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Die Stimme · 1932-04-14 · Heft 223 (14.4.1932) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 223 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 223 — 14. April 1932 OIE STIMME Seite 3 Auch Trumpeldor annektiert Von Dr. Wilhelm Berkeihammer (Krakau) Unsere Genossen, die Revisionisten, haben den Schöpfer des politischen Zionismus, Theodor Herzl, für sich, ausschließlich für sich annektiert — das ist bereits eine alte Tatsache, die deswegen nicht minder empörend ist. Denn wollte man sich an Herzls einzelne Aussprüche und Formulierungen halten, dann könnte d* tionistische Linke mit demselben oder vielleicht noch größeren Recht Herzl als ihr Eigentum, als ihren Bannerträger in Anspruch nehmen. Im «Judenstaat» hat ja Theodor Herzl ein weitgehendes, sehr fortschrittliches soziales Programm aufgestellt (Siebenstunden- Arbeitstag usw.) und im «Altneuland» ’mt er den Begriff und die Losung des Juden-«Stnates» überhaupt fallen gelassen und als Ideal die «Neue Gesellschaft» proklamiert. Auf der Linken ist man aber nicht so annexionslüstern und — naiv, um auf Grund dieser und ähnlicher Momente anderen zionistischen Gruppierungen und Anschauungen das Recht abzusprechen, als Herzische Zionisten zu gelten. Wenn man aber Annexionist ist, dann ist man es auf der ganzen Linie. Annexionslüsternheit kennt keine Grenzen. Mit dem Essen wächst bekanntlich der Appetit. Nicht genug, daß sie uns Herzl weggenommen haben, sind sie jetzt auf dem besten Wege, auch Joset Trumpeldor ganz und ausschließlich für sich zu beschlagnahmen. In der letzten Nummer der revisionistischen «Neuen Welt» findet es ein Dr. Max Nußbaum sogar «sehr traurig (!)», daß «die Frage, warum Trumpeldor unser (d. h. revisionistisch) ist, heute, zwölf Jahre nach Trumpeldors Tode, noch beantwortet werden muß». Und Dr. Max Nußbaum steigt aufs hohe Roß und entwickelt im pathetischen Brustton der Ueberzeugung und Selbstgefälligkeit, an die wir uns bei unseren Genossen, den Revisionisten, schon sattsam gewöhnt haben, eine ganze «Heldentheorie». Wir werden belehrt, daß Josef Trumpeldor sein ganzes Leben lang ein jüdischer Held gewesen ist, daß er «vor dem Worte Militarismus nicht erschrak», daß er «nicht zu den Pazifisten gehörte», daß er somit «unser ist und nicht euer». Daß Trumpeldor ein Kommunist gewesen ist. gibt zwar Dr. Nußbaum gnädigst zu, erledigt aber diese Tatsache auf eine geradezu groteske Weise, indem er daraus, a contrario, schließt, der Revisionismus lei nie eine Rechtspartei gewesen und werde es auch nie sein: «Der Revisionismus ist ein Herzlscher Vollzionismus und repräsentiert eine zionistische Weltorganisation». 0 weh, nun haben wir, wir Zionisten, Nicht-Revisionisten, auch Trumpeldor verloren . . . Ich habe leider nicht das Vergnügen. H~ 'rn Doktor Max Nußbaum zu kennen, ich bin aber davon überzeugt, daß er ein sehr guter Revisionist ist. Noch fester bin ich davon überzeugt, daß er ein sehr schlechter oder, sagen wir, einfach — gar kein Kenner von Josef Trumpeldor ist. Ich erlaube mir daher Herrn Dr. Max Nußbaum die eingehende Lektüre Josef Trumpeldors «Tagebücher und Briefe» (Jüdischer Verlag, Berlin 1925) zu empfehlen. Für den Fall, daß er mir stolz entgegnet, er brauche keine zionistischen Unterweisungen und orientiere sich in der zionistischen Literatur tausendmal besser als ich, will ich Herrn Dr. Max Nußbaum ganz bescheiden bloß an einige Stellen in obigem Schapira und Abu Kischik Eine Reminiszenz. Von Dr. Emil Reich. Helle Begeisterung weckte die von Abraham Schapira aus Petach-Tikwah geführte Reitertruppe. So hieß es in der Schilderung des Schlußtages derMakkabiah im Stadion von Tel-Aviv. Schapira . . . Reitertruppe . . . das stellt unwillkürlich eine Ideenassociation mit Abu Kischik her. Wer ist Abu Kischik? Von der guten asphaltierten Straße führt der holprige Feldweg an den malerischen «sieben Mühlen» vorbei ins Sandland hinein. Immer schlechter wird der Weg, immer tiefer der Sand, immer unheimlicher die Löcher und Gruben, in die das Auto versinkt oder über die es in kühnem Schwung hinwegsaust.. In weitem