Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-02-18 · Heft 215 (18.2.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 215 (18.2.1932)
Date
1932-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3053970--2805-3058251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sette 4 Pit STIMME Nr. 215 — 18. Februar 1932 Zum frefeii Wir reaktivieren die «Stimme der Jugend». ln neuer Form. Mit neuem Inhalt. Die Jugendlichen selbst redigieren diese Beilage. Die Jugendlichen selbst werden an ihr mitarbeiten. Wir wollen eine Plattform für die Jugendlichen schaffen. Wir hoffen, daß die große Schar unserer Anhänger dies mit Begeisterung und tatkräftiger Unterstützung empfangen wird. *Die Stimme der Jugend» ist Euer aller Blatt! Helfet, sie auszubauen! Redaktion *Dle Stimme der Jugenth. Preisausschreiben der „Stimme der fügend“ Die Redaktion der «Stimme der Jugend» veröffentlicht hiermit ein Preisausschreiben für Auftftfee verschiedenster Art, die für die «Stimme der Jugend» sich eignen. ErsterPreis:S 25.— bar. Z w e i t e r P r e 1 s: Ein Jahresgratisaborniement für die «Stimme». Dritter Preis: Ein Halbjahrgratisabonnement für die «Stimme». Mehrere Trostpreise. Die prämiierten Artikel gehen in das Eigentum der «Stimme» über. Die «Stimme» hat das Recht, diese honoraitrei zu veröffentlichen. Die Aufsätze müssen mindestens eine Schreibmaschinenseite, nicht mehr jedoch als fünf Schreibmaschinenseiten umfassen. Letzter Einsendetermin 15. März 1932. Näheres ln der nächsten Nummer unseres Blattes. Feinde in aller Welt Ueberall erblicken wir Feinde des jüdischen Volkes und sie leitet nur ein Gedanke, der Gedanke «Nieder die Juden». ln Deutschland ist es der «Uebernehmer der Macht» Hitler, der alle nach 1914 naturalisierten Juden ausweisen und die wenigen, die dann noch in Deutschland verbleiben, brotlos machen will. Hitler scheint den Wunsch zu haben, der Auferstehung des Mittelalters beizuwohnen. Ob sein Wunsch ln Erfüllürtg gehen wird, Ist eine andere Frage. Die polnischen National-Demokraten rufen die Bevölkerung Polens zum Boykott jüdischer Geschäfte auf und veranstalten nebenbei kleine Pogrome. Im Sejm bringen sie Gesetzentwürfe ein, die der jüdischen Jugend die Möglichkeit des Studiums rauben sollen. In Rumänien hat Hitler In der Person des Herrn Cuza einen würdigen Kampfgenossen gefunden, der zwar nicht der «bevorzugten» nordischen Rasse angehört, aber, so glaubt Hitler, zu Judenmorden geeignet Ist. (Sein Talent hat er schon oft bewiesen.) Und bei uns in Oesterreich haben die Hakenkreuzler den «heiligen» akademischen Boden zum Kampfplatz erkoren, wo sie ungestört, jeden, der ihnen nicht Zu Geeicht steht, verprügeln können. Anstatt ihrem Treiben ein Ende zu bereiten, erfüllt der Herr Unter* riehbmlrtlster ihre Förderung nach einer itiidenfenördnung, aufgebaut auf der antisemitischen Rassentheorie. Die nationalsozialistische Preses meldet frohlockend die Gründung von Hitler-Gruppen in Skandinavien, In den Niederlanden und sogar In Amerika. Ueberall mehrt sich die Zahl unserer Feinde. Aus dem Wachstume der antisemitischen Bewegung müssen wir Konsequenzen ziehen. Wir müssen uns In dieser schweren Stunde tum Abwehrkampfe rüsten. Doch es wäre falsch zu glauben, daß wir durch Assimilation, durch Patriotismus die Angriffe unserer Feinde tbwehren werden. Hitler kennt keinen Unterschied zwischen C. V. Juden und Zionisten. Unsere Oe- Schlchte zeigt uns, daß wir, wenn wir als Juden unseren Feinden gegenübertraten, ihre Angriffe abgewehrt haben, Und so sehen wir, daß die politische Lage der uden ln Ländern, in denen sie sich als nationale uden erklärt haben, wie in Jugoslawien oder in Bulgarien, reiativ besser ist, als die Lage der Juden in Ländern wie in Ungarn, wo sie treue Patrioten sind« Nur eine offene nationale Politik wird uns befähigen, den Angriffen unserer Feinde entgegen«]- tfeten und sie abzuwehren. Falsch ist es, sieh auf fremde Kraft und Hitler zu verlassen. Durch zwei Jahrtausende haben wir nur mit unserer eigenen Kraft unsere Kämpfe bestanden und wir werden es auch weiter tun