Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 220 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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oeit« 6 DIE STIMME Nr. 220 — 24. März 1932 Sir John Chancellor Ober Gesundheitsschutz für das arabische Kind Er bezeichnet das jüdische Oesundheitswerk in Palftstina als mustergültig Im Rahmen einer Kundgebung der antizionisti- I c’h e n «Near and Middle East Association» in London, die der Schaffung eines Fonds für Gesundheitsschutz des arabischen Kindes in Palästina dienen sollte, hielt der frühere High Commissioner für Palästina Sir John Chancelor eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Ihr werdet euch wundem, daß ich ein spezielles Interesse für Gesundheitsschutz des nichtjüdischen Kindes bekunde. Die jüdischen Kinder in Palästina sind in der glücklichen Lage, von ihrem eigenen Volke mit öffentlichen Gesundheits- Institutionen versorgt zu werden. Was die Juden nach dieser Richtung nm in Palästina geschaffen haben, ist etwas wirklich Wunderbares; sie haben einen Rekord in der Anwendung der Errungenschaften der Wissenschaft von der Hygiene auf das Leben erreicht. Sie weisen uns den Weg der Hilfe für das arabische Kind. Nach der britischen Okkupation Palästinas halfen die Juden in de: ganzen Welt, die Hadassahorganisation in Palästina zu schaffen, die heute fünf Hospitäler, 21 Gesundheitszentren für Kinder, ein Mütterzentrum und eine Poliklinik besitzt und unter der jüdischen Bevölkerung eine bewundernswerte Arbeit leistet. Das vom jüdischen Philanthropen Nathan Strauß geschaffene üesundheitszentrum dient Arabern wie Juden. Die Jüdischen Hospitäler nehmen gerne arabische Patienten auf und behandeln sie gut, aber wegen der Sprachunterschiede und anderer Gründe machen die Araber von dieser jüdischen Bereitwilligkeit, ihnen zu helfen, wenig Gebrauch Die Jewteh Agency hat viel zur Verbesserung der sanitären Bedingungen im ganzen Lande getan, indem sie zahlreich*1 Sümpfe in der Nähe der jüdischen Kolonien trocken legte. Die gut organisierte jüdische Arbeiterföderation sorgt für medizinische Hilfe an den jüdischen Arbeiter. So ist für einen Gesundhe’tsdienst innerhalb de: jüdischen Bevölkerung, der den Menschen von der Kindheit bis zum Greisenalter betreut, gesorgt. Heute, da die jüdischen Fonds zu schrumpfen beginnen, wird von der Regierung medizinische Hilfe auch an die jüdische Bevölkerung gefordert. Ich hoffe, daß die jüdischen Gesundheitsorganisationen unabhängig von der Regierung erhalten bleiben werden. Die jüdische Schulhygiene ist nicht weniger mustergültig als die anderen jüdischen Gesundheitseinrichtungen. Die jüdischen Schulkinder selbst sind mit den Hygienevorschriften gut vertraut. Die durchschnittliche Sterblichkeit der Juden ist heute 9.6 pro Tausend, während sie bei den Arabern 27.9 pro Tausend erreicht Hierbei ist auch das gesunde jüdische Einwandererelenrent in Rücksicht zu ziehen. Die Kindersterblichkeit unter den Juden betrug 1931 60*pro Tausend gegen 66 pro Tausend ln England. Hingegen beirüg die Kindersterblichkeit unter der arabischen Bevölkerung i. J. 1930 169 und i. J. 1929 204 pro Tapsend, Sir John Chancellor schloß: Da der Geburtenzuwachs der Araber jährlich 60 pro Tausend beträgt, während die Todesfälle 28 pro Tausend ausmachen, beträgt der durchschnittliche Geburtenüberschuß bei den Arabern jährlich 25.000. Da Palästina ein kleines und armes Land ist, schafft ein solcher Zuwachs politische und ökonomische Probleme, über die heute nicht gesprochen werden soll. Chancellor schilderte den Gesundheitsdienst der Palästinaregierung, die 19 Laboratorien für Mütter- und Kinderschutz der