Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 222 (7.4.1932)
- Date
- 1932-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3053977--2889-3058342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 222 - 7. April 1932 Ult STIMME Seite 5 Bezirksrat Norbert Rappaport gestorben (Worte des Gedenkens.) Es Ist etwas Ehrwürdiges um einen Menschen, dessen Leben so weit in die Vergangenheit zurückreicht, daß er nicht nur Zeuge der Anfänge einer historische«-i Entwicklung geworden ist, die verändernd und umgestaltend bis in die Gegenwart wirkt, sondern daß er tatkräftig an dieser Entwicklung teilgenommen hat. Der Mann, dessen Tod die Zionisten .Wiens beklagen, hat als junger Student der Kattowitzer Konferenz beigewohnt. Er hat vor fast fünfzig Jahren jener großen Bewegung angehört, die die ersten Impulse zum Aufbau unseres Landes gegeben hat und als dann Theodor Herzl den politischen Zionismus schuf, war er unter seinen begeisterten Anhängern. Schlicht und bescheiden wie er war, hat er nie eine führende Rolle in der Bewegung beansprucht, der er immer seine besten Kräfte .gegeben hat. Sein ganzes Leben war der Arbeit für Zion geweiht. Er hat nie nach äußeren Ehren gestrebt, obwohl er Hervorragendes geleistet hat. Voll Stolz erzählte er mir noch wenige Tage vor seinem Tode, daß er mehr Aktien der Kolonialbank verkauft habe als sonst jemand in Europa. Dabei hatte er das Prinzip, nur Menschen anzugehen, die geben konnten und wollten. Die Arbeit, die er leistete, konnte nur getan werden von einem, der selbst den anderen ein Vorbild war, Vorbild im Geben und im Tun. Norbert Rappaport war beides. Trotz jahrelanger schwerer Krankheit lebte er bis in seine letzten Tage in und mit der Sache, der er mit Leib und Seele zugehörte. Die Erfolge, die ihr zuteil wurden, die'Rückschläge, die sie erlitt, beides ging ihm zu Herzen. Tiefen Kummer bereiteten ihm die Zänkereien zwischen den zionistischen Gruppen, die gegenseitigen Anfeindungen und Verunglimpfungen. Er beklagte es, daß die Menschen sich so vergessen konnten, statt mit gesammelter Kraft der einen Sache zu dienen. Norbert Rappaport war ein guter und wohlwollender Mensch; er kannte die Menschen und glaubte trotzdem an sie wie an die Sache, der sie dienten. Er war ein Mensch der realen .Tat und darum war ihm die hohe Politik fremd. Er .wußte, daß trotz aller äußeren Hemmungen die praktischen Möglichkeiten unserer Bewegung noch immer über unsere, des jüdischen Volkes Kräfte gehen; daß keine Macht der Welt den Aufbau des Landes hemmen könne, wenn wir nur ernstlich wollen. Das Chajesrealgymnasium ist Norbert Rappaport zu besonderem Danke verpflichtet, hat er doch als der Vertreter eines humanitären Vereines, der durch Krieg und Nachkrieg seine Daseinsberechtigung verlor, in jahrelanger, mühevoller Arbeit es erzielt, daß das Haus, das diesem Verein gehörte, der Schule zufiel. Unsagbar viel Kraft und Mühe hat er auf diese letzte große Leistung seines Lebens verwendet; mehr als zwei Jahre hat es gedauert, bis er, der Schwerkranke, seinen Plan verwirklichen konnte. Mit Gewissenhaftigkeit und Umsicht, mit einer Zähigkeit sondergleichen, hat er all die Schwierigkeiten überwunden, die sich ihm in den Weg stellten. Es war rührend, ja erschütternd, immer wieder von Ihm zu hören, daß er erst dann ruhig werde sterben können, wenn das Haus in den Besitz des Instituts übergegangen sei, in dem er das einzige Vermächtnis des Oberrabbiners Chajes sah. Er fühlte sich verantwortlich für das Kulturwerk, das den Namen jenes großen Mannes trägt, und wiederholt sprach er spontan davon, wie wichtig jüdische Erziehung gerade in unserer Zeit sei. Immer wieder äußerte er die Absicht, für die Schule tätig zu sein, wenn sein Zustand es ihm gestatte. Es war ihm und uns nicht beschieden. Bei aller Trauer um das Dahinscheiden dieses Mannes ist es ein Trost, zu wissen, daß es noch immer in unserer Bewegung