müssen. Wir sehen auch, daß unsere Feinde vor Juden, die offen als Juden auftreten, Respekt kriegen. Für das jüdische Volk darf es jetzt nur eine Politik geben, die jüdisch-nationale. Eine Politik, wie sie die Asslmllanten und Agudlsten führen wollen, wird uns nur ins Verderben führen. In dieser schweren Stunde müssen wir der Worte Plnskers eingedenk sein: Im en am! H-mi-ll? Wir vertrauen auf unsere eigene Kraft. Aja G. Benjamin von Tudela Ein jüdischer Forschungsreisender im 12. Jahrhundert Von Elijahu Strauß Die jüdische Literatur des Mittelalters ist sehr arm an Reisebeschreibungen. Wenn schon für den Christen in jener Zeit das Reisen eine sehr beschwerliche Sache war, so galt das in noch viel höherem Maße für di( luden. Der Jude stand außerhalb des Kähmens der Gesellschaft und hatte daher überall mit viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Unter den wenigen Rdsewerken, welche uns aus der jüdischspanischen Epoche überliefert wurden, ist das bedeutendste das des Rabbi Benjamin von Tudela. Rabbi Benjamin ben Jona war ein spanischer Jude aus dem 12. Jahrhundert, der aus der Stadt Tudela stammte. Diese Stadt lag an der Grenze der Königreiche Navarra und Aragonien und die Juden besaßen dort zu ihrem Schutze ein eigenes Kastell. Rabbi Benjamin unternahm seine Reise im Aufträge von spanischen Juden, die eine Auswanderung der Juden nach dem Orient organisieren wollten. So kam Benjamin von Tudela dazu, den Orient als Experte zu bereisen. Er teilt selbst mit, daß er den Bericht nach Kastilien brachte und dann in seine Heimat zurückkehrte. Seine Reise führte ihn zuerst nach Italien, wo er sich ein Jahr aufhielt. Er berichtet eingehend über die Größe der jüdischen Gemeinden und ist voll des Lobes über die Gelehrten, «die sich Tag und Nacht mit dem Studium der Heiligen Schrift abgeben». Auch ln Griechenland fand er eine zahlreiche jüdische Bevölkerung. Er erzählt, daß er am Fuße des Parnaß eine jüdische Kehilla von 200 Familien fand, die «säte und erntete». Als Rabbi Benjamin nach Sinon Potamo kam, hörte er Von den «Wlachen», die im Gebirge als Räuber wohnen und ihren Kindern jüdische Namen geben. Eine merkwürdige Nachricht! Vielleicht waren diese «Wlachen», von denen er sagt, daß sie keine wahren Christen seien, nichts anderes als die bosnische Sekte der Bogomilen; Bei denen tatsächlich hebräische Namen gebräuchlich waren. In Konstantinopel fand Rabbi Benjamin eine jüdische Bevölkerung von 2000 Familien, darunter 800 Karäer. Nun begann seine eigentliche Mission, das Studium der Lage der Juden im Orient. AUS seinen sehr glaubwürdigen und vielfach bestätigten Berichten ersieht man, daß die Lage der Juden im Orient damals viel besser war als in Europa. Schon in der Inselwelt des Aegäischen Meeres fand Rabbi Benjamin eine starke jüdisch« Siedlung. Ueberall gab es auch käräische Gemeinden und auch <jl« Samaritaner waren weit verbreitet. Io Palästina selbst War die jüdische Bevölkerung nicht allzu groß. So lebten dantais in Jerusalem im ganzen vier Familien. Ddr zeitgenössische Reisende R. Pelächjä aus Regensburg will nur eine jüdische Familie ln Jerusalem an getroffen haben. In Hebron aber gab es Überhaupt keine Juden. Dagegen zählte Damaskus 3000 jüdische Familien und in Tidmor gab es einen kriegerischen jüdischen Stamm, der staatliche Selbständigkeit genoß. Die jüdische Bevölkerung im Irak war besonders zahlreich. Die Kalifen von Bagdad begünstigten sie außerordentlich und das Judentum besaß im Exilarchen, dem Reach-Galutha, einen Fürsten, der an der Spitze eines Verwaltungsapparates stand, der all« die Juden betreffenden Angelegenheiten ordnete. Er war das Oberhaupt aller Juden des Orients bis in das ferne Land «Tobot (Tibet), in dessen Wäldern das Moschustier lebt». Rabbi Benjamin erzählt auch, daß der Resch-Gälutha das Recht hatte, in Audienzen böini Kalifen zu sitzen, während alle mohammedanischen Fürsten stehen mußten. ln Arabien aber fand er zwei mächtige jüdische Reiche, die sich über 16 Tagereisen erstreckten. Zwei Brüder herrschten über dies« ganz selbständigen Staaten und unternahmen Kriegslage gegen die Mohammedaner. 