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Die Stimme · 1932-04-01 · Heft 221 (1.4.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 221 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 221 — 1. April 1932 ‘»ne» nx mxw Für die Feiertage PAIISTfNA-PRODUKTE PalSstlna-Mazzoth Karmel-Weine Jaffa Orangen Jaffa-Grape Fruits Schemen Oliven-Oel Chederah Honig Palästina-Cognac Alle sonstigen Sorten Mazzoth und Mazzoth-Grieß, sowie sämtlllche Spezereiwaren und Sliwowitz |-|Q£ liefert zu sehr billigen Preisen direkt ins Haus SAMUEL HALPERN ‘ Erinnerung und Arbeit Von Dr. Isidor Schallt. Es ist das Glück der Menschen, daß sie vergessen, Weht und rasch vergessen. Könnten wir nicht vergessen, dann wäre das Lehen, das für jeden so reich an Leid und Weh ist, für manche untragbar. Was aber tin Glück für den einzelnen Menschen ist, ist ein Unglück für ein Volk. Der einzelne kann vergessen, soll vergessen, ein Volk darf nicht vergessen. Denn vergessen ist nationaler Tod. Nur die Erinnerung ist nationales Leben. begrüße ich es auf das herzlichste, daß die Leitung des Nationalionds aus der Tatsache des 30jährigen Bestandes nicht ein Jubiläum konventioneller Form gemacht hat, sondern eine große und ernste Werbearbeit für den zionistischen Gedanken. Wir leben in einer durch und durch politisierten Zeit. Alles ist Politik, nichts ist Bewegung. Politische Programme sind unsere Bibel geworden, Politiker unsere Führer, ich verstehe und begreife, daß sich eine Gemeinschaft von Menschen zur Erreichung ihrer Ziele einer parteimäßigen Bindung unterwirft. Ich verstehe, daß im Ringen um politische, kulturelle und soziale Probleme politische Parteien sich bilden müssen, und doch erkenne ich in der absoluten und bedingungslosen Einschachtelung der Menschen in Parteien und Parteiprogrammen eine große Gefahr. Denn Parteien müssen kämpfen. Aber dieser Kampf wird letzten Endes nicht ein Kampf um Ideen, sondern ein Kampf um Personen. Es ist kein Streben und Ringen mehr um Ideen, sondern ein Kampf um die Macht. Und doch hat die Krise, in der wir leben, der ganzen Welt gezeigt, daß die soziale Verbundenheit aller Menschen diese zwingt, den Egoismus, den persönlichen wie den nationalen, aufzugeben. Sonst kommt das Chaos über uns. Gilt dies für das Leben der Völker untereinander, um wieviel mehr gilt es für das innere Leben aller Gemeinschaften. Auch unser Zionismus hat aufgehört, Bewegung zu sein, er ist Partei geworden, ja, er besteht nur aus Parteien. Würde man Herzl aus dem Grabe holen und ihn fragen, welcher Richtung er angehört, er würde verwundert antworten: Ich bin Zionist. Der Zionismus muß wieder werden, was er war, Bewegung, Weltanschauung, nicht Partei. Bewegung, getragen vom ganzen Stolz nationalen Empfindens, erhellt und durchstrahlt von Liebe, Eintracht und gegenseitiger Achtung. Denn nicht der Haß wird Zion aufbauen, sondern nur die Liebe. Unser Nationalismus ist nicht der europäische Nationalismus. Nicht ein Gegeneinander, sondern ein Füreinander, ein Miteinander. Vorübergehend haben wir uns der Form des europäischen Nationalismus bedient. Diese Form kann aber nicht zum Inhalt unserer Bewegung werden. Wir müssen zum Anfang zurückfinden, zu unserer ersten Arbeit, das ganze Volk für unser Ideal gewinnen, es an die Opfer und Opferbereitschaft unserer Vorfahren zu erinnern, ihm aber auch die zähe, zielbewußte Arbeit unserer Chaluzim zu zeigen und die ganze Schönheit unserer Zukunft. Wir müssen zurück zu den so einfachen und primitiven Dingen, mit denen allein man Sklaven wieder zu freien Menschen machen kann, zur