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Die Stimme · 1932-03-24 · Heft 220 (24.3.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 220 (24.3.1932)
Date
1932-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 220 — 24. März 19J2 DIE STIMME Seite 7 Literatur Kunst / Iheater „Kaftan“ in Wien Samstag, Sonntag und Montag (26., 27. und 28. März) gastiert in der «Komödie» das bestens bekannte und anerkannte Berliner jüdische Kabarett «Kaftan». Dieses Gastspiel verspricht eine wahre Sensation zu werden, um so mehr, da dem Kollektiv der bewährten Berliner Schauspieler in Wien Gertrud Kraus und itilda D u 111 z k a j a beigetreten sind, in der «Komödie» werden Nachtvorstellungen des «Kaftan» stattfinden. Wir wiedergeben heute zwei Berliner Pressestimmen Uber den «Kaftan». Die «B. Z. a m M i 11 a g», Berlin, schreibt: Das ist eines der besten aller Berliner Kabaretts, ganz sicher das seltsamste und eigenartigste. Man hört wunderschöne hebräisch-jüdische Melodien. Man hört jene immer nur halbverständliche Sprache, jenes Gemisch aus Mittelhochdeutsch, Hebräisch und Russisch, das man «jiddisch» nennt. Und man lernt ein wirkliches Kollektiv von Menschen kennen, die von ihrer Sprache ernsthaft begeistert sind. Sie singen, tanzen, spielen kleine Stücke. Und immer ist Über allem, auch über Scherz und Tanz, ein schöner Ernst, der Ernst einer Ueberzeugung, der ergreift und rührt, , Einzelieistungen hervorzuheben ist schwer und unnötig. Sakaschansky, Direktor, Conferencier, Sänger und Schauspieler, spricht, singt und spielt wie ein alter, weiser und gütiger Rabbi. Und das Ganze ist ein Kabarett, wie wir es ähnlich noch nicht gesehen haben. Das «Berliner Tageblatt» schreibt: .... Sakaschansky macht die Conference und drei Kleinstädter, einen im Himmel, auch dort geheizt, einen von Scholem Alejchem, der aus Odessa von der Börse an seine Frau schreibt, und einen, der seine sauer verdienten zwanzig Dollars auf die Bank bringt und der Bank nicht traut. Es ist nicht zu beschreiben, wie echt, wie gut, wie hinreißend dieser Mann das macht. Der Reiz dieser Kleinkunstbühne liegt nicht nur im Lokalkolorit, sondern vor allem in der Kunst. Der Vater Oastspiel Dr. Paul Baratoff in den «Jüdischen Künst(erspielen» Baratoff schreitet mit seinem Ensemble von Erfolg zu Erfolg. Es ist nicht übertrieben, wenn behauptet wird, daß der große Meister In Strindtoergs «Vater» sich seihst überboten hat. Diese Ehetragödie gibt Baratoff Möglichkeiten, sein prachtvolles Können zu entfalten. Sein ruhiges, gelassenes Spiel irrr ersten Akt, die aufsteigenden Zweifel wegen der Vaterschaft seiner eigenen Tochter, an der er mit abgöttischer Liebe hängt, im zweiten, und sein seelischer und körperlicher Zusammenbruch im dritten Akt, liefern den Beweis, daß Baratoff der größte Mimiker und Schauspieler der jüdischen Bühne ist. Frau M'ra Floren als Laura, die im «Hinkemann» den Uebertritt von der deutschen zur jüdischen Bühne gut bestand, rechtfertigt alle in sie gesetzten Hoffnungen. Hervorragend Frau Meiseis als die alte Amme Margarita; sie ist eine Schauspielerin, auf die man sich in jeder RoHe verlassen kann. Fräulein Schlifkowitz rührend als Kind im Kampfe zwischen Vater und Mutter. Herr Preis als Diener Neid gut wie immer. Ein solch erschütterndes Spiel, wie die Aufführung des «Vater» durch diese wackere jüdische Künstlerschar, könnte jedem europäischen Theater zur Ehre gereichen. d, sch. Helft Jonas Reissmann! Es sind schon viele, Viele Jahre her, da Jonaft Reissmann seine Schauspielerlaufbahn begonnen hat. Es galt damals fast noch als Schande, zur jüdischen Bühne zu gehen. Bühne? War