Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 225 (29.4.1932)
- Date
- 1932-04-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 225 — 29. April 1932 DIE STIMME Seife T Nur eine Zeitung in ganz Oesterreich gibt der Zion. Landesverband heraus: und wir werben weiter! ZIONISTEN! Verlanget immer und überall Pie Stimme Welchen Anklang dieses Blatt findet, beweist die sprunghafte Steigerung der Abonnentenzahl Plus 35 Proient im Monat April Die Stimme liierotur/Kunst /Iheoier Ein Abend ec' ten Vergnügens «Der dunkle Punkt» ln den Jüdischen Künstlerspielen «Der dunkle Punkt» heißt das Lustspiel von Kadelburg. Nicht neu, aber gut; nicht ultramodern, aber pointiert; nicht überwältigend, aber unaufhörlich auf die Lachmuskeln einwirkend. Eine ziemlich harmlose Angelegenheit, von Schigorin gut ins Jiddische übertragen und vom Ensemble blendend — bitte: ich benütze diese Bezeichnung im vollen Bewußtsein ihres Inhaltes — dargestellt. Ein komischer Professor hat zwei heiratslustige Kinder; ein hyperkomischer Baron einen verliebten Sohn; ein grotesker Ochsenzüchter eine Tochter, die ihr Herz ebenfalls verlor. Es ist klar, daß da zwei Ehepärchen entstehen müssen. Aber bis es dazu kommt, hat das Publikum Gelegenheit, sich wunderbar zu amüsieren. Denn große Schwierigkeiten sind vorhanden. Der Baron ist eben ein Baron und auf die Makellosigkeit seines zukünftigen Schwiegersohnes und der Schwiegertochter, wie auch deren Vorfahren bis zum x-ten Glied sehr bedacht. Er fahndet nach «dunklen Punkten», findet sie, läßt sich dann überzeugen, daß sie keine sind und fällt schließlich selber herein: Der schlimmste «dunkle Punkt» haftet ja an seiner eigenen Familie. Welcher Art dieser ist? Das möchte Ihnen so passen, alles aus der Zeitung zu erfahren! Gehen Sie nur ins Theaterl Nur so viel: Natürlich happy end, happlest end. Trotz dunklem — was dunklem? Man kann schon ruhig sagen: schwarzem — Punkt. Paul B a r a t o f f gibt ihn. Sein Neger ist zwar in bezug auf Schminke nicht waschecht, künstlerisch aber wohl unvergleichlich. Maske, Spiel, Tonfall, Radebrechen der Sprache — all das ist so hundertprozentig gelungen, so großartig, daß man sich wundern muß: ist das derselbe Baratoff, der uns im «Vater» und im «Abtrünnigen» bis ins Tiefste erschüttert hat? Wahrhaftig: ein vielgestaltiger Künstler, dessen Rollenskala s o groß istl Aber die, die mit Ihm spielen, verdienen auch echtes Lob. Vor allem Z e 1 n i k e r s Schweinezüchter, S i g a 11 s Professor und Schigorins Baron. Diese drei Gestalten können kaum drolliger gebracht werden. Ola S c h l i f k ow i t z — bezaubernd wie immer, Klara M e i s e I s — fabelhaft grotesk als Dienstmädchen. Auch alle anderen durchwegs auf der Höhe. Auf der Höhe — last, but not least — auch die Regie. Mit einem Wort: Ein Abend des Amüsements und wertvollen Genusses. Die Jüdischen Künstlerspiele haben bewiesen, daß sie ein gutes Theater sein können, wenn sie nur wollen. S. W. Sarah Osnath Halevy in Lettland. Sarah Osnath Halevy, die von ihrem Auftreten im Josefstädter-Theater her bekannte gefeierte jemenitische Sängerin und Tänzerin, hat mit ihrem Manne," dem Schauspieler Moses W o 1 i n, in Riga drei Konzerte absolviert, die glänzend besucht waren und großen Erfolg hatten. Alle lettischen Zeitungen sind voll des Lobes. «Rigaer Rundschau», «Frihmorgen», «Sewodnia» und «Uwend-Post» bringen spaltenlange, begeisterte Berichte und Bilder von den Künstlern. Uebertragung