Eintracht, zur Liebe und zur Begeisterung. Wir müssen unsere Werbearbeit, die wir so stark vernachlässigt haben, wieder aufnehmen. Die zionistische Allgemeinheit beschäftigt sich zu sehr mit sublimen und sublimsten Problemen. Mit Unrecht, denn die Zeit der Innendekoration ist noch nicht gekommen, noch müssen wir an dem Fundament zimmern, das unser Haus tragen soll. Der konstruktive Zionismus unserer Tage verlangt wohl die ernsteste Behandlung «Nathan der Weise», das Toleranz predigt, gab Goethe dem Wunsch Ausdruck: «Möge doch die bekannte Erzählung, glücklich dargestellt, das deutsche Publikum auf ewige Zeiten erinnern, daß es nicht nur berufen wird, um zu schauen, sondern auch um zu hören und zu vernehmen. Möge zugleich das darin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben 1» Als Leiter des Weimarer Hoftheaters verbot Goethe, erbost Uber die Verhöhnung der Juden in einem tendenziösen Theaterstück, die Verspottung derselben von der Bühne herab mit den Worten der Entrüstung: «Es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talente in Kunst und Wissenschaft aufzuweisen hat, gleichsam an den Pranger zu stellen.»- Der Dichterfürst förderte jüdische Talente. So den Philosophen Moses Mendelsohn, den berühmten Musiker Felix Mendelssohn-Bartholdy, der wiederholt und lange in Goethes gastlichem Hause wohnen durfte, den Maler Moritz Oppenheim, dem er den Professortitel verschaffte, den Dichter Michael Beer, dessen berühmtes Drama «Paria» Goethe in Weimar aufführte und es mit einem Aufsatz einführte, in dem er für die Menschenrechte der Juden eintrat. Trotzdem Goethe ln seinem Gespräch mit Bolsserie für die Judenreinheit Jenas eintrat und die Anordnung, daß kein Jude in Jena übernachten dürfe, guthieß, empfing er dort jüdische Studenten und andere Juden und lud sie sogar ein, ihn öfters zu besuchen. Goethe unterhielt regen Verkehr mit zahlreichen Juden, die alle mit Ausnahme von Börne und Heine — der eine, weil er dem Dichter seine reaktionäre Haltung gDgen die freiheitlichen Bestrebungen des Volkes, namentlich seine Gegnerschaft gegen die Judenemanzipation nicht verzeihen konnte, der andere aus verletzter D.ohtereitelkeit — Goethes überschwänglichste Lobredner wurden und seinen Ruhm in alle Welt hinausposaunten. In Weimar, wo nur sehr wenige Juden lebten, trat Goethe nur zum Hofbankier Israel Eikam in nähere aller Probleme, die gigantisch auf uns eindringen. Aber diese Arbeit soll nur den Berufenen zugewiesen werden, nicht etwa den von Partei und Parteibeschlüssen Berufenen, sondern den durch ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre bewährte und erprobte Arbeit in ihrem speziellen Arbeitszweig Berufenen. Wir anderen aber sollen wieder die alte Arbeit aufnehmen, um die Seele der Juden zu werben. Denn das Territorium allein macht noch nicht Zion, Zion muß auch in unserer Seele sein. Der europäische Nationalismus ist nur eine Episode in unserer Entwicklung. Unser Nationalismus ist der Nationalismus der Bibel. Nicht sich Fremde untertan machen, seine Macht vergrößern, stark zu werden auf Kosten eines anderen Volkes, unser Nationalismus ist Geben und nicht Nehmen, Geben von unserem Geiste, unserer Erkenntnis, unserer Wahrheit, unserer Menschlichkeit. Von Zion geht die Lehre aus. Die Ziehungen der V. Klasse der XXVL Lotterie dauern vom 9. März bis 8. April 1932. Glücklose noch zu haben bei der Geschäftsstelle der Klassenlotterie, I. N. Neufeld, Wien, II., Krummbaumgasse 16, Telephon A-45-9-65. Möglicher Höchsttreffer S 800.000.