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Die Stimme · 1932-02-18 · Heft 215 (18.2.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 215 (18.2.1932)
Date
1932-02-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Se*te * DIE STIMME Nr. 215 — IS. Februar 1932 wirken, dürfe aber nicht zur Versagung de« Rechtes führen. In der Kontinuität der Anspruchsgeltendmachung dürfe keine Unterbrechung eintreten, die Gemeinde müsse auf einer förmlichen Erledigung bestehen, um gegebenenfalls die Entscheidung der verfassungsmäßigen Instanz anzurufen. Der Redner beschäftigte sich sodann eingehend mit der Frage der Wahlrechtsreform, die unbedingt vor Ablauf der Mandatsperiode zur Entscheidung gebracht werden müsse und deren dilatorischen Behandlung durch die Mehrheit sich seine Fraktion mit aller Energie widersetzen werde. Die Statistik des Steueramtes über die alljährliche Veränderung der Zahl der Steuerträger sei ein unwiderleglicher Beweis für das Unrecht des bestehenden Zustandes. Jährlich scheiden viele hunderte Steuerträger aus, die infolge Verarmung steuerunfähig werden. Es sei ein bitteres Unrecht, Menschen, die oft jahrzehntelang zu den Lasten der Gemeinde freudig beigetragen haben, wegen ihrer Verarmung mit dem Entzüge des Wahlrechtes zu bestrafen. Die geringe Anzahl von Gemeindemitgliedern, die im letzten Jahre neu in die Steuerpflicht getreten sei, sei ein Beweis für die Not unserer Jugend, für die herrschende, gerade unsere jungen Menschen treffende Arbeits- und Erwerbslosigkeit. Für diese Kategorie jüdischer Gemeindemitglieder, die ohne ihr Verschulden im harten Kampfe ums Dasein keine Lebensstellungen erlangen können, bedeute der Ausschluß vom Wahlrecht die gleiche Ungerechtigkeit, wie gegenüber jenen, deren wirtschaftliche Existenz vernichtet wurde. Am Schlüsse seiner Rede kam der Redner auf das Palästinaproblem, die bisherige Subventionierung der Fonde durch die Gemeinde, die hiefür in dem vorliegenden Präliminare freigehaltene Reservepost zu sprechen und betonte den darin zum Ausdruck kommenden Zusammenhang der Gemeinde mit dem Wiederaufbauwerke und dem Weltjudentum. Die Rosten des Palästina Landentvolciilunplones London, 11. Februar (J- T. A.). Colonel Joslab Wedgwood richtete im Unterhaus an den Kolonienminister die Frage, welche Ausgaben im Zusammenhang mit Lewis Frenchs Bericht über Siedlung in Palästina gemacht worden sind, auf welchem Wege diese Ausgaben gedeckt werden würden, und ob weitere Ausgaben solange vermieden werden würden, als nicht das Parlament die Aufbringung einer Anleihe gebilligt haben werde. Der Minister für «He Kolonien Sir Philip Cunliffe- Lister erwiderte: Bis zur Annahme Irgendeines Planes für Landentwicklung oder Ansiedlung in Palästina seitens der englischen Regierung werden — abgesehen von den Gehältern für den Landentwicklungsdirektor and seinen Stab — nur Ausgaben für einleitende Untersuchungen gemacht, die nötig sind, um Herrn Frencb in die Lage zu versetzen, seine Vorschläge zu formulieren. Solche Ausgaben werden in erster Reihe aus den allgemeinen Palästina-Einkünften gedeckt Ich werde den High Commissioner ersuchen, die seit der Ernennung des Landentwicklungsdirektors im Sommer 1931 im Rahmen des Entwicklungsdepartements verausgabte Gesamtsumme mitzuteilen. Wedgwood fragte weiter: Wenn eine Anleihe nicht aufgebracht wird, wird dann nicht alles für diese Untersuchung verausgabte Geld vergeudet sein? Cunliffe-Lister erwiderte; Nein, Ich bin nicht dieser Meinung. (Jn der im Juli v. J. vom damaligen Kolonlemninlster Lord Passfleld an den damaligen High Commissioner Sir John Chancellor gerichteten Depesche über Lewis Frenchs Pflichten als Landentwicklungsdirektor wurde der High Commissioner ermächtigt, Ausgaben für das Landen twicklungsdeparteir.ent, einschließlich Vermessung und Experimenten, bis zur Höchstgrenze von 50.000 Pfund Sterling zu machen, wobei diese Ausgaben aus dem Palästina-Fonds zu decken seien.) Xllf. De’egiertentag der „Judäa" Am 13. Februar um 7 Uhr abends, wurde in den Festsälen der zionistischen Bezirksorganisation, VIII., Bennoplatz 1, der XIV. Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs Judäa eröffnet. Der Präses der Judäa, Herr Dezsö Weiß eröffnete die Tagung mit einem warmgefühlten Nachruf für die verstorbenen Mitglieder Koll. Zlemand und Sternberg. — Er begrüßte in herzlicher Welse die erschienenen Festgäste: den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Löwenherz, Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Herrn Hofrat Prof. Dr. Frankfurter, Direktor der Universitätsbibliothek L R., Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka von der Israelitischen Allianz, den Vertreter des Isr. Humanitätsvereines Bnai Brith Herrn Komm.-Rat Klemperer, Herrn Oberrabbiner Doktor Davids aus Rotterdam, den Präsidenten des zionistischen Landeskomitees Dr. O. Grünbaum, Herrn Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Herrn Dr. Israel Waldmann, Herrn De Leeuw, Vertreter des Kartells jüdischer Verfeindungen Deuiscalanns, Herrn Dr. Chaim TarUkower, Herrn Dr. Nahum Blauer, Herrn Dr. Osterer und die beiden hebräischen Schriftsteller aus Palästina Schlorfskij und Steinmann. Als erster begrüßte Rabbiner Dr. Feuchtwang den Delegiertentag. ln seinen Ausführungen wies er auf die führende Rolle der Studentenschaft im Leben der Völker hin und auf die schweren Aufgaben, die die Jugend zu erfüllen habe. Zur Erfüllung dieser Aufgaben sei besonders für den jüdischen Akademiker Einheit der Parole und Einheit des Weges notwendig. Herr Vizepräsident Dr. Löwenherz führte aus, daß er es als eine seiner vornehmsten Pflichten erachte, mit den jüdischen Studenten immer in engster Berührung zu sein. Er wies auf die beschämenden Vorgänge und Ausschreitungen an den Wiener Hochschulen und auf die Interventionen der Israelitischen Kultusgemeinde bei den Universitätsbehörden und bei der Regierung hin. Er freue sich, dem Delegiertentag mltteilen zu können, daß es durch das große Interesse der Kultusgemeinde gelingen werde, vorläufig ein provisorisches Studentenheim für 45 Studierende in der Herklotzgasse zu schaffen und wünsche er im übrigen, daß die inneren Kämpfe in der Judäa aufhören und die wichtigsten Fragen ln dieser Hinsicht auf dieser Tagung gelöst werden mögen. Herr Hofrat Dr. Frankfurter betonte sein vollstes Interesse für die Fragen der jüdischen Studentenschaft und wünschte, daß alle Bemühungen diesbezüglich Erfolg haben möchten. Er begrüße insbesondere die Schaffung des Studentenheimes und versicherte, daß er der Judäa immer mit Rat und Tat zur Seite stehen werde. Herr Rabbiner Dr. Kaminka begrüßte den Delegiertentag namens der Israelitischen Allianz, welche jetzt Veranlassung haben werde, ln erhöhtem Maße inre Aufmerksamkeit der jüdischen Studentenschaft zuzuwenden, da es eine statutarische Aufgabe der Allianz sei, leidenden Juden — und die jüdischen Studenten an der Universität seien leidende Juden — zu helfen. Herr Dr. Oskar Grünbaum berührt ln seinen Ausführungen vornehmlich die Frage des Studentenrpchtes und wünscht, daß der Hochschulausschuß sich die Resolution des Ringes der Alten-Herren-Verbände, welche besagt, wir sind einverstanden mit dem Studentenrecht unter der Voraussetzung der