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Die Stimme · 1932-02-25 · Heft 216 (25.2.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 216 (25.2.1932)
Date
1932-02-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 216 ■?“ 29. Februar 1932 Nationale Weltanschauung Beitrag zur Soziologie der Weltanschauungsfrage Von Dr. Desider Friedmann Die grundlegende Erkenntnis, daß die Menschen die Welt verschieden sehen, gehört seit langem zu unserem unbestrittenen wissenschaftlichen Besitz. Die Mannigfaltigkeit der Eindrücke, Empfindungen und Wünsche spiegelt Ereignisse und Vorgänge der Umwelt in den Augen der Menschen verschieden wieder. Jede menschliche Beobachtung wird durch den Wunsch des Sehenden, die Dinge nach eigenem Willen zu lenken, subjektiv beeinflußt. Persönlich gefärbte Wahrnehmung und individuelle Zielsetzung führen notwendig zur Kritik am Bestehenden und zum Streben, an Stelle des Zustandes, der ist, einen besseren, womöglich den nach Ueberzeugung des einzelnen besten Zustand zu setzen. Auch in der Weltbetrachtung wechseln Lust- und Unlustgefühle. Befriedigung über das, was nach der persönlichen Einstellung des Betrachters als gut, gerecht und nützlich empfunden wird, mit Mißmut, oft bis zur Empörung gesteigerter Unzufriedenheit mit dem, was als schlecht, ungerecht oder schädlich das Rechtsempfinden des Betrachtenden stört und verletzt. Allgemeine Bedeutung erhält solche kritische Betrachtungsweise, wenn sie aus der Sphäre des einzelnen heraustritt und gruppenbildend wirkt. Wie bei allem Menschlichen, schafft Oieichheit und Aehnlichkeit auch hier Zusammenschluß und Verbindung. Das Element der Gleichheit oder zumindest der Aehnlichkeit der Anschauungen, das verstärkt wird durch die Nähe der persönlichen Beziehungen der Angehörigen bestimmter Gruppen führt zum Zusammenschluß, zur Vereinigung gemeinsamer Bestrebungen und in weiterer Folge zur Ausbildung einer bestimmten Methodik in der Betrachtungsweise und Beurteilung kultureller, gesellschaftlicher und sonstiger lebenswichtiger Erscheinungen und Probleme. Eine derartige Bildung natürlicher, historischer und gesellschaftlicher Verbände, ebenso die Gruppenbildung nach Sachzwecken, bringt eine Reihe von Weltanschauungssystemen zur Entstehung. Wir spräche* von religiösen, ethischen, nationalen, kapitalistischen, sozialistischen und anderen Weltanschauungen... . Da jeder Mensch gleichzeitig einer Reihe von gesellschaftlichen Groppen angehört, wie Familie, Ge- ^cWeihde*1 -Staat,. .Volk, Religionsgemeinschaft, Berufs- —stands-SQLöhnen; sich in seinem Denken, seiner Lebenslauf fessung, seiner .'Beziehung zur Welt Elemente verschiedener Weltanschauungen vereinigen. . - Man denke ,an die christlich-deutsche Weltäuf- : fassung. die schon Bismarck als die Grundlage seines : Regierungssystems proklamierte, an den religiösen Sozialismus als Beispiele der Vereinbarkeit und auf der anderen Seite an die unüberbrückbare Gegensätzlichkeit bürgerlicher und sozialistischer Weltanschauung und man kommt zu dem Ergebnis, daß die Interessen . verschiedener Gruppen nur dann einander widersprechen, wenn sie im gleichen menschlichen Bereiche gelegen sind. Für den Entschluß des'einzelnen, der einen oder der anderen, oder auch mehreren Gruppen weltanschaulich angehören zu wollen, wird entscheidend sein, ob und welche kulturelle, wirtschaftliche, gesellschaft- ' liehe oder sonstigen von uns als gruppenbildend erkannten Kategorien in seinem Denken und Handeln vorherrschen. Die Stärke seiner Anhänglichkeit an die gewählten Gruppen wird sich nach deren Eignung richten, ihm die durch den Anschluß gesuchte Befriedigung dauernd zu verschaffen. Träger einer überwiegend nationalen Weltanschauung wird daher nur derjenige werden, dessen Ideologie sich au? das Bewußtsein des Menschheitswertes seines Volkes gründet, derjenige, in dem das Gefühl der Zugehörigkeit und