Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 220 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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N . *20 — 24. März 1932 DIE SUMME Seite 5 Herrn Dr. von Weisls Selbsttäuschung Aber seine Erfolge in Galizien Von einem der hervorragendsten jüdischen Journalisten in Polen erhalten wir nachstehende Bemerkungen: In der Wiener revisionistischen «Neuen Weit» berichtet Dr. Wolfgang Weisl folgendes über die «Erfolge» seiner Vortragstoumee in Galizien: «Meine Ausführungen wurden überall von den meistens überfüllten Versammlungen, viele mußten wegen des Andranges polizeilich geschlossen werden, stürmisch begrüßt, ohne daß auch nur ein einziger Gegner gewagt hätte, den Mund aufzutun ...» Dies ist eine grobe Selbsttäuschung seitens Herrn Dr. Weisls, ganz abgesehen davon, ob dies bewußt oder unbewußt geschieht. Dr. Weisls Vorträge waren lediglich eine Sensation in Galizien — weil Dr. Wolfgang «von» Weisl als Korrespondent der hier noch gelesenen «Neuen Freien Presse» sich eines journalistischen Rufes in Galizien erfreut. Von einem Anklang seiner Ausführungen bei den breiten zionistischen und jüdischen Massen kann aber g a r k e i n e Rede sein. Die Leute kamen, besahen sich einen vielgereisten jungen Herrn, fanden Wohlgefallen an seiner Beredsamkeit und Sprache und — sonst nichts, buchstäblich nichts! Wenn Dr. Weisl von «stürmischer Begrüßung» erzählt, so muß er schon die Einschränkung erlauben, daß ihn seine engeren Genossen, die Revisionisten nämlich, sehr stürmisch begrüßt haben. Daß «kein einziger Gegner gewagt hatte, den Mund aufzutun», stimmt auch nur insoferne, als nach mehr als zweistündigem Referat, das nicht als Diskussionsreferat angekündigt und nicht mrt einer diesbezüglichen Anfrage des Vorsitzenden geschlossen wird, naturgemäß keine Diskussion stattfindet. Von «stürmischer Begrüßung» (seitens der engeren Fraktionsgenossen) und Diskussionsmangel (wegen allzulangen Referates und vorgerückter Nachtstunde) bis zur Solidarität mit den Thesen, nicht zu reden von der «Weltanschauung des Referenten, ist aber noch ein ungeheuer langer Weg. Für diesen Weg hat Herr Dr. Weisl keinen einzigen Juden und Zionisten in Galizien gewonnen! Beide zionistischen Tagblätter in Galizien haben sich Dr. Weisl gegenüber vollkommen ablehnend verhalten. Der Krakauer «Nowy Dziennik» schrieb über Dr. Weisls Vortrag «England, Islam und wir», kein Zionist, mit Ausnahme der Revisionisten, könne sich mit dem prinzipiellen Standpunkt des Referenten einverstanden erklären. Noch viel schärfer verfuhr die Lemberger «Chwila», die Dr. Weisl wegen eines rüden Angriffes gegen Dr. Werzmann sehr energisch abschüttelte. Dieser geschmacklose Angriff Dr. Weisls gegen Dr. Weizmann löste in Lemberg einen Sturm der Entrüstung aus, nicht nur — wie Herr Dr. Weisl zu behaupten geruht —seitens der mit «antibürgerlicher Ideologie» behafteten «Histadruthniks», sondern der ganzen stamm-zionistischen Zuhörerschaft. Und nun ein paar Worte über die Ausführungen Dr. Weisls selbst. Sie gipfelten in folgender halsbrecherischen und «sympathischen» Konstruktion: England ist uns wortbrüchig geworden. Folglich müssen wir zur Non-cooperation übergehen. Was aber nicht so schrecklich ist, da in den allernächsten Jahren ein Weltkrieg ausbricht. England und das kapitalistische Europa einer-, Rußland anderseits. England wird sich ebenso wie im Jahre 1917 wieder an uns, an das Weltjudentum wenden. Wir werden daun mittels unserer militärischen Legionen Palästina besetzen und — nicht mehr von Palästina weichen. Punktum. Stürmischer Beifall. Redner wird beglückwünscht. Hierzu seien einige Fragen erlaubt: 1. Woher weiß es Dr. Weisl, daß der Weltkrieg sicher (1) ausbricht? 