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Die Stimme · 1932-02-18 · Heft 215 (18.2.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 215 (18.2.1932)
Date
1932-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite l DIE STIMME Nr. 215 — 18. Februar 1932 8. Erkläre« sich die Repräsentanten damit einverstanden, so sollte die Provinzadministration des jüdischen Distriktes nach den Richtlinien der für Indien entworfenen Provinzverfassung, wie sie der arabischen Exekutive von dem Moulana Schaukat Ali dargelegt wurde, gebildet werden. 9. Die vom Völkerbund aufgestellten Hauptprinzipien für. die Behandlung von Minderheiten sollten auf die Minderheitengemeinden im jüdischen wie im arabischen Distrikt angewandt werden. 10. Die Einwohner sollten die freie Wahl haben, innerhalb einer von der Round Table-Konferenz festzusetzenden Frist aus dem einen in das andere Gebiet überzuwandern. 11. Nach Ablauf dieser Frist ist der Status der Minderheiten automatisch ein solcher, als ob sie die Verfassung samt den Bürgschaften für die Minderheiten akzeptiert hätten. 12. Unter keinen Umständen wird bei Behandlung von Personen ein Unterschied hinsichtlich ihrer Rasse oder Religion gemacht. 13. Kein die Interessen derAraber oder der Juden berührendes Gesetz wird angenommen, wenn ihm nicht die Mehrheit der Repräsentanten der betreffenden Gemeinschaft zustimmt. 14. Alle aus irgendeinem Interessen- oder Meinungskonfllkt sich ergebenden Fälle werden einem | besonderen, von der Regierung Palästinas einzusetzenden richterlichen Tribunal unterbreitet; eine Berufung kann an den Völkerbund nur hinsichtlich der juristischen Seite geleitet werden. 15. Palästina wird Mitglied des Völkerbundes unter den gleichen Bestimmungen wie der Irak. 16. Die Verfassung des jüdischen Distrikts hat die gleiche bindendeKraft wie die Gesamt- Verfassung Palästinas und kann nicht abgeändert werden. 17. Die Palästinaverfassung wird nach den Richtlinien der Selbstverwaltung entworfen, die Macht liegt in den Händen der gewählten Volksvertreter. 18. Die Araber und die Juden werden ihrer Bevölkerung gemäß vertreten sein, wobei durch gegenseitige Zustimmung hinreichend normierte Bürgschaften für jüdische Interessen festgesetzt werden. 19. Sache der Round Table-Konferenz wird es sein, die provinziellen und die zentralen Angelegenheiten. zur Erleichterung der Administration voneinander zu trennen. 20. Das Problem Jerusalem bleibt das schwierigste. Eines ist klar: Jerusalem muß die Hauptstadt Palästinas bleiben. Die Lösung dieses Problems muß Gegenstand einer besonderen U e b e r 1 e g u n g sein. Der Premierminister Südafrikas wokni dem Weizmann-Bankeii bei Kapstadt, 12. Februar. (J. T. A.) Die große Keren Hajessod-Aktfon in den Ländern der südafrikanischen Union wurde am 10. Februar in Kapstadt mit einem Bankett zu Ehren von Chaim Weizmann und Dr. Alexander Goldstein eingeleitet, bei dem 6200 Pf. für den Keren Hajessod aufgebracht wurden. Premierminister General Hertzog hielt auf dem Bankett eine Ansprache, in der er atisführte: Es ist etwas an dem zionistischen Gedanken,, daß er von Köpf und Herz nicht nur aller direkt an ihm Interessierten, sondern auch jedes Menschen Besitz ergreift; und so appelliert der Zionismus auch an mich, an die nichtjüdische Gemeinschaft. Südafrikas. Washington. (J. T. Ä.) Nahijm Sokolow, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewlsh Agency, ist