Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 219 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Si'lte 6 Ult STIMME Nr. 219 — 17. März 1932 Echte Palästina-Weine Karmel Original aus den bestrenommierten Weinkellereien S. Friedmann & Sohn Haifa, Petach-Tikwah sowie in- und ausländische Primaweine unter Aufsicht Sr. Ehrw. TOM ADV JHM Mil nur bei der Firma M« Bartfeld Wien, 2., Seb. Kneipp-Gasse b Tel. R-49-7-90 ihrer politischen, wirtschaftlichen und sonstigen reichen Fähigkeiten gestattet, stets als ein aufbauendes, schöpferisch wirkendes Bevölkerungselement erwiesen. Wer also Goethes Haman-Burleske unbefangen und unbeeinflußt von böswilligen Kommentatoren auf seinen gesunden Menschenverstand einwirken läßt, der kann daraus keine andere politische Lehre ziehen als die, wie lächerlich und verlogen die Antisemiten und wie verabscheuungswürdig daher der Antisemitismus ist. Für diese dichterische Brandmarkung unserer Feinde haben wir alle Ursache, dem Olympier von Weimar dankbar zu sein. Dies sei an dem Tage, an dem die ganze Kulturwelt in Ehrfurcht sein Andenken feiert, mit besonderer Genugtuung festgehalten. Megillah in Saloniki Ls war im Jüdischen Klub der Kaufleute von Saloniki. Purimabend. Die Mitglieder versammelten sich zur Verlesung der Megillah Esther. Ein junger Mann erhebt sich mit einer kleinen vergilbten Megiilah und beginnt zu erzählen. Alles klingt wahrhaftig und lebendig. Der spaniolisch-jüdische Gebetvortrag ist streng orientalisch. Garr anders, als der chassidisch-jiidische «Niggan» Dieser ist k-' ubgeT. Jener klingt eigentlich monoton. Aber der junr Vorleser verließ bald den üblichen Sing-Sang und began . . deklamieren. Mit feinem Verständnis für jede stilistisch. „.:.i dichterische Feinheit des Buches. Er lächelt bald über Jl.- Ironie der Situation und Stichekien der fein abgewägi.u Sprache und bald verfällt er — ganz absichtlich — für einige Zeit in den ritualen Ton der Synagoge. Er tat dies, wenn der Inhalt ihn weniger interessierte. Doch gleich darauf verkitte ihn eine dramatische Szene zur eigenen Diktion. Er rezitiert den Dialog mit fein pointierter Grazie. Das spanlolisch ausgesprochene Wort, das ja dort üblich ist, reißt den Zuhörer noch mehr mit, seitdem es ja auch schon von Vielen zur Umgangssprache geworden ist. Alle hörten mit großer Spannung dieser alten Geschichte zu, wie wenn sie zum erstenmal hörten. .An diesem- Abend kam mir deutlich zum Ausdruck, daß nur eine historisch-literarische Galanterie dieses Buch: «Ester» benennen konnte, ln Wirklichkeit ist es das Buch «Mordechab. E r repräsentiert die leitende Hauptperson. Sein Einfluß reicht überall hin. Er bringt Esther an den Königshof, wacht unentwegt über ihre Treue zum Volk. Mordechai fürchtet keine Gefahren, ja er sucht sie. Stolz und unerschrocken steht der Jude dtn ihm feindlichen Hofbeamten gegenüber. Er beugt sich nicht. Immer wieder mahnt er Esther ihre Zugehörigkeit zu ihrem Volke nicht zu vergessen. Es scheint notwendig. Mordechai ist der Held des Epos. Nie noch hörte ich die Feinheit der einfachen Sprache, die interessante Handlung so plastisch wiedergeben. Der Vorleser verstand es, die Begebenheiten im Vortrag intelligent zu untermalen, dabei bescheiden manchmal zunr traditionellen Ton wied.rkehrend. Alles verriet so unendlich viel Liebe und Verständnis. Und hätte er aus dem Stegreif eine zweite Megillah gelesen, erzählt von anderen Wundertaten der Geschichte, alle wären, von der Sprache und der Wiedergabe hingerissen, ihnr gefolgt. Es war ein tiefes Bekenntnis zur Sprache und Geschichte des Volkes und zu seiner ewig-jungen Literatur. Bruno Rabinowitz. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den anläßlich des Doppeljubiläums des Keren Kajemeth in dieser Nummer erschienenen Aufruf aller zionistischen Föderationen und Sonderverbände zugunsten dieses Fonds, sowie die diesbezüglichen Artikel und ersuchen unsererseits, den Keren Kajemeth anläßlich der Jubiläumsaktion (Purimo c ri e 2 0. bis 26. März) so zu fördern, wie dieser uns allen so ans Herz gewachsene und teure Fonds dank seiner außerordentlichen Leistungen es verdient. Wir bitten unsere Leser, sich der beiliegenden Erlagscheine des Keren Kajemeth zu entsprechenden Spenden für diese Aktion zu bedienen. Visa für die Makkabiah nur dutch den Makkabi- W eltverband Berlin, 14. März. (J. T. A.) Die englkche RegHrung hat ihre Paßstellen ln allen Ländern angewiesen, Visen zui Makkabiah nach Palästina nur auf Zertifikate des Präsidiums des Makkabiweltverbandes in Berlin auszugeben. Weltkonferenz jüdischer Studenten im April in Palästina Jerusalem, 13. März. (J. T. A.) Mitte April, In der Zelt der Levante'Messe, wird in Tel-Aviv eine Weltkonferenz jüdischer Studenten stattfinden, in der über die Lage der jüdischen Studenten in den verschiedenen Ländern, die Frage des Studiums jüdischer Studenten aus den Diaspora-Ländern an der Hebräischen Universität in Jerusalem und an der Technischen Hochschule in Haifa, die Arbeit der jüdischen Studenten in der zionistischen Bewegung und in der hebräischen Kuiturbewogung u. a. m. beraten werden wird. Alle jüdischen Studentenorganisationen in allen Ländern wurden zur Teilnahme an der Konferenz eingeladen. Ein |ude vertritt die Tschechoslowakei bei der Goethefiier in Weimar Prof. Ottokar Fischer, der bekannte Uebcrsetzer und Dichter, der auch eine modicne Uebertragung des Goelheschen Gesamtwerkes ins Tschechische vorgenommen i,a*. wurde eingeladen, als Vertreter der Tschechoslowakei an den Goethe-Feiern in Weimar teilzunehmen und hat, wie die JTA erfährt, diese Einladung angenommen. Weizmanns Erfog in Südafrika Johannisburg, 11. März. (J. T A.) Anläßlich eines Empfanges, den der Vorein jüdischer Frauen in Johann’sburg zu Ehren von Herrn und Frau Dr. Weizmann sowie Doktor Alexander Goidsteins veranstaltet hat. wurden 2500 Pfund für den Keren Hajessod gezeichnet. VEREIN DER BUCZACZER IN WIEN Sonntag, den 20. März 1932, 8 Uhr abends, im Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße Nr. 4 HEITERER PURIN ABEND Zur Aufführung gelangt: Esther-Oper, persisch-wienerische Revue von Dr. L. Berger. Mitwirkend: 0. Teller, M. Zelniker V. Schlesinger und J. Segal Rosenbach Jazz-Orchester Max Geiger Eintrittskarten bei den Ausschußmitgliedern und an der Abendkasse Göbbels „Rassenverrat“ Die Nationa'sozialist.'n haben ein eigenes Verbrechen des Rassenverrates erfunden, dessen sich Männer und Frauen rein deutscher Abstammung schuldig machen, wenn sie mit jüdischen Frauen und Männern die Ehe eingehen. Ein nationalsozialistischer Antrag im Reichstag bedroht das Verbrechen des Rassenverrates mit Zuchthausstrafe. Dieses Delikt scheint nun der Berliner nationalsozialistische Führer Doktor Göbbels begangen zu haben. Er hat vor kurzem geheiratet und das israelitische Familienblatt stellt jetzt folgendes fest: Die Schwiegermutter des Herrn Göbbels, eine Frau Behrendt, war mit dem noch gegenwärtig dem Judentum angehörigen Kaufmann Friedländer verheiratet, von dem sie später geschieden wurde. Aus dieser Ehe ist die jetzige Frau Göbbels hervorgegangen. Die britischen Streitkräfte in Palästina und Iranbjoidanien London, 8. März (J. T. A.) Auf eine Anfrage von Brigade-General Spears im Unterhause erwiderte der Unterstaatssekretär für das Luftfahrtwesen Sir Phi ip Sassoon: Die Gesamtstärke der Streitkräfte in Palästina und Transjordanien ist ungefähr 3500 Mann, davon gehören 1940 den britischen Armee-Einheiten, 010 den Luftverteidigungskräften und 950 der transjordanischen Grenzmacht an. Die Stärke der der Luftstrvitmacht unterstellten Panzerauto-Kompagnie ist 210, die der Lufteinheiten 