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Die Stimme · 1932-03-17 · Heft 219 (17.3.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 219 (17.3.1932)
Date
1932-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nt. 210 — 17. Min 1932 lilt STIMME Seite 5 Das Bette vom Guten sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten SCHMIDL'MAZZOTH welche unter streng orthod. Aufsicht des ■nan wi* Din mn ornnn rnn hergeslellt werden. Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die «S c h m i d 1 - M a z z o t h» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt. Auf die Extraqualitöt meiner Fabrikate «Marke Scfimidl N. B.» auf Mazzoth, Grieß u. Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. Zentrale: N. Brodelzlcy, II.. Leopolde. 43 Telephon Nr. R 46-1-90, A 60-2-63, A 41-9-52. Ein Purimspiel von Goethe Von Dr. Hugo S p i e g I e r. Anläßlich des hundertsten Todestages Goethes, der gerade mit dem diesjährigen Purimfeste zusammenfällt, sei daran erinnert, daß der Dichterfürst auch das Intrigenspiel Hamans gegen Mardochai auf die Bühne gebracht hat, allerdings nicht auf die Bühne der großen klassischen Tragödie, für die Racine seine «Esther» und Grillparzer sein gleichnamiges, leider Fragment gebliebenes Drama geschrieben hat, sondern für das Puppen¬ oder Hanswursttheater, wie schon der Titel «Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilen» verrät. Es ist ein überaus geistreiches Fastnachtsspiel von blendendem Sarkasmus, das sich die jüdische Jugend bei Ihren Purim-Aufführungen nicht entgehen lassen sollte. Leider ist aber die ulkige Farce in antisemitischen Kreisen mehr geschätzt, als in jüdischen. Sehr zu Unrecht 1 Denn es kann gar keine vernichtendere Kritik am Antisemitismus, seinen psychologischen Ursachen, politischen Zielen und Methoden geben, als den kurzen, aber inhaltsreichen Goetheschen Dialog zwischen Haman und Ahasverus. Die Judenfeinde, die diesen Dialog für i h r e Zwecke auszunützen suchen, müssen sich dabei des unfairen Kniffes bedienen, nur die Verleumdungen Hamans zu zitieren, die treffenden Antworten, die ihm Ahasver darauf gibt, aber zu unterschlagen. Selbst der pseudo-wissenschaftliche Begründer des modernen Rassenantisemitismus, H. St. Chamberlain, verschmäht — in seinem «Goethe»-Buch — diese unwürdige Taktik nicht. Wenn er so die Ansichten Hamans mit denen Goethes Identifiziert, handelt er ebenso «korrekt», wie jemand, der die Laszivitäten des Räubers Schufterle als Schillers Morallehre ausdeuten wollte. Nur in einem pflichten wir Chamberlain unbedingt bei: in seiner Auffassung, daß man den im Stücke aufgedeckten politischen Kern nicht darum für einen bloßen Scherz halten soll, weil er In einem Puppenspicl steht. Auch wir halten diese Aufdeckung für viel aufschlußreicher, als manche großangelegte Dichtung und lassen daher die charakteristischesten Dialogstellen im Wortlaut folgen. Schon die ersten Worte Hamans im einleitenden Monolog verraten dies Motiv des Antisemitismus — nicht nur des seinlgen: Kleinliche Rachsucht. Die Ursache dieser niedrigen Leidenschaft Hamans gegen Mardochai ist die aus der Megilta bekannte: Verweigerung des Fußfalls seitens des Juden vor dem Minister. Dem König gegenüber sucht dieser seine rein persönliche Gehässigkeit politisch zu drapieren, wobei er psychologisch berechnend mit dem Bazillus seines eigenen Judenhasses: verletzter Eitelkeit, auch den Ahasverus zu infizieren sucht. Er macht nämlich den Herrscher darauf aufmerksam, daß die Juden die Anbetung, die sie der Majestät des Königs schuldig sind, einzig und allein ihrem Gotte zollen und so auch den anderen Staatsbürgern ein schlechtes Beispiel geben. Doch der Monarch antwortet mit den bezeichnenden Versen: „Mir Ist es einerlei, wenn sie die Psalmen singen. Wenn sie nur ruhig sind und mir die Steuern bringe n." Haman holt nun zu einem stärkeren Schlage gegen die Religion der Juden aus: „Sie haben einen Glauben, Der sie berechtigt, die Fremden zu berauben." Der König wundert sich, denn er hat lang nichts von Mord und Straßenraub in seinem Reich vernommen. Darauf gibt Ihm Haman eine Aufklärung, die zu einem wahren Leckerbissen aller Antisemiten geworden ist, ja für viele von ihnen das einzige ist, was sie überhaupt aus Goethes Werken kennen: „Auch ist ’s das eben nicht, wovon die Rede war. Der Jude Hebt das Geld und fürchtet die Gefahr. Er weiß mit leichter Müh’ und ohne viel zu wagen, Durch Handel und durch Zins Geld auB dem Liand zu tragen.