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Die Stimme · 1932-04-21 · Heft 224 (21.4.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 224 (21.4.1932)
Date
1932-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 224 — 21. April 1932 OIE STIMME Seite S Pessach in der Strafanstalt Stein Wie iädhehs Häftlings Osistn fslssn Es stellt der Opferbereitschaft der Wiener Kultusgemeinde das schönste Zeugnis aus, daß sie sich auch der Entwurzelten, der Verbrecher annimmt. In dieser Barmherzigkeit liegt aber auch der tiefe Sinn, den Entgleisten für die Zukunft den rechten Weg zu weisen und volkserzieherische Aufbauarbeit zu leisten. Im Fürsorgeprogramm der Kuitusgemeinde wurde trotz der tristen Wirtschaftslage daran festgehalten, daß man auch in diesem Jahre während der acht Pessachfeiertage die rituelle Verpflegung der Häftlinge so wie früher durchführen müsse. Die Kuitusgemeinde schickt ln die Strafanstalt Stein — das einzige österreichische Strafhaus, in dem Juden ihre Kerkerstrafe verbüßen müssen — etwa 200 kg Mazzes, weiters ausreichende Mengen von Fleisch und Eiern. Diese Aktion führt Bundesstrafseelsorger Rabbiner Professor Dr. Karl Kupfer in vorbildlicher Art durch. Ein Seder-Abend kann nicht veranstaltet werden, da dies mit der Hausordnung nicht in Einklang zu bringen wäre. Die meisten Sträflinge verbüßen ihre Strafe in Einzelhaft und ein gemeinsames Nachtmahl ist nicht gestattet. Es ist aber bewilligt worden, daß jeder einzelne die rituellen Gebräuche in seiner Zelle befolgen kann. Die Kultusgemeinde versorgt auch die Häftlinge alljährlich mit schön illustrierten Hagadahs. Wenn auch der Abendgottesdienst nicht möglich ist, gibt es trotzdem eine Morgenandacht. Professor Kupfer, der die Predigt hält, versteht es, den Unglücklichen Trost zu spenden, und man hört noch lange Zeit später von dem tiefen Eindruck, den dieser Gottesdienst auf die Insassen von Stein macht. Unter den Zuhörern befinden sich auch staatliche Funktionäre und Richter, die stets voll Lobes von dieser religiösen Feier sprechen. Auf dieses Fest freuen sich die Häftlinge seit Wochen. Sie wissen, daß sie in diesen Tagen außer Zubuße zu ihrer Kost auch Worte hören, die ihnen klar machen, daß ihnen die Rückkehr in die Gesellschaft wieder ermöglicht werden wird. Die Kultusgemeinde hat vor einigen Jahren eine Spezialfürsorge unter dem Titel «Jüdische Gefährdetenfürsorge» ins Leb*»n gerufen, deren Aufgabe es ist, den Angehörigen, die durch das zwangsweise Verlassen ihres Ernährers in größte Gefahr kämen, beizustehen. Diese FUrsorgestelle führt einen Kataster über die Inhaftierten, versieht sie nach ihrer Entlassung aus der Anstalt mit Kleidung, Schuhen, Wäsche und etwas Geld. Es ist auch sehr interessant, daß öfters Stoffe in die Strafanstalt gesendet werden, die in der dortigen Schneiderei zu Anzügen verarbeitet werden. Auf diese Weise wird sofort produktive Arbeit geleistet. Diese Fürsorge nimmt sich auch der Abgeschobenen und Abgeschafften an und hat ihre Organisation derart ausgebaut, daß für solche Menschen auch im Ausland, sogar in Uebersee, gesorgt wird. Das österreichische Justizministerium verfolgt diese Tätigkeit der Kultusgemeinde mit besonderer Aufmerksamkeit, fördert und unterstützt sie in weitestgehendem Maße. Im Ministerium wurde statistisch festgestellt, daß sich durch diese