Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 218 (10.3.1932)
- Date
- 1932-03-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 218 — 10. März 1932 DIB STIMME Seite 7 Makkabiah Jedes Volk einen Heldentypus. Jede historische Epoche sein Ideal. Als Volkshekl der alten Philister trat im Kriege der riesengroße und schwerbewaffnete Goliath auf. Ihm gegenüber stand der jugendliche David, der durch seine geistige Reife, Kühnheit und idealistische Begeisterung seinem bärenschweren Gegner überlegen war. Auch unser legendäre Samson war solange körperlich gewaltig, solange er im Dienste der jüdischen Volksbefreiung stand. In dem Augenblick, wo er sich von der schönen Dalilah belehren ließ, verlor er seine Kräfte und wurde «wie einer aus dem Volke». Im Mittelalter war die Askese, die Fleischabtötung, Sinn des Lebens. In unserem heutigen Zeitalter werden Muskelstärke und Kampfrekordc glorifiziert. Sind die Juden, Kinder des Ghetto und des Beth- Hamedrasch, gegen Manneszucht, gegen leibliche Geschmeidigkeit und turnerische Leistungen? Oder haben die Moralisten recht, wenn sie behaupten, unsere junge Generation, vom abendländischen Licht geblendet, stellt das Muskeljudentum dem Geistesjudentum gegenüber und eine Athletenmuskulatur, die sie als Muster und Folge der gewährten Emanzipation preist? Die jüdische Renaissancebewegung ist durch eine neue von der größten Jugendorganisation Makkabi ins Leben gerufene Weltsportvcranstaltung, Makkabiah genannt, reicher geworden. Wird diese Makkabiah, die demnächst in Palästina zum ersten Mal stattfinden wird, der üblichen Olympiade gleichgestellt werden, wo Körperkultur als Kultus und Meisterschaften als besondere Tugend, gekrönt werden? Oder soll dieses internationale jüdische Sportfest von der urjüdischen Gesinnung getragen werden, vom Streben nach einer Verbrüderung der jungen Juden im Lichte der Erlösung des Volkes und des Landes, von dem Bestreben nach einem sinnreichen Leben? Die nächste Zukunft wird uns zeigen, wohin die Makkabiah gerichtet ist, gegen den Olymp oder gegen Sinai.... Eine kleine Bürgschaft für die jüdische Orientierung der Makkabiah besitzen wir schon jetzt: die Turner, die nach Palästina zur Makkabiah fahren, betrachten ihre Palästinareise nicht als eine private Vergnügungsreise, sondern als eine Pilgerfahrt ins Land der Makkabim, in das Land, das erlöst, aufgebaut und in friedlicher harter Arbeit in die jüdische nationale Heimstätte verwandelt werden soll. Die Eltern der jungen Makkabiah-Teilnehmer waren es, die vor dreißig und vor fünfzig Jahren in hingebungsvoller, oft unterirdischer Arbeit mit der Erlösung des heiligen Bodens begonnen und so die Voraussetzung und die Möglichkeit des Zustandekommens der Makkabiah in 1932 geschaffen haben. Die Makkabiah ist ein Glied in der Kette, die jüdische Geschichte heißt, ist ein Kind der Befreiungsbewegung und soll wiederum die in der Zerstreuung verloren gegangene Harmonie zwischen Körper und Geist, zwischen Volk und Land hersteilen. Der Weltmakkabi hat sich verpflichtet, die Jubiläumsaktion des Jüdischen Nationalfonds in allen Ländern durchzuführen. Auch in der Schweiz sind unsere Turner am Werke. Die jüdische Oeffentlichkeit erwartet einen großen Erfolg für die Erlösung des heiligen Bodens durch die Makkabisten und wünscht einen «Masal-Tow» der ersten Makkabiah in Tel-Aviv, an der auch die Schweiz vertreten sein wird. M. N. XIV. Delegiertentag des Gesamtvetbandes jüdischer fiuchschüler Oesterreichs „|udäa“ Der am 13. Februar 1932 vertagte Delegiertentag fand am 6. März d. J. seine Fortsetzung. Hiebei wurden die ver- »chiedensten Fragen einer eingehenden Beratung unterzogen. Unter anderem wurden auch folgende Beschlüsse und Resolutionen gefaßt. 