Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 219 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Oettorreich naonatlieb S 1‘50, vtanei* jährl. S 4 20, ganalährl. . . . S 16*— I )«utachld. viana) lährl.. , . RM V— Tuch a c ho*l o»a kai viertalj. . Ke 24’— luqoalawian viarial lährl. « Din. 40' — Po an vierieljihr lieh . . Zloiy t> SO Unjtam vienaljähr lieh . . Fango 4 20 Ruminian viertaljähri.. . I-a> 120 — ahrigat Ausland vienaljähr!. Schw. Franken 4 50 PURIMNACHT ih TELAVIV 19. MARZ 1932 SOPHIENSILE BEZUGS. BEDINGUNGEN Jtidistfie Zeitung Preis 35 g Erscheint jeten Donnerstag Redaktion und Administration Wien, I , Kärntner Straße 28 Tel R 27 4 86' Postsparka' koriu:''; Oesterr. Dl -*j Polen . . . J laihetho- Slowakei .' -*■ fugoslawiei 0 £ ----- > 11 5. lahrgang Wien, Donnerstag, 17. März 1932 (9. Weadar 5692) Nun Juden! Zionisten! Der Keren Kajemeth, die Schöpfung Prof. Schapiras, Theodor Herzig und Johann K r emenezkys, wurde aus kleinen Anfängen ein Instrument der nationalen Befreiung. Er ermöglichte die Entstehung von T e 1 - A v 1 v, der ersten jüdischen Stadt der Welt seit dem Verlust der jüdischen Selbständigkeit. Er besitzt durch den Erwerb der Haifa-Bucht den Schlüssel zur Erweiterung Haifas, der von Herzl vorausgeahnten Stadt der Zukunft Auf seinen Farmen schuf er den Typus des Chaluz, der die Verwurzelung des Volkes im heimatlichen Boden gewährleistet In dem von ihm erlösten Emek erstand der selbstarbeitende Siedler. Er erlöste bedeutende Teile der Pflanzungszone in der Sarona-Ebene zwecks Schaffung einer dichten Volkssiedlung. , Für den Bedarf der Mittelstandssledlung stellt er bedeutende Teile seines Sarona-Besltzes zur- Verffigung. Der Keren Kajemeth hat 300.000 Dunam für das Volksganze erlöst. 32 Prozent des jüdischen Besitzes in den fruchtbarsten Zonen des Landes gehören ihm. Der Keren Kajemeth hat seine Pflicht getan. Im 30. Jahre seines Bestandes ruft er Euch zu großen Opfern für die Jubiläums-Aktion aut Antwortet durch Taten. Landeskommission des Keren Kajemeth. Zionistischer Landesverband. Misrachi. Union der Zionlsten-Revislonisten. Verband radikaler Zionisten. Vereinigte zion.-soz. Arbeiterorganisation (Poale Zion-Hitachduth). «WIZO». Präsident Prof. De. Alois Piek Uber den Jüdischen Naiionatfonds Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. Alois Pick, schreibt: Es kann sich wohl niemand der Bedeutung verschließen, welche für uns Juden dem Boden Palästinas, auf dem man Schritt für Schritt den Erinnerungen an die Bibel und die biblische Zeit begegnet, innewohnt. Niemand wird seine Bewunderung dem Aufbauwerke versagen, das dort geleistet wurde. Und so freut es mich Immer wieder von Besuchern des heiligen Landes die Schilderung dessen zu vernehmen, was die Jungen, von reinstem Idealismus beseelten Pioniere für die Wiederbelebung des Bodens in aufopferungsvoller Arbeit vollbracht haben. Wien, //. März 1932. Prof. Dr. Alois Pick, General-Oberstabsarzt d. R. 50 Jahre Bilu — 30 Jahre KKL Von Adolf Böhm, Wien. Das Jahr 1882 ist das Geburtsjahr des modernen Zionismus: Im Osten die Bilu, im Westen (in Wien) die Gründung des ersten jüdisch-nationalen Studentenvereines, der Kadimah. Die Bilubewegung zeigte alle Merkmale einer Revolution des inndUn und äußeren Lebens. Der intellektualisierte, assimilierte, städtische jüdische Hochschulstudent wurde blitzartig erfaßt von dem Gedanken einer völligen Umkehr: Statt Russisch — Hebräisch, statt Rußland — Erez Israel, statt Entwurzelung — Rückkehr zum Boden, physische, statt geistige Arbeit. Eine solche, dem Intellekt völlig unverständliche und unfaßbare Umkehr dringt aus den tiefsten Schichten des Unbewußten, hat religiösen Charakter. Ein halbes Jahrhundert moderner zionistischer Bewegung hat uns gegen die Tatsache der Pionierbewegung abgestumpft. Wir haben vergessen, daß die Bilu keine unmittelbaren Nachfolger hatten und sich dieses Wunder der Umkehr von Zeit zu Zeit immer aufs neue wiederholte, zuerst in den Jahren der russischen Revolution von 1904/05 und dann bei Kriegsende, als Trumpeldor die neue Chaluzbewegung schuf. Diese Erscheinung, daß es sich in der Bilubewegung nicht bloß um ein einmaliges Auffiammen einer revolutionären Idee handelte, verbürgt, daß sie dem verdrängten, tiefsten Sehnen des Volkes Ausdruck gab, daß diese Nation von Händlern und Gelehrten tatsächlich nichts inbrünstiger erstrebte, als zur heimatlichen Scholle