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Die Stimme · 1932-04-14 · Heft 223 (14.4.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 223 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1 Nf> 223 — 14. April 1932_ Dankbarkeit und Nötigung Ein sonderbarer Brief, seine Beantwortung und deren charakteristische Vorgeschichte Die «Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs» hat, wie sie in ihrem Wiener Blatt aller Welt kundtat, ein Schreiben an den Klub der zionistischen Mandatare im Kultusvorstand gerichtet, in dem sie gegen eine angebliche Beschimpfung der Vertreter der jüdischen Hochschul-Gcmeinschaft Verwahrung einlegt und gegen den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz die Anschuldigung erhebt, er habe mit dem Abbruch des Verkehrs zwischen Kultusgemeinde und jüdischer Studentenschaft gedroht und dadurch seinen Auslassungen den Sinn einer «Nötigung» gegeben. Der Klub der zionistischen Mandatare hat dieses Schreiben wie folgt beantwortet: «Wir erhielten Ihre Zuschrift vom 5. ds., welche Sie in der Zwischenzeit, ohne unsere Gegendarstellung abzuwarten, in der letzten Nummer der Wochenschrift ,Die neue Welt’ veröffentlicht haben. Der gefertigte Klub erblickt in diesem Verhalten eine schwere Illoyalität Ihrerseits und sieht aus diesem Grunde davon ab, sich mit Ihnen über den Gegenstand Ihres obigen Schreibens meritorisch auseinanderzusetzen. Er wird dafür sorgen, daß die jüdische Oeffentlichkeit über die tatsächlichen Vorgänge in richtiger Weise informiert wird. Hochachtungsvoll mit Ziongruß f. d. Klub der zionistischen Mandatare Dr. Friedmann m. p., Dr. Körner m. p. Was geht hier vor? Wer hat beschimpft und wer hat Anlaß zum Schimpfen gegeben? Warum diese Aufregung im revisionistischen Lager? Um diese Fragen klarzustellen, haben wir uns angelegen sein lassen, uns sowohl im Klub der zionistischen Mandatare als auch in jüdischen Hochschulkreisen zu informieren und geben nun den Sachverhalt wieder, soweit sich die Angaben auf beiden Selten decken. Der jüdische Hochschulausschuß arbeitet seit langer Zeit im engsten Einvernehmen mit den zionistischen Kultusmandataren und dadurch mit der Kultusgemeinde selbst. Diese Fühlungnahme verdankt er den zionistischen Mandataren, die mit Erfolg bemüht waren, eine innige Beziehung zwischen der Kultusgemeinde und der jüdischen Studentenschaft mit Hilfe des Hochschulausschusses herzustellen. So wird, um die Autorität des Ausschusses zu stärken, der Verkehr mit den Fachvereinigungen, wie Philosophenverein, Verein jüdischer Mediziner, Technikerverband usw. nur im Wege des Ausschusses gepflogen. Dasselbe ist der Fall, wenn es sich um die Mensa Academica Judaica handelt. Wenn jüdische Hochschüler um Unterstützungen ansuchen — die Kultusgemeinde gewährte z. B. 1931 nahezu 5000 S für Inskriptionstaxen — wird das Gesuch nur erledigt, wenn es vom Hochschulausschuß befürwortet wird. Die zionistischen Mandatare setzten es auch durch, daß, um die Solidarität der ganzen Judenschaft Wiens mit der jüdischen Studentenschaft zu bekunden, eine Gesamtkundgebung der Judenschaft wegen der Universitätskrawalle stattfand. Daß diese Kundgebung durch die Sonderaktion der Radikalen und der Revisionisten beeinträchtigt wurde, Ist auf die partikularistischen Bestrebungen dieser Gruppen zurückzuführen und gehört in das traurige Kapitel der Wühlarbeit innerhalb des Wiener Zionismus. Der Hochschulausschuß fand aber nicht allein die moralische Unterstützung der Kultusgemeinde dank dem energischen Auftreten der zionistischen Mandatare, sondern auch namhafte finanzielle Dienste für die von ihm geführten