am 1. Februar in Washington eingetroffen und kam schon am Tage seiner Ankunft mit einigen führenden Persönlichkeiten der Regierung der Vereinigten Staaten und der diplomatischen Welt zusammen. Er besuchte u. a. den britischen Botschafter Sir Roland Lindsey und besprach mit Oberstrichter Brandeis Angelegenheiten des American Paiestlne Committee, der zionistischen Politik und'der zionistischen Arbeit in Amerika. Am Abend waren er und seine Tochter Dr. Cellna Sokolow Gäste von Senator William King aus dem Staate Utah und seiner Gattin. Senator King hat zur Gründung des American Pale¬ Ich hege nicht den geringsten Zweifel, fuhr Premierminister General Hertzog fort, daß Dr. Weizmann in Südafrika die weitestgehende, bereitwilligste und herzlichste Hilfe und Förderung für das wunderbare Werk des Aufbaus des jüdischen Nationalheims finden wird. Es folgte eine Ansprache des früheren Südafrikanischen Premiers und jetzigen Führers der Opposition General Smuts, der in längeren Ausführungen die zionistischen Bestrebungen und das Aufbauwerk in Palästina darlegte,' der Persönlichkeit Dr. Weizmanns huldigte nhd seinen Verdiensten warme Anerkennung zöllte mWashmgion siine/CopnjfiUei sehr ” vielrbei^tragenf uhd‘ war'kii'f' dem Gi^nduhjgsbaltÄ.^tfes“ Cö'}^rttee’A%asimeister.-' In den .folgenden Tagen kam Sokolow mit dembekannten kongreßmann Hamilton Fish, Autor der prozionistischen Resolution des Kongresses i. J. 1912, zusammen. Fish teilte Sokolow mit, daß er entschlossen sei, sich an der Arbeit des American Palestine Committee aktiv zu beteiligen. Sokolow ,, sprach Senator King und Congreßman Fish im Namen der zionistischen Organisation den Dank für. die-warme Förderung der zionistischen Sache und für ihre Bereitwilligkeit, auch weiterhin ihre Kräfte der politischen, .materiellen und moralischen Förderung des Werkes zu widmen, aus. ÜBVisionisfBO «Ersuchen, Bentwicbs ‘ " an der Jerusalemer Universität zu stören Jerusalem, 11. Februar (J. T. A.). . Die am 10. Februar nachmittags an der hebräischen Universität zu Jerusalem stattgefundene Antrittsvorlesung des früheren Oberstaatsanwalts Palästinas Norman Beot- Wicfi* der zum Inhaber des Welzmann-Lehrstuhla für internationales Recht und Frieden an der Universität ernannt wurde, Ist durch Revisionisten erheblich gestört worden. Die Revisionisten brachen bei Erscheinen von Bentwich in feindliche Rufe gegen ihn aus, warten Stinkbomben, riefen: «Nieder mit Bentwich, er möge dem Mufti Frieden predigen!» usw. Die Störung war von einigen Führern der revisionistischen Jugend, unter ihnen Achi Mayer, arrangiert worden. Nachdem der Tumult etwa eine Viertelstunde gedauert hatte, erschien Polizei und verhaftete zwölf Ruhestörer. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency br. Chaim Arlosoroff, Dr. Maurice B. Hexter und Dr. Berkson, die der Vorlesung beiwohnten, bemühten sich, die wie. wild sich gebärdenden jungen Leute zum Schweigen zu bringen. Die Revisionisten riefen: «Entfernt die Polliet aus dam Saale!» Der Kanzler dir Universität Dr. J, Magnas ver* sprach, die Polizei zum Verlassen des Saales, zu bewegen, wenn die Führer der Tumultuanten sich verpflichten, für Wiedereinkehr der Ruhe zu sorgen.