Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-03-03 · Heft 217 (3.3.1932) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 217 (3.3.1932)
Date
1932-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3053972--2828-3058276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 217 — 3. März 1932 DIE STIMME Seite 5 möglichte es dem Keren Kajemeth, die ersten großen Hemmnisse zu überwinden. Mit winzigen Verwaltungsspesen fand er sein Auslangen, zwang er die Verleumdung der Sehleohtgesinnten nieder, errang er mit dem Vertrauen die immer regere Mitarbeit der jüdischen Volksmasse. Nach dem Muster Wiens entstanden in Rußland und anderwärts weitere KKL- «Landesstellen», welche mit gleichen und ähnlichen Methoden den Wettbewerb aufnahmen. Und als 1907 das KKL-Hauptbureau nach Köln ging, war ihm die Grundlage für eine weltumspannende, nach wohldurchdachten Plänen geleitete Nationalfondsorganisation gesichert. Diese Organisation hat sich in guten wie in bösen Tagen bewährt. Die Jahreseinnahmen, welche zuerst nur 10.000 Pfund Sterling erreichten, haben % Million mehrmals überstiegen und blieben auch im letzten Krisenjahr wenig darunter. Ueber 300.000 Dunam schon nennt unser Volksschatz im Altneuland sein eigen, bepflanzt mit l|/2 Millionen Bäumen und geziert mit einem Kranz blühender Siedlungen. Gewiß, ein kleiner Anfang, gemessen an jenem Erez Israel, das uns vorschwebt, aber trotz allen Jammerns und Klagens ein mächtiger Fortschritt seit der Zeit, da wir Jungen unter Kremenezky dem KKL die ersten Dienste weihten. Kadimah! Die Juden in der Tschechoslovakei Aus einem Gespräch mit Dr. Josef Ruf eisen. Herr Dr. Josef R u f e i s e n, Präsident der Zionistischen Landesorgnnisation der tschechoslowakischen Republik, machte unserem Mitarbeiter über die Verhältnisse des dortigen Judentums nachstehende Mitteilungen: Nie Dagewesenes aaa«csK;w#!.-.- i«umi iibmii——imiianaiMii——a■■■»■■nw—a— Ueber die Verfolgungen der Juden in der Tschechoslowakei, namentlich in Karpathorußland, über welche so viel im Auslande geschrieben wurde, kann ich nur sagen, daß unsere beiden Vertreter, Dr. G o 1 d s t e i n und Doktor M a r g u 1 i e s, wie letztens in der «Selbstwehr» berichtet wurde, im Ministerium erfolgreich interveniert haben. Sowohl der Innenals auch der Justizminister haben versprochen, dieser Angelegenheit auf den Grund zu gehen und den Verfolgungen, die ja letzten Endes doch nur auf den Horak-Prozeß zurückzuführen sind, mit allen Mitteln energisch entgegenzutreten. Daß das Urteil im Horak-Prozeß keine Gefahr für das tschechische Judentum bildet, ist selbstverständlich. Systematische Verfolgungen jüdischer Beamten sind in unserer Republik eigentlich nicht bekannt. Ihre Frage, wie es kommt, daß in der Tschechoslowakei Ritualmordprozesse möglich sind, kann ich folgendermaßen beantworten: Das tschechische Volk ist in seinem Wesen keineswegs antisemitisch eingestellt. Die tschechische Nation, die sich der wirtschaftlichen Position bemächtigt und eine geschlossene tschechische Wirtschaft ausbaut, aus welcher die Juden nach und nach zurückgedrängt werden, beginnt den Antisemitismus erst kennen zu lernen. Dieser ist theoretisch nicht fundiert, hingegen wird er materiell gefährlich. Ritualmordmärchen wurden eigentlich im entferntesten Osten des Landes verbreitet und verwertet. Daß die Idee von Ritualmorden gerade dort festen Fuß fassen konnte, ist hauptsächlich auf den kulturellen Tiefstand fast der gesamten Bevölkerung dieses Landteiles zurückzuführen. Es ist im Ausland wenig bekannt, daß auch die jüdische Bevölkerung Karpathorußlands im tief mittelalterlichen Aberglauben