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Die Stimme · 1932-05-05 · Heft 226 (5.5.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 226 (5.5.1932)
Date
1932-05-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 226 — 5. Mai 1932 Der High Commissioner bewundert das jüdische Aufbauwerk Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur W a u c h o p e, führt gegenwärtig eine Landinspektion durch, bei der er auch die jüdischen Kolonien besucht. Bei seiner Ankunft in der jüdischen Kolonie Artuff wurde er von der Einwohnerschaft empfangen und vom Leiter der Kolonie, Herrn L e v y, mit einer Ansprache begrüßt. Dem Empfang wohnten die Mukhtars (Bürgermeister) der benachbarten arabischen Dörfer bei. Der High Commissioner gab in seiner Antwortrede seiner tiefen Bewunderung für die jüdische Aufbauarbeit in Palästina Ausdruck. Der High Commissioner besuchte auch die jüdische Jugerdlichen-Kolonie Ben Schemen. Extremistische Führung der palästinensischen Revisionisten Billigung der Beschlüsse von Calais Die in Tel-Awiw abgehaltene Konfere,.... ..er Zionisten-Revisionisten Palästinas stimmte in einer Resolution den Beschlüssen der Exekutive des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten, die im September 1931 auf der Tagung in Calais gefaßt wurden, zu. Die Beschlüsse von Calais sollten bekanntlich die während des XVII. Zionistenkongresses entstandenen Differenzen der revisionistischen Bewegung beilegen. Die Konferenz der Revisionisten Palästinas beschloß ferner mit einer Mehrheit gegen den starken Widersp’ruch der Minderheit, die Exekutive des Weltverbandes der Revisionisten aufzufordern, eine von der Zionistischen Weltorganisation unabhängige zionistische Politik zu führen. Die gemäßigte Minderheit der Konferenz erklärte nach Annahme dieser Resolution, daß sie es ablehnen müsse, der neuen Exekutive der palästinensischen Revisionisten beizutreten. Es wurde nunmehr eine Exekutive gewählt, die ausschließlich aus Extremisten besteht. Zum Führer der palästinensischen Revisionisten wurde Achi-Meir gewählt. Der Sitz der Exekutive wurde nach Jerusalem übertragen. Im Zusammenhang mit dem Brief Wladimir Jabotinskys an die Konferenz der palästinensischen Revisionisten, in welchem die Notwendigkeit einer Aktion zur Ersetzung Englands als Mandatar Palästinas durch eine andere Macht angedeutet wird, wird in revisionistischen Kreisen betont, daß weder von der Exekutive des Weltvertjandes der Revisionisten, noch vom Parteirat, noch von "irgendeiner revisionistischen Weltkonferenz ein Beschluß gefaßt worden ist, wonach Großbritannien als Mandatar Palästinas durch eine andere Macht ersetzt werden sollte. (Also, wobei bleibt es? Die Red.) Die fitdistfie tfrau Wut ertagfeier der W. I. Z. 0. Am Vorabend des Muttertages, Samstag, den 7. Mai, 8 Uhr, findet die Muttertagfeier der W. I. Z. O. im großen Saale des Hauses der Industrie, I., Schwarzenbergplatz 4, statt. Das Interesse für diese neuartige Veranstaltung der Organisation zionistischer Frauen ist überaus groß. Das Programm der bekannten Rezitatorin Margarethe Bach ist auf das Motiv der jüdischen Mutter eingestellt und enthält neben einer Vorlesung aus der Bibel Gedichte und Novellen von Asch, Beer- Hofmann, Morris Rosenfeld, Martha Hofmann, Z. F. Finkeistein, Grünau u. a. Marianne Mislap- Kapper, begleitet von Franz Mittler, wird Wiegenlieder und Volkslieder in deutscher und jüdischer Sprache singen. Grete N e u f e 1 d bringt ain Klavier Kompositionen von Mendelssohn, Medtner, Toch und Stutschewsky «Palästinensische Skizzen». Die Akademie wird mit einer Ansprache von Frau Marie Pollak eingeleitet, die über das Mutterwerk der