Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 226 (5.5.1932)
- Date
- 1932-05-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 226 — 5. Mal 1932 DIE STIMME Stritt * Elteratur/Kunst / Theater Volksmusik In Rustfora IV. Kammermusikabend des Vereines zur Förderung jüdischer Musik Unter der Devise «Volksmusik ln Kunstform» veranstaltete vergangenen Samstag der rührige Verein zur Förderung jüdischer Musik einen wahrhaft genußreichen Abend, der die Wandlungen der Volksmusik zur Kunstmusik in trefflicher Art versinnbildlichte. Besonders die Ensemblewerke; Brandmanns prächtiges Streichquartett über ein palästinensisches Lied und L e w i n s Elegie für Streichquartett und Klavier zeigen am besten, wie reich die Quelle des jüdischen Volksliedes ist und wieviel ein wahrer Tondichter daraus schaffen kann. Brandmanns Werk wurde schon einige Malt gespielt und gewinnt jedesmal an Interesse, zumal der Komponist selbst als sicherer Führer am ersten Pult dem Werke sein feuriges Temperament und seine Hingabe verleiht. Auch als Solist erzielte er mit zwei Violinstücken (Lwow-Achron «Wolochl» und Wolfsohns «An der Wiege») einen großen Erfolg. Der bekannte und beliebte Oberkantor Gerson Margulies sang klangvoll und beseelt einige Lieder von Engel, Lwow, Milner, Kopit und ein Hirtenlied (sephardisch) von Alman, und wurde vom Publikum überaus warm empfangen. Den Klavierpart bei Lewins Streichquartett wie auch die Begleitung besorgte außerordentlich musikalisch, wie immer, Herr Robert Spitz. Es ist zu begrüßen, daß der Verein in das Programm seiner Tätigkeit auch die Volksmusik in allen ihren Entwicklungsstadien dem Publikum näher bringen will; in Verfolgung dieser Idee würden wir wahrscheinlich auch palästinensische und jemitische Weisen in Original und Bearbeitungen hören. sehen Schaffens Im Rahmen des Judentums behandelt, an einer großen Bukarester Privatbühne aufgeführt wurde, stammt aus der berühmten Jassyer Hebraisten- und Rabbinerfamilie Guttmann, die ihre Abkunft direkt vom «Baal Sehern tow» herleitet. Der genarrte Setzkasten-Kobold. Der berüchtigte Setzkastenkobold spielt einem S’reiche, wo er nur kann. Kaum, daß man wegsieht, macht er aus einem U ein X oder treibt sonst allerlei Allotria. So verwandelte er in unserem Bericht Über den Unterhaltungsabend der Zionist. Bezirkssektion Leopotdstadt und des Klubs Erez Israel, der unter der Devise «A dritte Sedernacht» statt fand, den reaktivierten Klub Erez Israel in einem reaktionären Klub. Aber schließlich ist eine Reaktivierung auch eine Reaktion, wenn auch in gutem Sinne.. Also hat sich diesmal der Setzkastenkobold selbst genarrt Da kann man nur sagen: Etsch, etsch! Stutschewskys Unterrichtswerk. Joachim Stutschewsky, unseren Lesern als Komponist, musikschriftsteiler und eifriger Förderer jüd'scher Musik bekannt, hat auch auf seinem ureigensten Oebiet des Violinspieles eine ganze Reihe grundlegender und bahnbrechende* Werke für den Unterricht geschaffen. Seit der Veröffentlichung seiner «Studien zu einer neuen Spieltechnik», die von ersten Meistern anerkannt und an den meisten Musikhochschulen eingeführt sind, arbeitet Stutschewsky an einem großen dreibändigen Werk, «Das Violoncellspiel», das sämtliche Probleme der Spieltechnik und des Unterrichtes überhaupt in eingehendster Weise behandelt und darlegt. Das umfangreiche, beinahe lückenlose Werk (der erste und zweite Band sind soeben erschienen) ist das in seiner Art einzig dastehende Ergebnis einer langjährigen, pädagogischen Erfahrung und eigener Ausübung des Verfassers, der aus einer tiefen Kenntnis aller physischen und psychischen Vorgänge heraus mit lebendiger Anschaulichkeit den Schüler von den ersten Anfängen bis zur letzten Vollkommenheit führt. Der systematische Aufbau, die meisterhaft gegliederte Auswahl der Spietstücke und die große Anzahl instruktiver Zeichnungen geben diesem Werk seine Prägung als Standardwerk des Cello-Unterrichtes. