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Die Stimme · 1932-03-17 · Heft 219 (17.3.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 219 (17.3.1932)
Date
1932-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nr. 219 — 17. März 1932 sichtbar wurden, scheinen die Keime zu politischer Gegnerschaft schon bald nach Beginn der Kolonisation Palästinas in Form der Chibat-Zion Wurzel gefaßt zu haben. Die jüdische Einwanderung in Palästina brachte einen Kultur- und Geldstrom ins Land, der zwar der autochthonen Bevölkerung zugute kam, dieselbe aber gleichzeitig aus der jahrhundertelangen orientalischen Lethargie weckte und wenig freundliche Gefühle fUr die höherstehenden Einwanderer erregte. In diesem Sinne ist vielleicht eine kleine Episode zu deuten, die ich gelegentlich meines Aufenthaltes in Erez Israel mit der zur Audienz bei Kaiser Wilhelm entsandten zionistischen Deputation erlebt habe. Bei unseren gemeinsamen Streifzügen durch die Stadt ereignete es sich sowohl in Jerusalem als auch in Jaffa, daß kleine Gruppen von Arabern uns in respektvoller Entfernung gestikulierend folgten und mit den Fingern nac! uns weisend, laute Aeußerungen taten, die nach der Uebersetzung des uns begleitenden Dolmetsch ungefälu besagten: «Dort geht der neue König der Juden mit seinen Ministern, die hieher gekommen sind, um mit Hilfe des deutschen Kaisers Palästina für die Juden zu gewinnen.» Stimmungen ähnlicher Art mögen auch die Quelle der Gerüchte gewesen sein, die nach Bekanntwerden unseres Empfanges bei Wilhelm II. in den kaiserlichen Zelten in Jerusalem die Luft in Palästina durchschwirrten. Man munkelte geheimnisvoll von bevorstehender Verhaftung der zionistischen Delegation, ja sogar von einem geplanten Attentate auf dieselbe u. dgl. Auch nach Abzug der durch überhitzte orientalische Phantasie und provinzlerische Sensationslüsternheit bedingten Uebertreibungen beunruhigten die uns in Jaffa zugeflüsterten Gerüchte unseren Führer derart, daß er beschloß, die Heimreise unverzüglich anzutreten. Da aber für die nächsten Tage kein Passagierschiff in Jaffa zu gewärtigen war, entschloß sich Herzl zur Fahrt nach Alexandrien einen gerade vor Anker liegenden, den Orangentransport zwischen Jaffa und Alexandrien versehenden englischen Dampfer zu benützen. Das Boot führte keine Passagiere, hatte nur eine einzige kleine, unmittelbar an die Schiffsmaschine stoßende Kajüte, die wegen ihrer Kleinheit, ihrer unerträglichen Temperatur und ihres noch unerträglicheren Geruches nach ranzigem Schmieröl ganz unbrauchbar war. Der Kapitän nahm uns fünf nur ungern mit. Gleich nach der Abfahrt von Jaffa setzte der vorausgesagte Sturm ein und unser Boot wurde zu einem recht ungemütlichen Spiel der Wellen. Wir mußten während der ganzen Ueberfahrt auf dem Fußboden des kleinen Decks liegen. Stehen oder Sitzen war unmöglich, zumal alle meine Freunde seekrank waren (der arme Wolfsohn sogar recht bedenklich). Es war eine jämmerliche Fahrt. Und doch war Herzl froh, sie nicht verschoben zu haben. Traute er den Arabern nicht? Ahnte er die Zukunft voraus? Aus den Anfängen des jüdischen Nationalfonds Von Dr. Hugo Benedikt. Das zionistische Landeskomitee, welches sich für Gesamt-Oesterreich inkl. Bosnien unter Leitung des Dr. S. Krenberger im Jahre 1900 konstituierte, übertrug mir Jas Nationaifonüs-Referat. In diesem Landeskomitee safj Dr. Wolfgang Marmorek, Nathan