Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 216 (25.2.1932)
- Date
- 1932-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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S^’te *> DIE STIMME Nr. 216 — 25. Fcbnw 1032 Jtvi$dow Hamei rt Nachdruck Mdi I» Austügg» verboten. Der große Wahnsinn Autorisierte Uebertragung aus dem Hebräischen von Sem Wolf U Der Feldwebel erfüllte den BefehL Innerhalb unserer Stellungen errichtete, wahrscheinlich noch während eines der früheren Kämpfe, ein Offizier auf einem etwas erhöhten Platz eine Hütte. Diese stand an einem sehr ungünstigen Ort. Sie dtente als ausgezeichnetes Ziel, nicht nur für die Gewehrkugeln des Feindes, sondern auch für Kanonengeschosse. In dieser verfluchten Hütte legte mich, den Offizierskandidaten, der Feldwebel auf ein «Bett», das dort stand, band meine rechte Hand an meinen linken Fuß und sagte «mitleidsvoll:* : «Es tut mir leid, daß du Pech hattest. Ich schätze dich und deshalb binde ich bloß eine Hand an ein Bein. Für zwei Stunden bloß. Uebrigens erlaube ich dir, nach einer halben Stunde aufzustehen.» Schon wollte er gehen, doch vorher sagte er noch einmal todernst: «Es tut mir wirklich leid, daß du Pech hattest.» Das Blut stieg, mir zu Kopf. «Der Teufel soll dich holen I Meine Väter und die Väter meiner Väter warfen Hunden, wie du einer bist, solchen Proviant zu, dessen Diebstahl ihr mich beschuldigt Scher’ dich zum Teufel, sonst spucke ich dich anb Er erschrak. Das war das erstemal ln meinem Leben, daß ich einen Feldwebel vor einem niedriger Chargierten erschrecken sah. Er antwortete nichts. Als er aber schon beim Ausgang war, lächelte er spöttisch und sagte: «Nimm dich in achtl» Mit diesem Lächeln ging er. Ich lag auf meinem Bretterlager. Ich hatte Go?, legenheit, über all das nachzudenken. Und ich kam zu dem Schluß;'daß die Strafe «gerecht» sei. Ich habe meinen Proviant unter den Soldaten verteilt, daher beschuldigt man mich, daß ich ihren Proviant stahl. Das ist doch logisch. Nach einer halben Stunde aber nahm mein Philosophieren ein plötzliches Ende. Die Russen begannen, unsere Stellungen zu beschießen. Vorerst auf der ganzen Frontlinie, doch dann nahmen sie immer mehr die Umgebung, meiner Hütte zum Ziel. Ein Teufelswerkt Im ersten Augenblick dachte ich etwas ganz Dummes (worüber denkt man nicht in einer derartigen Lage?), und zwar, daß der Herr Oberst dieses «Spiel» bei den Russen «bestellt» habe. Die Lage begann immer gefährlicher zu werden und die Granaten schlugen immer wieder in meiner nächsten Umgebung ein. Einige flogen über das Dach, andere explodierten noch vor der Hütte. Und ich glaubte, meine letzte Stunde habe geschlagen. Der Feldwebel erlaubte mir, auf den Befehl keine Rücksicht zu nehmen und bloß eine halbe Stunde liegen zu bleiben. Aber in mir erwachte der Trotz. Nein, ich werde mich nicht von der Stelle rühren, bis die zwei. Stunden der Strafe vorbei sind. Um keinen Preis wollte Ich die Gnade des Feldwebels ausnützen. Die Todesgefahr? Ach, egal, heute oder morgen... Plötzlich ließ sich wieder das Pfeifen einer Granate hören, bald darauf folgte die Explosion... Anscheinend lebe Ich noch. Ich lebe, denn Ich fühle Schmerz. Die Granate schlug in die Hütte ein. Eine