Gleichberechtigung und unter entschiedener Ablehnung des Standpunktes der Volksbürgerschaft, zu eigen mache. Er wünscht, daß die neugeschaffene «Haganah» nicht nur ein Abwehrmittel, sondern auch ein Mittelpunkt für die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend werde. Herr Dr. Tartakower begrüßt die Tagung namens des «Keren Kajemeth» und wünscht, daß die jüdische Studentenschaft wie unter Herzl wieder die Trägerin der jüdischen Bewegung werde. Herr Oberbaurat Ing. Stricker, in Vertretung der Zlonisten-Revisionisten präzisiert seinen Standpunkt in der Frage des Studentenrechtes dahin, die Vorlage anzunehmen, keine Einschränkungen zu machen und dann von dieser Basis aus den Kampf um die Gleichberechtigung auf Grund des nationalen Standpunktes zu führen. Herr Dr. I. Waidmann in Vertretung des Verbandes der radikalen Zionisten begrüßt die Tagung mit herzlichen Worten und erklärt, daß der Kampf für das Studenten recht nur auf Grund voller Einigkeit aller zionistischen Faktoren geführt werden könne. Herr Oberrabbiner Dr. Davids aus Rotterdam dankt für die Einladung zur heutigen Tagung der Wiener jüdischen Studenten und teilt mit, daß er und die holländischen zionistischen Studenten die Vorgänge in Oesterreich mit größtem Interesse verfolgen. Er wünsche, daß die «Haganah* mit größter Beschleunigung ausgebaut werde und müsse leider betonen, daß die Juden im Galuth nie eine Gleichberechtigung haben, sondern daß diese Gleichberechtigung nur in Erez Israel möglich sein werde. Herr De Leeuw namens des Kartells jüdischer Verbindungen Deutschlands begrüßte in herzlichen Worten die Tagung, betonte das große Interesse der jüdischen Studenten in Deutschland für die Vorgänge ln Oesterreich und wünschte der Tagung in jeder Hinsicht den besten Erfolg. Hierauf sprach noch der hebräische Schriftsteller und Dichter Schlonsky, welcher betonte, daß neben den wirtschaftlichen besonders die kultural¬ Keln Gesinnungsgenosse darf fehlen bei mir als Kunde Clemiscbe Trooken-Putzerel iiirtutwimiinwii I. Walzer, Wien, II., Taborstraße 43, Tel. A 49248, bringt sensationelle Vo; e «Isonprelse bei verläßlicher und pedanter Arbeit Mantel, Anzug, Kostüm von S 450; Wollwesten S -—95; Kleider Von S 35Q NOte vnS Ansage SOgeln In 1S Minuten S UO Kostenlose Abholung und Zustellung, Samstag geschlossen. Demnächst Eröffnung der neuen Betriebsräume len Fragen im Leben der jüdischen Studenten eine große Rolle spielen sollen. Sodann erstattete der Präses der Judäa, Herr ab«, phil. Dezsö Weiß seinen Rechenschaftsbericht. In diesem Berichte berührte er ausführlich die einzelnen Zweige der Fürsorgetätigkeit, die Tätigkeit der Mensa academica judaica, die traurigen Zustände im Barackenheim in Grinzing, die es notwendig erscheinen ließen, bis zur Erbauung des Studentenheimes 2n eine proviso* rische Unterbringung der Studenten zu denken. Durch die weitgehende Unterstützung der Israelitischen Kultusgemeinde wird es gelingen, ein Vereinshaus in der Herklotzgasse zu adaptieren, so daß es in nächster Zeit möglich sein wird, für eine würdige Unterbringung von 45 Studenten sorgen zu können. Eingehend berichtete er auch über die Hochschulpolitik, Uber die Beziehungen zum Weltverband der jüdischen Studentenschaft und zu den internationalen Studentenorganisationen sowie über die Bemühungen, auch auf kulturellem Gebiete Fortschritte zu erzielen. Zum Schlüsse dankte er allen Institutionen und privaten Spendern, so wie der jüdischen Presse für ihre Unterstützung mit der Bitte, dieselbe auch ln Zukunft zu gewähren. Die Tagung wurde Sonntag fortgesetzt und über den Rechenschaftsbericht eine lebhafte Debatte