Kundgebungen statt. Dr. Grilnberg sprach auch in Tel-Awiw in der großen Zentralsynagoge. Er sprach von der besonderen Verantwortung, die Tel-Awiw als eine ausschließlich von Juden bewohnte und geleitete Stadt für die Aufrechterhaltung und Festigung des sabbatiiehen Ruhetages trage. Nur in der Diaspora gäbe es eine Not des Sabbats, in Erez Israel aber nur eine Sabbatfrage, die bei einigem guten Willen gelöst werden könne. Es wurden Aktionsausschüsse gebildet, die die von Dr. üriinberg eingeleitcte Arbeit fortiuhren und in Zusammenfassung aller den Sabbat bejahenden Kräfte für die Durchsetzung der Ansprüche des Sabbats im öffentlichen Leben Palästinas wirken werden. Der High Commissioner im Emek Der High Commissioner für Palästina besuchte die jüdischen Siedlungen im Emek Jesreel und gab überall in Ansprachen an die Kolonisten seiner Bcwu n d erung für die jüdische Arbeit Ausdruck. Während seiner Anwesenheit in Afuleh besuchte er das Hospital und unterhielt sich mit dem dort untergebrachten Kolonisten Freud und dem Beamten Herschkowitsc-h, die vor einigen Tagen in Kfar Jecheskiel durch Schlisse von unbekannter Seite verletzt worden waren. Einwanderung im März Unter den im März 1932 in Palästina eingewanderten 153-! Personen waren 13 55 Juden: unter oen uu g>e.c;ei Monat ausgewanderten 136 Personen waren 5 1 Juden Unter den eingewanderten Juden waren 1086, die als Touristen ins Land gekommen waren und nachträglich die En laubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. Kommunisten ausgewiesen Zwölf Kommunisten, die am Vorabend des Nebi- Musa-Fesbes im Interesse der öffentlichen Sicherheit in J e r usalem verhaftet worden waren, sind zu Geldbußen in der Höhe von 50 bis 300 Pfund verurteilt worden. Gegen diejenigen, die nicht palästinensische Staatsbürger sind, wurde auch auf Landesverweisung erkannt. Elf K o m mutt ist en, die am 22. April in Tel-Awiw eine Versammlung des Klubs der linken Poale Zion gestört hatten, wurden vom Gericht zu je-sieben Tagen Gefängnis und Landen Verweisung nach Verbüßung der Strafe verurteilt. Die Störung der Antrittsvorlesung Bentwichs Dem von der letzten palästinensischen Revisionistenkonferenz zum Führer der Landespartei der Revisionisten gewählte Achi-Meir und zehn andere junge Revisionisten hatten sich vor dem Jerusalemer Gericht wegen Störung der Antrittsvorlesung von Norman Bentwich an der Hebräischen Universität im Februar zu verantworten. Achi-Meir und die übrigen Angeklagten wurden zu geringen Geldstrafen, im Nichteinbringungsfalle zu Gefängnis verurteilt. Alle Verurteilten erklärten, daß sie die Geldbuße nicht leisten werden und die Gefängnisstrafe wählen. Achl-Melm selbst, der zu einer Geldbuße von 3 Pfund verurteilt worden ist, wird 21 Tage im Gefängnis zu verbringen haben. Die Verurteilten haben die Gefängnisstrafe bereits angetreten. iJoten Die Säuberung des Staatsapparats von Juden Sämtliche jüdische Beamten der Arbeitervereicherungsämter in Bialy st o k und Lomza, unter ihnen Beamte, die länger als zehn Jahre Dienst tun, wurden plötzlich entlassen. Obwohl als Motiv Sparsamkeit angegeben wurde, wurden dennoch sofort Nichtjuden an die Stellen der entlassenen Juden gesetzt. Unter der Judenschaft herrscht über dieses Vorgehen größte Entrüstung. Man weist darauf hin, daß in der Bialystoker und t omzaer Industrie jüdische Arbeiter in großer Zahl beschäftigt sind, diu nun im ArbeitefvtrsicherungsanP ohne Vertretung sind und dort kein VeN ständnis finden. Gegen die Entlassungen wurde beim Innenministerium Einspruch erhoben. Abermals antijüdischer Exzeß in Wilna Nationaldemokratischc Studenten überfielen abends in Wilna zahlreiche jüdische Passanten, unter ihnen die Mitglieder einer jüdischen Theaterliruppe, die nach Ende der Vorstellung gerade das Theater verließen, und schlugen sie nieder. Mehrere der Angegriffenen trugen Verletzungen davon. Keiner der F.xzcdenten wurde verhaftet. SrfecAenlond Neue Antlseniltenexzesse in Griechenland Antisemitische Huligans haben in der Nacht von Mittwoch, den 28. April, die Schaufenster drc<er großer jüdische* Geschäfte im Haupthandelszentrum von Saloniki eingeschlagen. Die polizeiliche Nachforschung nach den Tätern blieb erfolglos, ln der Stadt C a v a 11 n, bei Saloniki, wo bekanntlich einige Tage vor dem Pessach-Fest ein Ritualmordtumult stattfand, in dessen Verlauf der jüdische Kaufmann Moise Levy durch Huligans angegriffen und verletzt wurde, wurde am Vorabend des Pessach-Festes der jüdsiche Musiker Jacob Benmayer in einem Cafe, in denr er musiziert«, von einem durch Ritualmordgerüchte aufgehetzten Pöbel überfallen und durch Messerstiche Im Gesicht schwer verletzt Er wird längere Zeit das Bett Bett hüten müssen. STEN! Führet Eure THORASPENDEN anläßlich der PESSACH- FEIERTAGE an den KEREN KAJEMETH ab!

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