Kreise. Im Jahre 1931 erwirkten die zionistischen Mandatare, daß dem Ausschuß und den Ihm angeschlossenen Fachvereinigungen insgesamt 3925 S und der Mensa Academica 3780 S zugewendet wurden. Als durch eine hochherzige Spende die Errichtung eines jüdischen Studentenheimes in greifbare Nähe gerückt wurde, erreichten die zionistischen Mandatare die Schaffung eines Kuratoriums, in dem der Hochschulausschuß durch seinen jeweiligen Obmann und seinen Sekretär vertreten war, so daß er genaue Kenntnis von der Entwicklung dieser Angelegenheit hatte. Er mußte also wissen und wußte auch, daß alle notwendigen Schritte zur Errichtung des Heims unternommen wurden, daß Zusagen vom Ministerium für soziale Verwaltung, insbesondere vom Minister Dr. Innitzer, und vom Finanzministerium wegen eines entsprechenden Beitrages aus der Wohnbauförderung Vorlagen, daß die Pläne von Baurat Karplus dem Ministerium übereicht wurden und daß nur wegen der Unmöglichkeit, die zweite Tranche der Wohnbauanleihe zu begeben, das Heimprojekt so wie viele andere Bauvorhaben nicht schon jetzt zur Ausführung gelangen konnte. Dem Hochschulausschuß war es natürlich auch kein Geheimnis, daß ohne die Kultusgemeinde als Treuhänderin der Sache, die Heimaktion von vorneherein aussichtslos gewesen wäre, weil die Stifterin und die Wohnbauförderung eine kreditfähige Körperschaft verlangten, die BUrg- DIE STIMME Seite S Warum verlangen alle weil in Geschmack und Qualität unübertroffen sind I werden unter streng orthodoxer Aufsicht des oninn am dm tkm tov hergestellt Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl- Mazzoth" das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B.M auf Mazzoth, Gries und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht zein: n. biodeiskv 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich .Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und , A-41-9-52 schaff für die übernommenen Verpflichtungen zu bieten vermochte. Und wieder waren es die zionistischen Mandatare, die in dieser Situation einen Ausweg suchten und fanden. Sie brachten den Plan aufs Tapet, in den Lokalitäten des Ausspeisungsvereines für den stwuunawbeste ■ ui dem» meis®» den.Sensa&mei larla Solveg URAUFFÜHRUNG UNIVERCPI piCTUREK XV. Bezirk ein Studentenheim einzurichten, das 45 Betten, einen Vortragssaal, ein Frühstückszimmer, Studierzimmer sowie Badezimmer enthalten und die Möglichkeit der Verpflegung im eigenen Hause bieten soll. Die Mandatare waren es, die es durchsetzten, daß über diese Sache Konferenzen in der Kultusgeineinde unter der Aegide des Präsidiums der Gemeinde und unter Zuziehung von Vertretern des Hochschulausschusses stattfanden und sie sind es, die sich um die Aufbringung der für die Realisierung des Projektes erforderlichen 15.000 S kümmern, so daß das Heim eröffnet werden kann, wenn die Differenzen mit der Studentenschaft bereinigt sind. Ein solches Heim als «Nachtasyl» zu bezeichnen, wie es einigen verhetzten oder irregeführten Studentenvertretern beliebte, ist eine billige und allzu durchsichtige Demagogie. Diese Elemente wendeten auf dem letzten ordentlichen Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler «Judäa» alle Mittel der Ueberedungskunst an, um zu verhindern, daß der Kultusgemeinde der Dank ausgesprochen werde. Allen Institutionen wollten sie Dank abgestattet wissen, nur der Kultusgemeinde nicht. Ein derartiges Vorgehen erregte nicht bloß bei den zionistischen Kultusmandataren, sondern auch in der ganzen jüdischen Welt Wiens Empörung. Dieser Empfindung konnten sich auch die verantwortlichen Leiter des Hcchschulausschusses nicht entziehen. Sie