des Pessach-üottesdlenstes durch Radio Belgrad Die größte Radiostation Jugoslawiens, die Belgrader Funkstation, hat am Vorabend des Pessachfestes, am 20. April, 18 Uhr 45 Minuten, den Gottesdienst aus der aschkenasischen Synagoge in Belgrad übertragen. Ueber die Bedeutung des Pessachfestes für das Judentum und die Menschheit sprach Rabbiner J. Schlang; Oberkantor A. Oral4mann und Chordirigent S, Qroßmann besorgten dun gesanglichen Teil. Das Kunstmuseum in Tel-Aviv eröffnet In Anwesenheit mehrerer Regierungsbeamter, der auswärtigen Konsuln in Palästina und mehrerer jüdischer Künstler, Schriftsteiler und Männer des öffentlichen Lebens wurde am 2. April ln T e 1 - A v i v das Kunstmuseum eröffnet. Das Museum ist in dem früher von Bürgermeister Mayer D i z e n g o f f bewohnt gewesenen Hause untergebracht, das dieser zum Andenken an seine kürzlich verstorbene Frau dem Museum gestiftet hatte. Der Distriktskommissär, der die Erüffnungszeremonie vollzog, führte in seiner Ansprache aus, die jüdische Stadt Tel-Aviv leiste ein großes Werk und bilde sich zum Zentrum von Kunst und Kultur im nahen Orient heran. Bürgermeister Dizengoff gedachte in seiner Antwortrede des vor kurzem in Amerika verstorbenen Begründers der Bezalel- Schule in Jerusalem, Professor Boris Schatz. Das Museum enthält Werke von Modigliani, Chagall, Levitan, Kissling usw. Ein neues Sabbattai-Zewi-Drama Im Heim des Berliner Journalisten Herrn J. Kilnoff las ein von Arnold Zweig eingeführter jüdischer Dramatiker, Bensef Liber, Szenen aus seinem Drama «Volk im Taumel» vor, daß die Sabbattai-Zewi-Epoche des Judentums behandelt. Zu der Veranstaltung hatte sich ein Kreis von Presseleuten und Theatcrinteressenten eingefunden. In der sich anschließenden Aussprache kam zum Ausdruck, daß es dem Autor gelungen ist, dem gewaltigen Stoff, mit dem schon mancher Dichter gerungen hat, die künstlerisch adäquate Gestaltung zu geben. Das hebräische Theater «Habimah» in Palästina erwägt eine Aufführung des Dramas, für das Arno Nadel die Musik vorbereitet. Tartüffe bei der Habimah Vor kurzem fand die außerordentlich gelungene hebräische Erstaufführung des Molltereschen «TartÜffe» (übersetzt von Shlonskl) statt. Man bewunderte neben der prachtvollen Inszenierung die besonders feine hebräische Wiedergabe. Goethe-Vortragsabend. Am 12. April fand im Festsaal des Hotels Continental ein Goethe-Vortragsabend des Herrn Dr. S. R o s e n r a u c h, eines Schülers Jakob Minors, statt. Er umfaßte außer Goethes Gedichten und Balladen auch mehrere Szenen aus dem 1. Teil des «Faust» in freier Rezitation. War schon das Rezitieren aus dem Gedächtnis eine nicht alltägliche Leistung, die von schöner Begeisterung für den Dichter zeigte, so hat noch mehr die gefühlvolle, immer treffend charakterisierende Art des Vortrages den aufrichtigen Beifall der Anwesenden gefunden. — Prof. Z i m b I e r, der mit gewohnter Meisterschaft zwei Violinsoli spielte, sowie Fräulein Nora D a u b e r als Sängerin holten sich den besonderen Dank der Zuhörer. «A dritte Sedemacht.» Die rührige Zionistische Bezirks-Sektion Leopoldstadt veranstaltet im Verein mit dem reaktionären zionistischen Klub «Erez Israel» einen Abend, der vergangenen Samstag im Saal des Hotel «Post» unter der Devise «A dritte Sedemacht» stattfand. Ein auserlesenes Programm, ausgeführt vom Berliner literarischen Kabarett «Kaftan» unter der Leitung Maxim S a k aschanskys und einigen Mitgliedern der