Fürsorge die Moral der jüdischen Sträflinge bedeutend gehoben hat. Verurteilte, die ihre erstmalige Kerkerstrafe in Stein verbüßen, werden fast niemals rückfällig. Aber auch sonst ist der Prozentsatz jüdischer Häftlinge verhältnismäßig minimal. Die Zahl jüdischer Verbrecherinnen ist so gering, daß inan für diese Frauen kein eigenes Strafhaus hat. Die Fürsorgetätigkeit ist speziell für Frauen so umfassend, das von jüdischen Rechtsbrecherinnen kaum gesprochen werden kann. Bisher ist das Wirken dieser Fürsorge in der großen Oeffentlichkeit nahezu unbekannt geblieben. Trotzdem geschieht hier etwas ganz Großes: Man gibt Gestrauchelten mehr als nur Materielles, man gibt ihnen die Moral und den Glauben an die Menschheit wieder. Dr. R. W. Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koscftermllch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Oie Pessacft-Koscher* milch wird in ihren Meiereien in Niederösterr unter streng ritueller Aufsicht cf e« von Sr.Elirw. Herrn Rabbiner Or.M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe erzeugt. Jede Kanne u. ede Flafche ist mit einer Plombe respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck tob *ied Von 20. April bis 28. April in allen Verkaufsstellen erhältlich WIENER MOLKEREI Seder im Ghetto Graue Abendflügel wehmutvoll umhüllen Arme Ghettogäßchen und verträumte Häuser, Gott wird heute sprechen... Sterne atmen leiser, Lauschen, um zu künden uns Jehovas Willen. galten. Zwischen dem Präsidenten des Maccabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Leiewer, der anläßlich der 1. Maccabiade im Lande weilte, und dem Präsidenten des Weltverbandes Schomre Schabbos fand eine grundlegende Aussprache über die Frage der Sabbatwettspiele des Maccabi statt. Dr. Lelewei erklärte, daß auch der Maccabi grundsätzlich gegen die Veranstaltung öffentlicher Spiele am Sabbat Wollen Sie für wenig Geld viel lachen? Dann besuchen Sie den ustenden Frosch“ Arbeitsgemeinschaft österr. Künstler (KUnstlerring) Täglich ab halb 9 Uhr Vorträge, Gesang u. Tan* im roten Saale des RESTAURANT „MIRABELL“ Wien, I. Habsburgersass« e 1 S.— Ragiabeltrag linkt. Musikschutt) Tls«hbesta:iung Tal. Ras-Z-tl sei. Er erblickt, in Uebereinstimmung mit Dr. ürtinberp, den geeigneten Weg zur Vermeidung der Sabbatspiele darin, daß die Spiele an einem anderen Wochentage veranstaltet werden, wobei insbesondere der Mit:woch- und Freitagnachmittag in Betracht kommen. Am Spätnachmittag des 4. April nahm L)r. Grünberg auf Einladung des Wand l.eumi an einer Besprechung teil, bei der auch Vertreter der Jewisli Agency und der palästinensischen Sportve:bände anwesend waren. Wiederum wurde auf allen Seiten der Wunsch betont, die Fußballspiele am Sabbat zu vermeiden. Grober Unfug Die Israelitische Kultusgemeinde Wien verlautbart amtlich: Dem Vorstande der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien sind in den letzten Tagen aus dem Kreis der Gemeindemitglieder Aussendungen eines Bankgeschäftes zugekommen, denen der Appell eines sich als Rabbiner und Enkel des Großrabbiners aus Beiz bezeichnenden Abraham R o k a c h angeschlossen ist. Unter Berufung auf das Pessachfest erbietet sich dieser als ein Bote der Göttlichkeit und übermittelt einen Depotschein, lautend auf ein für den Adressaten reserviertes Klassenlos. Der Vorstand der Kultusgemeinde bringt