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob es sich Wer nur um eine Dummheit handelt oder ob der Sprecher des Paramount-Films seine Kenntnisse aus dem Protokoll der Weisen von Zion geschöpft hat. Auf alle Fälle wollen wir dem Paramount-Film dringendst nahelegen, sich bessere oder weniger hakenkreuzlerisch orientierte Sprecher zu engagieren. «Melodie der Liebe» — «Der chinesische Defektiv Charlie Chan» Der berühmte und gefeierte Sänger der „Melodie der Liebe" lebt nach dem Tode seiner Frau nur noch für sein Kind. Als er in der Liebe zu einer eleganten Dame, der bloß sein Geld und sein Ruhm imponieren, enttäuscht wird, findet er wahre und seibstloso Liebe bei einem einfachen Mädchen. In diesem Film kommen die zahlreichen Tauber- Verehrerinnen und -Verehrer voll und ganz auf ihre Rechnung. Die breite Masse des Publikums hat hier Gelegenheit, Richard Tauber sowohl eine Opernarie, als auch einige Schlager singen su hören. Die Lieder „Schade, daß die Liebe nur ein Märchen ist" und „Das Lied aus meiner Heimat" werden sehr bald den W^nr in die Oeffentllchkeit finden. Szöke Szalial’. «irr nie versagende Komiker, Lien Deyers, Alice Treff, Grete Natzler, Ida Wüst und der jüngste Toi;:'iImstar, dos Berliner Wunderkind Petra Unkel, sorgen auch dafür, daß dieser Film ausgezeichnet gefallen wird. Nach „Der Zinker" und „Die Pranke“ wird Im Film „Der chinesische Detektiv Charlie Chan" Wiederum an das Publikum die Anforderung gestellt, Uber die Person des Mörders nachzudenken. Alle Beteiligten einer Weltreise werden des dreifachen Mordes verdächtigt Warner 01 a n d, der in „Shanghai-Expreß" eine große Leistung vollbrachte, ist in seinem letzten Kriminalfilm nicht minder erfolgreich. Die unvermeidliche Liebesgeschichte ist geschickt eingeflochten. Prachtvolle Aufnahmen aus Italien, Aegypten, China, Hawat umrahmen die Handlung. Vor der Wochenschau bringt die „Fox" eine interessante Tonfilm-Reportage aus der Fremdenlegion. Man darf sich aber dos Leben bei der Legion nicht so schön vorstellen, wie es in diesem Film gezeigt wird. d. sch. „Ein Liebeskrieg“ oder „Die Sohlacht von Bademünde". Freitag, den 6. Mal, erscheint im Gartenbau-, Ufa-Ton-, Stafa- und Kolosseum-Kino ein neuer Tonfilmschwank der Jüdische Feier im Hundfuim New Yorker Festlichkeit anläßlich des siebenten Jahrestages der hebräischen Universität Aus Anlaß des siebenten Gründungstages der He .brätschen Universität in Jerusalem, der auf den 1. Mai fiel, veranstaltete das amerikanische Komitee der Freunde der Hebräischen Universität in New York eine Feier, deren Verlauf durch den amerikanischen Rundfunk übertragen worden ist. Im Mitte'; il’t dieser Feier standen neben den Ansprachen amerikanischer Persönlichkeiten Ansprachen hervorragender europäischer Persönlichkeiten, wie des englischen Innenministers Sir Herbert Samuel, des französischen Oberrabbiners Israel Levl, James de Rothschilds, des deutschen Dichters Thomas Mann und des Führers der Jewish Agency in Deutschland Direktor Oscar Wassermann. Sir Herbert Samuel führte aus: In Palästina leben Seite an Seite und auch durcheinandergemischt zwei hochintelligente Rassen: die Araber und die Juden, Rassen, die in den finsteren Zeiten des Mittelalters gemeinsam die Fackel der Gelehrsamkeit brennend erhielten. Ich glaube, diese beiden Rassen sind immer noch dazu berufen, freundschaftlich zusammenzuarbeiten, zu ihrem eigenen Nutzen, zum Nutzen Palästinas und der ganzen Welt. Diesem Ziele dient auch die Hebräische Universität in Jerusalem. Direktor Wassermann sagte: Die Universität, das intellektuelle Zentrum einer lebenskräftigen und hoffnungsvollen jüdischen Bevölkerung, ist dazu bestimmt, dauernde Fundamente für die nationale Renaissance zu legen. Mit der Erneuerung des jüdischen Lebens in Palästina fühlen wir das Gewicht der Verantwortung, die uns unsere Erbschaft auferlegt, und wir wissen, daß, was immer die jüdische Gemeinschaft in Erez Israel vollbringen