“ Viel weniger bekannt und populär ist im Hakenkreuzlager die Antwort, die ihm Ahasver darauf gibt: „Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind, Doch das tun andere mehr, die unbeschnitten sind." Alles, was Haman vorbringt, sind die traditionellen Anschuldigungen gegen die Juden. Sie werden aber, wie man sieht, vom König teils ins Lächerliche gezogen, teils durch den Hinweis erledigt, daß es sich um k e i n e pezifisch jüdischen Laster handelt. Das beweist er schließlich auch durch sein elgenesVer halten. Zunächst prallen noch etliche antisemitische Verleumdungen Hamans —■ darunter die noch heute nicht ganz unbekannten, daß die Juden mit ihrem Gelde die rassenfremden Weiber umgarnen und daß sie im geheimen Bunde mit den mit ihnen versippten Großen des Reiches auf Umsturz sinnen — an jener überlegenen Klugheit ab, durch die sich ein von Goethe inspirierter König vor dem gewöhnlichen Auditorium hakenkreuzlerischer Hetzapostel auszeichnet. Aber als Haman sich zu der «Enthüllung» versteigt, daß die angebliche Verschwörung der Juden — fast hätte ich geschrieben: der Weisen von Zion auch gegen das Leben des Ahasverus gerichtet ist (wer erinnert sich dabei nicht des Märchens von den abgeschnittenen Kaiserkönfen, die angeblich auf Rathenaus Villa abge- Warum Iteinmetzbrot? 1. Weil SteilMietZbrOt auf Grund der Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung das ein* Zige Brot ist, welches noch sämtliche lebenswichtigen Aufbau- und Ergänzungsstoffe des Getreidekorns enthält. 2. Weil steinmetzbrpt das einzige Brot ist, welches aus gewaschenem und enthülstem Getreide hergestellt wird. Regelmäßig SSeinmeftZbrot essen, heißt den Körper zur Gesundheit erziehen bildet waren?), da geschieht das merkwürdige, daß der Monarch, den eben noch alle angeblichen Gefahren von Thron, Altar und Reich kalt gelassen haben, in schmählichster Weise zusammenbricht und im jämmerlichen Nervenchok die sofortige Hinrichtung aller Juden anordnet. Seine Todesangst, die von Haman durch die Bemerkung, daß man als Toter nicht mehr essen und trinken kann, noch burlesk gesteigert wird, ist so überwältigend, daß er sich nicht einmal zur Ueberprüfung der Anklage aufrafft, um sich vielleicht doch noch die ihm so sehr willkommenen Judensteuern zu retten. Die Schätzung des Geldes der Juden, dem zuliebe er ihnen alle Laster verzeihen wollte, verblaßt ln dem Momente, in dein sie ihm mit Lebensgefahr verbunden erscheint. Kann es eine boshaftere Widerlegung des zitierten Arguments geben, daß n u r der Jude das Geld liebt, aber dabei die Gefahr scheut? Haman, der schon befürchten mußte, mit seinen Intrigen gegen die Juden gar nichts auszurichten, sieht nun mit einiger Besorgnis, daß er z u v i e 1 gesiegt hat, und so gipfelt der mit seiner Kunst ständig gesteigerte dichterische Sarkasmus, der diese Szene zu einem Juwel der politischen Satire macht, am Ende in der Groteske, daß der Antisemit Haman den König großmütig um das Leben der unschuldigen Juden bittet — schuldig erscheinen ihm bloß die reichen Juden, deren Leben und Vermögen natürlich verfallen ist. So ergibt sich als der eigentliche politische Kern, den Goethe in diesem Fastnachtspiel aufdeckt, die Lehre, daß sowohl die Toleranz des Königs als auch , die Intoleranz des Ministers auf der G i e r n a c h d e m jüdischenGeldeberuht. Auch über diesen Kernpunkt hinaus ist