Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 220 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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:*e:re / DIE 6 iLVIMt Nr. 220 — 24. März 1932 In den Kolonien fehlt es an Krbettsftünden - Die jüdischen Mrbeiterrdie für Erhöhung der Chaluz-Einwanderung Shiels, Passfields und Chancellors und wi> sie sonst heißen mögen, nicht wehrlos ausgeliefert sein wollen. Die Gründung des amerikanischen Propalästinakomitees und die Deklaration dieses Komitees erinnern England daran, daß die Vereinigten Staaten von Amerika das Mandat ratifiziert hab:n uid daß Amerika nicht gesonnen ist, den Sinn des Mandats durch England ins Gegenteil verkehren zu lassen. Dieses amerikanische Propalästinakomitee ist nicht etwa ein Werk der Revisionisten; es ist ein Werk der Exekutive und insbesondere ihres neuen Mitgliedes, des allgemeinen Zionisten Newman. Und in diesen Tagen wurde das französische Propalästinakomitee gegründet, dem so wie in Amerika hervorragende christliche Politiker angehören; und PainlevS hat England mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß Frankreich nicht zulassen wird, daß mit uns und dem Mandat Schindluder getrieben wird; und dieses französische Propalästinakomitee ist auch nicht das Werk der Revisionisten. Es ist das Werk der Exekutive und unseres verdienstvollen Vertreters beim Völkerbund, Dr. Viktor Jacobson. Es gehört politische Aufrichtigkeit dazu, die Leistungen der Exekutive anzuerkennen, aber wir meinen, daß die Revisionisten allen Anlaß hätten, sich mit den gesamten zionistischen Gruppen über die zielbewußte, energische Politik Sokolows und seiner Mitarbeiter zu freuen. In diesen ereignisreichen Tagen werden die Revisionisten und insbesondere Jabotinsky auch Gelegenheit haben, Betrachtungen darüber anzustellen, wie rasch politische Programme wechseln. Wie lange ist es her, daß Jabotinsky mit dem Brustton der Ueberzeugung und mit seiner großen Beredsamkeit dafür eintrat, daß Palästina dem britischen Weltreich als siebenter Dominion einverleibt werden müsse? Dieser Traum Jabotinskys und seines Mitkämpfers, unseres christlichen Freundes Wedgwood, wurde durch Passfields Weißbuch zu Grabe getragen und nun wird diese Idee wieder lebendig. An einer anderen Stelle dieses Blattes berichten wir über die große Kundgebung des «Anglo-Palestine Club» und des parlamentarischen Propalästinakomitees in London. Es ist bezeichnend, daß an dieser Kundgebung kein Mitglied der Exekutive teilnahm und daß unser Freund Wedgwood fehlte, der Autor des Buches «Das siebente Dominion». Zu sehr ist bei uns das Mißtrauen gegen England durch Englands eigene Schuld verankert. Es ist nicht auszudenken, was Passfield aus diesem siebenten Dominion gemacht hätte, wdiffh1 es im Sinne der Revisionisten zustandegekommen Wäre. Wir werden daher kühl bis ans Herz hinan beobachten, welchen Weg die Befürworter der Idee des siebenten Dominions gehen werden und welchen Weg England gehen wird. Wir wollen Taten sehen. Wir sind auch weit davon entfernt, über den Ausspruch Rothschilds begeistert zu sein, daß das Wort «Wiederherstellung des Nationalheims» nicht bedeute, «daß der in der Bibel geschilderte Status wiederholt werde, sondern daß die Juden in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Institutionen, ihre Moral, ihre Erziehungsweisen und ihre Lebensmethoden neu zu gestalten». Das gleiche gilt von den Worten des Abgeordneten Buchan, der meinte: «Verwirklichung des Zionismus in der Form des Nationalheim?s ist nicht so sehr eine Frage des Territoriums, sondern der Schaffung einer Gelegenheit für den jüdischen Genius zu seiner Entwicklung. Das Wesen dieses Genius ist nicht Quantität, sondern Qualität.» Wir wollen zunächst einmal abwarten, ob uns die von Buchan geforderte freie Einwanderung gewährt werden wird, um so mehr, da wir wissen, daß die Berufung auf die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit des Landes England den Vorwand gegeben hat, die Einwanderung zu sperren und durch seine Verwaltungspraxis das Mandat zu einem Instrument für den Aufbau eines arabischen Nationaiheims auf unsere