lebt. Ihre chassidische Einstellung wird vielfach politisch mißbraucht. Die wirtschaftliche Lage ln der Tschechoslowakei ist kompliziert, da neben der wirtschaftlichen Depression, die nach und nach unser Land erfaßt hat, der Aufbau der tschechischen nationalen Wirtschaft die Juden aus ihrer wirtschaftlichen Position verdrängt. Das gilt insbesondere von der kleinen Industrie, Handel und den freien Berufen, vornehmlich bei den Aerzten, die bei der hohen Entwicklung der tschechischen sozialen Gesetzgebung, der Verbreitung des Krankenkassenwesens bereits einigermaßen zu leiden haben, da bei den Krankenkassen die Anstellung von Juden nicht überall ohne Schwierigkeiten erfolgt. — Wie ist das Verhältnis zu den Ostjuden (Flüchtlingen)? Gleich nach dem Umsturz hat eine gewisse Repatriierung der Flüchtlinge eingesetzt; bei uns ist nur ein geringer Prozentsatz zurückgeblieben. Die Einbürgerung der Ausländer ging lange Zeit nur sehr schwer vonstatten. Leute, die nach dem 1. Jänner 1910, aber immerhin vor Kriegsende die Zuständigkeit in einem Orte innerhalb der Tschechoslowakei erworben haben, mußten sich einer meist sehr rigoros gehandhabten Ueberprüfung ihrer Zuständigkeit und damit ihres Staatsbürgerrechtes unterziehen, in letzter Zeit ist die Praxis bei der Erteilung des Staatsbürgerrechtes allerdings etwas liberaler geworden. Die Judenschaft der tschechoslowakischen Republik hat Verständnis für die Hie in Wien Erlebtes Ein jüdischer Brigade-General in der chinesischen Armee. Wie uns Herr Dr. Emil Gutheil, der sich derzeit auf einer Ueberseereise befindet, mitteilt, befehligt ein jüdischer General eine Armee an der Chinesischen Front. Dieser General trägt noch heute den Namen Moishe AbrahamCohen. Er war seinerzeit in Amerika Schnittwarenhämller und lernte durch einen Zufall den gewesenen Präsidenten Dr. Sungatsen kennen, der ihn als Adjutanten nach China mitnalim. Später trat Cohen in die chinesische Armee als aktiver Offizier ein und rückte dank seiner hervorragenden Eigenschaften nach dem Tode Suns bis zum Brigadegeneral auf. Allenfalls eine äußerst interessante Karriere eines aus Rußland nach Amerika eingewanderten Schnittwarenhändlers. Hi Ier-Gruppen in Belgien und der Türkei — Hitler-Methoden in Kanada Montreal, 14. Februar. (J. T. A.) Der jüdische Deputierte Berkowitz hat im kanadischen Parlament eine Bill eingebracht, die das Verbot antijüdischer Hetze fordert. Die antisemitische Zeitung «Le Miroir» veröffentlicht einen Hetzartikel gegen Berkowitz und erklärt, Nahum Sokolow, der «König der Juden», habe bei seiner jüngsten Anwesenheit in Kanada den jüdischen Deputierten anbefohlen, ein Gesetz gegen die Antisemiten zu fordern. Oer (erusalemer Polizeirichter tadelt die Kommunisten-Riechem der Polizei Jerusalem, 21. Februar. Der englische Poiizeirichter Cressal hat am 19. Februar das Urteil im Prozeß gegen 32 Personen, die am 30. Jänner an einer angeblich kommunistischen Versammlung unter freiem Himmel teilgenommen haben und sich seitdem in Untersuchungshaft befanden, gesprochen. Sämtliche Angeklagten wurden freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen. In der Urteilsbegründung tadelte Polizeirichter Cressal außerordentlich scharf das Vorgehen der Polizei am 30. Jänner und erklärte, die Polizeiorgane wüßten nicht, was das heißt, eine legale oder illegale Versammlung, und sie verstünden auch nicht, zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten zu unterscheiden. Besonders scharf wandte sich Cressal gegen einen arabischen Polizeiofflzier, der gegen die Menge Schüsse abgegeben hat. Aus (fai üstina H. Farbstein in Palästina Das