Bogen müssen Bodenwellen umfahren werden. Endlich erblickt man auf einer Anhöhe Abu Kischiks Herrensitz. Knapp vor dem Ziel ein fast unüberwindliches Hindernis. Der Kraftwagen kommt nicht von der Steile. Der Motor rattert, die Räder drehen sich, aber sie rotieren im tiefen Sand, stets am gleichen Fleck. Man muß aussteigen, den Sand wegschaufeln und sich hinten an den Wagen stemmen, um das Fahrzeug weiter zu schieben. Nach langem Mühen ist das Auto flott gemacht und nun steuert es, verwegen bergan klimmend, über eine Weide zum Anwesen des Scheichs Abu Kischik und fährt bei einem großen Tor vor, zu dessen beiden Seiten sich eine hohe feste Mauer hinzieht. Durch das offene Tor sieht man in einen geräumigen, von Wirtschaftsgebäuden umgebenen Hof. Unten in einer Mulde erstreckt sich eine junge Orangenpflanzung, die der jüdische Pflanzer Moische Nowik aus Petach-Tikwah, ein Freund des Scheichs, für die¬ Buche erinnern. Seite 18 schreibt Trumpeldor an eine Genossin: «Wir alle streben leidenschaftlich dem einen gleichen Ziele zu: dem Sozialismus . . . Seite 352: «. . . Wir halten es für notwendig, in der allernächster Zukunft eine äußerst intensive Propaganda (einen Kampf sogar) für eine gesunde nationale Bodenpolitik in Palästina zu entfalten; diese Politik soll den Interessen der arbeitenden jüdischen Massen dienen; mit anderen Worten — wir wollen eine Propaganda für die Nationalisierung des Bodens und für jüdische Arbeit.» Dieser Brief stammt aus dem Juli 1918 und schließt mit dem Gruß «des arbeitenden Zion». Apropos Militarismus und Nicht-Pazifismusl Dr. Nußbaum blättere gütigst Seite 206 nach: «Der Krieg ist ein Greuel, und grauenhaft ist alles, was er hervorruft.» Trumpeldor war ein Held, aber wie er sein Heldentum verstanden hat, das finden unsere Genossen, die Revisionisten, auf Seite 36: «N i c h t zu Heldentaten, sondern zu einem besseren Leben werden wir sie (die Massen des jüdischen Volkes) rufen!» Das schreibt Trumpeldor im Jahre 1908 in einem Brief, in dem auch folgender Satz vorkommt: «Wir wollen kommunistische Kolonien gründen, wollen den Menschen einen Weg zu ökonomischer Unabhängigkeit und geistigen Fortschritt weisen. Wir wollen eine große ernste Idee durchführen.» Von welcher ideologischen Beschaffenheit Trumpeldors Nationalismus und Zionismus gev/esen waren, hievon können unsere Genossen, die Revisionisten, sich überzeugen, wenn sie Seite 43 aufsen angelegt hat und ganz in der Ferne erblickt man kleine verstreute Ansiedlungen jüdischer Kolonisten. Von den Dächern dieser Kolonistenhäuser lugte man in den bewegten, aufgeregten, blutigen Augusttagen des Jahres 1929 tagelang durch Fernrohre zu Abu Kischik hin. Wird Scheich Schäker, der Vater (Abu) der Familie Kischik, der einzige Scheich in der Scharonebene, einer der einflußreichsten. Araber Palästinas, losgehen? Wird er gemeinsame Sache mit den Aufrührern machen? So fragten sich in jenen Tagen die Bewohner der Kolonien in der Scharonebene unsicher und kampfbereit, in banger Erwartung und zur Abwehr entschlossen. Sie waren darauf gefaßt, daß von der kleinen Anhöhe, auf der Abu Kischiks Besitz liegt, der Sturm losbrechen werde. Man stellte fest, daß sich bei seinen Häusern immer mehr Beduinen zusammenrotteten. Die Spannung stieg von Stunde zu Stunde, wußte man doch, daß es nur eines Winkes Abu Kischiks bedurfte, um die ganze wilde Horde zu Mord und Plünderung in Bewegung zu setzen. Tage fiebernder Erregung. Dann nahm man wahr, daß die dunklen Massen sich zerstreuten. Die drohende Gefahr war vorbei, der Kampf vermieden. Abu Kischik hatte seinen vor Jahren abgelegten Schwur, nichts gegen die Juden zu unternehmen, gehalten. Er hatte bei den Unruhen 1921 Lehrgeld gezahlt: Festungshaft und schwere Buße, die in tausende Pfund ging. Die städtischen Araber in Jaffa bemühten sich 1929, ihn in den Kampf hineinzuziehen. Er lehnte jedoch ab und hielt die fanatisierten Beduinen in Zaun. Wozu braucht er Anhänger in der Stadt? Draußen auf dem Lande ist er mächtig, gebietet er über tausende Menschen und weite Bodenflächen. Mehr als dreitausend Morgen Land gehören ihm 1929 noch immer, obwohl er bereits