Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 224 (21.4.1932)
- Date
- 1932-04-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nt. 234 - 21. April 1932 DIE STIMME Seite 9 Die Salontttiev Pogromschande Sämtliche Angeklagte frefgaiprocfien Saloniki, 10. April. (Prlvattelegramm.) In dem In V e r r 1 a durchgeführten Prozeß gegen Salonikler Pogromisten wurden 8ämtlleht Angeklagten freigesproehen, nachdem der Staatsanwalt während seines Plädoyers plötzlich eine Schwenkung vollzogen und die Angeklagten ln Schutz genommen hatte. Das Urteil ruft In den anständigen Kreisen der griechischen Bevölkerung stärkste Entrüstung hervor. In dem Prozeß gegen die Anstifter des Pogroms in Saloniki vom Juli 1931, der in Verria bei Saloniki stattfindet, machten die Aussagen der Pogromopfer auf das Gericht einen so erschütternden Eindruck, daß der Gerichtspräsident tiefbewegt ausrief, nur Wilde könnten solche unmenschlichen Taten vollbringen. Ein Offizier der Luftstreitkräfte, der ebenfalls Zeuge des Pogroms war, rührte mit seiner Schilderung der Vorgänge den Gerichtspräsidenten, die Jury und den Staatsanwalt zu Tränen und veranlaßte sie zu Ausrufen der Empörung. Er schilderte, wie alles vorbereitet worden war, um die jüdischen Einwohner in den «Eine amerikanische Tragödie.» (Deutsches Volkstheater.) Ein Gast am Deutschen Votkstheater. Ein Gast und doch ein alter Bekannter. Vertraut klingt sein Name: Schildkraut. Des großen verstorbenen Rudolf Sohn: Josef Schildkraut. Drüben in Amerika herangereift, von der Glorie einer Filmkarriere umgeben, begabt, jung, bildhübsch, kam er in seine Heimat, wo einst der «Shylock» des Vaters Triumphe feierte, herüber, um ein Gastspiel zu absolvieren. Ihm zu Ehren oder gar auf seine Veranlassung wurde «Eine amerikanische Tragödie» von Dreiser in Szene gesetzt. Man weiß nicht, wer diesen grandiosen Roman dramatisiert hat, und es ist besser, daß der Name des Verunstalters verborgen bleibt. Die Anonymität schützt ihn vor berechtigten Angriffen. Noch selten ist ein ethisches Werk so kläglich, so unfähig für die Bühne zurechtgemacht worden wie «Eine amerikanische Tragödie». Dadurch war Josef Schildkrauts Leistung von vornherein in Frage gestellt. Wo psychologische Uebergänge fehlen, wo von der Dschungel des seelischen Geschehens «dank» sketchmäßiger Theaterbearbeitung keine Spur bleibt, kann auch ein Schauspieler von Format nicht viel ausrichten. Die Rahmen waren zu eng. Der Mime Josef Schildkraut tat, was in seinen Kräften lag, der Mensch konnte nicht zum Vorschein kommen. So war denn die Sensation da, das Erlebnis blieb jedoch aus. Nach den ersten Bildern — von Dr. Beer auf der Drehbühne mit augenscheinlicher Oberflächlichkeit in Szene gesetzt —nach diesen Bildern, wo wir den charmanten Josef Schildkraut kennenlernten, warteten wir auf die große Erschütterung, auf den Menschen — vergebens. In der Gerichtsszene war wie eine kleine Ahnung von ihr zu verspüren. Eine kleine Ahnung — sonst nichts. Wir sind überzeugt: In der — ungeschickt zugestutzten «Amerikanischen Tragödie» zeigte nicht Josef Schildkraut alles, was er kann und was er ist. Und wir hoffen: Es lebt in ihm das künstlerische Erbe des großen jüdischen Schauspielers, das ihn uns noch im vollen Glanze der schauspielerischen Persönlichkeit zeigen wird. S. W. Retiben Bnlnin 70 Jahre Der gegenwärtig ln New York lebende hervorragende hebräische Schriftsteller und Publizist Reuben B r a I n i n vollendet in diesen Tagen sein 70. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß fand am 2. April in der Stadthalle zu New York eine große Feier statt, der zahlreiche führende Persönlichkeiten des amerikanischen Judentums und mehrere Vertreter der jüdisch-hebräischen Schriftstellerwelt beiwohnten. Reuben Brainin wurde 1862 in Ljady (Weißrußland) geboren. Schon seine ersten hebräischen Arbeiten fanden viel Beachtung. 1862 gründete er in Wien die Zeitschrift «mi-Misrach und -Maarab», die er später in Berlin fortsetzte. Er trat auch Theodor Herzl näher. Er schrieb mehrere Monographien über hebräische Dichter und Publizisten, In Berlin, wo er später wohnte, wirkte Brainin, als Vorsitzender des Vereins «Safa Berura", für die Neubelebung des Hebräischen als Umgangssprache. 1909 siedelte er nach Amerika über, wo er das Wochenblatt «ha-Deror» und den «ha-Toren» redigierte und eine fruchtbare Tätigkeit für die Verbreitung.der hebräischen Sprache und Kultur in Amerika entfaltete. Bahn- Flammen umkommen zu lassen, und wie er, der Zeuge, einen jüdischen Apotheker aus seinem ganz von den Flammen eingeschlossenen Hause unter eigener Lebensgefahr herausholte und so vor dem sicheren Feuertode rettete. Als der Zeuge geendet hatte, wandten sich der Gerichtspräsident und der Staatsanwalt mit empörten Worten gegen die Pogromstifter und riefen, was im Juli 1931 geschehen war, erinnere an die schlimmsten Zeiten des Byzantinischen Reiches. Am Schlüsse des Prozesses trat aber eine Wandlung ein, die man auf unbekannte äußere Einflüsse zurückzuführen geneigt ist. Der Staatsanwalt, der während des ganzen Prozesses und auch im ersten Teil seines Anklage-Plädoyers eine sehr strenge Haltung gegen die Angeklagten einnahm und sie der Verbreitung lügenhafter Legenden und der Befolgung mittelalterlicher barbarischer Methoden gegen die jüdischen Mitbürger beschuldigte, versuchte in dem zweiten Teil seines Plädoyers seine am Tage vorher gemachten Aeußerungen abzuschwächen und namentlich die Mitschuld der Angeklagten an der Nlederbrennung des Salonikier jüdischen Wohnviertels Campbell als unerheblich erscheinen zu lassen. brechend sind Brainlns Leistungen auf dem Gebiete der hebräischen Literaturkritik, der neue Wege, die Methode psychologischer Analyse und ästhetischer Einfühlung, gewiesen hat. An der zionistischen Bewegung nahm er aktiven Anteil und war eine Zeitlang Vizepräsident der Zionistischen Organisation Amerikas. Die Psalmkomposltictf Schuberts Der Tempel Emanuh-El in New York bestellte bei den bekannten Tondichtern jüdischer Musik Ernest Bloch, Joseph Achron, Ssaminsky u. a. liturgische Kompositionen, die die alten konventionellen, mit dem wahren Geiste des Judentums wenig übereinstimmenden Gesänge ersetzen sollen. Ferner wurden in Boston im Rahmen eines vom Kapellmeister S. B r a s 1 a w s k i geleiteten liturgischen Konzertes zwei interessante, fast nie gehörte Werke aufgeführt; es sind dies ein Psalm von Salomon Rossi (dem einzigen im 16. Jahrhundert lebenden berühmten jüdischen Komponisten) und der 92. Psalm mit der Musik von Schubert, der bekanntlich dieses Werk auf Bestellung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien auf einen hebräischen Text komponiert hat. Die Werke wurden mit Begeisterung aufgenommen. Gastspiel Paul Baratoff. — Jüdische Künstlerspiele, II., Praterstraße 34. Die Direktion der Jüdischen Künstlerspiele bereitet für die Feiertage die Novität Baddenburgs Komödie «Derdunkle Punkt» vor. Paul Baratoff kreiert die Hauptrolle, bei gleichzeitiger Mitwirkung des gesamten bisher bekannten Ensembles. Diese Aufführung ist die letzte Premiere, die Baratoff einstudiert, nachher folgt eine Revue der bisher gespielten Stücke, worauf Baratoff Wien verlassen wird. Montag, den 25. d., Mittwoch, den 27. d., «Der Vater». Karten für die Feiertage werden bereits ausgegeben. Tageskasse