Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 222 (7.4.1932)
- Date
- 1932-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3053977--2890-3058343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 DIE STIMME Nr. 222 — 7. April 1932 Wo essen Hakenkreuzprofessoren und wo machen sie ihre wissenschaftlichen Feststellungen? Natürlich in einem koscheren Restaurant. Dort nahm Günther, wie er gesteht, durch längere Zeit seine Mahlzeiten ein und dabei konstatierte er: «Auch be Abwesenheit der Juden waren die betreffenden Zimmer mit einem ziemlich auffälligen, dem Verfasser als süßlich erscheinenden Geruch erfüllt, der gleich beim Eintreten auffiel.» Mit Recht bemerkt ein deutsches Blatt dazu: Die Nationalsozialisten und die Universität Jena sind um eine Kapazität wie Günther wirklich zu beneiden. Die Rasse der Juden durch einfaches Schnüffeln festzustellen, blieb einem Hakenkreuzgelehrten Vorbehalten. Fatal wird es aber werden, wenn sich einmal die Nazis gegenseitig beschnüffeln. Und jetzt noch eine unwahrscheinlich klingende und doch wahre Geschichte. Wißt Ihr schon, wie man einen Juden an einer ungarischen Universität trotz numerus clausus inskribiert? Man wird als Jude Hörer an der Debrecziner Universität, indem man sich taufen läßt, ohne etwas davon zu wissen. Auf diese Weise wurde Andreas David, der als Jude an ungarischen Universitäten nicht aufgenommen worden war, eines Tages doch Student der erwähnten Hochschule. Seinem Vater, einem Budapester Fabriksdirektor, wurde der Universitätsbeamte Karsay empfohlen, der angeblich in der Lage war, Inskribierungen durchzuführen. Vater und Sohn übergaben ihm ihre Dokumente. Karsay riet zur Taufe, was David jedoch ablehnte. Darauf begab sich Karsay mit dem Schlosser Csipler und den Dokumenten des David zum reformierten Bischof in Debrezin, stellte den Csipler als David vor und ließ ihn taufen. Auf Grund der neuen Dokumente inskribierte er David an der Debreziner Universität. Selbstverständlich ließ sich Karsay für die Durchführung der Inskription gut bezahlen, aber weder der alte David noch der junge David hatten eine Ahnung davon, mit welchen Mitteln die Inskription gelungen war. Nachdem David die Prüfungen mit Auszeichnung abgelegt hatte, bezeichnete er sich bei einer Gelegenheit wahrheitsgemäß als Jude. Die hierauf einsetzenden Recherchen der Üniversitätsbehörde deckten . den Schwindel auf. Das Zionistische Parlament Stenographisches Protokoll des XVII. Kongresses Das stenographische Protokoll des XVII. Zionistenkongresses, der im Sommer 1931 in Basel tagte, ist soeben erschienen. Derjenige, der sich über die Entwicklung der zionistischen Bewegung aus den Quellen unterrichten will, findet den Stoff nirgends so konzentriert zusammengefaßt und lebendig dargestellt wie in den Protokollen der Zionistenkongresse. Gilt dies schon für die Gesamtheit der Kongreß- Erotokollc, auch die aus der Nachkriegszeit, so darf beauptet werden, daß keinem Protokoll eines Zionistenkongresses — wenn man vielleicht absieht von dem des I. Kongresses — eine solche Bedeutung als Quelle zur Geschichte der zionistischen Bewegung zukommt wie dem Protokoll des XVII. Zionistenkongresses. Durch geschickt gewählte technische Maßnahmen ist es gelungen, dem Protokoll des XVII. Zionistenkongresses, bei dem gleichen Umfang des Verhandlungstextes, den seine Vorgänger hatten, ein besonders handliches Format zu geben, das seine Lektüre und Benützung auch zu einem ästhetischen Genuß macht. Das Protokoll des XV1K Kongresses ist durch alle Buchhandlungen und, wo solche nicht vorhanden, durch die Buchhandlung «Kedem», Berlin-Charlottenburg, Dahlmannstraße 8, zum Preise von RM 6.