W. I. Z. 0. in Palästina sprechen wird. Restliche Karten zum Preise von 2 bis 5 Schilling sind im Sekretariat der W. I. Z. O., IX., Nußdorferstraße 42/8, zu haben. Zentralstelle der Staatenlosen in Deutschland In Zusammenarbeit mit dem Verband der Staatenlosen in Breslau ist die Zentralstelle der Staatenlosen in Deutschland, Sitz Berlin, Berlin N 54, Rosenthaler Straße 55, Telephon: D 1, Norden 5514, gegründet worden. Aufgabe dieser Zentralstelle ist es, alle in Berlin und in Deutschland lebenden Staatenlosen zusammenzufassen und ihre Interessen wahrzunehrnen. Es soll der Versuch unternommen werden, Staatenlosen, die zu Unrecht staatenlos geworden sind, wieder die ehemaligen Staatsbiirgerrechtc zu beschaffen. Die GroBfleischtiauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 1**, fei. A l/-3-Uün. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für -i^-Fleisch MM»:»—in II— m 'XI unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbmats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien 4uiozuiteilung Kosieri.o*- IX, Berpgasse t- XVIll Währlnsrerstraße 7^ Organisierung einer Konferenz der Staatenlosen in Deutschland ist in Vorbereitung. Alle in Deutschland lebenden Staatenlosen und alle Ortsgruppen der Staatenlosen werden gebeten, sich unverzüglich mit der Zentralstelle in Verbindung zu setzen, um eine restlose Registrierung der Staatenlosen durchzuführen. Entdeckung einer antiken Synagoge Von E. L. Sukenik «Nichts in dieser Welt geht verloren». Von der Wahrheit dieser Worte konnte sich der Schreiber dieser Zeilen eines Abends in den letzten Tagen des Monats Dezember 1928 Überzeugen, als er nach Hause kam und dort einen Siedler von Beth-Alpha antraf. Beth-Alpha ist eine junge Kolonie, die nach dem Kriege am Fuße des Gilboagebirges, im Tale Jezreel gegründet wurde. Sie war oftmals von mir anläßlich der im Auftrag der Universität ausgeführten Forschungen besucht worden. Beim Uebernachten mußte man gewöhnlich darauf vorbereitet sein, den jungen Leuten der Kolonie einen Vortrag zu halten, da alle sich außerordentlih für Archäologie interessierten. Bei einem Vortrage, wie ich mich deutlich erinnere, war es besonders die interessante Entdeckung einer Synagoge in der Nähe von Jericho, die ich meiner Zuhörerschaft schilderte und auch im Bild vorführte. Diese Synagoge zeichnete sich von den anderen, bis dahin entdeckten, besonders durch ihren Mosaikfußboden aus. Man kann sich meine Ueberraschung lebhaft vorstellen, als mein Besucher bei meinem Eintritt lebhaft in die Worte ausbrach: «Eine Synagoge mit Mosaik ist bei uns gefunden worden.» — «Wo und wann ist dies geschehen?» Meine Fragen überstürzten sich vor Ungeduld, näheres über diese wunderbare Begebenheit zu vernehmen. «Im Wirtschaftshof der Kolonie», war die knappe Antwort. Darauf folgte eine kurze Erzählung, der ich entnehmen konnte, daß die Siedler in Beth-Alpha beim Graben eines Bewässerungskanals für ihre Felder auf einen schmalen Streifen von Mosaik gestoßen waren, auf dem nach der Reinigung, die sie, neugierig geworden, selbst unternahmen, Teile von zwei Zeichen des Tierkreises mit hebräischen Inschriften über ihnen sichtbar wurden. Meine «jungen Archäologen» aus Beth-Alpha vermuteten sofort, selbständig eine antike Synagoge aufgestöbert zu haben. Wie wir später sehen werden, war ihre Annahme ganz und gar nicht falsch. Am 9. Jänner 1929 bereits standen wir, die kleine Expedition der Universität, dort am Bestimmungsort. Sieben Wochen dauerten die Grabungen' und ich kann nicht sagen, daß die Arbeit immer leicht war. Irijenem Winter herrschten heftige Regenstürme in Palästina. Diese brachten es mit sich, daß wir