Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 218 (10.3.1932)
- Date
- 1932-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nf. 218 — 10. Mär* 1932 Olt STIMME Seite 5 Dr. Dawld Malz Zu seinem 60. Geburtstag. Einer der Bahnbrecher und Fahnenträger der zionistischen Idee in Galizien, Dr. Dawid Malz, feiert in aller Stille seinen 60. Geburtstag. Dr. Malz wird erst 60 Jahre alt, trotzdem er schon ein halbes Jahrhundert der Zionsidee dient. Diese ehrenvolle und auch rührende Tatsache soll gleich hier eingangs fast als Unikum festgestellt werden. Als er sich im Jahre 1882 als zehnjähriger Junge zum stillen Chanukahgottesdienst in den kleinen Lemberger Vorstadttempel hineinschlich — war es noch kalt und Öde in der «jüdischen Gass . . . .» Mit seinen kindlichen Augen blickte er damals andächtig und ehrfurchtsvoll zu den Menorahlichtern hinauf und entdeckte bald nachher — wie er uns selbst erzählt — nur durch Zufall eine kleine Chanukahfeier, die in der jüdischen Schule der «Alliance Israelite» stattfand, und bei welcher Dawid Hersch Tiger und Taubes vor einer ganz winzigen «Bubenschar» gesprochen haben. Im Gymnasium ist Malz bald mit den «par nobile fratrum» Abraham und Jakob Korkis zusammengekommen, in deren kleinen Wohnung in der Sobieskigasse der zionistische Gedanke geschmiedet wurde. An den heißen Debatten beteiligten sich: Feld, Hescheles, Gabel, Thon, Ehrenpreis, Schreiber, Rappaport, Segel, Grill, Sprecher, Braude, Frisch und die Brüder Karl und Adolf Stand. Und nur noch ganz wenige gesellten sich zu denen, die vom düsteren Korkis-Zimmer begeistert in die ersten Strahlen der zionistischen Morgenröte geblickt | haben. Erst mehrere Jahre später kamen wir, die ersten I «Haschacharjungen», von Dr. Malz geführt, zu Worte. 1 Dr. Malz war einer unserer ersten Führer, von dem wir das zionistische ABC gelernt haben. I Mit Zipper kam Dr. Malz erst auf der Universität zusammen. In treuer Kameradschaft schritten die beiden zur Formulierung unserer nationalen Postulate, zogen zu dieser : Arbeit noch Abraham Korkis zu und verfaßten so gemeinsam die erste «Phantasten»-BroschÜre unter dem Titel: «Wie lautet das Programm der jüdischen Jugend». Bald nachher erschien unter Dr. Malz’s und Zippers Redaktion die erste zionistische Zeitschrift in polnischer Sprache «Przyszlosc» (Die Zukunft). In dieser veröffentlichte Dr. Malz eine Reihe beachtenswerter Artikel. Später kam Salomon Schiller mit •einem epochemachenden Traktat (ebenfalls in der «Przyszlosc» veröffentlicht) «Unsere nationale Existenz». Und wie Nathan Birnbaum damals dem Dialektiker Schiller den Spitznamen «der Philosoph dos Zipperianischen Zeitalters» anzettelte, so kann behauptet werden, daß Dawid Malz der «zündendste Apostel» des damaligen Zeitabschnittes in unserer Geschichte gewesen und bis heute geblieben ist. Er wanderte monatelang durch ganz Galizien und Bukowina, predigte und organisierte unermüdlich unzählige Zellen unserer Bewegung. Seine Reden kennzeichnet bis heute Phantastik, hinreißende Glut und Bildhaftigkeit, kritisches Feingefühl und Humor, visionärer Ausblick in die Zukunft und eiserne Logik. Aber nicht nur als Orator großen Formates wirkt Dr. Malz schon viele Jahrzehnte. Als geistsprühender Schriftsteller meistert er seine Essays und Aufsätze über allerlei Themen mit einer so prunkvoll brillanten Feder, daß kaum noch eine ähnliche in unserem, nicht geringen Schriftstellerlager zu finden ist. Es drängt sich wahrlich ein kühner Wortspiegelvergleich auf! Man hat den Eindruck, bei der Lektüre der auf elegisch-biblischen Ton gestimmten und mit wundervollen Parabeln geschmückten Essays Dawid Malz’ — König Dawid malz’ig süße Psalmen vor sich zu haben. Diese Note klingt auch aus seinem, stark durch den «Judenstaat» beeinflußten Drama «Dr. Moses Blum», welches in Galizien seinerzeit hundertmal aufgeführt wurde. Dieses Schauspiel verrät den dramatischen Nerv des Autors, seine reife Bühnenkultur und Beobachtungssinn, logischen Aufbau der Handlung und tiefe Kenntnis der jüdischen Seele. Das packende Drama, in welchem Malz so schonungslos die giftstreuende Assimilation (Wilhelm Blum, Klara, Nora) und all die Taufwasserköpfe (Milewski) auspeitscht und verbluten läßt, hier zu würdigen, ist leider unmöglich. Es sei nur gesagt, daß es in mehreren Auflagen erschienen ist. Stand brachte es in seinem «jüdischen Jahrbuch» vom Jahre 1902 heraus. Ebenfalls auf biblisch-elegische Note ist sein schmerzvoll erschütternder Essay über den Tod Herzls gestimmt. In der reizenden