es denn eine Bühne? Man wunderte dort von Städtchen zu Städtchen und spielte in jüdischen Schenken für die niedrigsten Schichten des jüdischen Volkes. Auch das Wort «Spielen» ist übertrieben. Man sang einfach Lieder. Es gab keine Dekoration, keinen Vorhang, nicht einmal ein halbwegs anständiges Podium. Ein Tischchen, zwei brennende Kerzen, dies war der ganze technische Apparat. Das war die Welt der «örodyer Sänger». Es ging ihnen schlecht. In jeder Beziehung. Sie hungerten, aber sie blieben dem sich selbst gesteckten Ziele treu. Jonas Reissmann ging zu den Brodyer Sängern. Was kümmerten ihn Hunger, was kümmerten ihn Schwierigkeiten. Abends wollte er ein König sein. Und der war er: Ein Bettlerkönig. Ein Weg voller Leiden und Sorgen begann. Aber die Liebe zum jüdischen Theater wurde nicht ausgelöscht, Dann kam er nach Wien, wo er einen Boden für echte jüdische Künst nach Ueberwindung vieler Hindernisse schuf. Wenn wir heute in Wien Gelegenheit haben, tfidische Literatur durch eine Wilnaer Truppe, einen Baratoff vermittelt zu sehen, so dürfen wir mcht vergessen, daß dies in erster Reihe ein Verdienst des ersten Pioniers des jüdischen Theaters aut dem Wiener Boden — des Jonas Reissmann ist. Aber es genügt nicht, sich daran zu erinnern. Es genügen nicht Worte. Wir brauchen Taten. Wir müssen das jüdische Herz für unseren Reissmann wachrütteln. Wir müssen es ihm ermöglichen, sein Alter in Ruhe zu verbringen. Es droht ihm ein großes Unglück. Es droht ihm der Verlust des Augenlichtes. Nun gilt es, ihn zu schützen, ihm in der Not tu helfen. Wem das jüdische Wort teuer ist, der wird unseren alten Pionier Jonas Reissmann ehren und wird ihm helfen. Die Vorstellung zu seinen Gunsten findet am Sonntag, den 27. März, 164 Uhr nachmittags, unter Mitwirkung Ben Zwi Bnratoits statt. A. Mecsels. Der Tisza-Eszlarer Ritualmordprozeß Eine historische Reminiszenz Demnächst werden es fünfzig Jahre, daß die ungarische Gentry-Herrschaft, ermutigt durch die Pogrome des zaristischen Rußland, aus dem Abfall vergangener trauriger Jahrhunderte den Kitualmordprozeß hervorholte, um die gesamte Judenheit auf die Anklagebank zu bringen. Die Anklage besagte, daß ein Schächter namens Salotnon Schwarz, ein im Dorfe Tisza-Esziar spurlos verschwundenes Christenmädchen, Esther Solymo&i, in der dortigen Synagoge am letzten Sabbath vor dem Passall-Fest mit Hilfe zahlreicher Juden ermordet habe; er habe die Kehle des Mädchens mit dem Schächtmesser durchschnitten, ihr Blut in einer Schüssel aufgefangen, um es zu Ostern für die Mazzothberei'tun.g unter seine Glaubensgenossen zu verteilen. So unbegründet wie die Anklage, so gewaltsam und niederträchtig waren die Mittel, die von der amtlichen Untersuchung und einem den staatlichen Apparat hinter den Kulissen dirigierenden geheimen Rat gegen die verhafteten Juden benützt wurden. Nicht einzelne Juden: die gesamte jüdische Rasse wollten die ungarischen Nationalisten mit dem Odaim des Mordes zeichnen, der, wie sie glauben machen wollten, in den Gesetzen des Talmud vorgesehen sei. Ein hervorragender ungarischer Schriftsteller, Emmerich Roboz, hat vor kurzem ein großangelegtes Werk über den Fall von Tisza-Esziar verfaßt, in welchem sowohl die ursprünglichen Prozeßakten und die seither erschienenen Memoiren verarbeitet sind als auch außerdem zahlreiche Originaldaten, die der Autor selbst ermittelt hat und die infolge der Eigenart des Falles seinerzeit nicht zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangen konnten. Die in Romanform gehaltene historische Reportage legt vor allem die unglaublichen Uebergriffe und Mißbräuche der Voruntersuchung