2. Woher weiß er, daß sich England an uns, und nicht an die arabische Welt, wenden wird? 3. Woher weiß er, daß es uns gelingen wird, Palästina, gegen den Willen der arabischen Majorität, militärisch zu besetzen? 4. Woher weiß er, wer in diesem zweiten Weltkrieg siegen wird? Dies ist Dr. Weisls «Zionismus»! Kein Wort über die jüdische Arbeit in Palästina, Uber den jüdischen Arbeitsmenschen, über Keren Hajessod, über Keren Kajemeth. Zionismus ist — Einstellung auf Weltkrieg, Englandsleg und militärische Besetzung Palästinas. Vorläufig können wir also — nichts tun. Pardon! Die Legion müssen wir vorbereiten. Keren Hajessod und Keren Kajemeth — Mumpitz I Das kann den Stamzionisten und der Unken überlassen werden. Es ist nur selbstverständlich, daß diese Gedankengänge einzig und allein — Befremden hervorgerufen haben, ln Rzeszow erklärte nach Dr. Wessis Vortrag ein bekannter Non-Zionist, der für den Keren Hajessod jährlich 25 DoHar zahlt (viele sehr wohlhabende Zionisten zahlen nicht mehr!), daß er nun aufhört, zu zahlen, da dies ohnehin kernen Zweck hat. Mit Namen uid Adresse kann ich Herrn Dr. Weisl die-ienl Und das war kein Ausnahmsfall. Nicht die zionistische Linke, die den Revisionismus aus Weltanschauungs- und prinzipiellen Gründen ablehnt, — die allgemeinen Zionisten waren über Dr. Weisls «Zionismus» — erschreckt! Di es er «Zionismus» schädigt ja — bewußt oder unbewußt, sicher unbewußt, sicher wider Willen! — die zionistische Palästinafondspropaganda! Mit einem Wort — Dr. Weisls Vorträge haben nicht nur dem Zionismus in Galizien nicht genützt, sie haben auch dem Revisionismus geschadet, indem sie seine zionistische Leere und Inhaltslosigkeit geradezu unbarmherzig entblößten. Insoferne — nur insoferne — sind sie zu begrüßen. W. B. Die erste Makkablah Von unserem Sonderberichterstatter*) Der Makkabi-Weltverband hat sich besonders In den Nachkriegsjahren zu einer mächtigen Organisation entwickelt, die heute fast alle nationaljüdischen Sport- und Turnvereine aus 24 Ländern der Welt mit Uber 50.000 Mitgliedern umfaßt. Dem stolzen Symbol «Makkabi» entspricht die ebenso stolze Idee der nationalen Befreiung des jüdischen Volkes, durch die Kraft eigener geistiger und körperlicher Leistung. Der Entschluß, nach dem Muster der allweltlichen Sport-Olympiade ein jüdisches Weltsportfest, die Makkabiah, in Erez Israel zu veranstalten, ist in der Geschichte der Makkabibcwegung ein entscheidender Schritt nach vorwärts. Bedeutet er doch die Krönung einer zionistischen Entwicklung, die der Makkabi als eine das Judentum bejahende Gemeinschaft mitmachen mußte! Ist auch bei dieser ersten Makkabiah das sportliche Moment wichtig, so muß doch betont werden, daß für die Durchführung viel mehr das rein zionistische Motiv maßgebend war. Trotz ungeheurer Schwierigkeiten materieller und technischer Natur hat die Leitung des Makkabi-Welt-Verbandes mit eiserner Energie an der Verwirklichung des Beschlusses festgehaiten und dieser fast übermenschlichen Leistung haben wir es zu verdanken, daß wir vor einer Veranstaltung stehen, die vom jüdischen Lebenswillen und jüdischer Lebenskraft Zeugnis ablegen wird. Die hervorragendsten jüdischen Sportler aus aller Welt nehmen an der Makkabiah teil und sichern ihr sportlichen Erfolg. Junge jüdische Menschen aus 20 Ländern der Weit, werden Palästina kennen lernen, neue Kraft und neuen Glauben für die Aufbauarbeit schöpfen. Dies die große Leistung des Makkabi: inmitten unserer großen Not, unseres schweren Kampfes ein Fest und eine Bekundung unseres ungebrochenen und unerschütterlichen Willens, unsere Zukunft zu ge- Warum Steinmetzbrot? 