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Die Stimme · 1932-04-21 · Heft 224 (21.4.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 224 (21.4.1932)
Date
1932-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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^cite 6 i>iE SllltötviL Nr. 224 — 21. April 1932 SOKBEN ERSCHIENEN: DieJudenui^^ Herausgegeben von Hugo GOLD —■ Das erste Werk der jüdischen Geschichte Preßburgs MITARBimRt _ . , . t. r-, |, Samuel Bettelheim, Budapest. — Dr. Ovidius Faust, Bratislava. — Dr. Heinrich Fiesch, Kanitz. — Dr. Eugen Forbät, Bratislava. — Dr. Leo Goldhammer, Wien. — David Groß, Bratislava. — losef Grünsfeld, Bratislava. — Prof. Dr. S. Krauß, Wien. — Dr. Max Schay, New York, — Dr. B. Wachstein, Wien. AUS D1H Qeschjchte. — Acußeren Verlauf. — Wirtschaftsgeschichte. — Gelehrtengeschichtc. — Die Geschichte der Jeschiba und ihrer Zöglinge. — Akten und Urkunden. — Schutzbriefe. — Tempel. _ Die Beschießung Preßburgs im Jahre 1809. — Geschichte der orth. Gemeinde und ihrer Institutionen. — Geschichte der neologen Gemeinde und ihrer Institutionen.* — Schulen. — Vereine. Statistik. — 200 Seiten Großoktävformat 500 Illustrationen Ausgabe A. Leinenband auf Illustrationsdruckpapier.Kc 200.— Ausgabe B. Halblederband auf Illustrationsdruckpapier und Goldschnitt.Kc 300.— Ausgabe C. Vorzugsausgabe auf schwerem Kunstdruckpapier und Ledereinband numeriert Kc 600.— Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn, Rennergasse 20 — Tschechoslowakische Republik gibt es vor dem Eingang zum Tempel eine Begräbnishöhle. in der bis vor kurzer Zeit alle Rabbiner der Gemeinde beerdigt wurden. Im ältesten Teil des Tempelgebäudes ist noch eine kleine Gruft zu besichtigen, von der die Sage geht, daß der Prophet Eli dort geweilt hat. Man darf diesen Kaum nur ohne Schuhe betreten. Vor vielen JaTiren brach dort ein kleiner Brand aus und vernichtete alle Einrichtungsgegenstände. Bloß bei einer Stelle der Mauer sollen die Flammen Halt gemacht haben. An dieser Stelle wurde dann ein eingebauter Schrank entdeckt, in dem ein wirklicher Schatz gefunden wurde, der Kether Thora. Dieser Kether Thora ist min fest verwahrt in einer alten, eisernen Kasse. Nach meiner Meinung sollte er in einem feuersicheren Safe stehen. Der Vorsteher der Gemeinde, der mich bis zu diesem Schatz geführt hat, sucht nun — vorher mußte ich den reichlichen Obolus vor Mitgliedern der Gemeinde in die Büchse der Armen geben, denn es gibt jetzt viele Arme in der einst wohlhabenden Stadt — nach dem Schlüssel. Behutsam steigt er zum Standort der Kassa. Erwartungsvolle Stille herrscht im Raum. Viele Besucher, es war zur Minchazeit, hatten sich uns angeschlossen. Einerseits bewunderten sie den Europäer, der zu ihnen gekommen ist. Sind es doch lauter arabische Juden, die mit fremden Juden selten Berührung haben. Und anderseits haben auch sie noch nicht alle diesen Schatz gesehen. Nur sehr selten verläßt dieser Schatz seinen Aufbewahrungsort. Nun, nach mehreren Versuchen, öffnet sich die Türe der eisernen Kassa. Vier alte Bücher werden diesem Schrank entnommen. Ihr Einband ist eigentlich eine Schachtel. Zum Teil vergilbte Pergamentblätter; im großen und ganzen wunderbar erhalten. Das Pergament hat doch eine große Lebensdauer. Alle vier Bücher sind wirkliche Handschriften. Der Autor, der unbekannt geblieben ist — vielleicht waren es mehrere — hat am Anfang eines dieser Bücher ein Aviso geschrieben: «Diese Werke dürfen von keinem Juden gestohlen, sie dürfen nicht verliehen und dürfen niemals verkauft werden.» Besonders an das letzte Gebot halten sich die Gemeindemitglieder von Aleppo. Viele Angebote, die sie bereits erhalten haben, haben sie glattweg abgelehnt. Ja, sie lassen nicht einmal das Photographieren dieser Bücher