mag, um ihr eigenes Schiksal zu vollenden, auch einen universellen Wert haben muß. Die wahre Natur des Judentums wird sich der Welt in Palästina offenbaren, wo unser Leben und unsere Arbeit für uns sprechen. Abschiedsabend Baratoffs Donnerstag, den 12. Mai, findet in den Jüdischen Nunstlerspielen (Theater Reklame, II., Praterstraße 34) die Abschiedsvorstellung Dr. Paul Baratoffs statt. Das Reinerträgnis dieses Abends ist Fräulein Olah Schlifkowits und Frau Klara Meiseis zugedacht. Ein Nachfahr des Baal Schern rumänischer Dramatiker Im staatlichen Nationaltheater zu Bukarest wird gegenwärtig das Versdrama «Apolionius» des rumänisch-jüdischen Autors Dr. V e r e a, eines Bukarester Arztes, mit großem Erfolg aufgeführt. Es ist dies das erste Mal, daß das Werk eines rumänisch-jüdischen Dichters in das Repertoire der rumänischen Nationalbühne aufgenommen wurde. Das Stück spielt in Alexandrien des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. In ihm wird u. a. auch der hellenistische Jude Philo auf die Blihne gebracht, der in einem Disput über die Schönheit die Priorität des Judentums in der Gestaltung des Schönheitsideals durch den Schir-ha-Schirim verficht. — Dr. Verea, von dem bereits vor einigen Tagen ein Stück, das im marranischen Emigrantenmilieu von Venedig spielt und das Problem bildnerisch-künstleri- 9i1m Antisemitische Frechtheit des Paramount-Wochenschau-Ansagers Die Paramount-Wochenschau brachte in den Wiener Kinos auch Bilder vom Purim-Festzug in Tel-Awiw. Eines dieser Bilder stellte einen Fcstwagen mit einer Burg dar, auf welche Juden hinaufklettern. Dieser Wagen zeigte die Landnahme Palästinas durch Josuah. Der Sprecher des Paramount-Films erklärte jedoch den erstaunten Zuhörern: «Dieser Wagen versinnbildlicht das Streben der Juden nach Eroberung der Welt». Ufa „Ein Liebeskrieg" oder „Die Schlacht von Bademünde". In diesem „Liebeskrieg“ stehen Witzkanonen schwersten Kalibers im Gefecht! Max Adalbert als Ortsdiktator und Tugendwächter, Fritz Schulz und Paul Heidemann als Kämpen des Kasernen- und Minedienstes, Hermann Speelmans als handfester Vollmatrose und Adele Sandrock als Vorsitzende des Jungfrauenbundes — das sind Geschütze, von denen sich jeder gern bombardieren läßt. Die Ursache dieser' Kämpfe in dem Seebad Bademünde, an denen Landarmee, Marine und Zivilbevölkerung teilnehmen, ist das schönste Mädchen des Bades — die reizende Clalre Rommer. Die musikalische Illustration und die Schlager für diese lustige Angelegenheit schrieb Robert Gilbert ■ Zionistisches Die fiebrüiscfke &en>e£un$ (Redigiert vom Waad der «Histadruth Iwrith» ln Oesterreich) Der Hebräertag _/ie von der Histadruth Iwrith proklamierte hebräische Woche fand in dem am 30. April 1932 im Saale des Handelsmuseum stattgefundenen sehr gut beschickten Hebräertag ihren feierlichen Abschluß. Der Tag wurde vom Präsidenten der Histadruth Iwrith, Dr. R o t h b 1 u m, eröffnet, der die Erschienenen, insbesondere die Vertreter der verschiedenen Korporationen und Gruppen, Professor Rath (zion. Mandatare), Frau Paßweg (zionistisches Landeskomitee), Frau Dr. Tartakower (Wizo), Professor Kraus (Rabbinerseminar) und den Nestor der hebräischen Schriftsteller Silberbusch aufs herzlichste begrüßte. Doktor Rothblum sprach über die Bedeutung der Weltunion der Hebräer und über den dieses Jahr einzuberufenden Hebräerkongreß und entwarf ein Bild von den ungeheuren Aufgaben, deren Lösung dem Hebräerkongreß Vorbehalten bleibt. Der Redner wies insbesondere auf die Spraehenprobleme hin, deren einige er in seiner Rede behandelte. Die kulturelle Arbeit in Wien habe die Histadruth Iwrith auf sich genommen und werde hiebei in Hinkunft sowohl von der gesamten zionistischen Organisation in Oesterreich, insbesondere von der Jugend, die mit Begeisterung den Beitritt zur Brith Iwrith Olamith beschlossen hat, unterstützt werden. Große Bedeutung maß der Redner, der im Rahmen der hebräischen Woche