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Die Stimme · 1932-04-07 · Heft 222 (7.4.1932) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 222 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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!n,. 222 — 7. April 1932 DIE STIMME Sette 7 Hi | erslarab I AMM ®tn 8. Mlll IlSa Jfel9r W9flillSi NÄher* Weisungen tolgenl IMeroiur/ Kunst / Theater Nie fordern wir die jüdische Musih? Der Verein 2ur Förderung jüdischer Musik, der seit einigen Jahren für die Verbreitung jüdischer Musik tätig ist, berief für vergangenen Samstag eine Konferenz sämtlicher jüdischer vereine und Organisationen ein, um die Frage der Förderung jüdischer Musik in den breiten Massen zu erörtern. Nach einer Begrüßungsansprache durch den Präsidenten Prof. Dr. Max Graf hielt Prof. Julius W o I f s o h n einen Vortrag Über die Entwicklung der jüdischen Musik, deren Bedeutung für das Nationalbewußtsein vielleicht am besten durch die Worte Einsteins gekennzeichnet ist, die der Gelehrte als Antwort auf eine die Renaissancebewegung in der jüdischen Musik schildernde Mitteilung an Prof. Wolfsohn richtete: «Was wir heute in der jüdischen Nation erleben, hätte vor kurzem niemand für möglich gehalten. Während bisher die geistig hochstehenden Juden wegen Mangels an Renaissance sich bewußt oder unbewußt von der jüdischen Gesamtheit abwandten, steht nun unsere Nation plötzlich wieder lebensfrisch vor uns da und jeder von uns verliert das Gefühl der Vereinsamung, das so viele zu einem Verhalten geführt hat, das dem oberflächlichen Blick als Charakterlosigkeit erscheint. Ihr Streben verdient den Dank aller Juden.» Nach einem Referat des Vizepräsidenten Direktor Hugo Winter über Organisationsfragen wurde eine Diskussion abgeführt, in der man viele Klagen darüber hörte, daß jüdische Vereine bei der Veranstaltung von Akademien der jüdischen Musik so wenig Raum gewähren und Darbietungen gestatten, die das jüdische Empfinden verletzen. Diese Beschwerden veranlaßten die Konferenz, folgende Resolution zu fassen: Die Vertreter der jüdischen Vereine Wiens anerkennen die Notwendigkeit der Förderung jüdischer Musik. Sie erklären sich bereit, bei anfälligen Veranstaltungen ihrer Vereine sich mit der Programmkommission zur Vereinsförderung jüdischer Musik in Verbindung zu se t z en und von dieser Vorschläge, insbesondere zur Gestaltung des musikalischen Teiles, entgegenzunehmen und dieses Programm nach Möglichkeit durchzuführen. Weiters beschließen die anwesenden Delegierten, sich dafür einzusetzen, daß die Vereinigungen als solche dem Verein zur Förderung jüdischer Musik als Mitgliederbeitreten. Jüdische Musik in Amerika Der von seiner ersprießlichen Tätigkeit aut dem Gebiet der jüdischen Musik in Wien bekannte Dirigent Professor S. Braslavsky, der seinerzeit das erste Jüdische Orchester (Hakoah) gründete, hat in ö o s t o n, wo er als Musikdirektor lm größten Tempel fungiert, «in jüdisches Orchester und eine Chorvereinigung ins Leben gerufen. Zwei erfolgreiche Konzerte jüdischer Musik machten den Anfang und brachten der Vereinigung viele Anhänger. Fast nur Juden Sieger Im Internationalen Chopin Wettbewerb Viel Aufsehen erregt es, daß bei der ln Warschau vorgenommenen Preisverteilung im Internationalen Chopin-Wettbewerb für Pianisten von fünfzehn zur Verteilung gelangten Preisen vierzehn an j ü d i s c h e Pianisten fielen. Die Jury, die bis spät in die Nacht hinein tagte, verlieh den ersten Preis dem russisch-jüdischen Pianisten Alexander U n 1 n s k i, den zweiten Preis dem blinden ungarischen Juden Imre (Akiba Jizchak) U n g a r, den dritten Preis Abraham Lufer (Kiew), weitere Preise erhielten Borislaw Cohn (Warschau), Ludwig K e m p n e r (Ungarn), S a g a 1 o w (Rußland), Leon B a r 1 n 8 k i Zur Ziehung dor II. Klasse der 26. Klasaonlotterlo bestellen Sie Ihr Glllcksloa bet der Geschäftsstelle der Oesterrelchischen Klassenlotterie J. M. Neufeld Wien, Il*p KrummbaumflsM# 16, Tel. A 45*6*66. Höchstmöglicher Gewinn eventuell S 800.000.