dar, gibt aber auch ein Bild vom ganzen Hintergrund der sozialen und politischen Kämpfe, der wohl in jedem Land und zu allen Zeiten ein ähnlicher ist. Held des Romans ist Karl Eötvös, der geniale Verteidiger: ein Mann von Zola- Format, der selbst aus altadeliger christlicher Familie stammte und einer der'hervorragendsten Politiker, Schriftsteller, Juristen seiner Zeit und seines Volkes, jedenfalls aber sein mutigster Gerechtigkeitssucher war. Mit lebenswahrer Anschaulichkeit wird hier geschildert, von wem und auf welche Weise konfessionelle und Rassenkriege ins Werk gesetzt werden, wie jene führenden Männer der Oeffentlichkeit, die Gewinn darin1 suchen, wenn sie die Menschen aufeinanderhetzen, die leichtgläubigen, unwissenden Massen vergiften. Dieser Roman, der an sich eine fesselnde Lektüre darstellt, wird eine machtvolle Waffe im Kampfe gegen den Antisemitismus sein, wenn er durch eine Ausgabe in deutscher Sprache zur Kenntnis der gesamten gebildeten Welt gelangt. Dieser ungarische Einzelfall des Antisemitismus, der einmal die Aufmerksamkeit der ganzen Welt beschäftigte, ist ein getreues Spiegelbild der Judenverfolgungen aller Völker und Länder. Ueberdies ist dieses Buch ein Dokument dessen, auf welche Weise gewissenlose Individuen die i’hnen anvertraute Amtsgewalt zu mißbrauchen und mit der Rechtspflege geradezu Spott zu treiben imstande sind. Es wäre zu wünschen, daß Roboz’ grandioser Roman «Einer gegen eine Welt» je eher einen deutschen Verleger finden möge, um als Spiegel denen entgegengehalten zu werden, die ln diesem Roman Doppelgänger erkennen werden. Dr. Vilma Meller. Jlotixen Gastspiel Dr. Paul Baratoff-Ben Zwi ln den Jüdischen Künstlerspielen, II., Praterstraßc .34. Der überaus große Erfolg, den das Drama «Der Vater» von Strindberg anläßlich seiner mehrmaligen Aufführung hatte, veranlaßte die Direktion der ICUnstlerspiele, dieses Stück noch weiter auf dem Spielplane zu belassen. Da Dr. Paul Baratoff nur mehr ganz kur?e Zeit in Wien verbleibt, wird es jedermann empfohlen, noch raschestens die Gelegenheit zu benützen und das Theater zu besuchen, um sich dieses hervorragende Stück anzusehen. Es wirkt außer Dr. Baratoff noch das gesamte Ensemble mit. Karten sind an der Tages- und Abendkasse erhältlich. Telephontische Kartenbestellungen unter Nr. R 40-0-94. Wilhelm Wachtel fährt nach Palästina. Wie wir erfahren, begibt sich der hervorragende, in Wien lebende jüdische Maler Wilhelm Wachtel am 30. d. M. nach Palästina, wo er einige Monate verweisen wird. Der Meister wind in Tel-Aviv als Gast beim Bürgermeister Disengoff Aufenthalt nehmen. Sondervorstellung zu Ehren Jonas Reismann. Ostersonntag, den 27. März, Mt 4 Uhr nachmittags, findet zu Ehren des Pioniers des jüdischen Theaters, Jonas Reismann, eine Sondervorstellung in den Jüdischen Künstlerspielen, II., Praterstraße 34, statt, bei welcher Jonas Reismann mitwirken dürfte, Zur Aufführung gelangt die Komödie «Elkalc Masik von Dr. Schumer unter uneigennütziger Mitwirkung Paul Baratoffs-Ben Zwi und des gesamten Ensembles. Berichtigung. Das neue hebräische Lesebuch, das wir kürzlich besprochen haben, von Prof. M. Papo heißt: Schaaare Thora, Verlag Phaidon, und kostet S 3 50. «Hallo Paris) — Hallo Berlin!» im Apollo. Mittwoch, den 20. März gelangt im Apollo der deutsch-französische Tonfilm «Hallo, Parisl — Hallo, Berlin!», der anläßlich seiner Berliner Premiere starke Publikumsresonanz fand, zur Erstaufführung. Manuskript und Regie: Julien Duvivier. Duvivier ist der Schöpfer des weltberühmt gewordenen «David Golder»-Films. Die Musik schrieb Karol Rathaus, der seit seiner Vertonung des «Dimitri