arabischen Bevölkerung erhält. Doch sei, sagte er, die Regierung nicht in der Lage, für die arabische Bevölkerung den gleichen Apparat zu schaffen, wie ihn die Hadassah für die jüdische Bevölkerung erstehen ließ. Die Bevölkeaung in England müsse hier helfend einspringen. Jlus Palästina Boden-Streitigkeiten Nach einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Pflügern und arabischen Beduinen auf dem bei Kuskustabun hn Emek gelegenen Boden hat die Polizei bekanntlich verfügt, daß bis zur gerichtlichen Beilegung des Streitfalles weder Juden noch Araber den Boden bearbeiten sollen. Während die Juden dieser Anordnung Folge leisteten, fahren die Araber zu nächtlicher Stunde fort, den Boden zu pflügen, bezw. len von den jüdischen Siedlern gepflügten Boden umzupflügen. Ein weiterer Fall widerrech'.ücher Bodenokkupation durch Beduinen ereignete sich am 13. März in der Nähe der jüdischen Arbeitersiedlung Jad-Jur, wo arabische Hirten mit ihrem Vieh sich auf jüdischem Boden niederließen. Ein arabischer Polizist, der versuchte, die Hinten am Betreten des Bodens zu verhindern, wurde von ihnen schwer mißhandelt. Tel-Aviv-Wahlen verschoben Die für Dienstag, den 15. März, angesetzt gewesenen Wahlen zum Stadtrat von Tel-Aviv wurden durch Verfügung des Obersten Gerichtes Palästinas verschoben. Dr. Arlosoror? und Sir Arthur Wauchope ln Transjordanien Der Leiter der Palästinaexekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff, und der politische Sekretäir der Exekutive, Shertock, begaben sich nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, zu einem offiziellen Besuch des Emirs Abdullah. Dort werden sie mit dem High Commissioner General Sir Arthur Wauchope Zusammentreffen, der sich am 14. März mittels Flugzeuges zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Transjordanien begab. Der Mord fat Kfar Chassldlm Die Polizei hat eine Belohnung von 250 Pfund für Angaben, die zur Ermittlung des Mörders des jüdischen Kolonisten Guterman in der Kolonie Kfar Chassidim im Emek führen könnten, ausgesetzt. In Haifa wurden zwei arabische Benzinverkäufer als der Mordtat verdächtig verhaftet. In ihrem Besitz wurden grobe Mengen Munition gefunden. Antienglischc Kundgebungen bei Filmvorführungen Während der am 14. März in Jerusalem stattgefundenen Vorführung des englischen Kriegsfilms «Teil England», der die Kämpfe bei Gallipoli darstellt, kam es zu einescharfen antienglischen Kundgebung seitens der arabischen Kinobesucher, die den auf der Leinwand erscheinenden Türken applaudierten. Als sich die Kundgebungen bei der zweiten Vorführung wiederholten, verfügte der palästinensische Fitmzensor die Absetzung des Films. Verluste infolge der Pfundentwertung Der Palästina-Wäh'ungsausschuß (Palestine Currency Board) hat festgestellt, daß die Währungsverluste Palästinas am 30 September, kurz nachdem England den Goldstandard verließ, 186.000 Pfund betragen haben. Bekanntlich basiert die palästinensische Währung auf dem englischen Pfund. Henriettn Szold und das Gesundheitswesen Henrietta Szold, früheres Mitglied der zionistischen Exekutive, die das Gesundheitswerk der Hadassah in Palästina organisiert hat, wurde zur Vorsitzenden der Gesundheitskommission des Waad Leumi gewählt. Wird das Landver prechen an Juden in Palästina einge öst? London, 15. März (J. T. A.). David Adams (Arbeiterpartei) richtete im Unterhause an den Kolonienminister die Frage, welche Schritte ergriffen worden sind, um der in dem Briefe des Premierministers Macdonald an Dr. Weizman vom 13. Februar 1931 gegebenen Erklärung, daß die Regierung so bald wie möglich eine Untersuchung einleiten wird, um zu erkunden, welche