zu, obgleich ein solches Verbot vom Schreiber nicht erlassen werden konnte! Das erste Buch enthält nur die fünf Bücher Moses. Das zweite Buch umfaßt ebenfalls die fünf Bücher Moses, doch ist — das ist sicherlich eine Seltenheit — jeder Satz fortlaufend sofort ins Targum (Aramäische) übersetzt. Der Umfang dieses Buches ist naturgemäß sehr beträchtlich. Das dritte Buch bringt neben dem Pentäteuch im Anhang die fünf Megrlloth und die Hafthoroth. Das vierte Buch — dem Umfang entsprechend in viel kleinerer Schrift — dreispaltig, das vollkommene Tenach. Dieses Buch ist auch wunderbar in seiner Ausführung. Alle Schriften sind punktiert. Farbige Zeichnungen, besonders Initialen, selten. Diejenigen, die da sind, sind künstlerisch ausgezeichnet. Am Ende der Bücher ist oft so eine farbige Zeichnung zu finden. Sonst besteht die Illustration auf sehr vielen Seiten der Bücher darin, daß um den Seitentext vom Schreiber, man muß sagen vom Künstler, ganz kleine Randbemerkungen geschrieben sind, die prachtvolle Ornamente darstellen und so den Büchern eiben gefälligen Rahmen geben. Die Schrift ist noch heute wunderbar erhalten; über das Alter dieser Schriften ist nur das bekannt, was der Volksmund überliefert: Diese Bücher sind in Basrah verfertigt worden. Niemand weiß, wann und wieso diese Bücher nach Aleppo gekommen sind. Es ist eine Klarheit und Reinheit in der Schrift, daß man oft glaubt, einen Druck vor sich zu haben. Jedenfalls scheint es sich um eine der ersten handschriftlichen Aufzeichnungen der Bibel zu handeln, die scheinbar auf geheimnisvolle Weise einmal an eine «sichere Stelle» gebracht worden sind. Jedes der vier Bücher hat ein anderes Format;, die Art der Schriftzeichen variiert, v/ie wenn der Künstler alle seine Künste demonstrieren wollte. Alles in Allem: es handelt sich um einen großen Bücherschatz, nicht nur interessant für Bibliophile und Wissenschaftler. Bald wurden die Bücher wieder sorgsam in die Kasse gestellt. Der Tempelvorsteher zog unter Assistenz wieder ab, und wir verlassen den Tempel, nachdem wir noch ein Oellämpchen für den Propheten Elia angezündet und dafür einen — Bakschisch bezahlt hatten. Bei nervösen schmerzen, Kopfschmerzen gichtischen und rheumatischen Schmerzen sind Togal- Tabletten unübertroffen. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, keine schädlichen Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Arzt. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. Diplom, hebr. Lehrer erteilt Unterricht in Sprache, ‘■pH und Literatur nach modernen Methoden übernimmt auch Vorbereitung für PI12W1D- Anmeldungen unter »Diplomlehrer“ an die Administr. d. Bl. 2He füdisdfke &kau Der gute Genius des jüdischen Heinis Pessach und die Frauen 4Es ist das Verdienst der jüdischen Frauen, daß die Kinder Israels aus Aegypten erlöst wurden», lehrt uns die Tradition. Sie zählt darauf sämtliche Tugenden einzeln auf, durch die es den jüdischen Frauen gelang, das Schicksal ihrer, von harter Fron bedrückten Männer zu lindern und zum Weiterbestand des Volkes zu verhelfen. Vom kritischen Geist der Zeit beeinflußt, nimmt die Frau von heute diese, ihrem Geschlechte gezollte, tiefe Anerkennung — in bezug auf ihren historischen Kern — mit besonderer Vorsicht auf. Um vorurteilslos Wahrheit von Dichtung scheiden zu können, greift sie selbst zum Buche der Bücher, zur Bibel, und versucht, das Bild der Vorzeit vor sich erstehen zu lassen, die Möglichkeit der Mitbeteiligung der Frauen am Werke der nationalen Befreiung zu finden. Doch in der Bibel selbst findet sich keine Spur von Frauenarbeit. Es ist aber auch von keiner Leistung der Männer die Rede. Den als Fremdlinge Gehaßten und durch Sklavenarbeit Geduckten fehlte jede Initiative und sie bedurften eines stark aufrührerischen Geistes, um die