Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 219 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 219 — 17. Mar* 1932 IHK STIMME Seite 3 JUDEN ACHTUNCIÜhhhoh Aristife Briand Wie ein furchtbarer Schalten fällt der Tod Briands Ittf die in Genf tagende Abrüstungskonferenz und verlästert die ohnehin trübe Atmosphäre. Trotz Völkerond Kellog-Pakt donnern fern im Osten die todbringenden Kanonen —, die flammende Stimme Briands aber, die nichts anderes war als ein einziger dauernder Appell an die Völkerversöhnung, ist für immer verstummt. Niemand, der nicht das Symbolhafte dieses wahrhaft tragischen Ereignisses empfindet, dieser Mahnung an die Menschheit, die im jähen Tode des Mannes liegt, der zur Inkarnation des Friedenswillens nicht nur seiner Nation, sondern Europas und der Welt geworden war. Arme Menschheit, die du einen wahren Führer gerade In dem Augenblick verlierst, da du seiner so bitter bedarfst! Aristide Briand stand in der ersten Reihe der Phakönnt in diesem für Euer erhabenes Volksziel kritischen Moment auf mich rechnen.» (Jüd. Preßzentrale) —tz. Briands Haltung in jüdischen und palästinensischen Fragen Paris, 8. März. (J. T. A.) Der in diesen Tagen verstorbene große französische Staatsmann und Führer des Völkerbundes Aristide Briand, der mehrmals Ministerpräsident und Außenminister der französischen Republik gewesen ist, hat zu verschiedenen Zeiten auf die Gestaltung der Minderheiten- und der Mandatspolitik des Völkerbundes — zwei Fragen, an denen die Juden stark interessiert sind — entscheidenden Einfluß genommen; er trat für den Schutz jüdischer Minderheiten in den osteuropäischen und den anderen Ländern sowie für Anwendung des Palästinamandates im Sinne der Errichtung des Jüdischen Nationalheims ein. Die arabische Exekutive stellt keiuea Berater für french Jerusalem, 7. März. (J. T. A.) Gemäß der Verord* nung über den Landentwicklungsplan sollten Louis French ein arabischer und ein jüdischer Berater zur Seite gestellt werden. Die arabische Exekutive faßte in ihrer letzten Sitzung einen als endgültig bezeichneten Beschluß von der Ernennung eines arabischen Beraters für Louis French abzusehen. Die arabische Exekutive beschloß in der gleichen Sitzung, einen arabischen Nationalfonds zu bilden; in die Exekutive des Fonds wurden vier Personen, unter ihnen Georg Antonius und der Deutsche Alfred Koch, gewählt. des Keren Kniemeih lanx jener echten Erben und Testamentsvollstrecker der großen französischen Revolution, die ihr Leben für Freiheit und Gerechtigkeit eingesetzt und die das Unrecht bekämpft haben, wo immer sie ihm begegneten. Die Befreiung der Menschheit, die er aus der Finsternis zum Licht hat führen wollen, hat Aristide Briand sein reiches Leben geweiht, und doch ist er selbst, der im Brennpunkt des Weltgeschehens stand, bis zu seinem Tode ein Einsamer geblieben. In den Jahren der Dreyfus-Affäre wurde Briand, der kaum 23jährige Chefredakteur der «Democratie de TOuest» in St. Nazaire, zum unerbittlichen Ankläger der nationalistischen Hetzer, die er in aufsehenerregenden Artikeln geißelte, und damit zum warmen Verteidiger seiner zu Unrecht beschuldigten jüdischen Mitbürger. Jene Kämpfe haben den jungen Briand gestählt und ihm den Willen, für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden zu kämpfen, in Fleisch und Blut übergehen lassen, so daß er eins mit ihm wurde. Damals hat Briand das Wort geprägt, das zur Devise seineis ganten Lebens geworden