für Tage von der Außenwelt abgesperrt waren. Alle Unannehmlichkeiten jedoch wurden durch die Freude, die wir an der Arbeit hatten, wie auch durch das lebhafte Interesse, das ihr von den Ansiedlern Beth-Alphas, ihrer Umgebung und von der ganzen jüdischen Bevölkerung Palästinas entgegengebracht wurde, ausgeglichen. Was uns aber mehr als alles für unsere Strapazen entschädigte, waren die hochinteressanten Funde. Das Terrain, das wir nun freilegten, bestand aus einem Vorhof von ungefähr 10X12 m, einem 2.60 m breiten Vestibül, einer 10.50X12 m großen Synagoge und einem kleinen Nebenzimmer, dessen Raumumfang nicht festgestellt werden konnte. Die Synagoge hatte die übliche basikale Form. Der Synagogenraum wird durch zwei Reihen von je sechs Pfeilern in drei Schiffe geteilt; ein breiteres Mittelschiff und zwei schmälere Seitenschiffe. Mit den übrigen anderen palästinensischen Synagogen teilt diese die Orientierung nach Jerusalem, hier also nach Süden. Die Südwand weist als architektonische Eigentümlichkeit eine runde Apsis auf, die zur Aufnahme des Thoraschreines bestimmt war. Noch eine andere Eigentümlichkeit ist dieser Synagoge Vorbehalten: Während nämlich in den früher entdeckten die drei Eingänge zur Synagoge sich an der Orientierungsseite befanden, sind die Eingänge hier in der Jerusalem gegenüberliegenden Wand eingelassen. Dies ist auf den Umstand, daß sonst kein Platz für den Thoraschrein hätte gefunden werden können, zurückzuführen. Längs der Wände sind, wie in anderen Synagogen, Steinsitze angebracht. Eine Besonderheit ist auch das Podium, das an der Ostreihe der Pfeiler im Süden der Synagoge in der Nähe der Apsis gefunden wurde. Noch viel interessanter aber ist der Mosaikfußboden, der merkwürdigerweise vorzüglich erhalten ist. Die gute Bewahrung des Mosaik ist nur der Art und Weise, wie die Synagoge zerstört wurde, zu verdanken. Wie klar nachgewiesen werden konnte, ist die Synagoge einst von einem Erdbeben vernichtet worden. Bei den ersten Stößen wurden Wände, Decke und Pfeiler erschüttert und die dicke Verputzschicht fiel herunter und legte sich schützend auf das Mosaik, dem dann die krachend zusammenfallenden Wände und die Schläge der Steine nichts mehr anhaben konnten. Der ganze Baukomplex der Synagoge ist mit Mosaiken ausgelegt. Die Mitte des südlichen Feldes zeigt einen Thoraschrein mit zweiflügeliger Tür, der von einem Giebeldach bekrönt ist. Von der Spitze desselben hängt eine brennende Lampe herunter, die wahrscheinlich die ewige Lampe darstellt. Zwei große Vögel, straußenähnlich, stehen auf der Basis des Giebeldaches. Zur rechten und linken des Thoraschreines befindet sich ein siebenarmiger Leuchter ' Am 8. Mai ist Muttertag — Was man da wohl schenken mag? Freude kann man stets bereiten Mit Bonbons und Süßigkeiten! Auch Schok’lade und Kakao Sind willkommen jeder Frau! und darunter noch andere Ritualobjekte, wie die Posaune, der Palmzweig, die Citrusfrucht usw. Zwei Löwen an den Seiten des Feldes bilden die Ehrenwache. An den oberen Ecken des Feldes sieht man zwei zusammengeraffte Vorhänge. Das große Mittelfeld wird von einem Tierkreis eingenommen. Im Zentrum sitzt die aufgehende Sonne In Gestalt eines Jünglings mit Strahlenkrone in einem Wagen, der von vier Pferden gezogen wird. Im dunklen Hintergrund, der die sich zurückziehende Nacht versinnbildlicht, leuchten der Halbmond und die Sterne, die von der aufgehenden Sonne sozusagen verdrängt werden. Um die Sonne kreisen die zwölf Zeichen des Zodiaks und über jedem eine hebräische Ueberschrift. In den vier Ecken des Feldes sind die vier Jahreszeiten als geflügelte Genien mit Kopf- und Halsschmuck dafgestellt. Neben den