— . roü -iöw Religion des Bodens Von Kultusvorsteher Viktor Bauminger. Der Jüdische Nationalfonds erstrebt die Erlösung und Urbarmachung des Heiligen Landes nach den historischen Besitz- und Eigentumsprinzipien des Judentums, welche in der Heiligen Schrift verankert sind. Durch diese Realität des wirklichen Schaffens auf dem Heiligen Boden kristallisiert sich für das religiöse Judentum langsam eine vielleicht epochale Ideologie heraus. Diese Ideologie besteht in dem Ringen nach einer seelischen Harmonie zwischen Lehre und Leben, zwischen Gesetz und Arbeit, wie sie in früheren Jahrtausenden bestanden hat und nur aut dem Heiligen Boden möglich ist. Die misrachist'schen Chaluzim, die die Bibel kennen, in ihrem Geiste leben und den Pflug führen, verwirklichen in sich diese Harmonie, die in der Galuth unmöglich ist. Das Leben außerhalb Palästinas ist widerspruchsvoll, und insbesondere in religiöser Beziehung sind die Auswirkungen dieses Widerspruches nicht ausgeblieben. Der lOOprozentige Jude kann sich auch religiös nur in Palästina, und zwar nur in einem schaffenden Palästina, ganz ausleben. Die Wechselbeziehung zwischen Arbeit und Religion ist nur in Palästina gegeben, dort gewinnt die Arbeit durch die Religion, und die Religion gewinnt durch die Arbeit. In dieser Beziehung ist die misrachistische Arbeit in Palästina auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds von ganz be* sonderer Bedeutung. Hat der Zionismus die Menschheit durch einen neuen Typus, nämlich den des Chaluz bereichert, so hat der Misrachismus einen vielleicht noch viel interessanteren und wertvolleren Menschen geschaffen, einen Menschen, der außer der sonstigen freiwilligen Hingabe der anderen Chaluzim, in seiner Seele die Scholle, die er bearbeitet, als im höchsten Sinne heilig empfindet und auch in seiner Arbeit auf derselben durchaus geheiligt ist. Aus diesem gleichgestimmten, chaluzischen und religiösen Sichemporentwickeln entsteht ein für die Jetztzeit neuer Typus, der Mensch, der die Harmonie zwischen Lehre und Schaffen wiedergefunden, ein seelisches Gleichgewicht besitzt, das Gesetz und Arbeit miteinander verbindet. Der misrachistische Chaluz muß doppelt entbehren können: als palästinensischer Arbeiter und als religiöser Mensch. Dieses Höchstmaß von zweierlei Entbehrungen und Opfern harmonisch getragen und zu einer absoluten Einheit und gleichmäßigen Heiligkeit miteinander verschmolzen ist Misrachismus. Das Ist die wirkliche palästinensische Religion, die . nur im jüdischen Menschen der Bibel verkörpert war uttd ' das ist auch'die Religion der Zukunft. In der Galuth ist ein innerer Widerspruch, ein Seelenkonflikt unvermeidlich. Mit jeder Arbeit beginnt der seelische Zwiespalt, weil die Arbeit an und für sich jeder Heiligkeit entbehrt. In Palästina kann diese Zerrissenheit der religiösen Seele keinen Fuß fassen. Der misrachistische Chaluz arbeitet mit derselben Ekstase und Stimmung, wie er betet, und er betet mit derselben Ekstase und Stimmung, wie er arbeitet. Alles ist ihm gleichmäßig heilig: die Lehre, die Scholle, die Arbeit, das Volk. Palästina ist der Ort, wo die ringende, religiöse Seele gesunden kann. Beziehung. Diesen hat er im Gedicht «auf Miedings Tod» sogar verewigt. Umso regeren Verkehr unterhielt der Dichter mit auswärtigen Juden. So mit dem Philosophen und Arzt Dr. Markus Herz, — «unseren Herz», wie er ihn nannte. — Mit dem Berliner Kunstsammler David Friedländer und dessen Sohne Benoni. Mit dem Prager Bankier Simon Lämmel und dessen Sohne Leopold — «Dem vortrefflichen Lämmel’schen Haus in Prag bin ich in diesem Sommer ein großer Schuldner geworden», schreibt Goethe. Mit dem