zurückzukehren. So elementar in der Bilubewegung die uralte religiös geweihte Verknüpfung von Erez Israel mit dem Schicksal des Volkes zum Ausdruck kam, so wenig Klarheit herrschte in dieser gefühlsstarken und phantasievoilen Bewegung über die Mittel zur Verwirklichung ihrer Ideale. «Ailjah-Aufstieg nach Erez Israel» war die Losung. In der Praxis der harten Wirklichkeit kamen in Palästina, der damaligen von den Türken verwahrlosten Provinz, die wenigen Studenten, die sich bis dahin durchschlagen konnten, in arge Bedrängnis. Der jüdischen Arbeit fehlte zwar nicht der jüdische Boden, aber dieser war damals kein nationaler Boden. Auch die zweite Welle der Pioniere, jene von 1904/05, hatten es unendlich schwer mit «Kibbusch Ha Awoda» (Eroberung der Arbeit), insolange nicht — ab 1908 — der Boden des Keren Kajemeth sie aufnahm. Nicht nur deshalb feiern wir Bilu- und K. K. L.-Jubiläum in einem, weil sich gerade fünf und drei Jahrzehnte runden, sondern weil nationaler Boden und Chaluziuth praktisch und ideell eng miteinander verbunden sind. Volksbo&en und Selbstarbeit, eines wäre ohne das andere nur unvollkommen und nicht imstande, das nationale Ideal restlos zu verwirklichen. Es ist sicher eine Schicksalsfügung, daß ein Mann, der der Bilubewegung angehört hat, Ussischkin, an die Spitze des K. K. L. trat im Momente, wo dieser seine neue und große Arbeit begann. Die Idee des Keren Kajemeth ist uralt, auch in ihrer modernen Form ist sie fast so alt wie die Bilubewegung, denn Schapira legte schon 1884 der Kattowitzer Chibath-Zion-Konferenz den Plan eines Nationalfonds vor. Es ist bezeichnend und im jüdischen Geist begründet, daß das Wort «nationaler» Fonds im Zionismus anders als sonst bei politischen Bewegungen, nicht für einen Fonds des Kampfes benützt wird, sondern für den Erlöser der heimatlichen Scholle, die das Symbol des friedlichen Lebens ist, des Lebens mit der Natur und ihren geheimnisvoll erneuernden Kräften. Und das Wort «Kajemeth» — beständig, dauernd, ewig — ist nicht nur ein Fachausdruck dafür, daß der Boden in dauerndem Besitz des Volkes bleibt, sondern ein Ausdruck des Willens des Am Olam, des «ewigen» Volkes, zu beharren, um seine Sendung immer aufs neue zu erfüllen. Das Doppeljubiläum, das wir begehen, ist keine Parteifeier. Bilu — das bedeutet die Rückkehr des jüdischen Menschen zur Erde der Urheimat nach fast 2 Jahrtausenden der Verbannung, KerenKajemeth — das ist die soziale Erleuchtung Israels, in der es die dauernde Sorge für den einzelnen einbettet in die Sicherung der Zukunft der Gemeinschaft, die allein Herrin sein soll über die letzte Grundlage der Gesundheit, Entwicklung und Zukunft des einzelnen wie des Volkes: Den Boden. Es sind überindividuelle geschichtliche und seelische Mächte, die im jüdischen Volke diese großen Erneuerungstaten bewirken. Empfindung ist es, die uns, die Diener dieser Erneuerung, heute mehr denn je erfüllt und uns die Kraft gibt, gegen alle Ungunst der Zeit zu wirken für das, was aus dem Ewigen kommt und in das Ewige geht. Erlösung des Bodens Von Dr. David Feuchtwang Adam mea-damahl Ein Stück Grund und Boden soll der Mensch sein eigen nennen, dannlstereinMensch. Diesen Fundamentalsatz alten, klassischen Judentums kann nur ein Mann geprägt haben, der die Kraft des Schaffens auf eigenem Erdreich verspürt, oder sie schmerzlich vermißt hat. Gilt das vom Judentum, dann um so mehr vom Volk. Wer kann und darf die segenerfüllte Arbeit des «Keren Kajemeth» verkleinern oder gar leugnen? Wer wird nicht willig zum Ankauf von Boden in Erez Israel seinen Beitrag leisten? Ganz richtig spricht man von Erlösung palästinensischen Bodens, nicht nur von Ankauf. Dreißig Jahre seit Bestehen dieses Nationalfonds sind schlagender Beweis für seine Notwendigke;t. Sie waren aber nur möglich durch die fünfzig Jahre seit Neugeburt von Chibbat Zion, die in wirklich jüdischen Kreisen seit Beginn der Galuth nie aufgehört hat und nie aufhören darf. Liebe zu Zion ist gleichbedeutend mit Opferbereitschaft für Zion. Und indem wir dort aufbauen, bauen wir für das jüdische Volk der ganzen Welt; für uns und kommende Geschlechter. Dieser Bau aber ist gleichzeitig Baustein für Welt und Menschheit. Araber und Zionismus Eine Reminiszenz von Dr. M. T. S c h n i r e r. Obgleich die ersten Anzeichen politischer Strömun* gen unter den palästinensischen Arabern erst mit dvni Einsetzen der jungtürkischen Revolution im Jahre 19Q§