stattgefundenen Konferenz der Rabbiner, Religions- und Hebräischlehrer in Wien bei, die zu einer ständigen Einrichtung erhoben wurde und mindestens einmal in zwei Monaten unter Leitung der Histadruth Iwrith einberufen werden soll, um über Erziehungsfragen, insbesondere über die Frage des Religionsunterrichtes in den Volks-, Haupt- und Mittelschulen zu beraten. Es begrüßten sodann den Hebräertag namens ihrer Gruppen Professor Rath, Frau P a ß w e g und Frau Dr. Tartakower. Darauf hielt Dr. Tartakower ein erschöpfendes Referat über den Stand der Literatur im letzten abgelaufenen Jahr. Die sehr interessanten Ausführungen des Referenten lösten großen Beifall aus. Herr Ungarfeld hielt dann das Referat über den Stand der hebräischen Bewegung in der Welt und insbesondere in Oestereich. Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der das Zentralkomitee der Wien Brith Iwrith Olamith in Berlin zu ihrer erfolgreichen Arbeit auf dem Gebiete der Einigung und zur Einberufung der hebräischen Kräfte der Welt beglückwünscht und jedem Mitglied zur Pflicht gemacht wird, den Sela zu zahlen. Ferner wurde auf Grund des auf dem letzten Kongreß gefaßten Beschlusses und der anläßlich der letzten zionistischen Vertrauensmänner- : Versammlung, in der Konferenz der Vertreter der Jugendverbände und der Rabbiner und Lehrer beschlossene Resolution an die zionistische Oeffentlichkeit der Appell gerichtet, sich aktiv an der hebräischen Bewegung zu beteiligen und insbesondere für den Kulturfonds zu spenden. * Ergebnis der hebräischen Woche: Konferenz der Vertrauensmänner aller zionistischen Fraktionen der Mandatare und Wizo nach einer Diskussion, an der sich Dr. Grünbaum, Dr. Friedmann, Dr. Rosen, Dr. Samonsky, Dr. Glanz und Prof. Rath beteiligten, wurde eine Resolution angenommen, die es jedem Zionisten zur Pflicht macht, der Brith Iwrith Olamith beizutreten. Dann wurde eine Erziehungskommission gewählt, bestehend aus dem Präsidium der Histadruth Iwrith. Prof. Rath Dr, üriinbaum. Dr. Friedmann, Dr. Horowitz, Dr. Tartakower, Frau Dr. Tatakower, Dr. Rosen, Dr. Samonsky. — Jugendkonferenz: Nach einem Referat des Herrn Dr. Tartakower und einer Diskussion, an der sich der Beta-Vertreter Goldstein und andere beteiligten, erklärten die Jugendvertreter ihren Beitritt zur Brith Iwrith Olamith. — Rabbiner- und Lehrerkonferenz: Nach einem ausgezeichneten Referat des Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang über die Reform des Religionsunterrichtes und der Bedeutung der hebräischen Sprache schloß sich eine lebhafte Diskussion an, an der sich Prof. Dr. Papo (Obmann des Mittelschullehrerverbandes), Lehrer Müller (Obmann des Voiksschullehrerverbandes), 1. Herzberg (Hebräischlehrer), Rabbiner Dr. Kupfer, Lehrer rick, Schwertfinger, Prof. Chartiner und Rosen beteiligten, wurde beschlossen, die Konferenz als ständige Einrichtung zu erheben, die mindestens einmal in zwei Monaten unter Leitung der Histadruth Iwrith Zusammentritt, um über Erziehungsfragen zu beraten. Zum Schluß wurde eine Erziehungskommission, bestehend aus Rabbiner und Lehrer gewählt. Histadruth Iwrith in Oesterreich Pflichten eines Chawer pail (aktives Mitlied): 1. Zahlung des Sela (1 Schilling) und des Jahreseitrages der österreichischen Histadruth (2 Schilling jährlich); 2. Werbung eines «Minjan»: 10 Personen, die zahlende Mitglieder der österreichischen Histadruth werden Wollen; 3. Kauf von mindestens einem hebräischen Buch jährlich und 4. Lesen einer Seite eines hebräischen Buches täglich. Hebräische Presse Palästinas Zahl der erscheinenden Zeitschriften 44, daruntee 3 Tageszeitungen, 10 Wochenblätter, 6 Monatsschriften, 2 illustrierte Zeitschriften und 15 Fachzeitschriften. Ztt letzteren gehören: «Hassadeh», besteht 10 Jahre und hat 6000 Leser; «Hadar», gewidmet den Fragen der Plantagen* Pflanzungen; «Mischar w'taassijah» (Handel und Industrie); den Fragen des Sanitätswesens sind gewidmet: Die «Mflh Lehen