Freiheit überhaupt anstreben zu wollen. Dabei ist zu bedenken, daß die ganze, episch angelegte Schilderung der Befreiung aus ägyptischem Joch die Größe der göttlichen Allmacht zum Ausdruck bringen soll, •daß^ also rein menschliche Einwirkungen in ihr nicht berücksichtigt werden können. Nur die Leistung von Moses als des Vollstreckers des göttlichen Willens, ist klar herausgearbeitet. Neben ihm aber tritt außer Aharon die Gestalt von Mirjam deutlich hervor und wir können uns des Eindruckes nicht erwehren, daß sie am Werke der Befreiung besonders Wertvolles vollbrachte. Als nach der Ueberschreitung des Meeres (II. Buch Moses, Kap. 14—15) Mirjam an der Spitze der Frauen, die sie anscheinend anführt, das Siegeslied anstimmt, wird sie von der Bibel zum ersten Mal als «Prophetin» bezeichnet. Es ist anzunehmen, daß ihr dieser Ehrentitel nicht nur deswegen, weil sie das Lied dichtete, sondern in Anerkennung vorangegangener Leistungen, verliehen wurde. Ihr Einfluß auf das Volk, auf Moses kann nicht gering gewesen sein. Diese Behauptung finden wir im Kap. XII des IV. Buches Moses bestätigt. Da machen Mirjam und Aharon ihrem Bruder Moses wegen der «Aethiopierin», die er zur Frau nahm, Vorwürfe. Dürfen wir unsere Maßstäbe an die Verhältnisse der Vorzeit anlegen? Dann könnten wir verstehen, daß die beiden älteren Geschwister, die auch von der Idee der Schaffung eines eigenen Staatswesens ergriffen waren, das Ueberhandnehmen fremder Elemente, die sich während des Auszuges den Juden angeschlossen hatten, befürchteten. Daher lehnten sie sich gegen Moses auf, indem sie sprachen: «Hat denn Gott nur mit Moses geredet? Hat er nicht auch mit uns geredet?» Durch dieses Vorgehen erschütterten sie aber die Autorität des Führers, dessen Aufgabe der Erziehung des Volkes erst begann. Moses machte sie auf die gewaltige Gefahr, die sie durch ihr Tun heraufbeschworen, aufmerksam. Das Werden des Volkstums stand auf dem Spiel, wenn die Opposition, der Zweifel an der Eignung der Persönlichkeit des Führers, den Weg ins Lager fanden. Sie sahen es ein. Um die Einheit herzustellen, die Persönlichkeit des Führers unantastbar zu machen, mußten «die Schuldigen» bestraft werden. Aharon wurde verschont, hauptsächlich wohl darum, weil sein Anteil an der Auflehnung nicht groß war, vielleicht aber auch, damit seine Hohepriester-Würde keine Einbuße erleide. Mirjam nahm die Strafe aut sich ... Sie wurde aussätzig . . . «Das Volk aber zog nicht weiter, bis Mirjam wieder (nach 7 Tagen) ins Lager aufgenommen wurde.» Wenn nun die Frau der Gegenwart, nachdem sie sich eine eigene Meinung über die geschichtlichen Vorgänge geschaffen hat, die warm klingende, schineichlerisch-kosende Stimme der eingangs erwähnten und anderer ihm ähnlicher Aussprüche vernimmt, begreift sie, was diese ihr sub specie aeternitatis dargebrachte Huldigung bezwecken soll. Sie weiß es: Das ganze Sein unserer alten Weisen, der Schöpfer der Tradition, machte das Bestreben aus, ihrem entwurzelten, von Scholle und Land losgerissenen Volke die innere Kraft zu verleihen, die es befähigte, den wilden Stürmen, die es unibrausten, Widerstand zu leisten. Ihr Scharfblick ließ sie die bedeutende Rolle, welche die Frau im Bestehen eines jeden Volksorganismus spielt, erkennen. Indem sie nun der jüdischen Frau die dominierende Rolle im Familienleben zugewiesen, glaubten sie, ein Mittel zur Erreichung ihres Zieles gefunden zu haben. Das Instrument, dessen sie sich bedienten, um Zugang zum Volke zu finden und die nötige Resonanz erwecken zu können, war die Interpretation der Bibel. Um dem Herzen des Volkes die Heroen seiner Geschichte näherzubringen, sie ihm verständlich zu machen und als Vorbild darzustellen, deuteten sie die Bibel ihrem Zeitgeiste, ihrer Anschauungswelt entsprechend. Unbewußt