II., Praterstraße 34, telephonische Reservierungen R 40-0-94. Palästina-Reise David Pinskys. David P i n s k y, der berühmte jüdische Arbeiterdichter und Dramatiker, der vor einigen Tagen seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. begab sich am 5. April in Begleitung seiner Gattin an Bord der «Acquitania» auf die Reise nach Palästina. Vor seiner Abreise fand noch im New Yorker Mekka-Tempel ein Ehrenabend für Pinsky statt, auf welchem tausende Juden dem Dichter huldigten. Vorher veranstalteten der jüdisch-nationale Arbeiterverband, die jiddische Kulturgesellschaft und der Verband der Schalom Aleichem-SchuTen ihm zu Ehren in Clevcland eine große Feier. Pinsky war einer der ersten, die den jüdischen Arbeiterlypus erzählerisch verwerteten und das Erwachen des Sozialismus in der Jüdischen Gasse schilderten. Seine Dramen «Eisik Scheffel», «Jakob, der Schmied» und «Familie Zwi» wurden auf der jiddischen Bühne sehr Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt Zion. Klub »Erez Israel« Samstag den 23. ds. M. halb 9 Uhr abds., findqt i. Festsaale des Hotel Post, I.Flelschmarkt Nr. 24, eine lustige Pessach-Revue ■J> dritte Sedernadit“ ausgeführt vom Berliner literarischen Kabarett »Kaftan« (Maxim Sakaschansky) mit anschließendem Tanz statt Jazz Tombola Büfett Karten erhältlich im Sekretariate der Zion. Bez.-Sektion, II., Praterstr. 13, Bücherstube Rath, li„ Taborstraße 20 a, Modewarenhaus Jos. Singer, II., Taborstraße 25 Die Woche im Telegrammstil ln Wilna. Ein Jude weg'n Mord vor Oerlcht, Von Haß und von Lüge umbrandet. Die tarne* Kronzeugin «erinnert sich nicht*. Prozeß ä la Steiger — versandet. Und in Saloniki — dort wütete Brand, Pogrom und Mord und Verbrechen. Wird man im freien, schönen Griechenland Die Pogromheiden freisprechen? Ir. Deutschland: Es adolft, es hltlert, es brennt* Wenn auch der Hindert bürg heut’ siegt —- Der Judenhaß wütet sich aus permanent, Ein Volk wird hakengekreuzigt. Die Seuche, die kam auch herüber sie sitzt Hier und hat die Jugend durchdrungen. Das Liedchen: tWenn's Judenblut vom Messer spritzt* Wird auch in Wien Jetzt gesungen. So lodern die Flammen des Neides, der Wut, So lebt man in Haß hier verbittert. Nur ein Lichtstrahl bleibt, der froh ist und gut: Die Heimat bleibt unerschüttert. Sem. viel gespielt und fanden auch Eingang auf die englische und die deutsche Bühne. 1909 veröffentlichte er ein Werk über das jüdische Theater «Das jüdische Drama». Xaver Seharwenka-Abend. Montag1, den 25. April, halb 8 Uhr abends, Kleiner Musikvereinssaal. Ausfiihrende: Edith Fiedler (Klavier), Relly Fiedler (Klavier), Prof. Zlmbler (Violine), Hans Kelter (Dariton). „A dritte Sedernacht." Der reaktivierte Zion. Klub „Eres Israel“ sowie die rührige Sektion Leopoldstadt treten am Samstag, den 23. April, wieder mit einer vielversprechenden Veranstaltung, die im Festsaal des Hotel „Post“, I„ Fletschmarkt 24, um halb 9 Uhr abends stattflndot. vor die zionistische Oeffentllchkelt. Es handelt sich diesmal um eine originelle Idee, die darin liegt, eine interessante und lustige Pessach-Feier mit einem Tanzabend zu verbinden. Die Mitwirkung des berühmten Berliner literarischen Kabinetts „Kaftan“ ist gesichert. Es wurde eine eigene Revue über die Hagadah, politisch-satirischen Inhalts, geschrieben. Der Name des Direktors vom „Kaftan“ Maxim Sakaschansky, in dessen Händen die Regle itegt, bürgt für einen vollen künstlerischen Erfolg. Anschließend wird eine erstklassige Jazz für Tanzuntcrhaltung bis 2 Uhr früh sorgen. Karten ä S 2.50 (an der Abendkasse S 3.—- und reservierte Sitze ä S 4.