200.000 Familien lebten dört glücklich, jeder unter seinem WeinstoCk und seinem Feigenbaum. So erzählt Rabbi Benjamin. Verschiedene Forscher und Reisende bestätigen diese Bericht«, die allerdings Ziemlich Übertrieben sein dürften. Auch in Persien fand unser Reisender zahlreiche Volksgenossen. Einige Jahre früher, so erzählt er, erhob sich einer dieser Juden mit Natnen David Alroy und erzählte den Glaubensgenossen, daß er der Messias sei und sie nach Palästina führen werde. Er hatte großen Zulauf und der Schah-in- Schah konnte ihn nicht besiegen, als er ein Heer um sich scharte. Schließlich wurde Alroy von seinem Schwiegervater getötet. Rabbi Benjamin reiste dann weiter nach Samarkand und Chiwa, zwei Städte, die am äußersten Rand« der damals bekannten Welt lagen. Dort hörte Rabbi Benja- I min von einem Teile der verschollenen zehn Stämme, der im Lande Nischabur ein selbständiges Reich besitze und von allen Nachbarn gefürchtet werde. Vor einigen Jahren, so erzählt Rabbi Benjamin, unternahm der Fürst von Nischabur, das in den Bergen liegt und von keinem Fremden betreten wird, einen Einfall nach Persien und schlug das persische Heer aufs Haupt. Ein Rachezug des Schah aber wurde vereitelt. Rabbi Benjamin selbst will einen Juden namens R. Moschek kennen gelernt haben, der ihm ail dies berichtete. Auch dieser phantastisch klingende Bericht wird vielfach bestätigt. Es bestand tatsächlich im 12. Jahrhundert in Chorasan ein jüdisches Fürstentum. Von Persien kehrte der Verfasser der «Massaot R. Benjamin» über Aden und das Nittal, dann Über Aegypten, Italien und Deutschland nach Spanien zurück, wo er nach achtjähriger Reise im Jahre 1173 ankam. Zionistische Mittelschfllerschaft Der „Verband zionistischer Mittelschüler" und der „Rahmenverband zionistischer Mittclschülerverbindungen" haben sich zu der „Rahmenorganisation der zionistischen Mittölschülerschaft" zusammen geschlossen. Diese neue Organisation stellt nicht nur die emsige berechtigte Vertretung der zionistischen Mlttelschülerschoft dar, sondern bildet auch als zionistisch unpolitischer Dachverband die Basis zur Intensivierung der jüdischen Mlttelschülerschoft. Die R&hmenorg&hisation wird durch Kundgebungen und Veranstaltungon aller Art, deren erste bereits ln nächster Zelt stattflhden werden, versuchen, den nationalen Oedanken, der — noch nach Tausenden zählenden — dem Zionismus fernstehenden Massen der studierenden Jüdischen Jugend näherzubringen und für die nationale Wiedergeburt zu gewinnen. Die Ftahmonorganlsatlon wird besonderes Gewicht auf kulturelle Erziehung der Mitglieder der abgeschlossenen Organisationen legen und versuchen, durah Veranstaltungen und Kurse aller Art die verschiedensten Interessen zu befriedigen. Die steigende Not jüdischer Jugend, das Anwachsen, des Radauantisemitismus zwingt uns zum neuerlichen Zusammenschluß und zu tatsächlicher Arbeit Großes Augenmerk werden wir besonders auf die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Studenten richten, um sie suchm dieser Beziehung für ihre Aufgabe entsprechend vorzybereitan. Die jüdische Jugend Wiens, der Stätte, von der aus das Wort Herzla an das jüdische Volk erging, hat ein« große, hohe Aufgabe: — Vorposten zu sein —, Vorposten der Wehr und des Kampfes, Vorposten jüdischer Kultur und jüdischen Geistes. Die geeinte studierende jüdische Jugend Wiens, bewußt ihrer Tradition als WcgbCreltertn jüdlnohneZlohdlea Geistes, nimmt mutig den Kampf gegen alle Feinde de« Judentums und für das Jüdische Volk auf ünd hofft auf die XJpterstützunlf durch die jüdischen Massen. jeder jüdische Mittelschule? gehört zu uh«: Für das Präsidium: Bonns Edelstein (Ratimenverband der zlon. MittelflchUlerverblhdUngtUi;: Erleb Welf (Verband Zionistischer Mittelschüler Oesterreichs) l»a«s nt* mz'in JaMa-Oranqen. «rase Frau KamMl-Belne, Ko««ak Schaman-Olivenei Chcdsra-Honia liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samuel Halsem Wien, n., fSnlttssut 6 t«k A 46-4-12 - - * - - - - —-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.