projizieren sie all ihr Wünschen und Sehnen in die ferne Vergangenheit und wirkten damit bewußt auf die Gestaltung der Zukunft ein. Auf diese Weise schufen sie den Idealtypus der jüdischen Frau als Erhalterin und Beschützerin des jüdischen Hauses. Mit fast derselben Liebe und Innigkeit, mit der unsere Gesetzeslehrer ewig blühende Sagenkränze um die Gestalt des größten Sohnes des jüdischen Volkes wanden, statteten sie auch Mirjam als Repräsentantin der jüdischen Frauenwelt aus, bis sie die höchste Stufe menschlich zugänglicher Höhen erreichte. Sie gestanden ihr sogar das Privileg zu, das außer Moses keinem Sterblichen sonst zuteil wurde: den Tod durch den Gotteskuß. Dies heiße Wollen wurde von Erfolg gekrönt. Jahrhunderte hindurch erhielt sich der Typus der jüdischen Frau, die als guter Genius über Haus und Heim schwebt. Und wenn spätere Geschlechter staunend das zähe Fortbestehen der Juden bewundern, finden sie: Die rätselhafte Erhaltung des Volkes, das immer aufs Neue zum Leben erwacht, ist das Verdienst seiner Frauen. Rosa Seidmann. Muttertag der WIzo Der «Muttertag» findet alljährlich am zweiten Sonntag des Monats Mai statt. Die Wizo wird in diesem Jahr als Auh takt zum «Muttertag» eine besondere Feier zu Ehren der jüdischen Mutter veranstalten. Unter der Devise «Die jüdische Mutter Wiens für die jüdische Mutter Palästinas» wird eine künstlerische Akademie veranstaltet. An der Veranstaltung wirken mit: Fräulein Margarete Bach als Vortragskünst- Ier!n» die Dichtungen moderner Autoren rezitieren, Frau Mislap-Kapper, die jüdische und. deutsche Lieder vortragen wird, sowie Frau Grete Neufeld, die bekannte Konzertpianistin. Die einleitende Ansprache wird Frau Marie Pol 1 ak halten. Die Wizo ruft alle jüdischen Frauen Wiens auf, an dieser Feier teilzunehmen und auch die eigene Mutter dahin zu führen. Die Einladung der Mutter zu diesem Abend soll ein Geschenk an diese anläßlich des Muttertages darstellen, mit dem Bewußtsein, daß das Reinerträgnis dem Wizowerk für die jüdische Mutter in Palästina zufließt. Bei diesem Anlaß sei an die hervorragenden Leistungen der Wizo in Palästina zum Besten jüdischer Mütter, Kinder und Waisen erinnert. Die «Muttertag*-Feier findet Samstag, den 7. Mai, Punkt 8 Uhr, im Festsaal des Industriehauses, HL, Schwarzenbergplatz 4, statt. Wenige restliche Karten bei der Leitung der Wizo, IX., Nußdorferstraße 42, und bei den Leiterinnen der einzelnen Bezirksgruppen im Preise von S 2.— bis S 5.—. Sommerschule Gemäß einer Resolution der VI. Konferenz der Wizo in Basel beabsichtigt die Wizo in M a r i a - W ö r t h am Wörthersee eine Sommersell ule, die gleichzeitig Erholungsaufenthalt sein soll, zu veranstalten. Sie soll anfangs |uli stattfinden und vierzehn Tage dauern. Die Aufenthaltskosten sind mit etwa S 160.— berechnet. Ermäßigter Preis der Hin- und Rückfahrt von Wien (D-Zug 3. Klasse) S 46.50. Ini Pensionspreis inbegriffen drei Mahlzeiten, Zimmer mit fließendem Wasser, alle Abgaben, Trinkgeldablöse, Bad. Bei Einbettzimmer Aufschlag von ungefähr S 5.— pro Woche. Kurse: Judenfrage, Zionismus, Frauenfrage, Wizo, Organisations- und Gruppenarbeit und Kulturarbeit. Das Kurshonorar richtet sich nach der Zahl der Teilnehmerinnen. Mindestens zwölf Teilnehmerinnen erforderlich. Anmeldungen bis spätestens 25. April an das Wizo-Sekretariat, Wien, IX., Nußdorferstraße 42, Tür 8. Neue Wlzo-Gruppen ln Südafrika. Das Zentralbureau der Wizo in London wurde soeben telegraphisch davon verständigt, daß neue Wizo-Gruppen in Salisbury, Rhodesia und lohannesburg gegründet wurden. — Die Gründung dieser Gruppen ist der energischen Mitarbeit von Frau Dr. Weizmann an der von Dr. Chaim Weizmann geleiteten Keren Hajessod-X»mpagne in Südafrika zu verdanke«.

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