die Charakterisierung der beiden typischen Stützen des Staate» alles eher als schmeichelhaft. Haman erscheint als beschränkter, nur von persönlichen Instinkten geleiteter Intrigant. Das staatsmännische Mäntelchen, mit dem er seinen Verleumdungen eine moralische Verkleidung zu geben sucht, nimmt er selbst so wenig ernst, daß er jedes seiner politischen Argumente, sowie er es vom König zerzaust sieht, sofort preisgibt, um es durch ein anderes zu ersetzen. Der König, weniger engstirnig als sein Minister, erblickt die traditionelle Regierungsweisheit der Herrscher in der möglichsten Vermeidung aller Müh« und Gefahr: „. . . Die Götter machens recht; So lebt und so regiert von jeher mein Geschlecht:. Mit Müh’ hat keiner sich das weite Reich erworben Und keiner jemals Ist aus Sorglichkeit gestorben." Eine Revolution, vor der ihn Haman heuchlerisch warnt, ist für ihn nur der Anlaß, durch sein Heer kriegerischen Lorbeer einzuheimsen, ohne daß er selbst sein Haus zu verlassen braucht. . w Merkwürdigerweise kommen die j ü d 1 s eTi^te n Figuren der kleinen Burleske — Esther und Mardöcftai — viel besser weg. Wohl sind auch sie dem Charakter des Fastnachtspiels entsprechend karikiert, aber ihre Travestierung ist, so unglaublich dies heute, im Zeitalter des Hakenkreuzes klingt, in keiner Weise politisch ausgeschrotet. Wenn Esther, durch das Verbot des Königs, sich ihm ungerufen zu nähern, und durch das warnende Schicksal ihrer Vorgängerin Vasti eingeschüchtert, sich zunächst den Bitten des am Leben bedrohten Mardochai um ihre Fürbitte bei Ahasver wenig zu entsprechen geneigt zeigt und erst unigestimmt wird, als ihr Mardochai vorhält, daß sie nach seinem Tode nicht mehr in der Lage sein wird, sich mit ausländischen Stoffen zu kleiden, so richtet sich diese Bosheit de» Dichters nicht gegen die jüdische, sondern gegen eine allgemein weibliche Schwäche. Demnach konzentriert sich die p o 1 i t i s c h e Blasphemie des ulkigen Stückes einzig und allein auf den König und seinen Minister. Wäre die Tendenz des Stückes gegen die Juden gerichtet, dann würde es ein deutscher Amtmann bestimmt nicht als «skandalös» ablehnen. Wenn es von Judenfeinden trotzdem in ihrem Sinn auszudeuten gewagt wird, dann klammern sich diese famosen «Kommentatoren» — allen voran Chamberlain in seinem schon erwähnten «Goethe»-Buche — an den Vers, mit dem Haman die angeblichen revolutionären Umtriebe der Juden motiviert: „Dieses schlaue Volk sieht einen Weg nur offen: Solang* die Ordnung steht, so lang hat 's nichts hoffen.“ Indes genügt die einfachste Erwägung für die Erkenntnis, daß diese Stelle weniger die Juden, als vielmehr die «Ordnung/» belastet, von der sie nichts zu hoffen haben. Es ist keine spezifisch jüdische, sondern eine allgemein menschliche Tendenz, sich gegen Zustände und Gesetze, die zur Hoffnungslosigkeit verurteilen, aüfzulehnen. Schillers «Wilhelm Teil» und Hauptmanns «Weber», Rebellenstücke, in denen keine Juden Vorkommen, zeigen das zur Genüge. Andererseits haben sich die Juden innerhalb jeder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, die ihnen ungehinderte Entfaltung Achtung! Beim Einkauf von Palästina-Wein achte man auf die Marke Karmel-Original auf der Etikette (nur vlerfftrblg), Kapsel, Plombe und Kork. Vor Falsifikaten wird ge war n t. Die aus den am Karmel im Jahre gegründeten ältesten palästinensischen Weinkellereien der Fa. S. Friedmann & Söhne stammenden, wohlgcpflegten acht Sorten Weine sind den feinsten französischen und spanischen Naturweinen ebenbürtig, Rotweine: Alicante I und Alicante extra. Goldgelbe Süßweine: Hasahron-gold, Malaga, Muscat und Zionsperle. Weißweine: Haute-Sautem, artig. Medizinalwein: Barsei, eisenhaltig. Alleinberechtigt zur Führung der Karmel-Original Ist N. Spindel» Iiaurenxerberg 3 Telephon r 29-7-34. Die hiesigen Kellereien stehen unter Aufsicht des tHH Dt!D hk i

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