Mitglied der Zionistischen Exekutive, H. Farbstein, Führer des Misrachi in Polen und bis vor kurzem Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, ist in Palästina eingetroffen, um seine Amtsagenden in der Palästina-Exekutive zu übernehmen. Er wurde am Bahnhof von Vertretern der Jewish Agency, des Keren Hajessod, des Misrachi und der polnischen Einwohnerschaft Palästinas herzlich begrüßt. Purim Colonel Kisch läßt sich dauernd in Palästina nieder Colonel F. H. Kisch, früherer Leiter der Zionistischen Exekutive in Palästina, der, wie schon mitgeteilt, vor .einigen Tagen wieder nach Palästina gekommen ist, plant, wie die J. T. A. erfährt, sich dauernd in Jerusalem niederzulassen und hier ein Bureau zur Beratung bei Investierungen usw. zu errichten. Jascha Chaifetz ln Palästina Der weltberühmte jüdische Geigenvirtuose Jascha Chaifetz hat in der neuen Edison Hall zu Jerusalem ein Konzert gegeben. Die Hall war überfüllt. Dem Konzert wohnte auch der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope bei. Zusammengehen der jüdischen und arabischen Citruspflanzer in Palästina in der Steuerfrage Die Citrus-Pflanzer in Palästina wehren sich gegen die von der Regierung ausgeschriebene Steuer von 7 Mils pro Kiste Citrusfrüchten zur Deckung der Kosten der Bekämpfung der sogenannten «schwarzen Schuppe» (eine durch Insekten hervorgerufene Obstkrankheit). Die Citrus-Pflanzer wählten ein Komitee, bestehend aus Francois Gciat, Shukri Effendie Tazi, Mohammed Effendi, Abdul Rahoum, Kenyon, Rokach, Rabinowitsch und Riklis, das mit der Regierung wegen Aufhebung dieser Steuer unterhandelt. Auch in diesem Wirtschaftszweig ist also ein Zusammengehen zwischen den arabischen und den jüdischen Interessenten festzustellen. Die Citruspflanzer stehen auf dem Standpunkt, daß sie selbst ihre Plantagen unter Aufwand hoher Kosten von Schädlingen säubern. Wenn ein Züchter seine Plantage nicht sorgfältig genug behandelt, so möge er selbst für die Folgen aufkommen. Citrusfruchtsteuer wird fallen gelassen Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope hat nach einer längeren Aussprache mit der Abordnung der Citrus-Züchter bekanntgegeben, daß die geplante Steuer auf Citrusfrüchte, aus welcher die Kosten für die Bekämpfung der Fruchtschädünge bestritten werden sollten, fallen gelassen wird und daß jeder Citruszüchter für die Säuberung seiner Plantage von Schädlingen selbst zu sorgen haU denten Selbsterniedrigung gerade prominenter jüdischer Komiker von den Varietebühnen Europas her gewohnt sind! Und ist es nicht eigentlich ein erhebender Gedanke, daß dieses selbe Volk, das drüben in den Galuthländern seinen Gastvölkern oftmals nicht nur den Prügelknaben, sondern dazu auch noch den Hanswurst zu spielen gewohnt ist, hier in Erez Israel seelisch schon so weit den Mut gefunden hat, einmal auch die anderen unter die kritische Lupe zu nehmen und im Spiegel der Satire und Karikatur zu betrachten. Da gab es beispielsweise in Tel-Aviv ein Konzert eines ausländischen Eisenbahnerchores. Großer Zustrom der Tel-Aviver, aber künstlerisch ein ziemliches Fiasko. Nun, man muß gesehen haben, in welch glänzender, zwerchfellerschütternder Satire «Matatö» dieses «künstlerische» Ereignis auf die Bühne brachte — um zu verstehen, w i e hier eine Hinrichtung erster Klasse vollzogen wird. Sozusagen : mit Glacehandschuhen des Geistes — aber absolut tödlich! Gewiß, nicht das ganze Programm des Abends stand auf der gleichen künstlerischen Höhe. Aber es gab einige sehr originelle Einfälle in ebenso origineller Aufmachung, viel landes- und parteipolitische Tagesfragen im satirischen Gewände, der