— für das in Halbleinen gebundene und zum Preise von RM 8.— für das in Ganzleinen gebundene Exemplar zu beziehen. Oer. für den „Keren Kajimeth“ Eine Episode. Es geschah dies zu Chanukkah des Jahres 5663 (1902) in dem kleinen Gebirgsstädtchen Kosow in Ostgalizien. Zu Ende des vorigen und am Beginn des jetzigen Jahrhunderts rekrutierten sich die zionistischen Gruppen und Vereine in den meisten galizischen Kleinstädten aus Jünglingen, die dem Beth-hamidrasch entwachsen waren. Ihnen gesellten sich hie und da auch manch ältere Bürger zu. Ganz anders in Kosow. Dartk dem Umstand, daß ein vornehmer älterer Bürger namens David Eltes, Kultusvorsteher und auch Bürgermeister der Stadt, sich an die Spitze des Zionvereines stellte, wurde dort der Zionismus sozusagen «bürgerfähig» und schlossen sich dem Verein viele ältere, angesehene «Balebatim» an. Dies äußerte sich zusehends in den Sammlungen für zionistische Institutionen: Schekel, Zeichnungen für die Kolonialbank und nicht zuletzt für den «Keren Kajemeth». Schon gelegent- „INTRA” SCHOKOLADE ne 'y» um Die einzige Schokolade unter Aufsicht des ehrw. Rabbiners Josef Babad Verlanget daher nur INTRA mit ■aten svid’’ «an m nrwn vmraii ernaitucn i. Adlergasse t Tel. r-23-3-82 MUSI ’jNHjn n« rmin Für die Feiertage INA-PRO DUKTE Palästina-Mazzoth Karmel-Weine Jaffa Orangen | Jaffa-Grape Fralts Schemen Oliven-Oel Chederah Honig Palästina-Cognac Alle sonstigen Sorten Mazzoth und Mazzoth-Grieß, sowie sämtlliche Spezereiwaren und Sliwowitz pJDD *1^3 liefert zu sehr billigen Preisen direkt ins Haus SAMUEL HALPERN lieh der Chanukkah-Feier im Jahre 5662 (1901), also noch bevor der Keren Kajemeth legalisiert wurde, habe ich dort zum erstenmal eine Sammlung vorgenommen, die eine entsprechend ansehnliche Summe brachte. Aber erst u-m ein Jahr später — Chanukkah 5663! Da wurde bei der dort alljährlich nach der offiziellen Chanukkahfeier in der Synagoge üblichen Chanukkali-neudah gerade davon gesprochen, daß wir Zionisten, obwohl der göttlichen Hilfe gewärtigend, unsererseits das Menschenmögliche dazu beitragen müssen, um unser Volk vom Golus zu befreien. Dabei erzählte Herr Dr. Rosenheck aus Kolomea, der an jener Chanukkahfeier auch teilnahm, folgende pikante Anekdote: Eine arme Frau pflegte regelmäßig nach jeder Lottoziehung in der Kollektur zu erscheinen, um Erkundigung einzuholen, ob sie nicht einen Ternogewinn gemacht hätte. Auf die Aufforderung des Lottokoilektanten, sie möge ihm ihren Einsatzzettel zeigen, damit er die Nummern nachsehe, antwortete die Arme naiv, sie habe überhaupt keinen Einsatzzettel. «Wie wollen Sie also ohne Einsatz einen Terno gewinnen?» fragte erstaunt der Kollekteur. «Wenn Gott will, kann man den Terno auch ohne Einsatz gewinnen,» war die Antwort der Gefragten, die nach der nächsten Ziehung wieder kam . . . Die Sammelbüchse für den «Keren Unserer heutigen Wiener Auflage liegt ein Prospekt der Niederlage der Ersten Jugoslawischen Mazzoth-Bückcrei in Osijek (die unter Aufsicht Ehrwürden Oberrabbiner Dr. Ungar steht) bei. Wir machen unsere geehrten Leser ganz besonders darauf aufmerksam. Kajemeth», der inzwischen schon legalisiert worden ist, stand auf dem Tisch, damit jeder seine paar Münzen, sozusagen als Einsatz, in diese lege. Wie überrascht wurden wir alle Anwesenden, als auf einmal, statt der üblichen Nickel- oder selbst Silbermünzen, der helle Klang einer Anzahl Goldmünzen in unsere Ohren drang! Mit den Worten: «Ich will den Einsatz machen» ließ nämlich David Eltis zwölf Goldstücke zu je 20 Kronen in die Sammelbüchse rollen — und erwarb so die Eintragung ins Goldene Buch des «Keren Kajemeth lejisroel»! Löbel Taubes. 