Wand war weg — es blieben nur noch drei. Plötzlich erschien sein Diener. In seinen Augen glänzten Tränen. Er wollte mich retten und hinausbringen. Schleppte mich mit sich, gegen meinen Willen. Ich kämpfte mit ihm aus aller Kraft Ich wollte nicht gehen. Als ich ihm erklärte, daß Ich die Gnade des Feldwebels nicht annehmen will, überlegte er eine Welle und gab dann nach. «Sie haben recht Herr!» Wortlos nahm auch er auf dem Lager Platz. Dann murmelte er: «So bleibe auch ich hierl» Ich versuchte nicht, ihn zum Gehen zu veranlassen. Ich kannte ihn gut Und obendrein — wozu es leugnen? — Ich fühlte mich wohler Ln seiner Gesellschaft, hier lm Angesicht des Todes. Der Teufel mag wissen, wieso! Egoismus? Viel nachdenken konnte ich nicht denn das Feuer begann 6chon wieder. Wir lagen ganz eng aneinander gepreßt, wie zwei arme Tiere und warteten. Die Granaten flogen, pfiffen. Meine Nerven waren so gespannt, daß sie schmerzten. Fast konnte Ich nicht mehr atmen. Die Granaten zerschmetterten mit einemmal weitere zwei Wände. So blieb nur noch eine Wand, die, an der wir lagen. Es wurde weltergeachossen, doch schien es, als begnügten sich die Russen mit dem, was ihnen bisher gelang, und sie zielten jetzt weiter nach Norden. Dann kam der Feldwebel. Er stand und schaute mich an. War totenblaß. Wollte etwas sprechen, aber murmelte bloß: «Wwwas ..., wwwwas ..was machst du hier?» fragte er meinen Diener. Der Junge antwortete ganz ruhig: «Ich träume hier von dem sonderbaren Tod des Herrn Feldwebels.» Der Feldwebel war wie erstarrt. Im Laufe seiner ganzen militärischen Laufbahn wagte niemand, so mit ihm zu sprechen. Er schrie: «Marsch von hier!» «Bleibe, Pali!» befahl Ich ihm. .. Und der Diener: «Ich bleibe bei meinem Herrn Fähnrich.» Ein teuflisches Grinsen lag auf den Lippen des Feldwebels. Nachlässig stand er da und spottete: «Vielleicht wirst d u ihn zum Fähnrich avancieren lassen, was?» Dann schrie er den Diener wieder an: «Zum Rapporti» Und er ging. Wir verließen nicht eher das Lagerj als bis d&e 3n aller 3ftfirxe Die kommunistische Tageszeitung „Emees“ teilt mit daß die Regierung im vorigen Jahre 300.000 Rubel für Kulturarbeit ln den Jüdischen Kolonien verwendet hat * Der Senat der Universität Wilna hat nach Abschluß der Untersuchung über die antisemitischen Univerait&takrawalie lm November v. J. zwei christliche Stundenten aus der Universität dauernd verwiesen. Ein Grabstein auf dem israelitischen Friedhof ln Gleidingen (Kreis HUdeabeim) wurde zur Nachtzeit von seinem Platz entfernt und auf einen Feldweg geschleppt Zn den Gedenkstein sind ein Hakenkreuz und darunter die Namen zweier Gleldlnger Nationalsozialisten, auf der änderest Beite ein Sowjetstern eingemeißelt worden. Die ln - Charkow erscheinende Jiddische Tageszeitung „Stern“, teilt mit, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter ln der Charkower Schwerindustrie täglich wächst. Allein ln den drei Cbarkower Staatsfabriken für Bau von Traktoren. Lokomotiven und Herstellung elektromechanischer Artikel sind rund 10.0000 Jüdische Arbeiter beschäftigt Der Präsident des Jüdischen Spltales lm New Yorker Stadtteil Bronx kündigt an, daß dieses Infolge Geldmangels Ende Februar geschlossen werden muß. Seit