erschienen spontan bei Dr. Löwenherz und in einer freundschaftlichen Aussprache wurden die Beschlüsse des Delegiertentages* erörtert. Die Ver- Wißt Ihr schon Ein Kantor ist gewöhnlich kein Arzt und ein Arzt übt selten das Amt eines Kantors aus. Und doch kann es Vorkommen, daß man einen Kantor für einen Arzt hält. Wie das möglich ist? Also hört: Einige große Londoner Synagogen suchten in den letzten Wochen neue Kantoren. Viele hervorragende Chasonim wurden zu Probevorträgen berufen und viele, die sich dafür hielten, reisten auf eigenes Risiko dorthin. Jeden Abend fanden außer den Gottesdiensten noch Gesangsabende statt, die alle zahlreich besucht waren. In der jüdischen Presse erschienen Berichte, die sich in Lobgesängen auf diesen oder jenen Kantor nicht genug tun konnten. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen, die eines humoristischen Anstriches nicht entbehren. Die Kandidaten aus Deutschland traten unter dem Titel Oberkantor auf, sie wurden aber alle durch einen rumänischen Chasen übertrumpft, d^r mit dem Doktortitel aufwarten konnte. Bei den Engländern ist der «Oberkantor» unbekannt; als einer von ihnen gefragt wurde, Die brennendste Frage.. 1? Wo verbringe ich heuer meine SedeMbende? Im bestbekannten orth. *1W3 Restaurant A. Barschak Wien, II., Große Schiffgasse 3, Telephon A 46-4-3P, wo, wie alljährlich, Sederabende in traditioneller und feierlicher Weise abgehalten werden. Einen wahren Pessachgenuß für den verwöhnten Feinschmecker bedeuten A. BARSCHAKS WEIN- SPEZIALITÄTEN. Eine wirkliche Auslese: Palästina, Karmel, Muskat, Malaga, Met, la SHbowitz und Kognak. Has Restaurant steht unter Aufsicht des ehrwürd. Rabbinats der Kultusgemeinde “1N3SO nov "1 TI ain was das für ein Titel sei, antwortete er, das entspreche dem Doktortitel und sei ein Ausweis für spezielle Kenntnisse auf dem Gebiete des jüdischen Gottesdienstes. Bei der Wahl in der großen Duke Place Synagoge trug der Doktortitel doch eien Sieg davon. Dr. Rivels wurde gewählt. Einige Tage nach der Wahl erhielt er Besuch von einigen jüdischen Frauen, die ihre Kinder zur ärztlichen Untersuchung zu ihm brachten. Es stellte sich dann heraus, daß Dr. Rivels die Stimme von vielen nur erhalten hatte, weil man sich freute, einen Doktor in der Gemeinde zu haben, der’ •icher Gratiskonsultationen erteilen werde! In England gibt es nämlich den Doktortitel nur bei Aerzten, wogegen Rivels Doktor der Philosophie ist. Daß es schwarze Juden in Abessinien (Falaschas) gibt, wißt Ihr gewiß. Aber wißt Ihr schon, daß jetzt die erste Talmud-Thora-Schule in Abessinien eröffnet worden ist? Sie wurde in Addis Abbeka, der Hauptstadt Abessiniens, für Kinder der Falaschas errichtet. Die Lehrerschaft setzt sich ausschließlich aus Falaschas zusammen, die in jüdischen Zentren des Auslandes studiert haben. Nach dieser erfreulichen Nachricht eine traurige. Wißt Ihr schon, daß die Preise für Mazzoth in Rußland ln diesem Jahre phantastisch hoch sind? Ein Pfund Mehl für Mazzoth kostet etwa I Rubel 50 Kopeken. Ein Pfund fertige Mazzoth kostet 5 Rubel und mehr. Die Moskauer Chor-Synagoge und die sogenannte Poljakow-Synagoge haben die Mazzoth-Her« Stellung und Mazzoth-Lieferung für die Moskauer Juden übernommen. Die Synagogenverwaltungen verabfolgen an unbemittelte Juden Mazzoth zu verbilligten Preisen. Und wißt Ihr schon, daß in Sokolub, in der Nähe von Stryj in Ostgalizien, der älteste Jude Polens Im Alter von 117 Jahren gestorben ist? Es ist dies Schmuei Hirsch Sokolower. Er war bis in seine letzten Tage körperlich rüstig und geistig frischt * I

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