der Nähe zu seiner durch gemeinsame Abstammung mit ihm verbundenen Schicksalsgemcinschaft lebendig ist und der in sich den Wunsch und die Innere Bereitschaft fühlt, als Teil des Ganzen an der Erhaltung und dem dauernden Bestände seines Volkes mittätig zu sein. Die nationale Weltanschauung soll die Berufung haben, ihren Träger durch das Medium seiner Gruppenangehörigkeit und des kollektiven Willens seines Volkes in das Gefüge der menschlichen Gesellschaft harmonisch einzufügen und sie muß daher, wenn wir sie als wünschenswert erachten sollen, sich trotz ihres zum Teil auch biologischen Einschlages von jedem Haßgefühl gegen andere Volksgruppen frelhalten, ebenso wie von jeder Ueberheblichkeit und jedem Rassendünkel. Ihre wohltätige Wirkung soll vor allem die sein, durch den Zusammenschluß mit gleichen das isolierte Einzelindividuum von dem aus der Vereinsamung notgedrungen hervorkommenden Minderwertigkeitsgefühl zu befreien. Sie muß ihren Angehörigen die Freiheit und die Möglichkeit geben, Weltanschauungselemente, die aus seiner gleichzeitigen Teilnahme an anderen soziologischen Gruppen entspringen, beizubehalten und zu vertreten (Beispiel: bürgerliche, sozialistische, religiöse Zionisten). Eine solche geläuterte, gegen andere und die eigenen Angehörigen tolerante nationale Weltanschauung, getragen von dem Gesamtwillen eines Volkes, hat die Fähigkeit, geschichtsbildend zu wirken, hat die Kraft, die Lebensidee, die einem Volke innewohnt, auf die Welt zu projizieren und dadurch der eigenen Nation die Teilnahme an dem Bau der Menschheit und der menschlichen Kultur durch ihren spezifischen Beitrag zu sichern. Wir glauben, daß unsere jüdisch-nationale zionistische Lebensanschauung den entwickelten Erfordernissen einer idealen Weltanschauung nach jeder Richtung hin gerecht wird. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, befassen sich Londoner Freunde Dr. Welzmanns mit dem Plan, einen Fonds für Errichtung eines Lehrstuhls für landwirtschaftl che Chemie an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu schaffen. Dieser Lehrstuhl soll Dr. Weizmann angeboten werden. Wie es heißt, soll Dr. Welzmann vor seiner Abreise nach Südafrika, wo er gegenwärtig die Aktion des Keren Hajessod leitet, selbst den Wunsch nach Errichtung eines solchen Lehrstuhls ln Jerusalem geäußert und dabei seine Bereit- Verband der Sabbathfreunde «Schomre-Schabbos» Wien, II., Leopoldsgasse 16 Einladung zu der am Dienstag, den l. März 1833, um 7 Ubr abends im großen Festsaate des Hotel „Bayrischer Hör*,!I„ Taborstraße Nr. 38 (Eingang Obere Augartenstraße) stattfindenden Generalversammlung Das Hauptreferat hält Sr. EbrwUrden, Herr Oberrabbiner Dr. H. Oarlebacb, Baden b/W. Uber das Thema „Die heutige Zeit und der Scbabbos“ Gäste, Damen und Herren, willkommon! Kommt nnd hört diesen geistvollen Redneri Uar Vorstand. ■ schaft erklärt haben, eine ihm angetragene Professur für landwirtschaftliche Chemie änztinehmen. Für Einjerusalem, 15. Februar. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der revisionistischen Demonstration bei der Antrittsvorlesung Norman Bentwichs an der Hebräischen Universität in Jerusalem am Mittwoch, den 10. Februar, ist ein schwerer Konflikt zwischen der Leitung der Universität und dem revisionistisch gesinnten Teil der Studentenschaft ausgebrochen. Am Tage, bevor Bentwich seine Antrittsvorlesung hielt, verbreiteten revisionistische Studentengruppen Pamphlets mit schweren Angriffen auf Bentwich. Da von der Leitung der Universität ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Pamphleten und der Demonstration bei Beginn der Vorlesung von Bentwich angenomwmmmmmmmmmammmmmmmamammssaaaBmmmem Oie polnischen Zionisten für Einberufung des Zionistischen A. C. Warschau, 22. Februar (J- T. A.) Das neugewählte Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens befaßte sich bi seiner ersten Sitzung