Kosten zu machen. Schöne Worte ziehen bei uns nicht mehr. Wenn aus diesen Betrachtungen ein Schluß gezogen werden kann, so ist es nur der, daß alle Zionisten der Welt wie ein Mann auf dem Posten stehen müssen, weil die nächsten Jahre für das Schicksal des Zionismus entscheidend sein werden; und der Posten jedes einzelnen Zionisten kann nur innerhalb der zionistischen Weltorganisation bezogen werden. Noch ist es nicht zu spät für diese Erkenntnis. Die Revisionisten und alle anderen Politiker in unseren Reihen mögen erkennen, daß in unserer raschlebigen Zeit politische Programme oft nur Eintagsfliegen sind und daß wir mit leeren Händen als Bettler vor den Mächten der Welt dastehen, wenn wir nicht unvergängliche Tatsachen in Palästina schaffen, die für uns sprechen: Land und Menschen. Politik darf nicht Selbstzweck sein. Nur eine harmonische Synthese von Aufbauarbeit und Politik wird und kann uns unserem Endziele näher bringen. o. g. Die jüdischen Arbeiterräte der Städte und der Kolonien Palästinas hielten ln TeJ-Aviv eine Beratung ab, die der Lage auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt gewidmet war. Es wurde festgestellt, daß es fai ganz Palästina 800 jüdische Arbeitslose, hauptsächlich In den Städten, gibt. Man beschloß, Arbeitslose aqp den Städten in die Kolonien zu bringen, wo ein Mangel an Arbeitshänden spürbar Ist. Unter Hinweis auf die erstatteten Berichte und auf das Versprechen der Regierung, Juden an den öffentlichen Arbeiten in Philadelphia, 15. März. (J. T. A.) Die Administrative des Nationalkomitecs der Zionistischen Organisation Amerikas hat am Schlüsse ihrer in Philadelphia abgehaltenen Tagung einmütig eine Entschließung gefaßt, in der die Leitung der Zionistischen Weltorganisation aufgefordert wird, in Verhandlungen mit der englischen Regierung einzutreten, um festere Beziehungen zwischen der Mandatarmacht und dem jüdischen Volk zu erreichen und vor allem die Fragen der jüdischen Einwanderung, des Bodenerwerbs durch Juden, der vollen Erfüllung der Baifour-Deklaration und der auf die Errichtung des Jüdischen Nationaiheims Bezug habenden Bestimmungen des Mandats, der Erfüllung der in dem Brief des englischen Premiers Ramsay MacDonald an den früheren Präsidenten der Jewish Agency Dr. Ciiaim Weizmann gegebenen Versprechungen zu regeln und es durchzusetzen, daß die Palästina-Administration allen diesen Aufgaben, die sie bis jetzt nicht durchgeführt hat, nunmehr gerecht wird. In der Resolution wird die Leitung der Zionistischen Weltorganisation ferner aufgefordert, praktische Schritte zur Herbeiführung einer ständigen Zusammenarbeit zwischen der Palästinaadministration und der Leitung der Jewish Agency einzuleiten und diesbezügliche Richtlinien auszuarbeiten, mit dem Ziele, daß in den nächsten Jahren eine geregelte jüdische Ein- Die Befahr für den jüdischen Bodenbesitz in Palästina Die vom Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem herausgegebene Monatsschrift «Karncnu» (Unser Fonds) führte aus, daß dem Jüdischen Nationalfonds in der Aufrechterhaltung des Umfanges seiner Bodenreserven in der Haifa-Bucht, im Emek Jezreel und in der Scharon-Ebene dadurch Schwierigkeiten entstehen, daß der Boden oft widerrechtlich und böswillig von Unbefugten besetzt wird. Diese Schwierigkeit kompliziert sich noch dadurch, daß die Regierung einen Gesetzentwurf vorbereitet, wonach Personen, die ihnen nicht gehörenden brachliegenden Boden widerrechtlich besetzen, ihr Vieh auf ihm weiden, ihn bewässern oder auf ihm Rohr schneiden, endgültige Rechte auf den Boden erhalten, wenn sie diese Praxis zwei Jahre lang geübt haben. Schon die Tatsache der Vorbereitung eines solchen Gesetzes ist ein Anreiz für undisziplinierte Araber, die Reserve Böden des Jüdischen Nationalfonds zu okkupieren. Aus diesem Grunde ist der Nationalfonds genötigt, Böden, die für städtische und vorstädtische Entwicklung, sowie für intensive landwirtschaftliche Kulturen reserviert sind, in eine extensive landwirtschaftliche Bearbeitung oder Aufforstung zu nehmen, um zu verhindern, daß die Juden dieser Reserveböden im Zusammenhang mit der er- Echte Palästina-Weine Karmel