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Die Stimme · 1932-03-17 · Heft 219 (17.3.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 219 (17.3.1932)
Date
1932-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 219 — 17. März 1932 DIE STIMME Seite 7 Produktive Kredithilfe Die mit materieller Hilfe des American Joint Distribution Committee vor neun Jahren gegründete jüdische Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt am 9. März 1932 ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Obmann des Vorstandes, Herr Börserat GI ti c k, der die Versammlung leitete, gedachte des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Hern Jakob März. Hierauf teilte er der Generalversammlung den Beschluß der Israelitischen Allianz mit, die Ziele der Kreditkassa durch Uebernahme von Geschäftsanteilen im Betrage von S 10.000.— materiell zu fördern. Der Vorsitzende berichtete weiters über das nach langwierigen Kreditverhandlungen mit der Joint Foundation schließlich erzielte günstige Ergebnis, das den vorher in Frage gestellten Weiterbestand der Kreditkassa sichert, und hob dabei die unausgesetzten Bemühungen des Herrn Vizepräsidenten Dr. Löwenherz zugunsten der materiellen Fundierung der Kreditkassa hervor, wofür er ihm auch den Dank zollte. Der durch Direktor ilenisch erstattete latigKeitsbericht über das abgelautene Geschäftsjahr entrollte ein düsteres Bild der traurigen Wirtschaftslage jener Kreise, aus denen sich die Kreditwerber dieser Kassa rekrutieren. Im Gegensatz zu den früheren Jahren verzeichnet der diesjährige Bericht eine Abnahme der Zahl der eingelaufenen Kreditansuchen und auch der ausbezahlten Darlehen. Als Grund hiefür bezeichnet der Bericht die fortschreitende Paupensierung des jüdischen Kleinhandels- und Kleinfewerbestandes und stellte fest, daß tatsächlich ein Teil der isherigen Kreditnehmer infolge Betriebsumstellung, bezw. Geschäftsliquidierung aus dem Verzeichnis der Darlehensnehmer ausgeschieden sei. Am deutlichsten komme dies bei der Gruppe der sogenannten «Ratenhändter» zum Ausdruck, die wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit allmählich ihre Kunden verlieren und schließlich ohne Erwerb bieioen oder, bei vorhandenen Mitteln, sich geschäftlich umstellen. Aber auch den Neugründungen könne im allgemeinen keine günstige Prognose gestellt werden, sowohl wegen der wachsenden Konkurrenz als auch infolge der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung. Auf diese Ursache sei auch das immer mehr zunehmende Zusammenschrumpfen des Kreises der kreditfähigen Bürgen zurückzuführen, sowie auch die in der letzten Zeit häufiger werdende Tatsache, daß Leute, die früher andere financierien, sich selbst um das ger.nge Darlehen zu bewerben gezwungen sehen. Daß angesichts dieses Zustandes der Vorstand in vielen Fallen die ivreditansuchen wegen mangelnder Sicherheit abweisen muß, ist eine traurige .Tatsache. Der Bericht enthielt aber auch eine Reihe erfreulicher Tatsachen. Als solche ist vor allem der Umstand zu betrachten, daß die Gesamtsumme der Rückzahlungen in der Berichtsperiode sogar um ein Geringes höher war als die ausbezahlten Darlehen, ebenso daß die Klagsfälle und Abschreibungen sich auch in diesem Jahre in den gewohnten Grenzen hielten. Erwähnenswert sei ferner der Umstand, daß beinahe 20 Prozent von den ausbezahlten Darlehen auf neue Kreditnehmer entfallen, was der Bericht als deutlichen Beweis sowohl der Notwendigkeit der Kreditkassa als auch der stets wachsenden Popularität derselben m den Kreisen des jüdischen Mittelstandes bezeichnet. Der Bericht hebt auch die überaus günstige Wirkung der Tätigkeit der Kreditkassa speziell in den letzten Monaten des »bgelaufenen Jahres und deren uneingeschränkte Aufrechternalltung ihrer Kredithilfe auch nach Erlassung der neuen Devisenordnung nachdrücklichst hervor. Auch habe diese Kredithilfe wie noch nie ihren Zweck erfüllt, indem sie den kapitalsarmen Kreditnehmern ermöglichte, ihre durch allsetcige Einstellung der Warenkredite getdnrdeten Existenzen aufrechtzuerhalten, wobei ihnen diese Kredite trotz der enormen Steigerung der Bankrate zu den bisherigen Bedingungen erteilt worden seien. Aus der Fülle des interessanten Ziffernmaterials greifen wir die folgenden Einzelheiten heraus: In 13 Vorstandssitzungen wurden 811 Gesuche einer definitiven Erledigung zugefunrt. davon 73Ü in positivem Sinne. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtsperiode 671 Darlehen mit einer Gesamtsumme von S 348.325.— zur Auszahlung gegenüber 724 Darlehen mit zusammen S 381.410.—. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 79.4 Prozent der Fälle S 500—, in 6.9 Prozent der Fälle unter S 500.— und in 13.7 Prozent der Fälle zwischen S 500.— und S 1000.—. Nach Berufskategorien gegliedert entfallen auf Kleinkaufleute 465 Darlehen (69.3 Prozent), auf Handwerker 120 Darlehen (17.9 Prozent), auf kleinindustrielle Betriebe 67 Darlehen (10 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 19 Darlehen (2.8 Prozent). Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf S 189.728.92. Der Stand der Genossenschafter auf 1740 mit volleingezahlten 6238 Geschäftsanteilen ä S 10.—. Nach einer kurzen Aussprache sprach der Präsident des Aufsichtsrates Herr Dr. Löwenherz namens dieser Körperschaft seine vollste Zufriedenheit über die Geschäftsführung der Leitung und die erzielten Resultate aus und dankte besonders dem Obmann des Vorstandes Herrn Börserat Glück für seine unermüdliche und umsichtige Leitung, worauf über Antrag des Herrn M. Weiner dem Vorstand und Aufsichtsrat das Absolutorium erteilt wurde. Noch den durchgeführten Ergänzungswahlen setzt sich der Vorstand aus den folgenden Herren zusammen: Karl A 11 m a n n, Aron B a r s c h a k, Max E i s n e r, Börserat Ignaz Glück, Direktor Ernst Goldschmidt, Rafael H a l p o r n, Edmund H o f in a n n, Dr. Siegfried Kantor, Dr. I. H. Körner. Oskar R o s n e r, Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Feiwel T ü r k 1. Dem Aufsichtsrat gehören an die Herren: Mendel Feigenbaum, Dr. Desider Friedmann, Gustav U o 1 d m a n n, Dr. Armand K am i n k a, Kammerrat Moritz K o h n, David L e s s i n g, Dr. Josef Löwen herz, Samuel Preis, N. M. Racker, Kommerzialrat Moriz Reif und Max S c h i f f m a n n. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit den Worten des Dankes und der Anerkennung für die Beamtenschaft. — Für verstärkte Sicherheit Jerusalem, 9. März. (J. T. A.) Sämtliche Mitglieder der Exekutive des Waad Leumi erschienen beim High Commissioner General Sir Arthur Wauchope und erhoben Beschwerde über den Mangel an Sicherheit, der sich in den jüngsten Morden an zwei jüdischen Kolonisten in Balfouria und in Kfar Chassidim ausdrückt. Die Mitglieder der Exekutive erörterten mit dem High Commissioner das Gesamtproblem der Sicherheit im Lande. Der High Commissioner gab seiner tiefen Teilnahme mit den Familien der Ermordeten Ausdruck. Der polnische Generalkonsul in Palästina, Kurnikowsky, begab sich zur Untersuchung der Umstände des Mordes an Guterman, der polnischer Staatsangehöriger war, nach Haifa und hatte dort ein sehr ernste$ Gespräch mit dem Gouverneur Keith Roach. Hernach' besuchte Generalkonsul Kurnikowsky die Familie Guterman in Kfar Chassidim und sprach ihr sein Beileid aus. VerstärkterWachtdfenst in den jüdischen Kolonien Palästinas Jerusalem, 8. März. (J. T. A.) In Zusammenhang mit der nächtlichen Ermordung von zwei jüdischen Kolonisten in Balfouria und in Kfar Chassidim im Emek wurden von den Kolonisten Wächtertrupps gebildet, die abwechselnd Patrouillendienst tun und alle Vorstädte von Haifa und die Kolonien im Haifa-Distrikt bewachen. Der Polizeikommandant Spicer gab der Exekutive der Jewish Agency Informationen über den bisherigen Verlauf der Untersuchung des Mordfalles Guterman in Kfar Chassidim. Spicer erklärte, er habe hervorragende Detektive mit der Führung der Untersuchung, betreffend die beiden letzten Morde im Emek, betraut. Die Mordfälle in Palästina vor dem englischen Unterhaus London, 10. März. (J. T. A.) Im Unterhause richtete Colonel Wedgewood an den Staatssekretär für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, ob er dem Hause Informationen geben könne über die Ermordung von jüdischen Siedlern im Tale Esdraelom und die zur Erhöhung der Sicherheit in Palästina ergriffenen Maßnahmen. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Ich habe vor kurzem in Zeitungen einen Bericht über die Ermordung eines jüdischen Siedlers und die Verwundung seiner Frau durch unerkannt gebliebene Personen in einer jüdischen Kolonie gelesen. Aus einem anderen Bericht erfuhr ich, daß die Polizei zehn Minuten, nachdem das Verbrechen geschehen war, an Ort und Stelle eintraf und daß die lokalen Detachements verstärkt worden sind. Ich bin Überzeugt, daß die Regierung Palästinas auch weiterhin alles Mögliche tun wird, um weiteren Morden vorzubeugen und die Verbrecher dem Gericht •’u überantworten. Bei Erkältungen, Grippe, Halsentzündung, Mandelschwellung, sowie Nervenschmerzen und Gliederreißen tut man gut, mit einem halben Glafl natürlichen «Franz-t Josef»-Bittervvasser für tägliche Darmentleerung sorgen. In allen Apotheken und Drogerien erhältlich. 7 I Bl ZIONISTISCHES LANDESKOMITEE FÜR ÖSTERREICH Samstag 19. März 1932 SOPHIENSXLE Wien III., Marxer«. 17 PURIMBALL U N T VIS PURIMNACHT IN TEI AVIV Musik: Tango und Jazzkapelle Mischa / Tanzarrangement: Ballettmeister Fred Erdstein Tombola KosBmbsfiu« Wahl dar Königin Esther Viele andere Überraschungen — Koscheres Büfett Beginn halb 21 Uhr Saaleröffnung halb 20 Uhr Einzug halb 23 Uhr leticnfescfvicraiiesn: Landeskomitee, Wien I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86 Karten erhältlich: Sekretariat des Zion. Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86, Zion. Bez.-Sekt. Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, Tel. R 44-3-45, Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20a „Mirjam“, I., Jordangasse 7 und bei allen Komiteemitgliedern

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