Staats- und. anderen Böden?n Palästina für baldige Besiedelung durch Juden verfügbar seien oder verfügbar gemacht werden könnten, Nachdruck zu verleihen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, erwiderte: «Ich hoffe, es werde bald möglich sein, die in Aussicht gestellte Untersuchung vorzunehmen; ich bin heute nicht in der Lage, eine weitere Erklärung nach dieser Richtung abzugeben. „Revue der Jugendpresse* erscheint wieder Die zionistische Exekutive geht daran, die «Revue der Jugendpresse» wieder herauszugeben. «Die Revue der Jugendpresse», die fünf- bis sechsmal im Jahr erscheinen soll, soll einen Ausschnitt aus den Aeußerungen der zionistischen Jugend in der ganzen Welt geben. Alle Redaktionen zionistischer Jugendzeitschriften werden auf diesem Wege ersucht, regelmäßig jede Nummer der erscheinenden Zeitschrift an die Redaktion der «Revue der jugendpresse», Berlin W 15, Meinekestraße 10, 2u senden Die Mandatskommission des Völkerbundes wird die Palästinafragen schon in ihrer Junise6sion behandeln Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, wird die Mandatskommission des Völkerbundes schon in ihrer am 6. Juni 1932 beginnenden Session den Bericht der englischen Regierung Uber die Verwaltung Palästinas im Jahre 1931 in Behandlung ziehen. Seit 1924 fanden jährlich zwei Sessionen der Mandatskommission, eine im Juni und eine im Herbst, statt. Nachdem aber der Völkerbund aus Ersparungsgründen für das Jahr 1932 nur eine Session der Mandatskommission eingesetzt hat, wird die Kommission in ihrer Junisession auch die Mandatsberichte behandeln. Die letzte Synagoge in Kiew von den Sowjets enteignet 500 obdachlose Thorarollen Wie die «Jewish Chronicle» meidet, wurde kürzlich in Kiew die letzte noch bestehende Synagoge von den Sowjets enteignet. Kiew besaß früher 43 Synagogen. In der nunmehr enteigneten Synagoge wurden die Thorarollen aller von den Sowjets enteigneten Synagogen aufbewahrt. Nun sind alle diese Thorarollen, 50 an der Zahl, obdachlos. Nun ergibt sich ein schweres Problem für die Juden in Kiew. Sie befürchten einerseits, daß die Sowjets die Thorarollen vernichten werden, fals sie in der nunmehr enteigneten Synagoge verbleiben. Anderseits fürchten sie sich, die Thorarollen auf einzelne jüdische Familien aufzuteilen, da dies Anlaß zu Repressalien der Behörden gegen die einzelnen Familienväter führen könnte. Man denkt nun daran, die Thorarollen ins Ausland zu senden, wenn sich eine jüdische Gemeinde findet, welche die Transportkosten deckt. Versuchte Brandlegung in einer Synagoge Saloniki. In der schönen Sarfati-Synagoge in Saloniki wurde eine Brandlegung versucht. Als der Synagogend ener vergangenen Samstag früh die Synagoge betrat, fand er einige Vorhänge brennend vor, konnte jedoch das Feuer löschen. Die Vorhänge waren mit Benzin getränkt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Sprechsaal der Stimme Für die Mitteilungen, die in dieser Rubrik erscheinen, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Von der Betriebsgruppe der Angestelltenschaft der Kultusgemeinde werden wir um Veröffentlichung folgender Mitteilung gebeten: Im «Oesterreichischen Lehrerblatt» vom 15. März 1932, einer Zeitschrift, welche ausschließlich von Nichtjuden. herausgegeben und fast ausschließlich für nichtjüdische Leser bestimmt ist, ist über Veranlassung des städtischen Religionslebrers Herrn Josef Pick ein Aufsatz unter dem Titel: «jüdische Unduldsamkeit» erschienen. Zur Grundlage desselben dient ein Briefwechsel, der zwischen dem Verein der städtischen Religionslehrer und dem Kultusvorstande stattgefunden hat. Ohne auf das Mcritorische dieses Briefwechsels, der übrigens