3Die füdistfke Stau WIZO-Arbeit Die Tatsache, daß in Brasilien in letzter Zeit fünf neue Gruppen, und zwar in Sao Paulo, Porto Alegro, Rio Grande, Passo Fundo und Campinas gegründet wurden, beweist daß das Interesse an zionistischer Arbeit unter den Frauen wächst. Seit ihrer Ankunft in Kapstadt hat Frau Ch. W e i zmann, Ehren-Schatzmeisterm der WIZO, die ihren Gatten, Herrn Dr. Weizmann, auf seiner Tour zugunsten des Keren Hajessod durch Südafrika begleitet, vielen Empfängen beigewohnt, die ihr zu Ehren von den Damen der jüdischen Gemeinde veranstaltet wurden. Frau Weizmann hielt ihre erste öffentliche Ansprache anläßlich der Eröffnung des Keren Hajessod-Campagne der Frauen Sie hob besonders die große Wandlung hervor, die sich bei den jüdischen Frauen in den letzten Jahren vollzogen hat. Sie, die lange Jahre hindurch untätig und damit zufrieden waren, die praktische zionistische Tätigkeit in der Galuth und durch die praktische Arbeit in Palästina in nicht geringem Ausmaße zunr Aufbau Palästinas bei. Die WIZO-Leitung in Oesterreich hat toi Zuge der WIZO-Aktion letzten Samstag, den 2. April, ein Atelierfest veranstaltet, dessen Reinertrag zur Gänze dem Koren Kajemeth zufließt. Es war dies eine der gelungensten Veranstaltungen dieser Saison. Ganz besonders ist Frau Vilma W einer-Lipschitz hervorzuheben, die bekannte jüdische Kunstgewerblerin, die Metalltreibarbeiten in Messing und Kupfer in künstlerischer Vollendung erzeugt. Frau Vilma Weiner-Lipschitz hat nicht nur ihr wunderbares Atelier uneigennützig zur Verfügung gestellt, sondern hat sonst auch in aktivster Weise zum Gelingen beigetragen, «Die Koscherkuche einst und jetzt.» Ueber dieses interessante Thema spricht unter besonderer Berücksichtigung der Pessach-Feiertage, Frau Emma Löbl, staatl. gepr. Haushaltungsschullehrerin, Montag, den 11. und Dienstag, den 12. d. im Restaurant Kohn, XX., Heinzelinanngasse 1, sowie Mittwoch, den 13. und Donnerstag, den 14. d., im Esplanaden- Cafö, IX., Alserbaclistraße 41. Beginn aller Vorträire um H4 Uhr bei freiem Eintritt! Die Geburtsstunde der blauen Büchse Aus meinen zahlreichen Erinnerungen, die sich an dl« Anfänge der Zionistischen Organisationa knüpfen, will ich ein wichtiges Moment hervorheben, daß sich mit der Gründung des K. K. L. und der Stellung der Frauen dazu, befaßt Erst mit dem Tage der Gründung des K. K. L. war für die Frauen das ersehnte Arbeitsgebiet erschlossen und sie waren mit der größten Opferbereitschaft dabei, an dem Aufbau dieses großen Instrumentes, zur Erlösung des Bodens m Erez Israel für das jüdische Volk, mitzuarbeiten. Deutlich steht vor meinem geistigen Auge der Abend, an dem unsere blaue Büchse eingeftihrt wurde.!m alten Kongreßbureau in der Türkenstraße war es. Die Frauen riefen ihre Mitschwestern zur Mitarbeit auf. Unter dem Vorsitz der unvergeßlichen Führerin Sidonie Kahn, sprach die leider allzufrüh dahingeschiedene Rosa Feigenbaum, hinreißende Worte, wie sie nur damals in den Anfängen unserer Organisation, gehört werden konnten. Auch mir war es vergönnt an diesem denkwürdigen Abend, als damalige Präsidentin des Mädchenvereines «Maria», mit bescheidenen Worten zu den jüdischen Mädchen zu sprechen. Die Anmeldungen für die Annahme der Sammelbüchse waren so zahlreich, daß sie unsere kühnsten Erwartungen übertrafen. Dies war die Geburtssttmde der blauen Büchse, die ihren Lauf über die ganze Welt nahm und heute in jedem jüdischen Hause den Ehrenplatz einnimmt. Berta Berger-Herrmann. Jlumotistisdue £tfze Die Eigenschaften Gottes Ein würdiger Mann im