ist: «Aus der Gewalt kann kein Fortschritt hervorgehen». Es ist kein Zufall, daß Briand in seiner ganzen Publizistik mit Vorliebe Begriffe und Wendungen gebraucht hat, die jenen Kämpfen um den jüdischen Offizier Dreyfus entstammen. So schrieb Briand in einem Aufsatz über den Box.eraufstand um das Jahr 1900: «Man sollte glauben, Nationalismus in China und Na tionalismus in Frankreich seinen etwas durchaus Verschiedenes. Und doch ist es das gleiche, und doch ist hier wie dort der Schlachtruf der gleiche: Tod den Fremden 1 China den Chinesen l Es ist das getreue Echo jenes anderen Rufes: Frankreich den Franzosenl Nieder mit dem Kosmopolitismus! Tod den Juden!» Aristide Briand hat dem Judentum die Sympathien, die er ihm entgegenbrachte, weil er es in seinem Vaterlande Unrecht leiden sah, bis an das Ende seines Lebens bewahrt. Diesen Sympathien sind wir aber nicht nur dort begegnet, wo das Judentum sich gegen Unterdrückung und Beugung seines Rechtes wehren mußte, sie haben das jüdische Volk auch dahin begleitet, wo es seine nationale Freiheit wiederzufinden und das alte Ideal der Gerechtigkeit im eigenen Lande zu verwirklichen hofft: nach Palästina, seiner altneuen Heimat. Briand stand vom Anbeginn in den Reihen der französischen Pro-Palästina-Bewegung und war Ehrenpräsident der diesem Ziele dienenden Vereinigung «France Palestine». Und als Briand zu Beginn dieses Jahres als französischer Außenminister demissionierte, richtete Justin Godart, der Präsident der «France Palestine», namens dieser Vereinigung ein warmes Schreiben an Ihn. In den für das jüdische Palästina-Aufbauwerk kritischen Tagen des Sommers 1931, als das Passfield- Weißbuch erschienen war, ließ es sich Briand nicht nehmen, seinen Ferienaufenthalt in Coclierel zu unterbrechen, um den Führer der Zion. Organisation und Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weizmann, in Paris zu empfangen. In dieser Unterredung sagte Briand zu Weizmann: «Ich fühle Eure Lage mit. Ihr Er vertrat Frankreich auf der San Remo-Konferenz, in der die Balfour-Deklaration und die Politik des Jüdischen Nationalheims von den Mächten sanktioniert worden ist. Im Jahre 1926 sandte Aristide Briand als französischer Ministerpräsident eine Botschaft an das französische Pro-Palästina-Komitee, die u. a. lautete: «Gewiß ist es wünschenswert, daß die Juden wissen, daß sie in Palästina Zuflucht vor der schlechten Behandlung finden können, die ihnen oft zuteil wird, daß sie dort ein Nationalheim aufbauen, in dem sie hre Erinnerungen pflegen und ihre Hoffnungen verwrkliuien können. Wir haben dies in San Remo gesagt. Wir haben ferner gesagt — aber es ist notwendig, dies zu betonen —, daß wir es nicht verstehen würden, wenn die Juden darangehen sollten, aus Palästina einen jüdischen Staat zum Nachteil der einheimischen Bevölkerung zu machen und heute oder später den Christen oder Moslems dieses Landes die bürgerliche und politische Gleichberechtigung vorzuenthaden, die die Friedensverträge den Juden selbst in jenen Länd°rn gesichert haben, die ihnen diese Rechte früher verweigert hatten. Das Nationalheim ist ein zweifellos noch unvollkommenes, aber doch notwendiges Heilmittel gegen ein Uebel, das hätte geheilt werden können, wenn die Staaten keine Unterschiede zwischen ihren jüdischen und ihren anderen Bürgern gemacht hätten, und wenn die Lehren der großen Synhedrion-Tagung in Paris 1807 überall verstanden worden wären, kurz gesagt, wenn die ganze