für die jüdische Oeffentlichk'Mt vollständig uninteressant ist, überhaupt einzugehen, erklären die Unterzeichneten Vertreter der Angestelltenschaft der Ku!tusgeme:nde, daß dieses Vorgehen eines Religionslehrers ein krasser Chillul Haschern ist. Mit der Bezeichnung «Kldische Unduldsamkeit» wird der uns luden seit Jahrtausenden bekannte Versuch neuerlich unternommen, eine vermeintlich häßliche Handlungsweise durch das vorangesetzte Bestimmungswort «jüdisch» noch Häßlicher erscheinen zu lassen. Die Religionslehrer der Kidtnsgemeinde sind Uber dies« Handlungsweise genau so wie ieder andere anständige lüde pmpört und erklären der jüdschen Öffentlichkeit. daß Herr Religionslehrer losef Pick für diese einzig dastehende Herabsetzung des Judentums allein die Verantwortung trägt. Es muß noch ausdrücklich hervorgehoben werden, daß Herr losef Pick dieselbe Beschwerde auch beim Stadtschulrat eingereicht bat, ohne wie es scheint, eine ihui erwünschte Erledigung erhalten zu haben. Er hätte es son«t gewiß nicht unterlassen, auch diese Erledigung zu veröffentlichen. Wien, am 21. März 1932. Religionslehrer Oberverwalter Aron Schwertfiuger, Josef Popper, Obmannstellvertreter. Obmann. Spitz Leopold, Schriftführer. * Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Verband der Israel. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen hat sich ln seiner Vollversammlung vom 15. März 1. J. mit der an die einzelnen Verbandsmltgiieder gerichteten und ln der „Stimme“ vom 3. März veröffentlichten Rundfrage des Verbandes der zlon. Mittelschüler, betreffend Reform des Israelitischen Religionsunterrichte* befaßt und nachstehendes beschlossen: Der Verband ist überzeugt, daß die jüdischen Jugendverbände bei Ihrer Rundfrage von den besten Absichten geleitet wurden. Der Verband bedauert jedoch, auf dies« Rundfrage nicht elngehen zu können, da eine Regelung des Religionsunterrichtes auf diesem Wege nicht erfolgen kann. Die Verbandsleitung: Dr. Albert Weißkopf m. p. Prof. Dr. Manfred Papo m. ph Schriftführer. Obmann. Jüdisdter fporl Jnahkabiafk 1932 Di« Wiener, welche nach Palästina fuhren, begaben steh in zwei Gruppen zu den großen jüdischen Sportspielen. Di« eine Gruppe verließ Wien Montag, den 21. März; darunter befanden sich die Ringer Fincsus, E. Göttlich lind der Boxer Laub. Die tschechischen Teilnehmer, die Wien passiert haben, befanden sich unter den Reisenden in einer Zahl von 139, darunter waren 71 Schlachtenbummler. Unter diesen sah man den bekannten Parlamentsdeputierten Dr. Goldstein. Am Dienstag fuhr die zweite Gruppe, unter welchen sich die Ringer Hirschl und Birnbaum sowie d e Schwimmerinnen Wertheimer-Bienenfeld. Löwy, Bratmann, die Schwimmer Guth, Dreikurs, Lichtenstern, Goldschläger und die Leichtathleten Klein, Deutscher, Blödy, Pollak befanden. An beiden Abenden haben sich am Bahnhof zahlreiche Anhänger der Hakoah eingefunden. Der Vizepräsident der Hakoah, Dr. Benedikt, war an beiden Abenden erschienen. Da am zweiten Abend sehr viele Touristen aus Wien mitfuhren. sah man unter den zum Abschied Erschienenen die Vertreter des Zionistischen Landefkomitees, Keren Hatessod, des Palästinaamtes und anderer Institutionen. An beiden Abenden fand sich eine zahlreiche nach Hunderten zählende Menge am Bahnhof ein, welche unserer lugend, die nach Erez Israel zog, zujubelte. dunek. Di« Hakoah-Ringor gratulieren herzliohst und begliiokwünschen Ihren verdienstvollen Funktionär Walter Auer anläßlich seiner Vermählung mit Fräulein Rudi Laster; ihr Mitglied der Kampfmannschaft, den Hctnvergewlchtler „Mlkl“ Hirschl, zu seinem 24. Geburtstage, welchen Miki am 20. März feierte. Abonnenten für „Die Stimme“