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Die Stimme · 1932-03-10 · Heft 218 (10.3.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 218 (10.3.1932)
Date
1932-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 218 — 10. März 1932 Aus Palästina «Edison» In Jerusalem wurde das von einem sephardischen Juden errichtete «Edison»-Gebäude eröffnet. Es enthält einen Koneertsaal von 1600 Sitzen. Zur Feier der Eröffnung wurde das Oratorium «Elias» in hebräischer Sprache gegeben. Das Auditorium bestand aus Juden. Christen und Mohammedanern. Schemen Im letzten Jahre hat die Oelfabrik Schemen ihre Produktiön um zehn Prozent erhöht; die Großmühlen in Haifa weisen eine Produktionserhöhung von 15 Prozent auf, die Zementfabrik Nescher von 10 Prozent. Washington-Wald Die amerikanischen Juden beschlossen die Pflanzung eines Waldes von 500.000 Bäumen zu Ehren George Washingtons in der Nähe des Balfourwaldes. Chaluzoth-Heim in Haifa eröffnet Am Sonntag, den 28. Februar, wurde in Haifa das neuerbaute Heim für eingewanderte Mädchen, die sich der Aufbauarbeit in Palästina widmen wollen (Chaluzoth), feierlich eröffnet. Die Kosten der Errichtung des Heims, die 6000 Pfund Sterling betragen haben, wurden von der Pro Palestine League jüdischer Frauen in Amerika aufgebracht. Das Baugelände stellte die Palestine Jewish Colonisation Association (Pica) zur Verfügung. Ein Nachspiel zu den jad Jur-Ausschreitungen Das Jerusalemer Gericht verurteilte den früheren Polizisten Said Kabra zu drei Jahren Gefängnis wegen Irreführung der Polizei und Herauslockung von Geld unter falschen Vorspiegelungen. Said Kabra hat nach den Ausschreitungen bei Jad Jur der Polizei gegen Belohnung Informationen gegeben, auf deren Basis mehrere Beduinen als Schuldige verhaftet wurden. Die Informationen haben sich als falsch erwiesen, woraufhin die Verhafteten freigelassen wurden. Beduinen-Vandalismus Zehn Beduinen wurden unter der Beschuldigung, den das Besitztum des kanadischen Juden Ascher Pierce in der Nähe von Tel Mond umgebenden Zaun niedergerissen, die jüdischen Arbeiter, die dort beschäftigt waren, belästigt und auf dem Anwesen Zelte errichtet zu haben, verhaftet. Auch die den ungarischen Juden Mauthner und Varaby gehörenden Böden wurden von Beduinen widerrechtlich betreten. Auf dem dem Keren Kajemeth gehörenden Boden in der Haifabucht wurden von bisher unbekannten Tätern 800 Eukalyptusbäume herausgerissen. Spuren der Täter führten in das'Dorf Shafrarm. Wirtschaftlicher Informationsdienst Palestine and Egypt Lloyd haben eine neue Abteilung unter dem Namen «Wirtschaftlicher Informationsdienst» begründet, die eine unabhängige Beratungsstelle für Kapitalisten, die nach Palästina übersiedeln oder Geld in Palästina anlegen wollen, sein will. Die Abteilung will keine Ratschläge erteilen, sondern nur Auskünfte liefern, unbeeinflußt von privaten Interessen und propagandistischen Gesichtspunkten. Dem Arbeitsausschuß des Wirtschaftlichen Informationsdienstes gehören an N. D. Kaplan, Anwalt, Chicago-Tel-Aviv; H. Märgulies von der Anglo-Palestine Bank, Jaffa; Dr. W. Senator von der Jewish Agency, Jerusalem; J. Shapiro von der Palestine Electric Corporation, Tel-Aviv; S. Tolkowsky von der Jaffa Fruit Company, Tel-Aviv. Orangen und Honig aus Palästina für die Bata- Fabriken Bei seinem Besuch in Palästina bestellte Herr Th. Bata, der bekannte tschechoslowakische «Schuhkönig» durch den «Palestine & Egypt Lloyd» große Quantitäten von Orangen und Honig für seine Fabrik in Zlin (Tschechoslowakei). Herr Bata bestellte auch Muster von palästinensischem Leder. Ein Führer durch das neue Palästina Fast allen Besuchern, die