Groß, Dr. Engländer, Fräulein Weiß und meine Wenigkeit. Ich sah mich zunächst um Mitarbeiter um und hatte das Glück, aus der damals zahlreichen Studentenschaft und aus dem Handc'sgeiiiüenvercin «Jordania» eine Anzahl ganz ausgezeichneter Mitarbeiter zu finden. Von den Studenten Hugo Zuckermann, Körner, Michael Zweig, Darnau, Sn'.esbach, Low, Bc:r und Jochanan Thau und aus der «Jordania» Strauß, Koilina, Groß u. a. Außerdem leistete uns ein Herr Bh: n Bc.v er der Länderbank außerordentliche Dienste in bezug auf seine Kenntnis in der Phd'dede. Vv ,r j.j.i a. .• v .1 o Unr nachmittags an b' i in die Nach? i.i einem kleinen Kabinette, Türkenstraüc 9. Ich selbst war Finanzkonzeptspraktikant und hatte also den ganzen Nachmittag Zeit. Da man es von Staatsclienern nicht gerne sah, wenn sie sich irgendwie öffentlich beiäd' ten, ..abe ich meine Tätigkeit unter dem Namen Ben Hug betrieben. Ich muß noch heute mit Rührung daran denken, mit welcher ungeheuren Hingabe die jungen Leide n>ho. et'.* . v auch ein gewaltiges Pensum zu bewältigen, wenn man bedenkt, daß wir alle Briefe handschriftlich erledigen mußten. Es liefen täglich 30 bis 40 Anfragen ein. Außerdem brachte die Marken- und Stanniol-Aktion eine Unzahl Pakete, deren Inhalt gesichtet werden mußte. Wir hatten das Bestreben, in jedem Orte, in welchem eine größere Menge von Juden lebte, einen Nationalfonds-Kommissär einzuset2en, welchem wir den Verkauf von Nationalfonds-Marken, die Ausgabe und Ueberwachung von Büchsen und Sammelbögen an Vertrauensleute übertrugen. Es war keine Kleinigkeit, den Wissensdurst dieser Nationalfondskommissäre zu befriedigen. Noch schwieriger war es, die zahlreichen Anregungen, welche oft die kuriosesten Ideen enthielten, ohne Beleidigung des Erfinders abzulehnen. Wir arbeiteten uns jedoch nach Jahresfrist derartig ein, daß jeder ein Spezialreferat hatte. Es entwickelte sich zugunsten des Nationalfonds ein reger Wetteifer, ob die Marke, die Büchse oder der Bogen das größere Erträgnis im Monate abliefere. Mit größter Spannung sah man den Sammelberichten der «Welt» entgegen, welche Gesinnungsgenosse Pollak unter den Argusaugen des Oberst von Eis zusammenstellte. Dieses Nationalfonds-Referat hat aber bald seine Tätigkeit weit über die Grenzen Oesterreichs ausgedehnt, wir hatten ein gewisses Renommeee in der zionistischen Welt erlangt, demzufolge von aller Welt an uns Anfragen kamen, so daß wir von dem Nationalfondsreferenten des Aktionskomitees, Herrn Ingenieur Johann Kremenezky, mit der Aufgabe betraut wurden, unsere Organisation und Erfahrung den anderen Ländern bekannt zu geben. So entwickelte sich eine sehr rege internationale Korrespondenz. Speziell als die Büchsen herauskamen, hatten wir eine ganz außerordentlich lebhafte Tätigkeit. Die ersten Büchsen, welche in Dresden hergestellt wurden, wurden ja bekanntlicherweise nur gegen eine Kaution von 1 Krone abgegeben. — Aus diesem kleinen Detail wolle ersehen werden, mit welcher Opferwilligkeit die damaligen Gesinnungsgenossen arbeiteten, da sie nicht nur die Arbeit des Sammelns auf sich nahmen, sondern noch für die Erlangung des Sammelmittels aus eigener Tasche Geld hergaben. Wie vielleicht nicht allen bekannt ist, stellt die Nationalfondsbüchse ein Buch dar (die Bibel), daran anknüpfend, daß wir das Volk des Buches sind. Auch dieser Gedanke stammt aus dem Kreise meiner Mitarbeiter. Von diesen Mitarbeitern leben Zuckermann und