Herzl-Literatur ragt noch heute diese Elegie hervor. Aus Dawid Malz* arbeitsreichem Leben wissen wir, daß er lange Jahre Präses des ersten «Zionvereines» in Lemberg war, er nahm regen Anteil an vielen Kongressen, arbeitete in fast sämtlichen unseren Parteibtättern, auch in Wien in Natan Birnbaums «Selbstemanzipation», und stand als einer der ersten Redakteure an der Wiege der «Chwila», in welcher er noch heute wirkt. Verstreut in vielen Zeitschriften finden wir eine große Anzahl seiner geschichtlich wertvollen Aufsätze. Leider besitzen wir bis nun keine einzige Sammlung seiner prächtigen Essays. Diese zum Jubiläum seiner 50jährigen Parteizugehörigkeit herauszugeben, wäre Schuld und Pflicht der polnischen Zionisten 1 Nun kehren wir zum frohen Jubiläumsfeste unseres gutmütig lächelnden 60jährigen Malz zurück. In innigster Dankbarkeit wünscht ihm unsere Organisation aus diesem frohen Anlasse auf seinem Lebenswege unbeugsamen Mut und ungeschwächte Kraft zur weiteren Arbeit, die sich so segensreich für den Zionismus auswirkte. Wir — seine Schüler von der literarischen und journalistischen Parteiwerkstätte rufen unserem Dr. Malz heute jubelnd zu: Ad multos annosl Dr. Karl Rosenfeld. He.rSischer Kulturfonds der Brith IWRIT OLAMir Vom Zentralkomitee des Weltverbandes der Hebraisten (BRIT IWRIT OLAMIT) wird mitgeteilt: Das Zentralkomitee der BRIT IWRIT OLAMIT ist im Einvernehmen mit den Führern der hebräischen Bewegung in Polen, Litauen, Rumänien und den Vereinigten Staaten Amerikas an die Verwirklichung des von der Hebräischen Weltkonferenz in Berlin gefaßten Beschlusses üerb die Gründung des KEREN TARBUTH IWRITH (Hebräischer Kulturfonds) geschritten. Zweck dieses Fonds ist in erster Reihe die Erhaltung und Förderung des hebräischen Unterrichts- und Erziehungswesens. Die Lage der hebräischen Erziehungs- und Unterrichtsanstalten hat sich in der letzten Zeit infolge der außerordentlichen Krise, insbesondere in den osteuropäischen Ländern, dermaßen verschlimmert, daß dieses mit ungeheurer Kraftanstrengung und hingebungsvoller Arbeit aufgebaute Sohulwerk vor dem Zusammenbruch steht. Etwa 75 Prozent aller jüdischen Kinder Litauens, 25.000 Schüler der hebräischen Schulen Polens, 600 Bessarabiens usw. würden dann des hebräischen Unterrichtes und der jüdisch-nationalen Erziehung entbehren müssen. Diese Gefahr abzuwenden, Ist Aufgabe des KEREN TARBUTH IWRITH. Ferner soll dieser Bei Kopiscrnnerzen, nervösen, iheumatischen und gichtischen Schmerzen wirken Togal- Tabletten rasch und sicher. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufenI - ln allen Apoth. - Preis S 2.40 Fonds der Veröffentlichung und Verbreitung hebräischer Literaturwerke und wissenschaftlicher Schriften sowie der ideellen und materiellen Förderung hebräischer Geistesarbeiter (durch Verteilung von Subventionen, Stipendien und Prämien) dienen. Der KEREN TARBUTH IWRITH soll ein Volksfonds sein, der, von den breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung getragen, für den Aufbau und die Gesundung del hebräischen Kulturlebens wirkt. Entsprechend dem Beschlüsse des letzten Zionistischen Kongresses in Basel, der einen Monat im Jahr als Werbemonat für die hebräische Kultur vorsieht, wurde, im Einverständnis mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, der Monat Nissan zum «Monat der hebräischen Kultur» proklamiert. An alle Freunde der hebräischen Bewegung ergeht hiermit der Ruf, sich für die Werbearbeit des KEREN TARBUTH IWRITH bereitzuhalten und sich, um mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen zu können, schon jetzt mit der BRIT IWRIT OLAMIT, Berlin, W. 15, Kurfürstendamm<«l (Telephon: J. 1. Bismarck 1789), in Verbindung zu setzen, I jr*v>vi irr» O ZIONISTISCHES LANDESKOMITEE FÜR ÖSTERREICH Samsfan 19. März 1932 SOPHIEHSXLE Wien III., Harxerq. 17 PURINBALL UNTER DER DEVISE PURINNACHT IN TEUVIV Musik: Tango und Jazzkapelle Mischa / Tanzarrangement: Ballettmeister Fred Erdstein Tombola Kosliimfeslztig Wahl der Königin Esther Viele andere Überraschungen — Koscheres Büfett Beginn halb 21 Uhr Saaleröffnung halb 20 Uhr Einzug halb 23 Uhr lotfenreservteiunaen: Landeskomitee, Wien I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86 Karlen erhältlich: Sekretariat des Zion. Landeskomitee, I, Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86, Zion. Bez.-Sekt Leopoldstadt, II, Praterstraße 13, Tel. R 44-3-45, Bücherstube M. Rath, II, Taborstraße 20a „Mirjam“, I, Jordangasse 7 und bei allen Komiteemitgliedern ä Eintrittskarten: 6 Schilling