Maler Moritz Oppenheim. Mit Ludwig Robert, dem Bruder der Rahel Varnhagen. Mit Cohn aus Danzig. Mit dem Orientalisten Salomon Munk. Mit dem Juristen und Philosophen Eduard Gans. Mit dem Juristen Eduard Simon, dem ersten Präsidenten der «Goethe-Gesellschaft», späteren Präsidenten des Frankfurter Parlaments und des ersten deutschen Reichstages. Mit dem Hamburger Arzt und Schriftsteller David Veit, der, ein überschwenglicher Bewunderer Goethes, den Ausspruch tat: «Vor 100 Jahren wurden solche Menschen mit Strahlen um das Haupt gemalt und ist er denn nicht ein Heiliger?» Mit den Philosophen Salomon Maimon und Lazarus Ben David. Mit Dr. Hermann Loewy. Mit Moritz Veit, der noch als Student Goethe in Weimar besuchte. Als ihn dieser im Theater erblickte, setzte er sich hinter ihm und plaudrte mit ihm im Zwischenakt über das Stück und über dramatische Fragen. Die meisten der jüdischen Bekannten, von denen nur die wenigsten genannt erscheinen, durften Goethe in Weimar besuchen und wurden zur Tafel des gastlichen Goethe-Hauses zugezogen. Besonders gern und häufig verkehrte Goethe mit Jüdinnen. Diese spielen als begeisterte Herolde seines Dichterruhms eine bedeutende Rolle in seinem Leben. So die Schwestern Marianne und Sarah Meyer, Franziska und Cäcilie Itzig, Eleonore v. Fließ u. a. Besonders aber die Frauen Dorothea Schlegel, Tochter Moses Mendelssohns, den Goethe sehr schätzte und «einen unserer würdigsten Männer» nannte —, Henriette Herz und Rahel Lewin-Varnhagen. Der von diesen enthusiastischen Goethe-Verehrerinnen begründete «Berliner Salon» wurde das Hauptzentrum der Goethe- Gemeinde, von dem aus der Goethe-Kult sich über die ganze gebildete Welt verbreitete. Diese geistreichen Jüdinnen, die nach Riemers Zeugnis die Werke des Dichters «mit rascherem und penetranterem Verständnis erfaßten als die Echt- und Nur-Deutsrtien», waren es, die Goethes Größe so recht erst entdeckten und ihm die Anerkennung verschafften, die ihm nicht selten von sehr gewichtiger Seite vorenthalten wurde. So sprach Friedrich der Große ln seiner Schrift über die deutsche Literatur über Goethes «Götz von Berlichingen» ein vernichtendes Urteil aus, denn «er enthalte abscheuliche Nachahmungen und ekelhafte Albernheiten». Ja selbst ln Weimar herrschte Gleichgültigkeit gegen die deutsche Literatur und ihr Oberhaupt Goethe. Dagegen schwärmte man — mit dem Hof an der Spitze und mit des Dichters Muse, der Frau von Stein — für die Werke der französischen Dichter. So erhoffte Herzog Karl August, wie er an Knebel im Jahre 1800 schrieb, — nachdem also Goethe schon seine bedeutendsten Schöpfungen wie «Werthers I Leiden», «Faust», «Clavigo», «Geschwister», «Iphigenie», «Tasso», «Egmont», «Wilhelm Meister», «Herman und Dorothea» der Welt geschenkt hatte, — «erst von Voltaires Mohamed den Beginn einer neuen Epoche in der Verbesserung des deutschen Oeschmacks.» Konnte und durfte Goethe ein Feind des Volkes sein, dem er so vielen Dank schuldig war, dessen geistige Schöpfungen ihn so wohltätig befruchteten, dessen Männer und Frauen für die Verkündigung und Verbreitung seines Ruhms so unermüdlich tätig waren? Heißt es nicht, sich an Goethes großem Geist versündigen, wenn man Ihn als Judenfeind bezeichnet? Bedarf es übrigens eines schlagenden Beweises für die «Verjudung», also die den Juden wohlwollende Gesinnung Goethes als die Beschimpfung und Ver« höhnung, die deutschvölkische und nationalsozial« Rassen fanatiker in ihrer Wut, Goethe nicht zu den ihrigen zählen *** dürfen, ihm tutoU werden lassen. In i (

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