Karamasoff» in erster Reihe steht. Die französischen Telephonistinnen spielen: Josette Day und Germaine Aussey. Die deutschen Telephonisten, die mit ihren französischen Kolleginnen in Verbindung treten und sie nach Berlin eintaden, werden von Wolfgang KUin und Karl Stepanek darjjestellt. George Boulanger, der berühmte Geigenvirtuose, der jetfct in Wien Triumphe feiert, spielt einen transozeanischen Präsidenten, dem zu Ehren ein großer Empfang im Hotel Adlon statt* findet. Bauern filmen fan Samtal. Demnächst gelangt die wie* derhoft angekündigte Berglegende «Das blaue Licht» zur Erstaufführung. Die Aufnahmen wurden im Samtal, in einem Weinen Dorf in Südtiro! gedreht und die Mitwirkenden sind echte Sarntaler Bauern. Sie spielen mit Leni Riefei.tlia! die Hauptrollen. Das Buch schrieb bekanntlich Beta Belasz gemeinsam mit der Hauptdarstellern, die zugleich auch Ra* gisseurin des Films ist. Die Premiere, der Leni Riefenthal persönlich beiwohnen wird, findet in Kürze in der Scala statt. Konzert de« Galimir-Quartetts. Die Geschwister Gallmir, die immer in uneigennütziger Weise bei jüdischen Veranstaltungen mitwlrken, sind in der Musikwelt Wiens sehr bekannt und beliebt. Es ist vor allem ein einzig dastehender Poll, daß eine Quartettverelnlgung ausschließlich aus Geschwistern bestoht Diese Tatsache allein gibt die Ga« währ dafür, daß die aufgeführten Werke mit Idealer Prä* zision zu Gehör gebracht werden; haben doch in diesem Falle die Künstler die seltene Möglichkeit, so viel und so oft susammen zu spielen, bis sie vollkommen aufeinander dynamisch und rhythmisch abgestimmt sind und zu einer Einheitlichkeit in der Phrasierung gelangen, die in einem anderen Falle fast unmöglich scheint. Die Quartette von Haydn, Debussy und Schönberg klangen wie aus einem Guß. Das Publikum nahm die ausgezeichnete Wiedergabe mit Begeisterung auf. J. W. Sensationeller Erfolg einer achtjährigen Pianistin, Im Or&ndungskonzert der neugegründeten Orchosterverelnlgung „Schubert“ trat zum erstenmal eine achtjährige Pianistin, Evl Wächter, auf, die das berühmte D-Dur-Konzert voa Haydn mit Orchester spioito. Schon nach der mit außer* ordentlicher Oravour gespielten Kadens (komponiert voa ihrem Lohrcr Prof. Julius Wolfsohn) steigerte sich der Bel* fall, der nach dem mit idealer Präzision und stählernem Rhythmus zu Gehör gebrachten Finale den Höhepunkt erreichte. Jshuda Ehrenkranx liest Donnerstag, 24. d. M.,!a Lins Dichtungen ln jiddischer und deutscher Sprache. Neues Programm. Die neue Chajes* Büste im JUdisohen Muzeum. Ira Chajos-Zimmer des Wiener jüdischen Museums in der Malzgasse ist dlo neue Büste unseres seligen Oberrabbiners aufgestellt worden. Der junge, äußerst talentvolle siebenbür* gische Bildhauer Nikolaus Konyl, der schon in einem Wettbewerb den ersten Preis für eine Hcrzl-Büste erlangt hat, schuf hier ein ungemein gelungenes, wirkungsvolles Standbild unseres verewigten Führers. Wiewohl der Bildhauer den seligen Oberrabbiner nicht gekannt hat, gelang es ihm an Hand von Photographien und Schilderungen aus der nächsten Umgebung des Verewigten eine Büste zu schaffen, die den Oberrabbiner als stolzen, unbeugsamen, charaktervollen Mann darstcllt, wie er es im Leben immer gewesen ist. Die überaus gelungene Büste ist während der Besuchsstunden des Jüdischen Museums, II., Malzgasse 16, am Samstag und Sonntag von 11 bis 1 Uhr zu besichtigen. Klrjoth 8sph«r. Soeben erschien das vierte Heft des achten Jahrganges der von der Jüdischen Nationalunid Universitätsbibliothek herausgegebenen bibliographischen Vlerteljahreaschrlft „Kirjath Sepher“, Mit diesem Heft ist: der achte Band