Groß nicht mehr, Spiesbach ist als Ingenieur nach Süd- Afrika ausgewandert und verschollen, die übrig bleibenden sind unter den Reihen der aktivsten Zionisten zu finden, ein Beweis, daß die Schulung im Dienste des Nationalfonds von bleibendem Werte gewesen ist. Das Jubeljahr Von Dr. Josef Löwenherz. Ich bin kein Freund von Jubiläen, — gebe jedoch zu, daß der Jüdische Nationalfonds eine Ausnahme begründet. / Nicht nur die zionistische Organisation, das ganze jüdische Volk hat Grund, den 30jährigen Bestand des Nationalfonds zu feiern und die Idee des Keren Kajemeth zu preisen; denn dieser Fonds bildet das Eigentum des ganzen jüdischen Volkes, bringt die Idee des Volkseigentums zum Ausdruck, verhindert die Bodenspekulation und ermöglicht die Ansiedlung junger, lebensfreudiger und opferwilliger Menschen auf dem unveräußerlichen Grund und Boden des jüdischen Volkes. Ich erinnere mich noch an die ersten Sammlungsversuche vor 30 Jahren. In meinen Ohren klingt noch der Spott, mit welchem unser Sammleridealismus gedämpft werden sollte. Mit «Groschensammlungen» — sagten damals die Ueöerklugen — «will man Palästina bauen», und dennoch ist es in diesen 30 Jahren gelungen, 300.000 Dunam des heiligen palästinensischen Bodens zu erwerben und 3 Millionen engl. Pfund dem Keren Kajemeth zuzuführen, einen Kranz jüdischer Kolonien zu schaffen, Waldungen aufzuforsten, Bewässerungsanlagen durchzuführen und den steinigen oder zum Teil sumpfigen Boden in blühendes Land zu verwandeln. Vor allem gelang es, den Idealismus der Jugend zu wecken und immer neue Generationen in den Dienst des Keren Kajemeth zu stellen. Dieser Idealismus bezwang die Gegner, begeisterte die Gleichgültigen, erfüllte mit Stolz jeden Juden, der für den Keren Kajemeth eine Leistung zu vollbringen vermochte. Die blaue Büchse eroberte das jüdische Haus und erinnert täglich den Juden an seine Pflichten Erez- Israel gegenüber. Das Goldene Buch ist zum Ehrenbuch des jüdischen Volkes geworden. Die neugepflanzten Waldungen Palästinas sind ein Symbol der Liebe der jüdischen Massen für Erez-Israel und stellen das eindrucksvollste Denkmal dar für die Verdienste großer Männer und Frauen um das jüdische Volk und das jüdische Land. Keren-Kajemeth teilt Freude und Leid mit den Juden der ganzen Welt. Er begrüßt das Kind bei seiner Geburt, ist ihm ein treuer Gefährte durch das Leben und begleitet ihn bis in den Tod. Jeder freudige und traurige Anlaß gibt der jüdischen Familie die Möglichkeit, an Palästina zu denken und auch durch eine geringe Spende die Verbundenheit mit Erez-Israel zu bekunden. Als Herzl die Parole gab: «Erobert die Kultusgemeinden», wollte er diese offiziellen Vertretungen der jüdischen Gemeinschaften zum Träger des Aufbaugedankens Palästinas machen. Die zionistischen Mandatare im Wiener Kultusvorstande haben es seit Jahren als eine ihrer vornehmsten Pflichten erachtet, das Interesse für den Aufbau Palästinas zu wecken und die Kultusgemeinde zu veranlassen, das Aufbauwerk zu unterstützen. Ohne Unterschied der Parteien hat die Kultusgemeinde das Werk des jüdischen Arbeiters, des jüdischen Intellektuellen, des jüdischen Gewerbetreibenden und der jüdischen Institutionen in Palästina zu fördern! Zum Ruhme der Wiener Kultusgemeinde sei gesagt, daß sie dieser Parole der zionistischen Mandatare Folge leistet und beispielgebend für andere Kultusgemeinden wirkt. Man erfüllt ein religiöses Gebot, wenn