—. Lospreise: 1/1 S 48.-, 'I, 8 24.—, »I« S 12.-, »!• S 6.—. Die Hälfte aller Lose gewinnt. Die Ziehung dor II. Klasse beginnt schon am 16. Desember 1081. rav nöw (Polen), Gut mann (Rußland), Karoly (Ungarn), Kurt Engel (Wien), Oroß mann (Rußland), Joseph Wagner (Breslau), Mariio Jonas (Warschau), Lllti Herz (Ungarn), Susanne de Meyer (Holland), tlo Elllnsohn. Erinnerungen an Boris Schatz Was Lasar Krestin erzählt. Es gibt einen Mann in Wien, den die Nachricht über den Tod des großen jüdischen Künstlers und Schöpfers des «Bezalel», Prof. Boris Schatz, mehr als alle anderen getroffen hat. Es ist der Maler Lasar K r e s 11 n. Ein Mann, der mit Schatz Jahrzehnte hindurch In engster Verbindung stand und mit ihm befreundet war. Der schweigsame, in sich gekehrte Künstlei spricht nicht gerne und spricht wenig. Aber auch aus den abgerissenen Sätzen und scheinbar unzusammenhängenden Worten merkt man die tiefe Verehrung und Liebe, die er für den großen Verstorbenen hegt. eja, ich war mit Ihm sehr befreundet. Wir lernten einander Ende der achtziger Jahre in Wilna kennen, wo wir zusammen In der Zeichenschule waren. Dann besuchte mich Schatz oft ln Wien und Im Jahre 1910 bewog er mich, für ein halbes Jahr nach Jerusalem zu gehen, um im «Bezale!» zu unterrichten. Auch Im Jahre 1921 war ich in Jerusalem bei Ihm zu Oast. Das typischeste Charaktermerkmal Boris Schatz’ — erzählt Krestin — war sein unvergleichlicher Fleiß und seine Ausdauer. Oft ist er nachts aufgestanden, ins Atelier gegangen und hat dort gearbeitet. Er hatte einen festen Willen. Was er sich einmal vorgenommen hatte, set2te er ganz bestimmt durch. Auf seine Umgebung übte er einen starken, fast suggestiven Einfluß aus. Jungen Künstlern ist er bereitwilligst an die Hand gegangen. Man könnte Boris Schatz’ Persönlichkeit am besten charakterisieren, indem man sagt: Er war nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein großer Organisator. Seine Arbeit war ihm das wichtigste lm Leben. Er vergaß alles andere, wenn er arbeitete. Einmal fühlte er sich an einem Freitagabend krank, fieberte und mußte zu Bett. Dann erst erfuhren wir es: Er fieberte bereits die ganze Woche, aber er hatte keine Zeit, krank zu sein. Am Sabbath jedoch konnte er slch's leisten. Schatz war ein großer Idealist. Aber kein weltabgeschiedener Künstler, sondern ein Mann der Tat. Im Zentrum seines Lebens, seines Denkens und seines Schaffens lag immer nur Palästina. Alle seine Freunde wollte er hinüberbringen. Kommet nur zu uns! pflegte er zu sagen. Was habt ihr davon, daß ihr in der Galuth Uber den Zionismus redet. Kommet her, lebet und arbeitet hier. Das ist die zionistische Tat. Es ist schade — es ist sehr schade um Boris Schatz. Um die bewegende Kraft, die aus ihm strömte, um diesen großen Künstler, um diesen großen jüdischen Menschen. Das ist alles, was ich Ihnen über meinen verstorbenen Freund erzählen kann,» endet Krestin ganz leise. », w. Gertrud-Kraus-Tanzabend. Den Abend leitete das Bachsche Vorspiel ein, und schon beim ersten wiegenden Schritt der Gestalten merkte man Gertrud Kraus’ persönliche Note. Sie erdichtet ihre Bewegungen und schafft aus der