seine Entrüstung über diesen groben Unfug zum Ausdruck und stellt fest, daß jener Abraham Rokach weder im Rahmen der Kultusgemeinde, noch bei einem der dem Aufsichtsrechte der Kultusgemeinde unterstehenden Bethausvereine sich in irgendeiner Stellung befindet. Bedauerlicherweise fehlt eine gesetzliche Handhabe, um derartigen Mißbräuchen wirksam entgegenzutreten. Ebensowenig ist der Vorstand in der Lage, auf den Inhaber des Bankgeschäftes irgendwelchen Einfluß zu nehmen, da dieser unserem Glaubensbekenntnisse nicht a n ge h ö r t. Der Vorstand wird jedoch nicht verabsäumen, derartigen Erscheinungen sein Augenmerk zuzuwenden und die Gemeindemitglieder entsprechend auf diese aufmerksätiit zu machen.; Schriftenreihe des Meskomitees Das Zionistische Landeskomitee hat die Erweiterung der Werbearbeit durch die Herausgabe von Broschüren beschlossen. Als Nr. 1 der Schriftenreihe erscheint noch diesen Monat eine Broschüre «Zur zionistischen Ideologie» von Dr. Josef R u f e i s e n. Weitere Broschüren werden folgen. Der Thora-Schate von Aleppo Interessante handschriftliche Aufzeichnungen Von Bruno Rabinowlix Wird heut* nachts Eiiah uns Erlösung bringen? Uns nach Erez führen, Zion offenbaren? Warum ackern wir nicht frei mit Jischuw-Scharen? Warum bluten wir in Schmach und Seelenringen? Mah nlschtaneh... um den Tisch und Kerzenlichter Schweben Pharaonengeister, böse Schatten! Ghetto... bei Hagadah bleiche Uppen zittern... Rotten wir uns um die Zionsfahne dichter! Denn in Sehnsuchtstränen, die uns schwer ermatten, Bleiben wir nur Freiheitsträumer hinter Gittern! Dr. Karl Rosenfeld. Gesetzliche Sabbatruhe für jüdische Erwerbstätige Wi» dem Weitverband Schomre Schabbos mitgeteilt wird, wurde auf der unter italienischer Oberhoheit stehenden Insel Rhodos dank der energischen Intervention der dortigen jüdischen Gemeinde und insbesondere ihres Oberrabbiners Rcubcn Eliahu Israel ein Wochcntagsruhcgesetz erlassen, das ungeachtet des geringen Umfanges des fraglichen Territoriums das größte Interesse verdient. Hier ist nämlich der seltene Fall zu verzeichnen, daß ein staatliches Wochentagsruhegesetz unmittelbar der Förderung der Sabbatlieiligun^ dient. Das rhodosische Gesetz bestimmt nämlich generell, daß die Betriebe und Läden der chr.stliclien Bevölkerung am Sonntag ab J2 Uhr, die der mohammedanischen am Freitag von der gleichen Stunde ab, die der jüdischen am Sabbat zu schließen haben. Die Folge davon ist, daß auch diejenigen unter den jüdischen Gewerbetreibenden und Ladeninhabern, die bisher den ganzen Sabbat über geöffnet hatten, gezwungen sind, wenigstens einen Teil des Sabbats zu schließen, und dies, ohne dabei hinter der nichtjüdischen Bevölkerung ins Hintertreffen zu kommen. Maccabi grundsätzlich gegen Wettspiele am Sabbat Der Präsident des Weltverbandes für Sabbatschutz Schomre Schabbos, Dozent Dr. Samuel G r ü n b e r g-Berlin, hat anläßlich seines Aufenthaltes im Heiligen Lande mit den verschiedenen Instanzen und Persönlichkeiten aus allen Kreisen des Landes, besonders der Sportverbände «Maccabi» und «Hapoel», ausführliche Besprechungen geführt, die insbesondere der Vermeidung der öffentlichen Fußballspiele am Sabbat So oft ich die alte nordsyrische Stadt Aleppo besuche, trete ich, wenn auch nur für einige Augenblicke, in den alten Tempel ein, da mich diese altehrwürdige Stätte