der Zeitschrift abgeschlossen. Dem Heft; ist ein Index zu dem abgeschlossenen Band beigefügt, der' 42 Seiten umfaßt und mehr als 3000 Namen verzeichnet. Die Nummer enthält: Bibliographie: Palästlnadruoke, Verzeichnis hebräischer und judalstischer Veröffentlichungen aus allen Ländern. Besprechungen von J. L. Rokah, A. J. Drawer, H. Bergmann, B. Scliochetmann, G. Scholem, S. Schunami, S. Assaf, M. Schwabe, L. A. Mayer, A. Bonne, F. Goltein, A. Yaari, H. Pflaum und N. Braun. Studien von I. Sonne: >R. Moses b. Schuschan und die Sabblonetter Drucker; M. Stekells: Prähistorie in Palästina. Eine Bibliographie (Fortsetzung). Aus den Sammlungen der Bibliothek: G. Scholem: Fragmente des Buches von K. Schern tov ibn Gaon über die Grundlagen der S’firoth-Theorla (Fortsetzung). Glossen von A. Yaari. Der Abonnementpreis beträgt Mk. 16.— pro Jahr. Die Zeitschrift ist durch alle Buchhandlungen sowie direkt bei der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem zu beziehen. Jüdischer Musikabtnd. Zu einer wirklich gelungenen Veranstaltung jüdischer Musik hatte dlo zionistische Sektion Leopoldstadt am Samstag, 12. d. M., eingeladen. Nach der jüdischen Melodie „Air“ von Kaplan für Quartett spielte dlo kleine Evelyne Wächter Wolfsohns Paraphrasen über ein jüdisches Thema auf dem Klavier, mit einer für ein Kind bewundernswerten Einfühlung in die Musik und ebenso großer Technik. Im Sologesang wirkten mit Frau Nora Daubor mit Liedern von Achron und Gnessin, sowie der hier rasch populär gewordene palästinensische Bariton S. Urnstein, welcher hebräische Lieder mit voller, welcher Stimme und vornehmem Vortrag sang. Ein Cellosolo über ein hebräisches Thema von Wolfsohn, vorgetragen von Prof. Lubowsky, wurde mit lebhaftem Beifall bedankt. Fräulein Magda Hajos spielte auf der Violine Ernst Blochs „Nigün“, der immer wieder auf den Zuhörer seine Wirkung aUsübt. Mit zwei Liedern, „Berjoskele“ und „Fs drlmmelt dus Städtl“, und einer „Hora“ für Quartett, alle drei Stücke komponiert vom Arrangeur des Abends Norbert Brunn, fand diese schöne Veranstaltung einen ebenso schönen Abschluß. Im Quartett wirkten mit Frl. Alice Schwärz (Klavier), Frl. Magda Hajos (Violine), Prof. Lubowsky (Cello) und Dr. I. Seidner (Oboe). Der Abend bewies, daß gediegene Darbietungen ein dankbares jüdisches Publikum finden. Oppenheims Börne*Porträt In Berlin. Eines der bekanntesten Werke der deutschen Bildniskunst aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist jetzt nach Berlin gekommen: das große Porträt Ludwig Börnes, das Mörlts Oppenheim 1827 ln Frankfurt a. M. geschaffen hat Das Bild wurde damals von Börne gekauft und blieb in seirtor Familie, bis es nach dem Aussterben seiner Nachkommen an Frankfurter Freunde überging, die sich nunmehr ZUnt Verkauf genötigt sahen. Das vorzüglich gemalte urtd ebenso gut erhaltene Gemälde ist soeben der Kunstsammlung deir Berliner jüdischen Gemeinde elnverlelbt worden. Es stellt Börne lebensgroß, ln dunkelgrünem, pelzbesetztem Schlaf - rock auf einem Sessel in dom mit Büchern gefüllten, im Empiregeschmack eingerichteten Arbeitszimmer dar. Durch mannigfache Lithographien und andere Reproduktionen war diese Schilderung weit verbreitet, slo hat dte allgemeine Vorstellung von der Erscheinung des bedeutenden Schriftstellers bestimmt. Eine kleinere Wiederholung ln Ool vom Jahre 1832 befindet sich in der Hamburger Kunsthalle. Jüdische Kleinkunstbühne „Simche“, Berlin. Am Kur* füretendamm In Berlin ist am 5. März ein jüdisches Kaba* rett eröffnet worden, das eine Anzahl origineller Pr*» grommpunkto vereinigt.

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