Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 219 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tc 4 D.c SUMME Nr, 219 - 17. Märt 1932 Neuer Mord in Palästina JeraiaUm, 7. Mär*, (J. T, A.) In dw Nacht 6m 6. März gegen Mitternacht wurde ln der Emeh* Kolonie Kfar Chassldim der jüdische Siedler Samuel Guterman ln seinem Hause erschossen. Die Mörder ' gaben von draußen durch das Feneter drei Schälet ab, deren einer Outerman tödlich traf. Bevor es noch möglich wurde, eine Verfolgung der Mörder aufzunehmen, konnten diese spurlos entkommen. Ee Ist dies Innerhalb von sieben Wochen Im Tate Jezreel der swelte Fall, daß ein jüdischer Siedler um Mitternacht ermordet wird. Am 17. Jänner wurde bekanntlich um Mitternacht ln Balfouria der Farmer Die armen Araber In den Kolonien des britischen Weltreiches sterben iährllch viele tausende Menschen an Hunger, an der »est und an anderen Seuchen. Und doch hat man nie etwas davon gehört, daß England zur Linderung der Not seiner Kolonialvölker die Auflegung einer Staatsanleihe unter Staatsgarantie beschlossen hätte. Ausgerechnet in Palästina soll das angeblich geschehen. Wir glauben nicht daran, daß England für die «Landentwicklung» 2Yi Millionen Pfund flutbringen wird. Man muß sich darüber klar sein, daß England nichts tut, was nicht einen politischen Zweck hätte. Seit den Augustunruhen des Jahres 1929 hat es sein Herz für die armen Araber entdeckt, die angeblich von den bösen Juden landlos gemacht wurden. Haben etwa die Juden diesen armen Arabern ihren Grundbesitz gestohlen? Weit gefehlt! Die Juden haben hohe Bodenpreise gezahlt. Sind etwa die Juden daran schuld, daß die Araber Palästinas auf einer niedrigen Kulturstufe leben, oder daran, daß die Fellachen von den Effendis, wie der Strickland-Bericht nachgewiesen hat, aus* gesogen und bewuchert werden? Das läßt aber Eng* l&fld kalt. Es tst ihm nur darum zu tun, Vorwände zu Anden, um seine Schaukelpolitik fortsetzen zu können. Es tut rührselig wie eine alte Fürsorgetante, es nimmt sich der armen Araber an. Wir wollen nicht mißverstanden werden. Der Jischuw ist daran interessiert, daß der Lebensstandard der arabischen Bevölkerung Palästinas gehoben wird. iWlr müssen aber energisch dagegen Protest erheben, daß England, das sich zur Förderung der «jüdisch-zio* - a|«tjschen Aspirationen» verpflichtet hat, Fürsorge für Araber nur vortäuscht, um Vorwände zu finden, unser Aufbauwerk zu behindern. Vor einigen Tagen fand In London ein Meeting statt, welches von der «Near and Middle East Association» («Vereinigung für nahen und mittleren Osten») zugunsten des Fonds «Rettet die Kinder!» veranstaltet wurde. Wer war der Hauptredner des Abends? S i r John Chancellor, der ehemalige Oberkommissär Palästlnasl Welche Kinder müssen gerettet werden? Die arabischen Kinder Palästinas! Chancellor begann seine Rede mit einem Loblied auf die ausgezeichneten jüdischen Organisationen Palästinas auf dem Gebiete der Erziehung und des Gesundheitswesens und hob hervor, wie sehr die Jewisch Agency dadurch zur Entwicklung des Landes beigetragen habe. Die Regierung unter halte für Araber nur 19 Ambulatorien, die Juden besäßen 21 Ambulatorien. Wenn die Regierung auf eine gleiche Stufe mit der Hadassah kommen wolle, müßte sie die Hälfte der von den Arabern gezahlten Steuern für diesen Zweck verwenden. Wozu gesagt werden muß, daß die 19 Ambulatorien für arabische Mütter und Kinder infolge der großen Steuerkraft des Jischuw zum großen Teil durch jüdische Steuergelder erhalten werden. Bekannt ist auch, daß die Araber in starkem Maße auch die ärztliche Hilfe Jüdischer Amte und jüdischer Spitäler In Anspruch nehmen. Der Unterschied zwischen uns und den Engländern besteht nur darin, daß wir aus gutem Herzen den Arabern helfen und daß die Engländer von politischen Motiven geleitet werden und nicht oder fast nicht helfen. Wir wollen das Wohlergehen der arabischen Bevölkerung, # wir wollen, daß sie auf eine höhere Kulturstufe gelangt. Wir wollen das Im Interesse einer guten Nachbarschaft und well wir meinen, daß die arabischen Fellachen die Segnungen der Jüdischen Aufbauarbeit erst dann richtig würdigen werden, wenn sie sich von zwei zweifelhaften Freunden freimachen, die sie für Ihre politischen Zwecke am Gängelbande führen ohne für ihr Wohlergehen ernstlich besorgt zu sein: Von den Effendis und von England. Josef Bunteln