sich für die Entwicklung des Landes interessieren, sind die Wegweiser in die Hand gekommen, die in den letzten fünf bis sechs Jahren von dem Zionistischen Informationsbureau für Touristen in Jerusalem herausgegeben wurden. Die sechste Ausgabe dieses «Führers durch das neue Palästina» ist soeben erschienen, und zwar in erweiterter Form, mit neuen Illustrationen und einer besonders dafür hergesteliten Karte der jüdischen Siedlungen. Der Wegweiser enthält auf 100 geschmackvoll und gut gedruckten Seiten eine Fülle von Informationen über das Land und die jüdische Arbeit im Lande in allen ihren Zweigen. Es lohnt sich für jeden Besucher Palästinas, bei einem Aufenthalt in Jerusalem das Informationsbureau zu besuchen und sich die Broschüre, die gratis vergeben wird und den erhältlichen Wegweiser bildet, dort aushändigen zu lassen. Einwanderung und Auswanderung im Jahre 1931 Im Laufe des Jahres 1931 landeten 5533 als Einwanderer registrierte Personen in Palästina; davon sind 4075 Juden, 1245 Christen, 1211 Mohammedaner und 2 Angehörige anderer Relgionen. 1346 Personen verließen für immer das Land, davon 666 Juden, 573 Christen und 107 Mohammedaner. Unter den jüdischen Einwohnern sind 233 Personen mit unabhängigen Mitteln, die ein Kapital von L. 1000.— und mehr besitzen, 1603 arbeitsuchende Personen, 66 Studenten, 13 Personen mit religiösen Berufen und deren Angehörige. Unter den nichtjüdischen Einwanderern sind 36 Personen mit unabhängigen Mitteln, 293 Arbeitsuchende und 259 Personen mit religiösen Berufen. Unter den Juden, die, wie angegeben, für immer das Land verlassen haben, waren 138 palästinensische Bürger und 528 Angehörige anderer Staaten. 226 von ihnen fuhren nach den Vereinigten Staaten, 163 nach Polen, 42 nach Zentral- und Südamerika, 51 nach Rußland. Von den jüdischen Einwanderern waren 289 Landwirte, 560 ungelernte Arbeiter, 585 gelernte städtische Arbeiter und Handwerker, 207 Fabrikanten, Kaufleute, Händler usw. sowie Mitglieder freier Berufe. Die Makkabiade Bei einer Pressekonferenz, die im Anschluß an die bevorstehende Makkabiade veranstaltet wurde, erstatteten die Vertreter der Makkabi-Organisation Berichte über die im Gang befindlichen Vorbereitungen. 20 Zweigstellen des Makkabi in 20 Ländern haben ihre Teilnahme zugesagt. Die britischen und arabischen Sportklubs in Palästina sowie arabische Sportklubs in Transjordanien, Aegypten und Syrien sind eingeladen worden. Das Programm umfaßt Tennismatches in Rechowoth und Schwimmwettbewerbe in Haifa. Alle anderen Matches und Sportspiele finden in Tel-Aviv statt. Von der Tätigkeit des Keren Hajessod 13.000 Pfund in Kapstadt aufgebracht Unter dem Vorsitz von Oberstrichter Greenberg fand am 29. Februar abends in Johannisburg eine öffentliche Kundgebung für den Keren Hajessod statt, die von mehr als 3000 Personen besucht war. Die Hauptredner des Abends, Dr. Chaim Weizmann und Dr. Alexander Goldstein, wurden von der zahlreichen Zuhörerschaft enthusiastisch gefeiert. Die jüdische Gemeinde von Johannis bürg hat eine Werbung für den Keren Hajessod unter der gesamten jüdischen Einwohnerschaft von Johannisburg von Mann zu Mann eingeleitet. Aus Kapstadt traf soeben die Nachricht ein, daß in Echte Palästina-Weine aus den bestrenommierten Weinkellereien S. Friedmann & Sohn Haifa, Petach-Tikwah sowie in- und ausländische Primaweine unter Aufsicht Sr. Ehrw. ^n.HDV jrOI 2TTI nur bei der Firma M. Bartfeld Wien, 2., Seb. Kneipp-Gasse 3 Tel. R-49-7-90 dieser Stadt, in der die Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika eingeleitet wurde, bereits 13.000 Pfund für den Fonds aufgebracht wurden und daß die Werbearbeit fortdauert. Die Arbeit in England wird fortgeführt. Seit Oktober 1931 sind bisher £. 