—) sind erhältlich: Zionistische Sektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13: Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28; Bücherstube M. Rath, IL* Taborstraßo 20 a; Modewarenhaus Josef Singer, II., 'Taborstraße 25. Zeitschrift „Palästina". Herausgeber und Redakteur (I. E.) Adolf Böhm. Soeben erschien Nr. 8/4. Dr. AlfWd Bonnä schreibt über „Die Konzessionen für die Pipeline Mossul-Haifa“. Er kritisiert die großen Rechte, welche Palästina ohne Befragen der Vertreter der Bevölkerung der Oelgesellschaft eingeräumt hat. — Dr. A. Granovsky schreibt Uber „Bodenreserve und Regierungspolitik“. Er legt die Erschwerungen dar, welche durch dio Handhabung der letzten Pächterschutzverordnung seitens der Administration bei Haltung von Reserveböden eingetreten sind. — M. Nemirofaky, Tel-Aviv, gibt in „Dio arbeitende jüdische Frau“ reichliches statistisches Material. — S. Goldberg, Tel-Avlv, schreibt über „Die Möglichkeiten der Kapitalsanlage“« Diese ist in Palästina in allen Wirtschaftszweigen sehr aussichtsreich. — Julius Berger bespricht die „Absatzpropaganda und Absatzförderung“ und zeigt, wie Palästina sich modernisiert und die Importeure, die Waren besten Geschmacks einführen, große Chancen haben. — Dr. G. Rosen gibt, wie alljährlich, eine Ueberslcht über „Die Ergebnisse der Viehversicherung“ für 1930/31. — „Die Reform der Agrarsteuern" behandelt ein redaktioneller Artikel. — „Nachrichten und Daten“ sowie „Bücherbesprechungen“ beschließen das Heft, dem ein „Vogelschaubild von Palästina“, das der Keren Hajessod herausgegeben hat, beigelegt ist. Dieses Bild gibt eine sehr einprägsame Vorstellung von der Natur des Landes. Jahresbezugsgebühr: Für Oesterreich S 12.—, Ausland Dollar 2.—. — Administration und Verlag: Josef Hajeks Nachflg., Wien, XVII., Kaivancnocrffgasse 82. Die Juden und die Judengemeinde in Preßburg in Vergangenheit und Gegenwart. — Heravisgegeben von Hugo Gold. — Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brfi *i, Rennergasse 20. — Unter diesem Titel erscheint ln einigen Tagen zum ersten Male ein großes, illustriertes Sammelwerk über die Geschichte dieser alten, hervorragenden jüdischen Siedlung. Zu den Mitarbeitern dieses Werkes zählen unter anderen: Samuel Bettelhelm (Budapest), Stadtarchivar Doktor Ovldius Faust (Bratislava), Dr. Heinrich Flesch (Kanitz), Dr. Eugen Forbät (Bratislava), David Groß (Bratislava). Josef Grünsfeld (Bratislava), Prof. Dr. S. Krauß (Wien), Dr. Leo Goldhammer (Wien), Dr. Max Schay (New York), Dr. B. Wachstein (Wien) u. a. m. Es erscheinen drei Ausgaben, und zwar A) in Ganzioinenband auf Illustration« druckpapler Kc 200.—, B) ln Halblederband auf Ulustra tionsdruokpapier und Goldschnitt Kc 300,— und eine Vorzugsausgabe auf schwerem Kunstdruckpapier in Ledereinband numeriert und signiert zum Preise von Kc 600,—. Stirn „Das Land der Liebe“ (Terra madro). Der Film „Das Land der Liebe“ behandelt die Geschichte eines Gutsbesitzers, der aus Liebe zu einer Fr&u den Stammsitz seiner Vorfahren verkauft, um sich mit seiner Geliebten in der Großstadt dem Luxus zu ergeben. Die Willkür seines Nachfolgers und die Bedrängnis seiner verlassenen Untergebenen erwecken in ihm Gewissens* konfllkte. Die Rückkehr auf sein angestammtes Gut, dl« sich zu einem wahren Triumphzug gestaltet, und das Erkennen der wahren Liebe, führen zur Erlösung der Be* drängten und zur Vereinigung mit einer Frau, die im stillen Glück der Häuslichkeit mehr zu geben weiß alz der Prunk der Großstadt. Ein Film voll landschaftlicher Schön* heit und Pracht, in welchem Maria S o 1 v o g, die sich in der letzten Zeit zum Wiener Liebling entwickelt hat, uni Ad. v. Schlettow voll zur Geltung kommen. d. seit EMeratur/ Kunst / Theater M SriiildM