abgeführt Nach Erteilung des Absolutoriums für den scheidenden Ausschuß wurde in der Frage des Studentenrechtes die folgende Resolution mit großer Mehrheit und lebhaften Beifall zum Beschlüsse erhoben: «Der D. T. des Gesamtverbandes Jüdischer Hochschüler Oesterreichs, Judäa, begrüßt die Schaffung eines Studentenrechtes auf der Basis vollkommener Gleichberechtigung der Nationen unter Ablehnung des Volksbürgerschaftsprinzipes, das Staatsbürger ungleichen Rechtes schafft.» - Zwecks eingehender Beratung anderer wichtiger Angelegenheiten mußte der Delegiertentag sodann au! kurze Zeit vertagt werden. Die konstituierende Generalversammlung des Verbandes osfjiidischer Vereine in Wien Samstag, den 27. Februar, findet im Lokal des Vereines der Stanislauer Freunde, Wien, II., Praterstraße 11, um 8 Uhr abends die konstituierende Generalversammlung des Rahmenverbandes der ostjüdischen Vereine in Wien statt. Zu dieser Generalversammlung wird jeder Verein dringend ersucht, zehn Vertreter zu entsenden. In den Vorstand delegiert jeder Verein zwei seiner Mitglieder. Durchreise polnischer Palästina- Emigranten Dienstag, den 23. Februar 1932, reist ein Emigrantentransport aus Polen durch Wien nach Erez Israel. Die Gruppe besteht hauptsächlich aus Personen, die von ihren in Eres Israel lebenden Verwandten angefordert worden sind. Die Reisenden treffen um 6.40 Uhr früh am Ostbahnhof ein und setzen die Fahrt um 7.40 früh von demselben Bahnhof (Abfahrtseite) nach Triest fort Der Präsident der zionistischen Landesorganisation der Tschechoslowakei in Wien Die Lese- und Redehalle jüdischer .Hochschüler in Wien begeht in den nächsten Tagen ihr 75. Seraesterfest . - Die Leitung der genannten Vereinigung veranstaltet aus diesem Anlaß u. a. auch ein öffentliches Meeting, an welchem als Gast der Präsident des Zionistischen Landesverbandes der Tschechoslowakischen Republik Dr. Josef Rufeißen über das Thema «Zur zionistischen Ideologie» sprechen wird. Das Meeting findet am Sonntag, den 28. d. M., im Festsaal des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, bei freiem Eintritt statt. Beginn 8 Uhr. Der Vortrag Dr. Rufeisens, der im tschechoslowakischen Judentum eine führende Rolle elnnimrat, wird gewiß größtem Interesse begegnen. Polnisches Verkehrsbflro in Wien Das sowohl in Polen als auch in Frankreich rühmlicfist bekannte Reiseunternehmen «Francopol» hat seine Tätigkeit auf Oesterreich ausgedehnt und im Gebäude des Polnischen Konsulates, Wien, In., Rennweg 1, ein Polnisches Verkehrsbüro eröffnet Die zahlreichen nach Polen reisenden Geschäftsleute wie auch andere Personen werden zweifellos diese Neueröffnung begrüßen, zumal sie nicht mehr wie früher ihre ‘ kostbare Zeit vor der Abreise zur Besorgung der Paßvisen und Fahrkarten verwenden brauchen werden. Das Verkehrsbüro «Francopol» erledigt promptest alle Reiseformalitäten, Dadurch wird der Verkehr zwischen Oesterreich und Polen nicht nur erleichtert, sondern auch gefördert werden. Das Unternehmen hat sich zur Aufgabe gestellt, den Fremdenverkehr zwischen Oesterreich und Polen zu heben, zahlreiche Gesellschaftsreisen von Frankreich und Amerika nach Polen über Oesterreich zu leiten, sowie Gesellschaftsreisen von Polen nach Oesterreich zu organisieren. Das Verkehrsbüro «Francopol» steht dem reisenden Publikum ln Reise-, Paßvisen-, Messe- und sonstigen mit einer Reise verbundenen Angelegenheiten gerne zur Ve*w fügung. Es erteilt vollkommen kostenlos alle gewünschten Auskünfte. Fahrkarten für alle in- und ausländischen Bahnen sind dort zu Originalpreisen erhältlich.

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