Fülle der Töne reizende Bilder, die man nicht nur sehen, aber auch verstehen kann. Ihre Maske verschmilzt mit den geometrischen Linien Ihrer Kreationen, und der Tanz entsteigt dem Liede wie der Weihrauch einer heiligen Flamme. Harmonie der Dichtung. Harmonie der Bewegungen. Schon die Revolutionslieder brachten die breite Skala ihrer Kunst zur Geltung, doch in den Volksweisen war sie vollendet. Der Zyklus „Ghettolieder» zeichnete sich durch Sentimentalität, Verzückung und der ganzen Ghettotragik aus, der hauptsächlich im «Hochzeitstanz» seinen Höhepunkt erreichte. «Das jüdische Mädchen» war keine Dichtung. Es war Wirklichkeit in Rhythmik umgesetzt. In diesen «Ohettoliedern» griff sie tief ln das Herz ihres Volkes ein. Sie durchlebte noch einmal auf dem Podium die Lebenswirrsale der Juden In der Galuth und verblüffte die Zuschauer mit der herrlichen Wiedergabe der Gefühle ln Tanz und Mimik. Einen eigenen Ton brachte Gertrud Kraus in der Tanzsonate von Dr. E. Kanitz, die an diesem Abend zur Uraufführung gelangte. Den zweiten Teil des Programmes füllte Gertrud Kraus als Solotänzerin fast völlig aus. Zwei Genrebilder: «Hagar auf der Flucht» und «Danse rituelle du feu» bedurften nur noch eines Stilrahmens, um als vollkommenes Gemälde zu wirken. Das verdurstete Gesicht Hagars in der Wüste, die Schmach ihres Daseins, dann im zweiten Bild das Auflodern und Feckern der Flamme, die dem '/«löschen geweiht Ist, brachte die Persönlichkeit Gertrud Krau* markant zutage. Wie oft bewunderte man in solche* Darbietungen lediglich die Pracht der Kostüme, während der Tanz In ein paar rhythmischen Verrenkungen verklang. Gertrud Kraus aber zeigte In dezenten, schönen Kostümen die Seele eines Volkes, seine charakteristischen Merkmale und nicht die leere Schate Ihrer Volk*» tracht. Das ganze Ensemble der Gettrud-Kraus-Truppe trug viel bei zum völligen Gelingen dieses Tanzabends. O.F. Konzert Opernsänger H. S. Uretefn aut Palästina Sonntag, den 10. April, 8 Uhr abend», singt der bekannte Opernsänger aus Palästina Herr H. S. U r s t e i n zum erstenmal in Wien im Musikvereinssaal hebräische, italienische und deutsche Lieder. Am KlAvier Professor Erich Meller. Mitwirkend Frau Grete R o s e n f e I d. Zu diesem Abend hat der englische Konsul in Wien sein Erscheinen zugesagt. Jüdische Künstleraplete (Theater Reklame), Wien, n., Praterstraöe 34, Tel. R 40*0*94. Nach dem großen Erfolg der Aufführung der Strindbergsclven Tragödie «Der Vater» gelangt ab hrdtag, den 8. April, die vieraktige Komödie von (J o r I n «Es kommt In ledern Hause vor» 2ur Aufführung. Dr. Paul Baratoff spielt die Hauptrolle. Baratoff, der fit diesem Stück zum Unterschied zu dem letztens gespielten keine düster dramatische Rolle hat. wird zweifellos wie sonst das Publikum mit seiner großen Kunst 2U fesseln verstehen. Mitwirkend das gesamte, bereits bewährte Ensemble. Kartenvorverkauf an der Tageskasse. Telephonische Reservierungen unter R 40-9-94. Volkstümliche Preise. Schalom-AlechenvAbetid. Oie Vereinigte zion.-soz. Arbeiterorganisation Po nie Zlon-Hitachduth veranstaltet Montag, den 18, April, 8 Uhr, im Theatereaal des «Hotel Poet», I., Fleischmarkt 24, einen Schaloni Alechem-Abend mit reichhaltigem Programm. Eintrittskarten in allen Preislagen kn Borochow-Hefm, Wien, 11., Blumauergasse 1. Hebräische und jüdische Lieder mi Beograder Rundfunk. Oberkantor Arnold Grußmahn bringt Donnerstag, den 7. April, 9 Uhr 10 Minuten abends, synagogale, heuhebräische und jüdische Lieder im Beograder Rundfunk za Gehör. Bunter Abend. Samstag, 9. April 1932, pünktlich ^9 Uhr abends, findet