1 2.7 62 eingegangen. Von den beim Bankett für Weizmann gezeichneten Beträgen sind bis jetzt über £. 7000.— gezahlt worden. Vertreter der Zioninistischen Föderation in England besuchten verschiedene Städte und in London wurden verschiedene Gesellschaften gegründet, die, wie man hofft, die Keren Hajessod-Arbeit übernehmen werden. An der Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland beteiligen sich zurzeit eine Reihe von Zionisten und Ni c htzion iste n, die sich für Reisen und Vorträge zur Verfügung gestellt haben. Die Keren Hajessod- Sammlungen werden zumeist mit Veranstaltungen der deutschen Sektion der Jewish Agency verbunden und zur Aufklärung über die Palästinaarbeit ausgenützt. Gemeindeaktion. Die Aktion des Hauptbureaus des Keren Hajessod, die die Gewinnung der jüdischen Gemeinden für eine regelmäßige Beitragsleistung für den Keren Hajessod bezweckt, wird weitergeführt. Aus verschiedenen Ländern kommen Nachrichten, daß die lokalen Komitees mit Erfolg diese Aktion unterstützen. Ueberfall auf die Redaktion des „Nowy Dziennik“ in Krakau Vergangenen Montag war das Gebäude des «Nowy Dziennik» in Krakau das Opfer eines unerhörten Ueberfalles, der von einer Bande junger Leute organisiert worden war. Die frechen Huligans, unter denen Augenzeugen Studenten der Bergbauakademie bemerkten, versammelten sich gegen 9 Uhr abends vor dem Gebäude und begannen es mit mitgebrachten großen Ziegeln regelrecht zu bombardieren. Es wurden 17 Scheiben eingeschlagen und nur einem glücklichen Zufalle ist es zu verdanken, daß niemand von den Beamten und Setzern, die gerade an der Arbeit waren, verletzt wurde. Die Sicherheitsbehörden haben sogleich nach der Verständigung energische Schritte unternommen, um die Uebeltäter ausfindig zu machen. Im Zusammenhang mit dem Ueberfall nahm die Polizei Montag nachts in den Lokalen der Nationalen Partei und des «Obwiepol» («Großpolnisches Lager-«) Revisionen vor, wobei zahlreiche antijüdische Flugschriften konfisziert und einige Hochschüler, Mitglieder der Liga des «grünen Bandes», verhaftet wurden. Wieder Ritualmord-Märchen in Syrien Die hebräische Tageszeitung «Doar Hayom» berichtet über eine neue Ritualmordbeschuldigung in Syrien, im klassischen Lande der Ritualmordlegende. In Aleppo wurde ein Araber verhaftet, der einen Sack trug. Als er gefragt wurde, was in dem Sack enthalten sei, erwiderte er: Brennmaterial für die Synagoge. Man öffnete den Sack und fand in ihm einen zerstückelten Leichnam. Bei dem Verhör vor der Polizei legte der Araber das Geständnis ab, er sei von einem Griechisch-Orthodoxen gedungen worden, den Leichnam vor die Tür der Synagoge hinzulegen, damit auf diese Weise gegen die Juden die Beschuldigung erhoben werden könne, sie Hätten einen Ritualmord begangen, um sich Christenblut zu dem bevorstehenden Pessachfest zu beschaffen. Erst im Juli 1929, einen Monat vor den Massakres in Palästina, wurde von der arabisch und französisch geschriebenen Presse in Damaskus und in Beirut eine Ritualmordhetze eingeleitet. Es wurde erzählt, der 60jährige Jude Chatta sei dabei angetroffeu worden, wie er ein geknebeltes fünfjähriges christliches Mädchen in einem Sack zur Synagoge trug. Es stellte sich heraus, daß diese Legende von Anfang bis Ende erfunden war. Trotzdem wurde von christlichen Kreisen in Damaskus die Ritualmordhetze fortgeführt und dabei die Legende vom Ritualmord im Jahre 1840 aufgefrischt. Die Ritualmordaffäre von 1840 in Damaskus, die viele jüdische Opfer kostete, hatte bekanntlich die gesamte jüdische Welt in Erregung versetzt und war mit der