In seinem Hause erschossen. Die Titer hat man bis Jetzt noch nicht ermittelt Die Bestattung von Samuel Outerman fand unter großer Teilnahme der Siedler statt. Die Trauerrede hielt Rabbt K&nlel aus Haifa, der über den Mangel an Sicherheit im Lande klagte. Die jüdische Gemeinde in Haifa sprach beim Polizeichef von Haifa vor, der der Meinung Ausdruck gab, daß die Mörder einer organisierten Bande angehören. Er versprach, das Möglichste 2ur Aufdeckung des Mordfaltes zu tun, damit die Täter der Bestrafung sugeführt werden können. Outerman wanderte 1926 aus Warschau ln Palästina ein. Er stand Im 29. Lebensjahre und hfnterläßt eine Witwe. Aue Palästina Wieder ein arabisch-jüdischer Zusammenstoß auf Jüdischem Boden im Ertiek Auf dem der Meschek Company gehörenden Ku&kus- Tabun-Boden im Emek Jesreel kam es am 3. März zu einem Zusammenstoß zwischen arabischen und jüdischen Pflügern, In dessen Verlauf drei Juden verletzt und 12 Araber und drei Juden von der Polizei verhaftet wurden. Die Verletzungen eines der Juden sind ziemlich ernster Natur. Der Hergang war folgender: Arabische Siedler in der Nachbarschaft des Meschtk» Bodens kündigten an, daß sie den Kusukus-Tabtm-Boden für sich beanspruchen und ihn in Bearbeitung nehmen wollen. Jüdische Landarbeiter hatten schon früher mit dem Pflügen des Bodens begonnen. Die Administration des Halfa- Dlstfikts, die von der Ankündigung der Araber, sich widerrechtlich in den Besitz des Bod.ns zu setzen, Verständigt worden war, hat keinerlei Vorkehrungen getroffen, sondern erk'ärt, es mögen Juden wie Araber den Böden In Bearbeitung nehmen, Als die Araber aut dem Boden erschienen, wair dieser bereits von Juden gepflügt. Etwa 30 jüdische Landarbeiter mit ihren Gespannen befanden sich noch auf ihm. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen den Arabern und den Juden. Der Pollzeimspektor Harrington erschien an Ort und Stelle und befahl beiden streitenden Partiten, die Arbeit auf den Feldern einzustellen. Die Verhafteten Araber und Juden wurden noch am selben Tage gegen Erlegung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. H. Farbsteta beim High Commissi oner. H. Farbstein, Mitgied der Zionistischen Exekutive, der vor kurzem in Palästina zur Uebernahme seiner Amtsagenden eingetr.offen ist, wurde vom High Commlsslonar General 8k Arthur Wauchope empfangen. Die arabischen Nationalisten fordern zum Boykott dzr Levante-Messe auf Der Führer der arabischen Nationalisten Muza Kazitn Pascha, von dem die arabische Presse eben erst berichtet hatte, daß er den Vorsitz in der arabischen Exekutive Palästinas niedergelegt hat, Unterzeichnete einen Appell an die «arabischen Brüder ln Paläst.na und den benachbarten Ländern», die Levanfc-Messe zu boykottieren Bcdenstreitigkeiten ln der am 6. März stattgefundenen Sitzung der Arabischen Exekutive Palästinas wurde ein Telegramm der auf Vadi Havadth-Boden des Keren Kajemeth durch die Regierung zeitweilig angesieddten Beduinen verlesen, in dem die Beduinen der Exekutive dafür Dank sagen, daß sie sie ln der Erhaltung des Pachtrechtes auf den Boden unterstützt habe, und erklären, daß sie sich nicht damit äbtinden werden, den gegenwärtig von ihnirt besetzten Vadi Havarith- Boden gegen Boden in anderer Gegend auszutauschen. Der seit langem sich hinzlelv.nde Streitfall, betreffend die Infiat-Böden bei der jüdischen ArbeitCrkolonle Chcde.ah, Ist nun endgü'tig zugunsten der jüdischen Arbeiter-Kolonisten entschieden worden. Das oberste Gericht Palästinas hat die Berufung der auf die Böden Anspruch erhebenden Araber gegen das Urteil deB Erstgerichtes, das die Böden den Chedtrah-Kotonlsten zugesprochen hat, verworfen. Alfonsos Abreise Ex-König Alfonso von Spanien, der einige Tage in Jerusalem weilte, ist nach Aegypten weitergereist. Von der Universität Das Rektorat der hebräischen Universität in Jerusalem gestattete den Studenten, die wegen Teilnahme an der Störung der Antrittsvorlesung von Norman Bentwich suspendiert worden waren, die Fortsetzung des Studiums, Ein Komitee für Sowjetjuden In Tel-Aviv wurde unter Vorsitz des Dichters Chalm N. Blalik ein Komitee gebildet, das sich der von der Sowjet» regkrung verfolgten russischen Juden annehmen wird. Purimnacht in Tei-flniv Der am 19. d. M. In den Sofiensälen stattfindende Purlmball unter der Devise «Eine Purimnacht ln Tel- Aviv» verspricht ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges zu werden. Die Vorbereitungen, getroffen von einem sehr rührigen Baiikomltee, sind bereits ziemlich weit gediehen. Die Nachfrage nach Karten Ist sehr groß und es gibt auch schon viele Anmeldungen von Gruppen für den Masken-Festzug. Es wird sehr viele Ueberraschungen geben. Die Saaldekoration, die nicht verraten werden darf, wird sicherlich einen grandiosen Eindruck machen und viel Stimmung und Humor hereinbringen. Die Ausführung der Saaldekoration liegt in den bewährten Händen des bekannten Malers Alex S z C k e I y, der auch den Entwurf gemacht hat, und dem Fräulein Nina H o r o w 11 z und Herr Popper zur Seite stehen. Für Tanzmusik wird die ausgezeichnete Tango- und Jazz-Kapelle MI s c h a sorgen. Das Tanzarrangement hat In selbstloser Welse der bekannte Ballettmeister Gg. Fred Erd Stein übernommen. Eine Tombola mit herrlichen Gewinsten wird den Anreiz der Besucher erwecken. Die Wahl der Königin Esther wird wohl unter sb viel schönen Frauen, die die «Purlmnacht ln Tel-Aviv» besuchen werden, sicherlich nicht leicht fallen, aber schließlich doch durchgeführt werden, Den Clou des Abends wird jedoch der Kostümfestsug bilden. An seiner Spitze wird die Stammutter Rahel, auf einem Kemel rettend und von einer biblischen Frauengruppe begleitet, erscheinen. Dann werden wir die Figuren Ahaschverosch, Esther, Waschtl, Mördechat, Haman usw. zu sehen bekommen. Anschließend vertraute und verträumte Gestalten des jüdischen Städtchens: ein Rebbe mit seinem Hof, ein chassidlscher Hochzeitszug; ihnen folgen unsere Brüder und Schwestern aus orientalischen Ländern in Ihren malerischen Trachten. Dann eine Gruppe, die die Arbeit des Keren Kajemeth in Palästina versinnbildlicht, und einige unserer markanten Führer, Den Abschluß des Festxuges wird eine Gruppe von Chaluztm und Chaluzoth bilden. Unter diesen Umständen Ist es nicht verwunderlich, daß man schon heute In allen Kreisen der Wiener judenhelt Uber diesen Abend spricht. Um so mehr, da ein großer Ertrag des Reingewinnes für das Chajes- Realgymnastum wie auch für die Winterhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde bestimmt ist. Die akademischen Maler Frau Grete W o 1 f- Krakauer aus T«l-Aviv wie auch WilheTm Wach* t e I, beide durch ihre herrlichen Patästina-Bilder der breiten Jüdischen Öffentlichkeit bekannt, haben in liebenswürdiger Weise die künstlerische Beratung der Purimfeier übernommen. Ein koscheres Büfett wird den Gästen zur Verfügung stehen und an Ueberraschungen aller Art wird es nicht fehlen. Der Kartenvorverkauf findet Im Ballkomitee, 1., Kärntnerstraße 28 (Tel. R 27-4-86), sowie ab 6 Uhf In der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13 (Tel. R 44-3-45), In der «Mirjam», I., Jordangasse 7, Bücherstube Rath, II., Taborstraße Nr. 20 a, sowie bei allen Komiteemitgliedern statt. Es Ist dringend angezeigt, sich die Karten schon Im Vorverkauf zu besorgen, da eine sehr starke Nachfrage herrscht. Studentenkarten werden zum ermäßigten Prelae von S 3.— gegen Vorweisung der Legitimation am Donnerstag, 17. d. M., von 8 bl» 10 Uhr abends, Im Ballokale, 1!., Praterstraße 18, sowie am Freitag von 12 bis 4 Uhr nachmittags Im Sekretariat des Landet» komltees, I., Kärntnerstraße 28, ausgegeben. An der Abendkasse werden keine Studentenkarten auBgegeben. Weitere 150 amerikanische luden gehen nach Palästina New York, (J, T. A.) 150 amerikanische Juden habet am 5. März an Bord der «Acquitania» die Reise nach Palästina an getreten, um »ich dort dauernd ata Farmer nieder» zulassen, Wie schon mitgeteilt, hatten sich am 14. Februar d. J. in New York 200 amerikanische Juden mit dem Ziele Palästina eingeschifft; der größte Teil dieser Reisenden will sich in Palästina der Orangenzucht widmen. Bestätigung. Harra N. Spindel, Wien, 1., Laure.-zerberg ö. Als bestellter Mascbglach (Aufseher) seitens des ehrwürdigen Rabblnates der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, gezeichnet von Seiner Ehrwtlrden Rabbiner Babad. bestätige loh hiermit dte Ueber* nähme der am Bahnhof aogelangten, von der Firma S. Friedmann & Söhne, Weinkellerei ln Petaoh Tikwah (Palästina) versandten acht verschiedenen Sorten Palä tina-Weine» Auoh die auf diese Sendung sich be« ziehenden je ein Hesohar von den Ehrw.Oberrabbiner Cook und Sonnenfeld'beide Jeiusalwm, gelangten in leinen Besitz. Wien, 14. Märs ioaa. 4. H. a.