man Zion gedenkt! Man erfüllt soziale Pflichten, wenn man das Aufbauwerk Palästinas zum Gemeingut des jüdischen Volkes in der ganzen Welt macht! Man dient der jüdischen Lehre, wenn man die Er- Im Jubeljahre des jüdischen Nationalfonds wollen wir an Zion denken und unsere Leistungen vergrößern!! Der Keren Kajemeth und die Wjzo Von Sofie Löwenherz. Die Förderung des K. K. L. gehört zum Programm der WIZO, die es als eine ihrer vornehmsten Pflichten ansieht, ihre Kräfte auch in den Dienst der Erlösung des Palästinabodens zu stellen. Der K. K. L. bildet die Grundlage jeder Frauenarbeit in Erez Israel. Auf dem Boden des jüdischen Nationalfonds befinden sich bedeutende Institutionen der WIZO in Palästina. Dankbar erinnert sich unsere Organisation daran, daß das Direktorium des K. K. L. es ermöglicht hatte, die erste landwirtschaftliche Mädchenschule in Nahalal sowie das Hostel in Tel-Aviv zu errichten. So ebnete man der jüdischen Frau den Weg zur Arbeit am Lande, so entwickelte sich der innige Kontakt zwischen der jüdischen Frau und dem heimatlichen Boden. Die jüdische Frau tritt in immer stärkerem Maße in die Reihen der Helfer am großen Aufbauwerke des Judenlandes und steht unter den Kämpfern für die Erlösung des Bödens in Palästina in erster Reihe. In allen Ländern der Diaspora stellt sie sich der Propaganda für den K. K. L. zur Verfügung und leistet hier, besonders im eigenen Heim, vorbildliche erzieherische Arbeit. Die jüdische Mutter, die mit der K. K. L.-Arbeit verbunden ist, pflanzt in die Seele des jüdischen Kindes die Liebe zum jüdischen Land. Die blaue Büchse in ihrem Heim erinnert sie täglich an die Verpflichtungen Erez-Israel gegenüber und ermöglicht, die Verbundenheit der jungen Generation mit dem Lande herzustellen. Im Jubeljahr des K. K. L. hoffen wir, unsere Leistungen zu vergrößern! Jugend und Keren Kajemeth Von Marie Pollak. Die Arbeit im KKL. war für die Jugend stets von besonderer Anziehungskraft, weil dieser Fonds quasi als Verwalter unveräußerlichen Volksbesitzes gilt und gleichzeitig die moderne Form der sozialen Bodengesetze der Bibel verkörpert, was sowohl dem nationalen als auch sozialen Empfinden der Jugend entspricht. Eine besondere Bedeutung des KKL. für die Erziehungsarbeit im Zionismus liegt darin, daß dieser einzige Fonds trotz widerstreitender Kritik an seinen Arbeitsmethoden vom parteipolitischen Betriebe freigebliebcn ist. Wenn aber die Betätigung der Jugendlichen Im KKL. für den Führer stets ein wichtiges Erziehungsmittel * war, so ist dessen Bedeutung gegenwärtig deshalb besonders groß, weil jetzt, wo die Tore Palästinas für die zionistische Jugend gesperrt sind und die Erziehungsarbeit sich hauptsächlich mit der theoretischen Vertiefung des zionistischen Gedankens und des Wissens ums juucutuin «fassen muß, der Bodenfonds allein die Verbindung mit der Heimaterde darstellt und die Möglichkeit gibt, die Phantasie des Jugendlichen mit idealen Zukunftsbildern zu beschäftigen. Mit Rücksicht auf die Fülle des Materials bringen wir die weiteren bei uns anläßlich des Doppeljubiläums eingelaufenen Artikel der Gesinnungsgenossen Dr. Isidor Schallt, Rabb. Jakob Friedmann, Rob. Salomon Friedmann, Löbl Taubes, Berta Berger, Mendel Singer» S. Picker ln unserer nächsten Nummer zufti Abdruck. ttei Kcrait KajemtfS* Puvlmwochtt 20. bis 26. März 1939 lUBILKUMSAKTIOH I

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