Kontakt zwischen Bühne und Publikum ein ungemein lebendiger und es wurde viel, sehr viel gelacht, so mancher schlagende Refrain aus vollem Herzen mitgesungen. Ein ungemein erfrischender Abend lebendig flutender Volksseele, Kaleidoskop einer jungen Gesellschaft und ihrer vielfältigen Problematik im farbenfrohen, leichtgeschürzten Gewände geistreichheiterer Muse. Und möchte man es glauben — wie anmutig auch dieses leichte Gewand mit seinen manchmal grotesken Faltenwürfen die alte, aber so ungemein verjüngte Sprache kleidet? . . . Wieder umfängt dich eine zauberhafte, silberunirieselte Frühlingsnacht. Der berauschend süße Duft der Orangenhaine, die hier von allen Seiten dein träumendes Schreiten umblühen, vermischt sich mit dem leisen, geheimnisvollen Rauschen der Bäume und dem blauen Flimmerspiel östlicher Sternenwelten zu einem wundersamen, ewigen Wiegenlied, das die Sinne leise einwiegt und ein großes, seltsames Sehnen wachküßt in der Seele . . . Und du schreitest traumumfangen durch paradiesisches Land, das Bruderhände aus tiefem Dornröschenschlaf erlösten, in deiner Seele klingt noch der leise Nachhall der kleinen hebräischen Songs, die eben verhauchten, und du beginnst zu begreifen, daß dieser hebräische Thespiskarren eigentlich auch so eine Art Pflug ist, der seine Furchen tief in das in tiefem Dornröschenschlaf dahindämmernde Seelenland eingräbt und ein wundersames Auferstehen junger, keimender Geistessaat vorbereitet ... 1 jüdische Not bewiesen und hat leider reichlich Gelegenheit zur Betätigung dieses Verständnisses, insbesondere in Karpathorußland, wo ein großer Teil der Juden in drückender Not lebt. — Wie sind die Verhältnisse in der Zionistischen Organisation? Die revisionistische Bewegung ist vorwiegend auf den Osten des Landes und auf die Jugend beschränkt. Der Ideenkampf wird bei uns, von geringen Entgleisungen abgesehen, in würdiger Form geführt. Die Revisionisten sind bei uns i m Landeskomitee vertreten, arbeiten aktiv mit und die Zersplitterungstendenzen, die auch bei uns vor Monaten eingesetzt haben, zeitigten bisher keinen Erfolg. D. Schmid. Worüber man in Wien spricht Zwei Juden sitzen in der Eisenbahn . . . Aber so beginnen nur die alten Witze. Und worüber wir hier sprechen wollen, ist kein alter, Witz, sondern eine neue Idee. Also die zwei Juden sitzen oder gehen, es ist ganz egal, wo. Nicht egal ist, worüber sie sprechen. «Weißt Du schon? Weißt Du schon?» «Nein, ich weiß nicht. Und woher auch?» «Und Du solltest es doch wissen ... Am 19. März . . .» «Ja, was ist denn am 19. März? Ein Heimwehrputsch?» «Nein.» «Friedensschluß zwischen China und Japan?» «Nein.» «Regierungswechsel in Oesterreich?» «Nein.» «Eine interessante Theaterpremiere?» «Nein, aber jetzt bist Du schon dem Ereignis näher. Denk’ nur nach.» «Ach ja, ich weiß schon: Purimnacht . . .» «Ja, ja, denk’ nur weiter nach.» «... in Tel-Aviv!» «Stimmt. Und diese Tel-Aviver Purimnacht wird in Wien gefeiert werden, ln den festlich geschmückten Sofiensälen. Und es wird Sensationen Uber Sensationen geben. Und einen Einzug von kostümierten jüdischen Typen. Und eine Tombola. Und eine ausgezeichnete Jazz-Kapelle und was Du willst.» «Also, am 19. März fahren wir nach Tel-Aviv, für eine ganze Nacht. Und feiern dort Purim.» «Auf Wiedersehen in den Sofiensälen!» Warum Togal? Mehr als 6000 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, anerkennen die hervorragende und zuverlässige Wirkung der Togal-Tabletten bei gichtischen, rheumatischen und nervösen Schmerzen sowie Erkältungskrankheiten. Die Schmerzen werden sofort behoben!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.