240 Mann Diese Heeresbesatzung bildet keine permanente Garnison, sondern ist auf eine zeitweilige Basis gestellt: die Stärke dieser Streitkräfte wird jährlich überprüft. Ein Whitechapel-)ude chines scher Generäl «Daily Mail» veröffentlicht auf Grund von Mitteilungen des in Manchester lebenden Kaufmanns Cohen, des Bruders des chinesischen Generals Maurice Abraham Cohen, einen Abriß aus der erstaunlichen Lebensgeschichte dieses einstigen btntn n» mxin Jaffa-Oranqen, Grane Fratt Karmel-Weine, Koqiiak Sehemen-OllvenSf Chedera-ffonlq liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samuel Halpern Wien. II., Fttrttereatrt 6 Td. A 46-4-12 Whitechapeler Judenjungen, der heute als General d^r chinesischen Armee an der Schanghai-Front kämpft und den votrdringenden Japanern schwer zu schaffen macht, Cohen hat zuerst in Kanada Chinesen als S.edler kennen gelernt und wurde ihr Freund. Bei Ausbruch des Weltkrieges schuf er ein chinesisches Arbeiter-Bataillon, das er in Frankreich befehligte. Er kam in Kontakt mit hohen chinesischen Beamten, die ihn bewogen, nach China zu ziehen. Er wurde ein intimer Freund Dr. Sunyatsens und übernahm einen Teil der Führung der chinesischen nationalen Bewegung, in der er ausschlaggebendun Einfluß gewann. Große Verdienste hat er sich als Reorganisator der chinesischen Armee erworben. «Empire News» teilt mit, Cohen hatte in China eine Zeitlang eine Position, die der des Schatzkanalers entspricht. Er wurde der «ungekrönte König» Chinas genannt. England habe in Moishe Cohen einen ergebenen Freund. Ing. S Jacobi, der als Bevollmächtigter von Ort-Ose- Emigdirect im Fernen Osten gewirkt hat, teilt der JTA mit, daß er in China durch General Cohen, der an den Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde starken Anteil nimmt, sehr unterstützt .wurde. Emanuel Neuman in Berlin Berlin, 9. März. (J. T. A.) Emanuel Neuman, amerikanisches Mitglied der Zionistischen Exekutive, ist auf seiner Reise nach Palästina in Berlin eingetroffen. Einstein auf der Rückreise nach Deutschland New York. (J. T. A.) Professor Albert Einstein, der im Dezember .1931 in Pasadena eintraf lind am dortigen Mount Wilson Observatorium einige Monate lang seine Forschungsarbeiten fortsetzte, hat am 4. März mit seiner Gattin an Bord des Motor-Schiffes «San Francisco» die Rückreise nach Deutschland angetreten. Oberstrichter Cardozo tritt aus dem American Jewish Commi tee aus New York. (J. T. A.)' Benjamin N. Cardazo, der vom Präsidenten Hoover zum Mitglied des Obersten Gerichtshofes in den Vereinigten Staaten ernannt worden ist, schied, wie das Staatsdepardement mitteilt, aus dem New Yorker Appellationsgericht aus, dessen Präsident er gewesen ist. Um sich ganz seinem neuen Amte widmen zu können, hat Oberstrichter Cardozo sein Amt als Mitglied der Exekutive des American Jewish Committee sowie seine Aemter in vielen anderen öffentlichen Institutionen niedergelegt Der Senat der Vereinigten Staaten bestät:gte einmütig und ohne jede Diskussion die Ernennung Catrdozos zum Oberstrichter. Cardozo wird am 14. März, dem Tage des Wiederzusammentrittes des Obersten Gerichtshofes, den Amtseid leisten. Heitere Ecke Nichts umsonst Es gab einmal einen Rabbiner, der besonders eifervoll war und schwere Bußen über sündige Gemeindemitglieder verhängte. Da nahm sich einmal ein Jude ein Herz und sagte dem Rabbiner vorwurfsvoll: „Sie verhängen Strafen über uns und nehmen Geld dafür!“ Da antwortete der Rabbiner: „Ja, das ist richtig, aber Gott straft auch nicht umsonst!" Die Ziehungen der V. Klasse der XXVI. Lotterie dauern vom 9. März bis 8. April 1932. Glücklose noch zu haben bei der Geschäftsstelle der Klassenlotterie, I. N. Neufeld, Wien, II., Krummbaumgasse 16, Telephon A-45-9-65. Möglicher Höchsttreffer S 800.000.—. rav Werbet Abonnenten für 19 Die Stimme