seinesgleichen gibt:' Menschen, die um der Sache willen mit Hingabe ihres ganzen Wesens Zionisten sind, die zionistisch wirken, weil sie glauben, und glauben, weil sie wirken. Viktor Kellner. * Das Leichenbegängnis Norbert Rappaports Sonntag, den 3. April, fand unter riesiger Teilnahme aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und insbesondere unter überaus zahlreicher Beteiligung unserer Gesinnungsgenossen das Leichenbegängnis des am 31. März verstorbenen zionistischen Bezirksrates der Leopoldstadt, Norbert Rappaport, statt. Vor dem Trauerhause hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Vor dem mit einem Magen David geschmückten Sarge versah Oberkantor Margolies die Kantorale« Funktionen. Hierauf wurde der Sarg von Freunden und Verwandten zum polnischen Tempel getragen, wo Oberkantor Fränkel das El mole rachamim sang. Vor dem Magistratischen Bezirksamte hielt der Kondukt einen Augenblick und setzte sich dann zum Zentralfriedhofe in Bewegung. Am Grabe sprach Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang, wonach der persönliche Freund des Verstorbenen, Herr Torczyner, in ergreifenden Worten namei^ der engeren Freunde Abschied nahm. Im Namen des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich hielt der Vizepräsident des Landeskomitees Dr. Michael Warum verlangen alle weil Sdridi-nazziiii in Geschmack und Qualität unübertroffen sind 1 Sdnidl-lilazM werden unter streng orthodoxer Aufsicht des mn ded ormn sran “ihm hdv hergestellt Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl- Mazzoth“ das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B.“ auf Mazzoth, Gries und Farve! wird besonders aufmerksam gemacht zentrale: n. modetsiv 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich < Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und A-41-9-52 Steinberg dem dahingeschiedenen Gesinnungsgenossen einen ergreifenden Nachruf, in dem er der hervorragenden Verdienste gedachte, die sich der Verstorbene seit seiner jüngsten Jugend bis zum letzten Atemzuge als zionistischer Mandatar und ganz besonders in seiner Tätigkeit für das Chajes-Realgymnasium erworben hat. Endlich würdigte Herr Dr. Dagobert Rybaczewski namens der zionistischen Mandatare und der Bezirkssektion Leopoldstadt den Verstorbenen als den mutigen Kämpfer für die jüdischen Rechte, dessen Beispiel uns unvergeßlich bleiben wird. An dem Leichenbegängnis nahmen auch korporativ die Schüler des Chajes-Realgymnasiums unter Führung des Herrn Direktors D. Viktor Kellner teil. Wißi Ihr schon? Wißt Ihr schon, daß Eva nicht mit einem Apfel, sondern mit einer Banane den Adam verführt hat? Das behauptet der Naturforscher R. H. Francs, der uns über den ersten Sündenfall in folgender Weise unterrichtet: Der Apfelbaum war dem jüdischen Volk im Altertum ebenso unbekannt, wie den Babyloniern, bei denen diese Sage vom Paradies auftritt wie im alten Testament. Erst in Italien ist der wilde Apfel zu Genußzwecken gezüchtet worden und so erscheint Italien im Altertum als das «Apfelland», im Gegensatz zum «Birnenland» Griechenland. Das Volk Israel konnte daher nie den Apfelbaum in den Mittelpunkt des Gartens Eden stellen. Was für eine Frucht war es also, deren Verlockung so verhängnisvolle Folgen für die Menschheit gehabt hat? Francs führt in der «Lesestunde» aus, daß die verbotene Frucht keine andere gewesen sein kann als — die Banane. Diese Frucht ist im ganzen Morgenland untrennbar mit der Paradiesvorstellung verknüpft und hat daher auch den gelehrten Namen Musa paradisiaca erhalten. Die Sagen, die mit ihr verknüpft sind, verwenden die wunderbare Erscheinung, daß die Banane keinen Samen hat; dieser ist nämlich durch die Kultur verloren gegangen. Ueber ihre Urheimat hat man nichts Genaues feststellen können, doch ist es wahrscheinlich, daß sie aus Südasien stammt. In Ceylon gibt es noch heute wilde Bananen in den Urwäldern. Jedenfalls ist