In den Kunstspielen «Pan», I., Riemergasse 11, zugunsten der Aktionen der Z. M. V. Mirjam-Taffeshelmstütte für arbeitslose Frauen des jüdischen Mittelstände*, Ausstattungsaktion für Chaluzim u. a., ein Bunter Abend unter Mitwirkung von Irene Seidner, Gertrud Kraus, Jazz Ladies, Erwin Engel und anderer Kunstkräfte statt. Interessante Frühjahrs- und Sommer-Modenschau veranstaltet vom Modenhaus TV*,'i Sonnenfeld. herzlich eingeladen. t?ifm Lilian Harvey und Hans Albere in „Quick“. Die tragenden Rollen des neuen Tonfilme der Erich Pommer-Produktion der Ufa „Quick“ (Produktionsleitung Max Pfeiffer) spielen Lilian Harvey und Hans Albera gemeinschaftlich. Für die weiteren Rollen wurden Käthe Haack, Genta NlkolnJewa» Flockina von Platen, Paul Hörbiger, Willy Stettner, Ott» Wallburg und Paul Westermeier verpflichtet. Das Manuskript des Films wurdo von Hans Müller naoh dom Btüok von Felix Gandera geschrieben. An der Kamera steht Günther Rtttau, Tonmeister ist Fritz Thlery. Die Bauten stellt Erich Kettelhut. Werner Richard Heymann hat für diesen Tonfilm einen schmissigen Bohlager komponiert. Die musikalische Leitung des neuen Fiims haben Gerard .Tacobsohn und Hans Otto Borgmann inne. Paramount-Tonwoohe. Frühling in Holland bedeutet Tulpen- und Hyazinthenernte für die ganze Welt, worüber die neue Paramount-Tonwoche repartiert, Szenen aus Kalifornien führen eine Tambourlntanzveranstaltung von 800 Kindern vor; aus Boston erhält man eine Vorführung kindlicher Varietd- und Filmstars der Zukunft. Die Pariser Feuerwehr demonstriert an einem brennenden Automobil eins neue Methode der Feuerbekiimpfung durch Seife. Aus dem amerikanischen Mittolwesten werden die Vernichtungen gezeigt, die ein katastrophaler Wirbelsturm in seohs Stunden angerichtet hat. Weiters wird man Zeuge der aufrührerischen Bewegung ln Irland, die die Errichtung einer unabhängigen Republik anstrebt; des ersten großen Frühjahrsrennens in Auteull, dem der franxöslsohe Präsident Doumer beiwohnt, und des ersten gelungenen Versuches eines britischen Fliegers, mit einem Gleitflugzeug Looping-the-lOop-Flüg« auszuführen. Oscar Straus' Tonfilmoperette im Rundfunk der U. 8. A. Eine besondere Ehrung wurde Oscar Straus in Amerika zuteil. Zum erstenmal in der Gesohiohte des amerikanischen Rundfunks wurde eine Tonfilmoperette mit den Originaldarstellern von Hollywood aus mlttols Rundfunk durch gant U. S. A. verbreitet: es war die von Oscar ßtraus komponiert« und von Ernst Lubltsoh inszenierte neue Paramount- Tonfilmoperette „Eine Stunde mit dir" mit Maurice Chevalier und Jeanette MacDonald. Wiener Uraufführung demnächst. „Die Erde durstet14, ein hervorragender Natur« und Lehrfilm, der Jetzt ln der „Urania“ und lm „Margaretner Volksbildungshaus“ zu sehen ist, hat den Schauplatz seiner Handlung in ein turkmenisches Dorf ln der Sandwüste verlegt. Die krasse Darstellung des maßtosen Elends der Bevölkerung, die dem Untergang durch Verdursten preisgegeben und durch fünf junge russische Teohnlker gerettet wird, die prachtvollen Aufnahmen der wasserlosen Steppe* der ausbrechende Orkan, die Dynamitsprengungen, die wild stürzenden Wassermassen, zeigen die gesehlckte Hand einee tüchtigen Regisseur». Der Film wird durch deutsche Texte erläutert. ggfe. EcKstcin’s FatnilUn-pension j Kundin täglich Ö-Uhr-lee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstralle 43 neben Hotel Panhatis. Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm* und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U*27-6*24 i. , >' , iliuil . - . ^522

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