Original aus den bestrenommierten Weinkellereien S. Friedmann & Sohn Haifa, Petach-Tikwah sowie in- und ausländische Primaweine unter Aufsicht Sr. Ehrw. FlTY» JJ'Tm DTI nur bei der Firma M» Bartfeld Wien, 2„ Seb Kneipp-Gasse ß Tel. R-49-7-90 einer gerechten Proportion zu beschäftigen, kam die Konferenz zu dem Beschlüsse, daß eine Erhöhung der Arbeiter-Einwanderung vollkommen berechtigt, ja geboten ist. Neue Arbeitskräfte sind notwendig, sowohl für speziell jüdische als auch staatliche Arbeiten, wie Hafenbau in Haifa, Legung der Oelleitungen (Pipeline), sowie für die neuen Orangenplantagen, die In der nächsten Zeit um rund 17.000 Dunam vergrößert werden. Wanderung und Kolonisation ln den ausgedehnten, heute kaum bewohnten Gebieten zwischen dem Jordan und der Ostgrenze Palästinas durchgelührt wird, wie dies in Artikel 25 des Mandats vorgesehen Ist. Dr. Stephen S. Wise gab der zionistischen Leitung den Rat, sich nicht in zermürbende Verhandlungen mit den untergeordneten Stellen in Palästina einzulassen, sondern in jedem besonderen Falle in direkte Verhandlungen mit der englischen Regierung zu treten. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, führte in einer Ansprache aus, er habe keinerlei offizielle Information über den Inhalt des Berichtes des Landentwicklungsdirektors Lewis French erhalten. Sollten sich die privaten Meldungen über den ungünstigen Inhalt des Frencli-Berichtes bestätigen, so werden die Zionisten mit allen ihren Kräften gegen Frenche Empfehlungen kämpfen. Dr. Nahum Goldmann führte in seiner Ansprache auf der Konferenz aus, er werde in der nächsten Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation den Antrag stellen, einen Fünfjahresplan aufbauender Arbeit ln Palästina aufzustellen; es werde dann Ehrensache des Judentums sein, daß ein solcher Plan voll durchgeführt: wird. wähnten, in Vorbereitung befindlichen Gesetzgebung beraubt werden. Dies bedeutet eine weitere Belastung des Keren Kajemeth in einer Zeit, in der jede Anstrengung auf die Stärkung seiner Hilfsquellen konzentriert sein müßte. Für Bodenkauf bestimmtes Geld muß zur Kultivierung verwendet werden, sowie zur Durchfechtung der vielen Prozesse, die sich Infolge der ungerechtfertigten Ansprüche der Araber ergeben. Durch die Praxis sind die Araber dazu gebracht worden, .zu glauben, daß sie Rechte auf den von Juden erworbenen Boden haben, zumindest wenn Juden auf dem Boden noch nicht angesiedelt sind. Das Wesen einer Bodenreserve ist aber, daß der Boden bis zu der Zeit, da er gebraucht wird, unbenutzt bleibt. Daraus folgt, daß der Boden bis zu dessen Besiedelung vor widerrechtlicher Besetzung und vor Mißbrauch gesichert sein muß. Die Verordnung zur Regelung von Bodenstreitit'keilen in Palästina in Kraft Jüdische Besorgnisse Jerusalem, 20. März (J. T. A.). Die Im Dezember 1921 in der «Official Gazette» veröffentlichte Verordnung über Beilegung von Bodenstreitigkeiten in Palästina ist vom High Commissioner, General Sir Arthur Wauchope, unterzeichnet worden und ist somit in Kraft getreten. Sie erschien am 17. März als Sonderausgabe der «Official Gazette». Gemäß dieser Verordnung sind die Distriktskomm issäre ermächtigt, bei Entstehung von Bodenstreitigkeiten, die einen Bruch des Friedens befürchten lassen, von sich aus Entscheidungen über den Besitz des strittigen Bodens zu treffen. Den Distriktskommissären ist aufgetragen, die streitenden Parteien vor sich kommen zu lassen und sie zu vernehmen. Nach Prüfung des Für und Wider hat der betreffende Distriktskommissär zu entscheiden, wer zur Zeit, als der Streit entstand, faktisch den Boden besetzt hielt. Von jüdischer Seite wird diese Verordnung scharf kritisiert. Die Verordnung, so lautet der Einwand, stattet Verwaltungsbeamte mit richterlichen Funktionen aus und ermächtigt sie gleichsam, diejenigen Personen, die faktisch einen Boden besetzt halten, gegenüber dem wirklichen Eigentümer des Bodens und die Nomaden gegenüber der seßhaften Bevölkerung zu begünstigen. Tagung des NaiionaiUomiiees der Zionistischen Organisation Mmerihas ■ * Zionisten! Führet energisch die JubflfiumsaUtion des Keren Kajemeth xu Ende P-.r- ■