Kaftan klingelte bei einem westlichen Glaubensgenossen. Die Dame des Hauses öffnete die Türe, ließ aber den Fremden nicht über die Schwelle. Er könnte Teppich und Parkett beschmutzen. «Ihr habt die Eigenschaften vom lieben Gott», sagte der Fremde und schickte sich an, umzukehren. Neugierig über den Sinn des Ausspruches folgte ihm der Hausherr. «Was meinen Sie mit diesen Eigenschaften Gottes?» «Auch vom lieben Gott heißt es: „Gelobt sei Fr. der sich erbarmt über die Erde" und dann erst „gelobt, daß Er sich erbarmt über die Menschen“« Zuerst der Erdboden, dann erst kommt der Mensch!» Verloren tind gefunden Die Direktion der New Yorker Metropolitan-Oper befindet sich augenblicklich in Schwierigkeiten. Das gibt den Zeitungen Veranlassung, sich in erhöhtem Maße um die Geschichte der Oper und ihrer leitenden Persönlichkeiten und Künstler zu kümmern. So besitzt die Oper einen Direktor, der den echt arischen Namen Heinrich C o n r i e d führt. Bei ihm erschien ein Sänger und stellte sich vor: «Mein Name ist R o s e n 1» Der Herr Direktor betrachtete sich Herrn Rosen von oben bis unten, hauptsächlich aber von oben, und fragte ihn etwas ironisch: «Aha, Rosen heißen Sie? Und wo, Herr Rosen, wenn ich fragen darf, haben Sie das „f e 1 d“ gelassen?» «Das „feld“», meinte der Sänger ohne Zögern, «habe ich an dem gleichen Orte verloren, wo Sie, Herr Direktor, das „ried“ gefunden haben!» Se. Maj. der Bakschisch Vambtfry hatte zu seinen Studien eine arabische Handschrift notig, die sich in der Bibliothek des Sultans befunden hat. Er erhielt aber keinen Einlaß. Ein Giatir darf diese heiligen Räume nicht betreten, lautete der abschlägige Bescheid. Vambery wendete sich an seine üönnerin, Königin Viktoria von England, um Intervention, auf deren Wunsch ihm der Einlaß in das Heiligtum gestattet wurde. Wer beschreibt aber seine Verblüffung, als er da niemand anderen als seinen Budapester Kollegen Dr. Goldzieher, in größter Gemütsruhe arbeitend, dasitzen sieht. «Wie kommen Sie denn daher», fragt Vamböry perplex. «Ebenso wie Sie!» «Ich? Ich habe durch eine besondere Intervention der Königin Viktoria die Erlaubnis erhalten.» «Das habe ich einfacher gemacht* sagte Goldzieher ruhig, «ich habe Bakschisch gegeben!» Die Kreuzfahrten des Lloyd Triestino Mit seinen beiden Touristenlinien nach dem östlichen Mittelmeer hat der Lloyd Triestino regelmäßige Kreuzfahrten von J8tägiger Dauer eingerichtet, die dem Reisenden Gelegenheit bieten, mit geringen Kosten, größter Bequemlichkeit und ohne Wechseln des Schiffes die wichtigsten Länder des Mittelineeres zu besuchen. Die Touristenlinie verbindet die Vorzüge einer Gesellschaftsreise mit dem Vorteil der Regelmäßigkeit eines regulären Verkehres. Während man ebenso wie bei einer Gesellschaftsreise die ganze Fahrt auf dem gleichen Dampfer zurücklegen kann, ist man außerdem in der Lage, die Reise ganz nach Wunsch jederzeit anzutreten, ohne daß eine Platzbelegung auf lange Sicht notwendig wäre. Da die Abfahrten von Genua oder Triest wöchentlich stattfinden, ist es möglich, sich auch noch im letzten Augenblick zum Antritt der Reise zu entschließen. Stets bereitet es Schwierigkeiten, die beiden Urlaubsfaktoren «Erholung» und «Erlebnis" miteinander in Einklang zu bringen. Die Seereise mit den vorzüglichen Schiffen des Lloyd ist die ideale Lösung dieses Problems. Bel Darmträgheit, Leber- und üallenleiden, Fettsucht umd Gicht, Magen- und Darmkatarrh, Geschwülsten der Dickdarmwand, Erkrankungen des Enddarmes beseitigt das natürliche «Franz^Josef»- Bitterwasser Stauungen in den Unterleibsorganen rasch und schmerzfrei <n Apotheken und Drogerien, 87