November haben die Angestellten und Schwestern keine Löhne mehr'ausbezahlt erhalten. mammmmmammmmmmfmmmmmmammmmmmmm GroBfleischhauerel SIEGM. KORNMEHL SafttHtla »X, Berggasae lv, la«. A u. A 16-9-34 Lieferant tttr Heilanstalten Abtjjjunotn <0r yp»Fl>iwh oster Aufsicht des Ehrwürdigem rfabbmats der Israe- Üdaehen Kuituseemelnde Wien tutevtMteCunp «o»i*n»s* IX- Bürgest# 1* KVM W«hrin»entre£e 1* 300 Familien persischer Juden, mit Insgesamt Z00 Seelen, die ln der letzten Zelt wegen der politischen Verfolgungen In Persien und lm russischen Orient nach Konstantinopel geflüchtet sind, wandten sieh an die JCA-Vertretung ln Konstantinopel mit der Bitte, Ihnen zur Reise und Ansiedlung ln Palästina zu verhelfen. * Chacham Dr. Moses Gaster. der hervorragende jüdische Gelehrte und frühere Rabbiner der spanisch - portugiesischen Gemeinde ln London, vollendete!n diesen Tagen sein 75. Lebensjahr. e Das Smithsonian Institute in Washington kündigt an, daß es auf dem 12 Meilen von dem Berge Smaä entfernten Gipfel des Mount St. Catherine ein Observatorium zur Beobachtung der Sonne errichten wird. * Ferdinand BuJsson, der Nestor der Friedensbewegung ln Frankreich, ist «n Alter von 91 Jahren gestorben, ui dem Kampfe der Rechts- und Friedensfreunde um die Unschuld „Francopol* in Wien Das sowohl ln Polen als auch in Frankreich rühmhehst bekannte Reäseunternehmen «Francopol* hat seine Tätigkeit auf Oesterreich ausgedehnt und im Gebäude des polnischen Konsulates, Wien, ÜJ., Rennweg 1, ein poetisches Verkehrsbureau eröffnet Die zahlreichen nach Polen reisenden Geschäftsleute wie auch andere Personen werden zweifellos diese Neueröffnung begrüßen, zumal sie nicht mehr wie früher ihrekostbare Zeit vor der Abreise zur Besorgung der Paßvisen und Fahrkarten verwenden brauchen werden. Das Verkehrsbureau.«Prancopol» erledigt promptest säe Reiseformalitäten. Dadurch wird der Verkehr zwischen Oesterreich und Polen nicht nur erleichtert sondern auch gefördert werden. Das Unternehmen hat sich zur Aufgabe gesteht, den Fremdenverkehr zwischen Oesterreich und Polen zu heben» zahlreiche Gesellschaftsreisen von Frankreich und Amerika nach Polen über Oesterreich zu leiten, sowie Gesellschaftsreisen von Polen nach Oesterreich zu organisieren. Dae Verkehrsbureau «Francopob steht dem reisenden Publikum ln Reise-, Paß Visen-, Messe- und sonstigen mit einer Reise verbundenen Angelegenheiten gerne, zur Verfügung. Es erteilt vollkommen kostenlos atte gewünschten Auskünfte! Fahrkarten für eile in- und a/usländfechen Bahnen sind dort a Origmalpreieen erhältlich. zwei Stunden vorbei waren. Denn kämen wir tu unserem neuen Leutnant, und Ich meldete ihm: «Melde gehorsamst, Herr Leutnant, dafi Ich meint Strafe für den Diebstahl des Proviants und! die Ver» untreuung des Geldes verbüßt habe.» Der Leutnant verstand mich nicht. Er geübte, Ich sei verrückt geworden. «Was?» schrie er, «was?» Ich wiederholte das früher Gemeldete. Er trat an mich heran, packte mich an den Schultern und donnerte: «Du bist verrückt geworden.» «Nein, Herr Leutnant, nicht ich bin verrückt ge» worden.» Und ich erklärte ihm die ganze Angelegenheit. Nervös ging er auf und ab. Plötzlich blieb er stehen und sagte, mehr zu sich selbst: «Jetzt werde