die Banane eine uralte Kulturpflanze und war sowohl den Babyloniern als auch den Israeliten bekannt. Wißt Ihr aber auch schon von der anderen auf die Bibel zurückführenden Entdeckung, die der junge Berliner Gelehrte Dr. Hans L e w y kürzlich gemacht hat? Auf einer Studienreise im Orient hat er neue Texte des Philovon Alexandria entdeckt. Philo war der führende Kopf der jüdischhellenistischen Philosophie. Die aufgefundenen Texte sind umfangreiche Partien aus einer Schrift Philos: Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessacll-Kescherntllch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koscher« milch wird in ihren Meiereien in Niederstem unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. W. Rose« mann bestellten religiös verläOll« chen Organen erzeugt. Jede Kanne u. jede Flasche ist mit einer Plombe respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck r©D L>v nrn »Sn Von SO. April bis 28. April in allen Verkaufsstellen erhältlich WIENER MOLKEREI «Fragen und Antworten zum ersten und zweiten Buch Moses», Teile eines Werkes, das im griechischen Original verlorengegangen ist. Es sind exegetische Ausführungen zu drei Kapiteln des ersten Buches Moses in mehr oder minder freier lateinischer Uebersetzung aus dem Original. Da'wir schon bei Entdeckungen sind, so sei die Frage gestattet: Wißt Ihr schon, daß ein jüdischer Gelehrter eine neue Heilmethode gegen Trachoma gefunden hat? Es ist dies der Gelehrte Dr. Lumbroso aus^, .Tunis, der vor einigen Tagen der Wissenschaftlicheif; Akademie in Paris eine Publikation unterbreitete, irr welcher eine Heilmethode gegen Trachoma durch Isolierung der Trachomamdkrobe niedergelegt ist. Unter der Trachoma-Augenkrankheit leiden besonders stark die Kinder, auch Massen jüdischer Kinder in den Orientländern. Nicht minder aktuell ist die Tatsache, daß die Chassidim sich an den Bemühungen, Lindberghs Baby den Eltern zurückzubri^gen, beteiligen. Ihr staunt darüber? Wißt Ihr aber schon, daß die amerikanischen Chassidim für Lindberghs Kind beten und sich an ihre «Höfe» in Karpathorußland gewendet haben, damit die dortigen Chassidim spezielle Gebete für den kleinen Lindbergh einschalten? Der Munkaczer Rebbe hat bereits erklärt, Lindberghs Baby werde in den nächsten Tagen gefunden werden, doch könne er nicht prophezeien, ob tot oder lebendig. Auch der Zephinker Zaddik hat sich in den Dienst der Sache gestellt. An ihn wandte sich die patriotische Liga in Washington, da sie davon hörte, daß ein Gebet dieses Zaddik dem englischen König bei seiner letzten Krankheit geholfen haben solle. Die amerikanische Gesandtschaft in Prag schickte einen Delegierten zum Zaddik, um ihn zu veranlassen, er möge für Lindberghs Baby beten. Zuerst wollte der Zaddik davon nichts wissen, schließlich gelang es aber dem Amerikaner, ihn von der Wichtigkeit des Problems zu überzeugen. Der Zaddik versprach in einein Telegramm an die patriotische Liga in Washington, sich für Lindbergh einzusetzen. Die amerikanische Polizei verläßt sich freilich nicht auf die Gebete der Chassidim und forscht selbständig nach dem abgängigen Baby weiter nach. Die Untersuchung erstreckt sich jetzt auch auf die jüdischen «Gangsters», deren es in der amerikanischen Unterwelt leider nicht wenige gibt. Jm Verdacht stehen die Juden Abe Wagner und Harry Fleischer. Bei den Nachforschungen nach Klein-Lindbergh würde jedoch der «Rassenforscher» Günther, von Hitlers und Fricks Gnaden Professor an der Jenaer Universität, wahrscheinlich mehr Erfolg haben, denn Günther hat eine feine Nase. Ihr wißt das noch nicht? Dann höret also, daß er in seinem Buch «Rassenkunde des jüdischen Volkes» im Kapitel «Geruchliche Eigenart» feststellt, es gebe einen ererbten jüdischen Geruch. Der hakengekreuzte «Forscher» will diesen spezifischen jüdischen Geruch mit seiner eigenen ^deutschen Nase wahrgenommen haben, und zwar bei einem rituellen Mlttavstisch. .