Jahreszeiten befinden sich verschiedene symbolische Gegenstände, wie Hirtenstab, Früchte etc., die dazu beitragen, das Wesen der einzelnen Perioden näher zu bestimmen. Außerdem sind sie noch mit hebräischen Inschriften versehen. Ein breiter Streifen mit Palmen in rot und schwarz teilt dieses Feld vom nächsten, auf dem die Opferung Isaaks dargestellt ist. Links halten zwei Jünglinge einen gesattelten Esel. Daneben sieht man einen Widder, der an einen Busch gebunden ist. Um über das Wesen dieses Tieres gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, befindet sich über dem Widder noch ein kurzes Zitat aus der Bibel: «Und siehe, hier ist der Widder». Ein hochgewachsener Mann mit grauem Barte, der von der Inschrift über seinem Haupte als Abraham bezeichnet wird, hält in seiner Rechten ein großes Opfermesser und mit der linken Hand hebt er den kleinen Isaak empor, der nur mit einem Hemdchen bekleidet ist. Die Inschrift über dem Kopfe des Kleinen bezeugt auch hier, daß das Kind wirklich Isaak ist. Ganz rechts steht der Altar und seine lodernden Flammen steigen zum Himmel empor. Alles ist also zur Opferung Isaaks gerüstet. Doch wie bekannt, hat das Schicksal es mit dem Sohne Abrahams anders bestimmt und die Geschichte hat eine günstigere Wendung genommen. Eine Hand streckt sieh aus dunklen Wolken hervor und ein anderes Zitat aus der Bibel: «Strecke deine Hand nicht aus», unter der Hand, warnt Abraham vor dem entscheidenden Schritte. Die Hand symbolisiert das Eingreifen Gottes in die Opferung Isaaks. Abraham hat den Ruf Gottes vernommen, wie sein nach der Hand gerichteter Blick zeigt. Schon vom Stil der Bilder allein hätte die ungefähre Periode, in der dieser Mosaikfußboden entstanden ist, erkannt werden können. Doch wir hatten insofern noch mehr Glück, als wir kurz vor Abschluß unserer Grabung am Eingang zum Mittelschiff der Synagoge zwei Inschriften entdeckten, von denen die eine datiert war. Von den beiden Inschriften war die eine griechisch und die andere aramäisch. Die griechische Inschrift erzählt, daß zwei Juden, Vater und Sohn, mit . Namen Marianos und Haninah dieses Mosaik ausgeführt haben. Die aramäische Inschrift, obwohl leider teilweise zerstört aufgefunden, bewahrt glücklicherweise doch noch den Teil, in dem ausgesagt wird, daß der Mosaikfußboden im Jahre.... zerstört, unter der Herrschaft des Kaisers Justinus errichtet wurde. Wie aus verschiedenen Gründen angenommen werden kann, ist hiermit Justinus I. gemeint und das Mosaik gehört somit dem Ende des ersten Viertels des VI. Jahrhunderts n. Chr. an. Die Mittel zur Ausführung der Grabung wie auch zur Veröffentlichung einer Monographie über diesen interessanten Fund haben wir der Temple Emanuel Congregation von New York zu verdanken, die uns durch Vermittlung ihres verstorbenen Präsidenten, Herrn Louis James Marshall zugeführt worden sind. Sie genügten fast vollständig zur Herstellung einer Anzahl farbiger und eintöniger Tafeln wie auch für Pläne, Rekonstruktionen und anderes bildliches Material, die den Text des Werkes illustrieren werden. Das Buch erschien zu Ostern in zwei Sprachen, hebräisch und englisch, im Verlage der Hebrew University Press Association zu Jerusalem und wird sicherlich bei allen Palästinafreunden reges Interesse wachrufen, bildet doch die antike Synagoge von Beth-Alpha ein einzigartiges Monument der jüdischen Vergangenheit. Die größte jiddische Tageszeitung Europas »Der Moment« (Warschau) ist bei allen Zeitungsständen zu haben. Besonders reichhaltiger Inhalt in den Freitagnummern! Ebenso die interessante illustrierte Wochenschrift „Der Hausfreund“

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