Bezirks- Sektion, sorgten für die Unterhaltung des zahlreichen Publikums. Maxim Sakaschansky brillierte als Schauspieler und Conferencier. Glänzend und eindrucksvoll war er in den Liedern: «Dos Briewl zum Rebben», «Die Sehaale» (Die Frage), «Die Fasanenstraße» und tDajeJnu». Sakaschansky geißelt in humorvoller, aber scharfer Art die Assimilation und verherrlicht ln tetnefl Ausführungen die Leistungen und die Arbeit in Ere* Israel, ln dem Ensemble des «Kaftan» fiel angenehm Herr W e i t z auf. Es ist schade, daß man diesen Schauspieler nicht auf einer Wiener jüdischen Bühn« sehen kann. Sehr gut waren Frau Landauer-Le ft« r c r und Frau Zw i 11 i n g. Erwähnenswert ist das Mit« gürd der Bezirkssektion Herr W. Weinberg m einer Studie «Tanz der Befreiung». Es wäre zu wün* sehen, daß die Bezirkssektion Leopol istadt öfter mH solchen gelungenen Abenden vor die Öffentlichkeit tritt. ds Jüdische Künstlerspiele (Theater Reklame). II., Pratefstraffe 34. Die letzten Gastspieltage Dr. Paul Baratoff* in den Jüdischen Künsflerspielen bringen die lustige Komödie «Der dunkle Punkt» von Kadelburg, die bisher mit großem Erfolg gespielt wurde. Sonntag, den 1. Mai, findet eine Festvorsfellung von Ernst Tollers cHinkemann» mit Dr. Paul Baratoff in der Titelrolle statt. Volkstümliche Preise. Kartenvorverkauf an der Tageskasse, fl., Praterstraße 34. Telephonische Kartenbestellung R 40-0-94. Volksmusik ln Kunstform. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik veranstaltet Samstag, den 30. April, im Saal« der Bnai B’rith, Wien, IX., Universitätsstraße 4, Uhr, den IV. Kammermusikabend unter der Devise: «Volksmusik in Kunstform». Im Programm: Werke von Brandmann, Lwow Achron, Wolfsohn, Engel, Levin, M Iner, Alman und Kopit Ausführende: Oberkantor Gereon Margulies, Gesang; Israel Brandmann, Violine; Hans Horowitz, Klavier; ein Streichquartett. Jehuda Ehrenkranz, der in den letzten Wochen eine außerordentlich erfolgreiche Rezitationstournee durch die österreichische Provinz absolvierte und unter anderem in Graz, Linz (drei Abende) und Salzburg las, begibt sich nun nach Deutschland. Am 23. Mai findet dann in Wien eilt einziger Rezitationsabend mit neuem Programm statt. Zum Vortrag gelanget« ernste und heitere jüdische Dichtungen. Maler Isaac Perlmutter gestorben. Im Alter von 66 Jahren starb in Budapest der bekannte jüdische Maler Isaac Perlmutter. Er gehörte zu den ersten Repräsentanten der ungarischen Malerei. 1909 e'.hielt er auf der Münchener Internationalen Ausstellung die große Goldene Medaille, spä er zahlreiche andere ausländische Preise Die Nationalgalerien in Budapest und in Rom enthalten mehrere seiner Gemälde. 1926 wurde er Ehrenmitglied der Society of Painters. Jubllüumskonzert Julian Wath. Samstag, den 30. d. M* V28 Uhr, findet im' Saale des Hotels Continental, II., Taborstraße.8, eine große Akademie unter Mitwirkung Wiener Künstler statt. Kammersänger Wath, der in Wien sehr gut bekannt ist, feiert mit diesem Abend sein 25jähriges Opernsängerjubiläum. Restliche Karten an der Abendkasse zum Preise von 2 bis 5 S ’ Sitm Wie entsteht ein Tonfilm? Von Dolf Brauer Üeber das technische Werden des modernes! Tonfilm* herrschen im Publikum nur vage Vorstellungen, da stell sein Interesse mehr auf Spielhandlung und Hauptdarsteller erstreckt. Wieviel technische Kleinarbeit Aufnahme und Entwicklung des Tonfilms erfordern, kann man erst nach näherem Studium der Materie ermessen. Die für den Tonfilm eigens