ich Schluß machen!» Er wandte sich an meinen Diener, der die ganze Zeit mit mir zusammen ln Habtachtstellun# >stand: «Und was Ist mit di$?» «Herr Leutnant, melde gehorsamst, ich konnte hl der Stunde der Gefahr meinen Vorgesetzter/ nicht ver» lassen. Er erklärte ihm, wge es war, erzählte Jhm von der Hütte, den Schüssen, von allem. Der Leutnant lauschte, dachte nach und sagte dann: «Kommt, zeigt mir den Ort.» Wir zeigten ihm den Ort. Und seine verhaltene Wut hatte keine Grenzen. Schon wollte er gehen, bahrte wieder zurück, ging, kehrtte wieder um und sagte dann mit festem Entschluß: «Jetzt mache i c h Sdhluß.» Er schaute mich prüflend an: «Wieso bist du eigentlich am Leben geblieben?» Dann schimpfte er mich aus, weil leb die Hütte nicht verlassen habe, als das Feuer begann. Das wäre mir nicht nur erlaubt, sondern wäre meine Pflicht gewesen. Die Strafe lautete doch nicht auf Todesgefahr. Und als ich ihm erklärte, warum ich das nicht tat* schaute er mich wütend aber auch mit einer gewissen Genugtuung an. Er nahm uns zu sich, gab uns Kognak zu trinken und schickte dann meinen Diener weg. Wir blieben zu zweit und tranken. Eine Viertelstunde. Und sprachen kein Wort Plötzlich stand er auf, hob sein Glas und sagte: «Es lebe der Herr Fähnrich! Auf dein Wohl!* Wir tranken und er sagte: «Gehe und nähe dir auf deinen Kragen das Fälmrlphiabzelchen an. Auf meine Verantwortung!» Als ich in meinen Unterstand zurückkehrte und meinem Diener das erzählte, sprang dieser nicht vor Freude auf, sondern er blieb ganz ernst, nahm meinen Rock und nähte das Chargeabzeichen an. Am nächsten Morgen verlautbarte der Befehl, daß ich zum Fähnrich ernannt worden bin. (Fortsetzung folgt) mmammaaaaBsammmaBmmmmamamaammam§ des Hauptmanns Dreyfus sjtand er als der Präsident der Liga für Menschenrechte in der vordersten Reihe. * Nach den letzten statistischen Feststellungen wohnen in der Südafrikanischen Union rund 80.000 jüdische Seelen, das sind 43 Prozent der: allgemeinen Bevölkerung. * ' An dem Institut für orientalische Sprachen an der Lernberge r Universität wurde ein Lehrstuhl für Hebräisch eingerichtet. Die jüdische Gemeind!« in Barcelona, die über eine eigene Synagoge und ein eu eigenen Friedhot verfügt, ist von dem Präsidenten der spanischen Provinz Catalonien offizieS anerkannt worden. Lord Reading, der and' der Rückreise von Palästina neck England vor mehreren W.ocheu in Luxor erkrankt war, ist nun wieder hergestellt u»<i tritt in diesen Tagen die Rückreise nach England an. Die hebräischen Schulen In Palästina wiedeir eröffnet Jerusalem, 10. Februar. Der Verband der hebräische» Lehrer Palästinas hat beschlossen, die vom WaadLeurai gemachten Vorschläge zur Beilegung der Differenzen zwisehe« den hebräischen Lehrern und der Exekutive der Jewish Agency anzunehmen und d'en Lehrern zu empfehlen, des Unterricht an den Schulen sofort wieder aufzunehmen. Nach« dem infolge des Lehrerstjdiks die Schulen mehr' als‘ vier Wochen lang geschlossen weiten, wurde am Mittwoch,. den 10. Februar, der Unterricht «an ajlep Schulen wieder auf genommen. Gymnatfasf der VIII ««teilt Nachhilfe in eilen Gymnasialfächern. Bläht ♦ auf Wunsch auch von 2 bis 7 Uhr abends. Zn» schritten an die Expedition unter itui