1. Der Delegiertentag ersucht den Jüdischen Hochschulausschuß, Schritte zur Gründung eines Kuratoriums einzuleiten, dessen Aufgabe es sein soll, einen Fonds aufzubringen, der zu einer «Uberrabbiner Dr. Chajes-Gedächtnisstiftung» der jüdischen Studentenschaft verwendet werden soll. Aus dieser Stiftung soll alljährlich ein Preisausschreiben über ein Thema jüdisch-wissenschaftlichen Inhaltes veranstaltet werden. Die Verteilung der Preise soll am Todestage des sei. Oberrabbiners Dr. Chajes erfolgen. Die Ausarbeitung der genauen Bestimmungen wird dem Hochschulausschusse übertragen. 2. Der D. T. beschließt, den Namen «Gesamtverband jüdischer Hochschüler „Judäa“ mit sofortiger Wirksamkeit in «Jüdische Studentenschaft Oesterreichs» abzuändern. 3. Der D. T. nimmt die Bemühungen des abtretenden Hochschulausschusses in Angelegenheit des Studentenheimes dankend zur Kenntnis; er stellt aber fest, und schärft es dem künftigen Hochschulausschuß ein, daß diese Lösung nur als eine provisorische zu betrachten sei und daß weiterhin alle Schritte zur Gründung eines eigenen jüdischen Studentenheimes, vor allem durch direkte Fühlungnahme mit der Stifterin, mit größter Energie unternommen werden sollen. 4. Der D. T. verwahrt sich in schärfster Weise gegen alle Einmengungen seitens anderer Organisati'onen in Angelegenheiten der jüdischen Studentenschaft und stellt fest, daß ausschließlich der jüdische Hochschulausschuß befugt ist, in hochschulpolitischen Angelegenheiten für die jüdische Studentenschaft offizielle Schritte zu unternehmen. 5. Der D. T. erhebt schärfsten Protest gegen die barbarischen Ueberfälle auf jüdische Studenten an den Wiener Hochschulen und gibt seiner zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß die gegenwärtigen Rektoren der Wiener Hochschulen, in Erkenntnis der Niederträchtigkeit und Feigheit der planmäßig organisierten Ueberfälle überwiegender Mehrheiten auf einzelne jüdische Studenten, energische Maßnahmen ergreifen werden, um diese, dem Rufe der Wiener Hochschulen schädlichen und dem Geiste der Hochschule widersprechenden Vorfälle für alle Zukunft zu verhindern. 6. Der D. T. erklärt es als Ehrenpflicht der jüdischen Studenten, der «Haganah» beizutreten, in dieser Stunde der Not auf den Wiener Hochschulen ermächtigt der D. T. den künftigen H. A. jeweils im Einvernehmen mit den Obmännern der einzelnen Fachvereine und dem Vorstande der «Haganah», Anordnungen zwingenden Charakters in bezug auf die «Haganah» zu erlassen und nötigenfalls diese Anordnungen unter bestimmte, vom Hochschulausschuß nach freiem Ermessen zu beschließende Sanktionen zu stellen. 7. In Anbetracht der besonders großen Not der Mehrheit der jüdischen Studentenschaft protestiert der D. T. des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler auf das energischeste gegen die ungerechte Erhöhung der Studiengebühren an den Hochschulen Oesterreichs. 8. Der D. T. bringt den Mitgliedern der «Judäa» in Erinnerung, daß die Zugehörigkeit zur «Judäa» mit der Mitgliedschaft in irgendeiner anderen studentischen Gesamtvertretung unvereinbar ist. 9. Der D. T. protestiert gegen die Stellungnahme des Kanzlers Magnes anläßlich der letzten Vorfälle an der hebräischen Universität in Jerusalem. Er mißbilligt auch, daß politische Divergenzen mit unwürdigen, beziehungsweise mit der Ehre der hebräischen Universität unvereinbarlichen Mitteln ausgetragen werden. 10. Der D. T. fordert das Kuratorium der hebräischen Universität auf, die Umwandlung der Universität in eine Volllehranstalt durch Schaffung jener Fakultäten, deren Existenz zur Behebung der jüdischen Studentennot in der Galuth erforderlich ist, ehestens durchzuführen. In Anbetracht der Not der Zeit wird das Kuratorium der hebräischen Universität aufgefordert, dahingehend zu wirken, daß statt der zweifellos wichtigen Lehrkanzeln, wie sie in letzter Zeit gegründet wurden, eher Geldmittel zur Schaffung der lebenswichtigen Fakultäten aufgebracht werden. Der D. T. lehnt alle Bestrebungen ab, die geeignet wären, die langjährige Hoffnung der jüdischen Studentenschaft auf die hebräische Universität, als eine in nationalem Geiste geleitete Lehrstätte, zu gefährden. Der D. T. fordert das Kuratorium der hebräischen Universität dringend auf, bei den maßgebenden Stellen