stets anzieht. Dieser Tempel ist viel zu wenig gekannt und gerühmt. Der «Baedeker» erwähnt ihn hauptsächlich wegen seines Alters. Anläßlich meines letzten Besuches der Stadt hatte ich auf Grund schon längere Zeit währender Unterhandlungen Gelegenheit, viele Einzelheiten dieses Tempels zu erfahren und es gelang mir, nachdem ich den hohen, geforderten Preis für die Besichtigung des Tempels und seiner Heiligtümer auf ein meiner Tasche und dem damals eingetretenen Pfundsturz entsprechendes Niveau herabgedrückt hatte, alles, auch den berühmten «Kether Thora», zu sehen und zu bewundern. Der Tempel hat ein Alter von mehr als zweitausend Jahren. Natürlich nicht in seiner heutigen Form und Ausdehnung. Einige Teile des Tempels sind nachträglich zu- und umgebaut worden. Aber es gibt noch einen Grundteil dieses interessanten Gebäudes, der in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist. Die im Laufe der Jahrhunderte in Aleppo vorgekommenen Brände und Erdbeben haben diesem Gebäude fast gar nichts angetan. Der älteste Teil des Tempels ruht auf romanischen Säulen, die interessanterweise, um sie vor dem Zugriff der «Fremden» zu schlitzen, mit Holztafeln bis zur Decke verdeckt sind. Man sieht hin und wieder so ein Kapital hervorragen. Die Alten der Gemeinde erzählen, daß man fürchtete, die Pracht des Baues könnte vielleicht die Andersgläubigen verleiten, von dieser Kultstätte Besitz zu nehmen. Man habe es daher vorgezogen, die Schönheiten zu verbergen. Die Fenster dieses Raumes, die in den Vorhof führen, — sie liegen schon zur größeren Hälfte in der Erde — zeichnen sich dadurch aus, daß der Stil jedes Fensters anders ist. Vom künstlerischen Standpunkt ist diese Bauart sicherlich einzigartig und äußerst interessant. Die Zahl der Fenster — es sind sieben — hat zweifellos in der Absicht des Erbauers gelegen. Es ist ferner interessant, daß stellenweise zum Bau Steine von solcher Größe Verwendung fanden, daß man heute nicht weiß, wie es damals möglich war, diese überhaupt herbeizuschaffen. Es ist darum begreiflich, daß man in Aleppo der Meinung ist, daß einzelne Steine vom zerstörten Jerusalemer Tempel herstammen. Die Juden haben diese heiligen Steine mitgcschleppt, wird erzählt, um mit diesen neue Heiligtümer zu erbauen. Ein feiner, tiefer Gedanke in diesem Glauben. Wie bei allen orientalischen Gotteshäusern, ist außer dem gedeckten Gebetraum ein Tempelhof vorhanden, ln diesem ist eine über 2 m hohe Estrade, für den Prediger oder Vorbeter bestimmt, die aus einem Steinblock besteht, und die Stufen, die hinaufführen, sind hineingemeißelt. In einem Zubau, der erst etwa 100 Jahre alt, jedoch dem alten Baustil angepaßt ist, befindet sich ein viereckiger, abgeschlossener Vorbeterraum, der nach der vorhandenen Inschrift die Spende einer Jüdin aus Indien ist. Ferner gibt es einen ganz abgeschlossenen Raum für die Kohanim (Priester) für den Fall, daß eine Leiche in den Tempel geführt wird, und interessanterweise auch ein separater Raum für Frauen, die vor der Entbindung sind. Noch heute wird keine Frau entbinden, ehe sie nicht diesen Raum betreten und ein Gebet verrichtet hat. Dieser Glaube geht so weit, daß auch eine nichtjüdische Geburtshelferin nicht zur jüdischen Frau geht, die nicht dieser Pflicht nachgekommen ist. Endlich i

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