hergestellten Lampen, die vom eigenen Umformer-Werk gespeist werden (Jahresverbrauch eine Million Kilowatt) liefern der Bildkamera das notwendige Licht. Die Kamera ist schalldicht eingebaut und mit Synchron- Motor versehen. Aus künstlerischen Gründen sind Ton- und Bildkamera getrennt, um die Möglichkeiten für künstlerische Kombinationen bei der Zusammensetzung von Ton und Bild zu schaffen. Im Atelier sind für die Tonaufnahmen lediglich die verschiedenen Mikrophone angebracht, die den Ton zur Tonkamera leiten. Seine Qualität überwacht der Tonmeister lm schalldicht abgeschlossenen Raum auf dem „Mischbrett44. Bis zu neun Mikrophone können hier unabhängig voneinander geregelt werden. Durch Slgnalelnrichtungcn wird der Produktionsleiter ebenso wie der Apparateraum über die Aufnahmebereitschaft verständigt. Die Verständigung gesohleht geräuschlos, also auch Avährend der Aufnahme. Die elektroakustlschen Schwingungen werden in einer Zelle optisch auf den Tonstreifen übertragen (Licht-Tonverfahren, gleichzeitig kann das Nadeltelephon ausgeübt werden, das sofortiges Abhören ermöglicht). Um genaues Uoberelnstlmmen von Ton und Bild zu erzielen, wird vor jeder Aufnahme die Nummer der Szene ausgerufen und tonphotographiert, die Synchronklappe geschlagen, die scharfe Wellenlinien auf dem Tonstreifen verzelohnet, so daß der Beginn der Szene sofort zu erkennen ist. Der tunlichst genauen Synchroniserung dienen auch eine Telegraphen-Einrichtung, die auf Ton- und Bildstreifen in Abständen von einem Meter fünfstellige Zahlen aufdruckt, sowie die Synchronlslerungs-Maschinen, die für gleiche Drehzahl der Motoren sorgen. Die durch Darstellung, Tonaufnahmen, Lichtwirkungen usw. bedingten Fehlerquellen erfordern mehrmaliges Drehen derselben Szene, wo* an Regisseur, Produktionsleiter und alle sonstigen Mitwirkenden erhebliche Ansprüche an Nervenkraft stellt, Zur Ueburprüfung der fcrtiggestellten Ton- und Bildstreifen vertilgt die Ufa über modernst eingerichtete Abhörräume, in denen auf Synchronisations- und Anhörtischen der Filmstreifen kontrolliert wird, hierdurch wird die schwierig* Arbeit des ..Schneidens“ und „Klebens" erleichtert. Die aufgenommenen Szenen sind, wie schon oben gesagt, natürlich nicht sämtlich verwendbar Geeignete Telle werden herausgeschnitten und zum endgültigen Film zusammengeklebt. Erst wenn eine „Musterkopie" fertiggestellt Ist, wird das Negativ nach ihr zurechtgeinacht. Zuletzt wird der Tonstreifen auf den positiven Bildstreifen kopiert. «Die Gräfin von Monte Christo» — «Mädchen zum heiraten» — «Der Frechdachs» Ein Film, der das schon öfter behandelte Gebiet der Theater und FUmbdrsen in packender und ausführlicher Weise aufrollt. Karl Hartl läßt in „Die Gräfin von Monte Christo" seine Reglekünste spielen und zeigt, blendend* Filmtechnik und herrliche Aufnahmen. Brigitte Helm versteht es, zwischen der Wirklichkeit des I.ebens und dem Scheine der Kunstwelt eine Gestalt zu schaffen, dlo glaubhaft und echt wirkt. Rudolf Förster konnte ln der „Drolgroschenoper" seine Fähigkeiten besser zum Ausdruck bringen, trotzdem ist seine Leistung als Abenteurer und Charakterdarsteller auch ln diesem Film hoch zu werten. Wenn es in der Absicht des Chefs gelegen ist, zwei seiner Untergebenen durch Heirat zu verbinden, so liegt der günstige Ausgang nach operettenhafter Voraussicht In der Luft. Selbst ein Heiratsvermittler wie Fritz GrÜnban der in „Mädchen zum heiraten“ wieder einmal '.OrllatVMifll