mit der politischen Lage des Zionismus und beschloß, die Zionistische Exekutive aufzufordern, spätestens für den Monat April d. J, eine Sitzung des A. C, einzuberufen. Das Zentralkomitee veröffentlicht einen Aufruf an die Zionisten Polens, in dem darauf hingewiesen wird, daß die zehnte polnische Zionistenkonferenz eine Konsolidierung der Zionistischen Organisation ln Polen herbeigeführt hat, sodaß die Organisation sich ihren Aufgaben, dem Ausbau der Bewegung, der Erziehung der Jugend usw., wird ganz widmen können. *)£D Selchwarenfabrik eigene Erzeugung, beste Qualitäten M. Brückner & Co. Wien, ll.v Glockeng. 11, Tel. R 49-2-56 Unsere Fabrik steht unter ritueller Aufsicht des ■o Md wp jro n W2 omnn nrr jtq Verkaufsstellen: II. Große Schiffe. 19, Restaurant Baron VI. LiniengasSe 84, J. Hoff mann X. PemerstorfergäSse 86, Gottfried richtung eines Laboratoriums und eines Vortragssaales im Zusammenhang mit dem Lehrstuhl sind im ganzen 1500 Pfund erfordeillch. * Dr. Chaim Weizmann, der frühere Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency und jetzige Präsident der; Zionistischen - Föderation Englands, ist ein Chemiker von Ruf* Schon.diu Jahre 1900 habilitierte er sich als PrivatdOTerit.fUr.Chemte.an der Genfer Universität und wurde 1903 an die «Universität Manchester berufen. Sein Arbeitsgebiet als Chemiker ist vielseitig. Rein theoretischen'Untersuchungen gewann er auch praktische Seiten ab, und eine Reihe von Patenten schützen wertvolle Erfindungen von ihm. In Genf arbeitete er über Naphtazenchinonderivate (Farbstoffe), welche ungeheizte und chromierte Wolle färben. Es folgte eine Reihe von Arbeiten über Farbstoffe. 1908 erhielt Weizmann ein Patent über die Bildung von Camphen aus Pinenchlorhydrat. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit Problemen der organischen Chemie. Von 1920 ab beschäftigte sich Weizmann mit der Herstellung von Butylalkohoien und Aceton durch Vergärung stärkehaltiger Rohstoffe. Dabei entdeckte er einen:Gärungaeffegpr,..4tßy$;-genannt. Seine letzten Arbeiten schlugen schon Tn das Gebiet der landwirtschaftlichen Chemie. 7 IjHnMHyBBBBHMHM*****«—• —— men wird, hat das Disziplinargericht der Universität vier einer revisionistischen Studentengemelnschaft angehörende Studierende als Verbreiter de?'Flugächrff fen für ein ganzes Jahr aus der Universität verwiesen. Ferner wurde ausgesprochen, daß revisionistische Stiidentenvereine von der Universität nicht länger anerkannt werden. Unter der revisionistischen Studentenschaft herrscht wegen dieser Verweisungen große Erregung. Der revisionistische Studenten verein Elal hat angekündigt, daß er sich mit der Studentengruppe Hulda solidarisch erkläre. Man erwartet In diesem Zusammenhang weitere Verweisungen revisionistischer Studenten. Oer Piozeß gegen die Urheber der antisemitischen Unruhen In Saloniki Saloniki, 22. Februar (J. T. A.) Der Staatsanwalt am Appellationsgerlcht in Saloniki hat die offizielle Anklag* gegen die Urheber der antisemitischen Unruhen im Juni 1931 erhoben; der Beginn des Prozesses wurde für den 2, April angesetzt. Marschall Püsudski reist nach Palästina Warschau, 22. Februar (J. T. A.) Marschall Plisudski tritt am 5. März eine Reise nach Rumänien und Palästina an. Er wird sich etwa sieben Tage In Rumänien aufhaiten und dann von Konstanza an Bord des polnischen Schiffes «Njemen» nach Jaffa fahren. Wie lange sich der Marschall in Palästina aufhalten wird, ist noch nicht bekannt. Dr. Chaim Weixmann soll Professor an dev hebräischen Universität in Jerusalem werden Die Schaffung eines Lehrstuhls für landwirtschaftliche Chemie wird geplant Schweres Konflikt zwischen der Leitung der hebräischen Universität und den revisionistischen Studeniengmppen Mehrere revisionistische Studenten aus dev Universität* verwiesen Karan^KaJamath °in dar Purimwoche

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