Anlaß zur Gründung der Alliance Israelite Universelle. Auch in den Jahren 1892 und 1926 wurde das Judentum in Syrien durch Ritualmordlegenden und -Hetzen beunruhigt. Beide Male gelang es, die Legende zu zerstören, bevor sie Unheil anrichten konnte. Palästina-Reise des Königs Fuad und des Exkönigs Alfonso Aus Kairo wird mitgeteilt, daß König Fuad von Aegypten beabsichtigt, innerhalb der nächsten zwei Monate Palästina zu besuchen. Der Premierminister Sidki Pascha, der unlängst in Palästina geweilt hat, wird den König begleiten. In der ägyptischen Kammer richtete Ibrahim Dassouqui Abbazza an den Premierminister die Frage, was an dem Gerücht wahr sei, daß der Besuch des Premiers in Palästina mit der Abtretung von Territorium Aegyptens an Palästina zusammenhängt, oder ob diese Reise mit der Kalifatsfrage oder etwa mit der Krönung des Exkhediven Abbas Hiimi zum König von Palästina etwas zu tun habe. Der Exkönig von Spanien, Alfonso, ist in Begleitung des Herzogs von Miranda in Jerusalem eingetroffen und hat im Hotel «König David» Wohnung genommen. Er trug sich als «Herzog von Toledo» ein. Ehrungen für Senator Dr. Niemirover Bukarest, 1, März (J. T. A.). In der Sitzung des Senats am 29. Februar beglückwünschten der Innen- und Finanzminister Argetoianu und der Präsident des Senats Sadoveanu in feiirelichen Ansprachen von der Senatstribüne herab den Vertreter des jüdischen Kultus im Senat, Landesrabbiaer Dr. Niemirower, zu seinem 60. Geburtstag. Im Namen des Königs überreichte der Generaldirektor des Kultusministeriums Branisteanu Senator Dr. Niem'irower aus Anlaß seines 60. Geburtstages den Großoffiziersorden der rumänischen Krone. Tiberias-Quellen-Konzession einem Zionisten erteilt Jerusalem (J. T. A.). Der bekannte amerikanische zionistische Führer, Anwalt und Wirtscha tler Bernard Rosenblatt, einst Ehrensekretär, dann Vizepräsident der amerikanischen zionistischen Organisation und früherer Präsident der American Zion Commonwealth, hat mit dem Bürgermeister von Tiberias einen Vertrag über Verwertung der heißen Quellen von Tiberias aogeschlossen. Rosenblatt erhält für fünf Jahre eine heiße-Quellen-Konzession von der Stadt Tiberias, wobei er sich verpflichtet, sofort an die moderne Ausgestaltung der Bäder heranzugehen. Von der Regierung von Palästina erhielt Rosenblatt eine für 40 Jahre geltende Konzession, nach der eine Hot Springs Company mit einem Kapital von 40.000 Pfund Sterling gegründet wird. Dem Vorstand der Company gehören die bekannten palästinensischen Wirtschaftsführer Suprasky und Gesundheit an. Die neue Konzessionsgesellschaft übernahm die Bäder schon am 28. Februar d. J. Der Abschluß des Konzessionsvertrages fand im Regierungshause von Haifa bei Anwesenheit des Gouverneurs des nordpalästinensischen Distrikts, Major Keith-Roach, statt. Bernard Rosenhlatt organisierte als Mitglied des Zionistischen Finanz- und Wirtschaftsrates die Palestine Scctnifes, Inc., deren Präsident er wurde. Auch organisierte er den Verband jüdischer Munizipalitäten Palästinas. Sitzung der Exekutive des International Student Service. In der Zeit vom 27. Februar bis zum 1. März iand die Sitzung der Exekutive des «International Student Service» statt, bei der das Mitglied derselben, Herr Alexander Teich, teilgenommen hat. Die Beratungen umfaßten ein großes Programm, darunter auch die jüdischen Fragen an den verschiedenen Hochschulen Europas. Die Sitzungen fanden unter dem Vorsitz des Engländers Dr. Tatlow im Institut für geistige Zusammenarbeit (Palais Royal) statt und wurden vom Sekretär des Völkerbundes Minister Dufours-Eerence besucht.

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