zu erwirken, daß für jene Studenten, die notgedrungen aus der Galuth zu Studienzwecken nach Erez Israel einzureisen beabsichtigen, Einreisezertifikate ausgegeben werden, und sie überhaupt hinsichtlich der Visa jene Begünstigungen genießen mögen, wie sie seinerzeit den verfolgten russischen Zionisten gewährt wurden. Der D. T. fordert das Kuratorium des hebräischen Technikums auf, das Technikum in dem Sinne auszugestalten, daß diese Lehranstalt ähnlich wie die europäischen als Hochschule organisiert werde und daselbst Techniker aller Fächer für den Bedarf des Landes und des nahen Orients ausgebildet werden. Ebenso hält es der D. T. für notwendig, die technischen Vorschulen den Realschulen Europas anzugleichen und ihnen das Recht zu geben, den Absolventen das Abitur zu erteilen. Nachdem noch zahlreiche Dankesresolutionen an die verschiedenen Institutionen, welche sich durch die Unterstützung der jüdischen Studentenschaft verdient gemacht haben, beschlossen wurden, dankte der D. T. auch dem scheidenden Präses abs. phil. Dezsö Weisz für die Bemühungen während seiner zweijährigen Tätigkeit sowie den Beamten des H. A. für ihre Tätigkeit. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen in den H. A. wurden gewählt: abs. med. Viktor Kornmehl als Präses und die Herren Schächter, Dr. Morgenstern, Kains, Diplom-Ing. Balaban, Patron und Nagler als Hochschulausschußmitglieder. Nachdem noch unter großem Beifall des D. T. Dr. Eduard Pachtmann zum Ehrenmitglied der Judäa gewählt wurde, schloß der Vorsitzende nach Absingung der «Hatikwah» die diesjährige Tagung des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs. Der englische Einfuhrzoll gilt auch liir Palästina-Waren London, 2. März. (J. T. A.) Wie der J. T. A. von zuständiger englischer Stelle mitgeteilt wird, gilt der am l.März in Großbritannien eingeführte zehnprozentige Einfuhrzoll auch für Waren aus Palästina. Die Regierung aber hat gemäß dem neuen Zollgesetz die Befugnis, in Zollfragen jedes Mandatsterritorium britischem Territorium gleichzustellen. Es sei darum möglich, daß auf Palästina zu einem späteren Zeitpunkt das Reichsmeistbegünstigungsgesetz Anwendung finden wird und Waren dieses Landes in England von Einfuhrzöllen befreit werden. Bekanntlich hat Prof. S. Brodetsky in der letzten Pressekonferenz der Zionistischen Exekutive erklärt, daß der Kolonienminister sich sehr dafür einsetzt, daß Palästinawaren in England den Einfuhrzöllen nicht unterliegen. Die Lemberger Stadtverwaltung streicht den Zuschuß für den jüdischen Armen-Fonds — Kultuspräsident Jäger demissioniert Lemberg, 29. Februar. (J. T. A.) Der neue Lemberger Stadtpräsident und frühere Vizewojwode Drojanowski hat den bisher von der Stadtgemeinde Lemberg für das Armenwesen der jüdischen Gemeinde geleisteten Zuschuß in Höhe von jährlich 50.000 Zloty gestrichen, ungeachtet dessen, daß die Juden in Lemberg 35 Prozent , der Gesamtbevölkerung ausmachen. Eine Intervention des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Sejmdeputierten Jäger, gegen diese Maßnahme blieb ohne Erfolg. Zum Protest gab Deputierter Jäger seine Demission als Präsident der Kultusgemeinde. Die polnische Regierung und die Makkabiah Warschau, 24. Februar. (J. T. A.) In einer Beratung zwischen dem Präsidenten des polnischen Makkabi Rusecki und dem Leiter des Staatlichen Amtes für physische Ertüchtigung hat der letztere dem polnischen Makkabi eine Subvention von 700 Zloty zur Unterstützung seiner Teilnahme an der Makkabi in Tel-Aviv, ferner die notwendigen Trainingsgegenstände sowie ermäßigte Bahnfahrten, Ermäßigung der Paßgebtihren usw. bewilligt. Ormsby-Gore über die „Juden und Engländer in Palästina“ Im Rahmen einer Veranstaltung des Verbandes palästinensischer Studenten in London hielt der als Freund des Jüdischen Nationalheims bekannte Major Ormsby-Gore, früher Unterstaatssekretär für die Kolonien und in der jetzigen nationalen Regierung Erster Kommissär für öffentliche Arbeiten, einen Vortrag über Juden und Engländer in Palästina. Seitdem ich in Kontakt mit der jüdischen nationalen Bewegung und palästinensischen Angelegenheiten kam, führte Ormsby-Gore aus, hege ich starke Sympathie für die zionistische Bewegung. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, möglichst viel von jüdischem Leben und jüdischen Idealen kennen zu lernen. Vor 14 Jahren war ich in Palästina der Mittler zwischen der Zionistischen Kommission und der englischen Militärorganisation in Palästina, und noch heute betrachte ich es als eine wichtige Aufgabe, ein gegenseitiges Verständnis zwischen Engländern und Juden herbeizuführen. Ormsby-Gore gab eine Charakteristik der nationalen Persönlichkeit und der Eigenart des Engländers und des Juden und meinte, es habe an den obersten Stellen der englischen Regierung und der Zionistischen Organisation in London zu viel politischen Kontakt gegeben, aber es gab nicht genug persönlichen Kontakt zwischen dem einzelnen Engländer und dem einzelnen Juden in Palästina. Hier sollte Wandel geschaffen werden. Die britischen Streitkräfte in Palästina London, 26. Februar. (J. T. A.) In Beantwortung einer Anfrage von General Spears über Zusammensetzung der britischen Streitkräfte in Palästina erklärte der Unterstaatssekretär für Luftwesen Sir Philip Sassoon im Unterhäuser Palästina und Trarisjordanien bilden einen Militärbezirk zu Verteidigungszwecken. Die britischen Streitkräfte in diesem Bezirk bestehen aus zwei Schwadronen der Luftstfe.itkräfte, einer Pa.nzerautokompagnie und zwei britischeaiucl Irtfanteriebataillonen. Die Panzerautokompagnie -bestehLrSQs* Hauptquartier und vier Sektionen Panzerautos. Als Verteidigungsmacht ist ferner anerkannt eine Kompagnie der transjordanischen Grenztruppe, die sich lokal rekrutiert. Der kommandierende Offizier für Luftwesen kommandiert faktisch alle militärischen Operationen in beiden Ländern. Die Panzerautokompagnie ist der Luftverteidigungskraft unterstellt. Warburg legt die Präsidentschaft im Joint nieder New Y o r k, 26. Februar. (J. T. A.) Herr Felix M. Warburg, der seit der Begründung des American Joint Distribution Committee im November 1914, also mehr als 17 Jahre lang, Präsident des Committee war, hat sich entschlossen, dieses Amt niederzulegen. Zu seinem Nachfolger als Präsident des Joint Distribution Committee wurde Herr Paul Baerwald, der seit der Gründung des Committee dessen Schatzmeister war, gewählt. Herr Felix M. Warburg hat erklärt, daß er sich ungeachtet seiner Resignation als Präsident mit der Arbeit des Joint Distribution Committee weiter eng verbunden fühlt. Das Exekutivkomitee hat ihn zum Ehrenpräsidenten des Joint Distribution Committee gewählt. Die Jahresversammlung des National Council des Joint Distribution Committee wird am 26. und 27. März in New York stattfinden. Die Münchener Polizeidirektion verbietet nationalsozialistisches Hetztheater München. (J. T. A.) Der Gau München-Oberbayern der Nationalsozialistischen Partei hat für den 13. Februar zu einer Aufführung des Theaterstückes «Der Kompromißgeist» von Daniel Bauer nach dem Gasthaus «Neue Akademie» eingeladen. Das Stück wurde vor kurzem in der «Neuen Akademie» uraufgeführt. Die zweite Vorstellung hat die Polizeidirektion München mit der folgenden Begründung verboten: «. . . Das Stück der „Kompromißgeist“ will darstellen, daß die Schuld an allem Elend Deutschlands die Kompromisse mit den deutschfeindlichen Mächten, insbesondere mit der internationalen Finanzwelt, verkörpert durch einen jüdischen Bankier, und mit der Geheimdiplomatie tragen. Die Befreiung daraus bringt aber der — auf der Bühne drastisch dargestellte — siegreiche Kampf der S. A., in dessen Verlauf der Bankier und der Geheimdiplomat verhaftet abgeführt werden. Die Aufführung des Stückes würde den Tatbestand eines Vergehens nach § 130 des RSTGB. (Anreizung zum Klassenkampf) erfüllen. Die Veranstaltung war daher zu verbieten.» Sonntag, den 20. März, halb 3 Uhr nachm, im Hotel Post, l veranstaltet von der Zion. Frauengruppe VIII/IX der WIZ0