Welt sich zu der eindrucksvollen Formel des Kaisers Napoleon I. bekannt hätte: «Ich möchte, daß die Juden ihr Jerusalem in Frankreich finden». Ihr habt recht, wenn ihr wünschet, daß die französischen Juden, die wirklich ihr Jerusalem in Frankreich gefunden haben, und mit ihnen alle anderen .;ranzoscn, jenen Kindern Israels, die sich eines solchen Glückes nicht erfreuen können, dazu verhelfen, in das alte Jerusalem zurückzukehren. Mögen jene gramgebeugten, aber von ihrem neuen Ideal begeisterten Pilger, wenn sie in ihrer Arbeit im Gelobten Lande den Frieden für ihre gequälten Seelen gefunden haben, Frankreichs gedenken, das als erste unter allen Nationen ihre Vorfahren als gleichberechtigte Menschen und Bürger behandelt hat. Wir empfohlen unseren Gg. Herrn Marcus Bartfeld, II., Sebastian-Knoipp-Gasso 3, zum Bezüge von echten Palästina-Weinen (Karmel-Original) aus den weltberühmten Kellereien S. Friodinann & Sohn in Haifa (Pctach-Tikwah). Herr Bartfeld hat die Berechtigung zum Verschleiß obgenannter Weine. E Hashashibi fordtrt für Palästina Par.smßnt Jerusalem, 10. März. (J. T. A.) Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, das Oberhaupt der verzweigten, einflußreichen arabischen Familie Nashashibi, hat an den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope ein Schreiben gerichtet, in welchem er darauf hinweist, daß Transjordanien und der Irak repräsentative nationale Regierungen haben, und fordert, daß auch Palästina ein von der Bevölkerung verantwortliches Parlament, sowie eine nationale Regierung erhalte. Eji Briand-Wald wird in Palästina gepflanzt Die französische Kommission des Jüdischen Nationalfonds hat beschlossen, in Palästina einen «Aristide Briand-Wald» zum Andenken an den verstorbenen großen Staatsmann, Vorkämpfer des Friedens und Freund des Jüdischen Nationalheims in Palästina, zu pflanzen. Kas stefit im Fimh-Bericht Jerusalem, 11. März. (J. T. A.) Ungeachtet dessen, daß über den Bericht des Entwicklungsdirektors Lewis French an die englische Regierung seitens der amtlichen Stellen äußerste Verschwiegenheit gewahrt wird, glauben arabische Kreise, versichern zu können, daß der French-Bericht Beschränkungen der jüdischen Arbeit in Palästina empfiehlt, die über die von Sir John Hope Simpson empfohlenen Beschränkungen noch hinausgehen. Darnach soll French empfehlen: 1. Ansiedlung dislozierter Araber, deren Zahl noch nachgeprüft werden wird. 2, Ansiedlung von Juden. 3. Lockerung der Siedlungsdichte in den Hügel-Distrikten. French sei der Meinung, daß es in Palästina unbesiedelte Bodenflächeii nicht mehr gibi, und empfehle ein Gesetz, das die Regierung ermächtigt, durch eine eigene Agentur Siedlungsboden sowohl von den Arabern wie von den Juden zu erwerben, sowie die Bodentransaktionen im ganzen Lande zu kontrollieren, bezw. zu beschränken, wobei besonders in gewissen fruchtbaren Distrikten ein Verbot von Bodenübertragung erfolgen soll. Das Gesetz solle in Anlehnung an ein ähnliches indisches Gesetz vorsehen, daß Pachtgüter in einem gewissen minimale« Umfang unveräußerliches Eigentum des Pächters werden. Im allgemeinen fasse Frenchs Plan umfangreich# Entwicklungsarbeit ins Auge. Man glaubt hier aber nicht, daß die Regierung eine das ganze Land umfassende Bodenkaufbeschränkung oder eine Ausschließung von Juden aus bestimmten Gebieten Palästinas in Erwägung ziehen wird. r I ^^mmäSmJmSSSSmSmmSiSSmS i Opfer Ssterr. Juden: 500 Dunam Purimwodie 20. - 27. Min