1. Weil Steinmetzbrot auf Grund der Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung das elll Zige Brot ist, welches noch sämtliche lebenswichtigen Aufbau-und Ergänzungsstoffe des Getreidekorns enthält. 2. Weil Steinmetzbrot das einzige Brot ist, welches aus gewaschenem und enthülstem Getreide hergestellt wird. Regelmäßig Steinmetzbrot essen, heißt den Körper zur Gesundheit erziehen stalten. Für die Welt eine Demonstration — denjenigen jedoch in unseren Reihen, und dies ist vielleicht die größte Aufgabe der Makkabiah, die zweifeln, möge sie beweisen, daß wir uns nicht drücken, nicht beirren lassen und daß wir an unsere Kraft glauben können und glauben müssen! Robert Lustig. Revisionistische Skandale in New York Wie «The Jewish Chronicie.» meidet, inszenierten kürzlich Revisionisten in New York bei einer zionistischen Versammlung einen argen Skandal. Sie ließen den bekannten Mitarbeiter der jiddischen Zeitung «Der Tog> Coralnik nicht sprechen,, weil dieser in einem Zeitungsartikel die Kampfmethoden der Revisionisten kritisiert und als Hitlen-Methoden bezeichnet hatte. Es spielten sich beispiellose Szenen ab, so daß schließlich Polizei eingreifen mußte. Es trat für einige Minuten Ruhe ein. Als aber Coralnik seine Rede fortsetzen wollte, inszenierten die Revisionisten einen derartigen Skandal, daß die Versammlung aufgelöst werden mußte. Coralnik war seines Lebens nicht sicher und Poilzei mußte ihn bis in seine Wohnung begleiten. Dieser Erfolg begeisterte die Revisionisten offenbar so sehr, daß sie den Versuch machten, die Jubiläumsfeier zu stören, die aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Tel- Aviver Herzliah-üymnasiums in New York abgehalten wurde. Die Versammlungsteilnehmer setzten sich aber energisch zur Wehr und die Feier verlief dann in Ruhe. Berl Locker in Berlin Kurz nach der Anwesenheit von Emanuel Neuinan hatten die deutschen Zionisten Gelegenheit, wieder mit einem Mitglied der zionistischen Weitexekutive zusamnrenzutreffen. Herr Berl Locker, der aus Polen nach London zurückkehrt, benützte seine Durchreise durch Berlin zu einer Fühlungnahme mit den leitenden Kreisen der Z. V. f. D. und es wurde am 15. d. M. eine Zusammenkunft improvisiert, bei der Herr Locker im Kreise der in Berlin anwesenden Mitglieder des Landesvorstandes einen ausführlichen Bericht Uber die Lage in der zionistischen Organisation sowie über *) Unser Sonderberichterstatter, der sich auf dem Wege nach Erez Israel befindet, wird uns fortlaufend berichten. (Aitm. d. Red.) die Tätigkeit der Londoner Exekutive erstattete. Berl Lockef charakterisierte die politische Lage und die Verhandlungen, die im Zusammenhang mit dem Landentwicklungsplan, den jüdischen Einwanderungsbedingungen usw., mit der Regierung geführt wurden. Mit aller Schärfe wiederholte er die bereits bei früheren Gelegenheiten von Exekutivemitglicdem in London und Jerusalem abgegebene Erklärung, daß die von den Revisionisten seinerzeit der Oeffentlichkeit in entstellter Form übergebenen, von einem indischen Journalisten stammenden Vorschläge für eine jüdisch-arabische Verständigung weder der Exekutive noch der englischen Regierung offiziell zugegangen sind, von keiner verantwortlichen Stelle stammen und offenbar ein privates Machwerk eines Journalisten darstellen, das keine Beachtung verdiene. Es sei bedauerlich, daß in einem großen Teil der zionistischen Oeffentlichkeit und Presse immer wieder Zweifel darüber ausgedrückt werden, ob die Erklärungen der Exekutive richtig sind und ob nicht doch etwas hinter der Sache steckt. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen schilderte Herr Locker die überaus großen Schwierigkeiten, die sich für die gesamte Arbeit der Exekutive durch die fortwährenden Finanzsorgen ergeben haben, und verbreitete sich dann über verschiedene organisatorische Fragen, wobei er u. a. auch auf die Stellung der Revisionisten und deren Beschlüsse von Calais zu sprechen kam. Herr Locker betonte, daß die gesamte Exekutive darin einig ist, daß den Revisionisten sämtliche vollen zionistischen Rechte und, falls sie es beanspruchen, auch die vollen Rechte eines Sonderverbandes gewährt werden sollen, nicht aber könne ihnen eine Ausnahmsstellung eingeräumt werden, bei der sie die volle Unabhängigkeit für selbständige politische Tätigkeit in Anspruch nehmen. Diese Frage werde auf der nächsten A. C.-Sitzung eine Klärung erfahren müssen. 228 Palästina-Einwanderer im Jänner Jerusalem, 20. März (J. T. A.). Im Jänner 1932 wanderten in Palästina 228 Personen, unter ihnen 136 Juden, 79 Christen und 13 Moslems, ein. 23 von den Einwanderern, aäe Juden, waren im Besitze von 1000 Pfund und mehr; 17 der Einwanderer, alle Christen, waren «religiöse Funktionäre; 14 Einwanderer waren Studenten. Acht Einwanderungswilligen wurde die Einreiseerlaubnis verweigert. In dem gleichen Monat wanderten 70 Personen, unter ihnen 12 palästinensische Staatsangehörige, aus Palästina aus. Einstein spricht bei einer Keren- Kajemeth-Veranstaltung in Los Angeles Professor Albert Einstein wohnte am 4. März abends, knapp vor Antritt seiner Rückreise nach Deutschland, in Los Angeles einem vom Jüdischen Nationalfonds ihm zu Ehren gegebenen Bankett bei und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er dafür eintrat, daß die zionistische-< Politik in einer Weise geführt werde, die dazu beiträgt, daß Juden und Araber in Palästina in Frieden und Freundschaft nebeneinander leben können. Es war dies die einzige jüdische Veranstaltung, der Professor Einstein während svintb jetzigen Aufenthaltes in Amerika beiwohnte. Mit dieser Veranstaltung, an der über 1000 Personen teilnahmen, wurde die Aktion für den von Ussischkin entworfenen Fünfjahrplan zum Ankauf von Palästinaboden durch den Jüdischen Nationalfonds eingeleitet. Dies geschah auf den ausdrücklichen Wunsch Pirofessor Einsteins, der erklärt hatte, er habe das Gefühl, daß seine Anwesenheit bei einer zionistischen Veranstaltung eine nutzlose Geste sein würde, wenn nichts Konkretes bei dieser Gelegenheit geschehe. Auf dem Bankett wurde Prof. Einstein, der am 14. März seinen 53. Geburtstag feierte, ein Zertifikat über (Ke Pflanzung von 2000 Bäumen im Einstein-Wald in Palästina, der vor drei Jahren anläßlich des 50. Geburtstages Einsteins angelegt wurde, überreicht. 75« Geburtstag von Lord Plumer Fekknarschail Viscount Plumer, der frühere High Comnrissioner für Palästina, beging am 13. März seinen 75. Geburtstag. Die „Protokolle der Weisen von Zion“ ins Spanische übersetzt Die Zeitung «Criterio» kündigt an, daß sie demnächst mit der Veröffentlichung des Pamphlets «Die Protokolle der Weisen von Zion» in spanischer Sprache beginnt. In uer An» kündigung führt ein unter dem Pseudonym «Fabio» schreibender Schriftsteller aus, die «Protokolle» enthüllen eine Verschwörung der Weltjudenheit, die das Ziel hat, die christliche Welt unter jüdische Herrschaft zu bringen. Das Streben der spanischen Juden war immer, die Welt unter jüdisches Szepter zu bringen. nn rmin Jada-OiamicH, Graue Fralf Karmel-Wein«. Koqnak SdMMNM'OliveMGI Chedera-Honia liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samuel Halpem Wien. H., FSrrtarsatM 6 Tü. « 4*4-13