riesige Strecken verkauft hatte, wie man sich erzählte, zu sehr günstigen Preisen und unter kluger Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die Konjunktur und Verträge bieten. schlagen und folgenden Sazt nachlesen: «Unsere Sache ist vor allem jüdisch (verstanden im Gegensatz ZU Chauvinismus), denn durch das jüdische Volk wollen wir für die Menschheit arbeiten.» So könnte ich noch eine ganze Reihe von Zitaten bringen, ich glaube jedoch, daß diese einzelnen Sätze Josef Trumpeldors herrliche, wunderbare, einzigartige Persönlichkeit zur Genüge beleuchten. Er war ein Held, aber in einem ganz anderen Sinn als im revisionistischen! Er war kein chauvinistischer Draufgänger und «Maximalist», erhatnichtsm ithochklingenden Phrasen und Schlagworten gemein gehabt. Er war sozial links gerichtet, dabei von glühender Liebe zu seinem Volke, zu Palästina und zu jedem Menschen erfüllt. Es ist unsinnig, davon zu reden, aber nur ein ganz übergeschnappter Fraktionsgänger kann im Ernst behaupten, daß Trumpeldor, wenn er heute noch am Leben wäre, zu den Scharen Jabotinskys und Dr. Weisls gehören würde. Zu solchen absurden Folgerungen gelangt man aber, wenn man um jeden Preis auf Annexionen ausgeht und seinen Revisionismus so weit treibt, daß mair dabei den ganzen Zionismus beiseite schiebt. Und schließlich muß man in eine Sackgasse gelangen, wenn man außerhalb seines Gefolges alles andere aus den Augen verliert. Unsere Genossen, die Revisionisten, treiben ja genau dieselbe Politik wie alle extrem chauvinistischen Parteien der übrigen Völker. Auch diese sehen die Nation nur in ihrem eigenen Lager, Was außerhalb dieses Lagers steht, sind Verräter, Defaitisten u. dgl. So sind auch für unsere Revisionisten keine Zionisten außerhalb der revisionistischen «Weltunion» vorhanden. Konsequenterweise ist auch Herzt nicht mehr unser geistiger Führer und Bannerträger, Abu Kischik ist ein zu geriebener Geschäftsmann, als daß er sich zwecklos «ins Gedränge» begeben würde. Sein Verhalten in den Aufruhrtagen hat ihm sicherlich nicht Freunde in den städtischen Araberkreisen geworben. Er kümmert sich nicht darum. Ihm sind der Absatz seiner landwirtschaftlichen Produkte und die Bodengeschäfte, die er mit Juden macht, wichtiger. Aber was hat das alles mit Schapira zu tun? Nun, Abu Kischik kennt Schapira und dessen Familie gut und die meisten Kolonisten der Scharonebene, wie er, der häufig auf einem Esel oder mit einem von einem Maultier gezogenen Wägelchen durch die Kolonien nach Jaffa reist, ihnen nicht unbekannt ist. Es fällt ihm nicht ein, sich ein Automobil anzuschaffen wie andere Araber, die nicht so viel Vermögen haben. Sein Monatsverbrauch wird auf mindestens dreihundert Pfund (etwa zehntausend Schilling) geschätzt, aber er lebt bescheiden. Nur ab und zu zeigt er seinen Reichtum, So auch einige Wochen nach den traurigen Augusttagen 1929. Er verheiratete einen seiner Brüder und lud zu dem Hochzeitsfest Araber und Juden.. Die Kolonisten, noch ganz unter dem Eindruck der entsetzlichen Geschehnisse in anderen Teilen des Landes, weigerten sich, mit Arabern zusammen zu kommen. Was aber tat Abu Kischik? Er feierte die Hochzeit zuerst mit seinen Stammesgenossen allein und dann veranstaltete er ein grandioses Fest für die Juden der umlieeenrtn Kolonien. Jetzt folgten sie der Einladung. In Massen erschienen sie. Doch vielleicht ist es nur eine Falle, in die der schlaue Scheich uns locken will, sagten sich die jüdischen Siedler. Vorsichtsweise steckte daher jeder einen Revolver zu sich. Abu Kischik aber hatte nichtf Arges im Sinn, die Festesfreude wurde nicht getrübt. Man unterhielt sich mit der Familie Scheich Schaken in frohester Laune, aß Hammelfleisch in den verschiedensten Zubereitungen, gebratene Koteletten, Fleisch in Lpb«n MPehJi Dieses Siegel bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch für Strenggläubige ohne Bedenken für die Zubereitung von Osterspei^en verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehren feld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL' 100% REINES KOKOSNUSSFETT

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