-Schließlich trat Ruhe ein. Norman Bentwich, der diesen Vorgängen ruhig lächelnd zuschaute, nahm nun die Vorlesung auf und sprach eine Stunde lang über die Aufgabe seines Lehrstuhls. Als er mit dem Vorschlag endete, Jerusalem zum Zentrum der Weltfriedensbewegung zu machen, spendeten ihm die mehr als 600 Zuhörer enthusiastischen BelfalL Der Kanzler der Universität Df. J. Magnes veröffentlichte nach Beendigung der Vorlesung von Bentwich die folgende Erklärung: «Ich bedauere es unendlich, daß sich heute nachmittag aus Anlaß der Antrittsvorlesung dea Herrn Bentwich an der hebräischen Universität in Jerusalem, der Stadt des Friedens, Zwischenfälle solcher Art ereignen konnten. Ich habe sofort eine Untersuchung über Ursache und Urheber der Störung angestellt und kann auf Grund derselben feststellen, daß es sich bei den Störenfrieden nicht um Studetiten der Universität, sondern um Bihdtinglinge, die nicht Studenten sind, handelt. Ich erachte es als Von Wichtigkeit, däß dies der OettentHchkelt in Palästina und im Auslände zur Kenntnis gebracht Wird.» Palästina-Produkt*! Eine der wichtigsten Aufgaben für eleu Aufbau Palästinas lat die Förderung des Absatzes seiner Produkte. Ea ergabt daher dar Huf an all« Zionisten, die Jatfaorangen aoderan vorzutlahon und dies« bei der Firma B&muel Halpern, Wien, II., Förstergass« 6, 1*61. A-4G-4-12, su bestellen. Dr. Seipel über Nation und Staat Im österreichisch - ausländischen Studentenklub hielt Altbundeskanzler Dr. Seipel Montag abends einen Vortrag über das Thema «Nation und Staat». Der eigentliche Zweck dieses Vortrages war es jedoch, für das Studentenrecht Propaganda zu machen, Seipel sagt uns in einem Satze, wie er sich die im Regierungsentwurf normierte Gleichberechtigung vorstellt. «Die Studentennationen sollen neben der stärksten und ein natürliches Hausrecht Übenden deutschen die primäre Gliederung der Studentenschaft ab geben.» Das heißt bei Dr. Seipel Gleichberechtigung, das isl das Resultat seiner gewundenen, in diesem Vortrage gebrachten Ausführungen über das Recht der Minderheiten nach den Friedensverträgen, Doktor Seipel irrt, wenn er annimmt, daß die Juden sich mit seiner These vom «H a u s h e r r e n r e c h t* der Deutschen und damit mit einef Degradierung der Juden abfinden werden. Wir werden für unsere ,yßrk fassungsmäßig verbürgte Gleichberechtigung. zu kämpfen wissen. Dr. Seipel möge sich daran erinnern, daßauch Oesterreich im Friedensvertrage -die Glej^h*: berechtigung der Minoritäten als «Grundsatz» der. Re-s publik Oesterreichs anerkannt hat und daß €8 nicht nur darauf ankommt, welche Meinung unsere Antisemiten von der «Gleichberechtigung» haben. Dr. Seipel versucht es auch, sich mit der abnormen Lage der jüdischen Nation auseinähderzüsetzen. Er stellt fest: «Die Unterscheidung nach der Religion spielt jetzt noch eine große Rolle bei den Juden. Die Nationaljuden betrachten ihre Religion nach wie vo.t als wesentliches Merkmal ihrer Kultur, um so mehr, als sie eine eigene Sprache nicht mehr oder hoch nicht haben. Die jüdisch?nationalen Studenten bilde» gerne eine Studenten-Natipn. Wenn sichaber einer von ihnen taufen läßt, schließensie ihn aus. Kannman von der deutschen Studentenschaft verlangen,- daß sie diesen dann aufnehme? Kann man ihr zumuten, daß sie etwa alle, die in irgendeiner anderen. Nation nicht Platz finden oder von Ihr ausgeschlossen wurden, wie einen der. Ihrigen behandelt? Aber es kämen auch die katholische Kirche und die anderen christlichen Konfessionen ln ein sehr übliches Licht, wenn sie scheinbar mit der Taufe zugleich entnationalisierten.» Dazu wäre zu sagen, daß wir die jüdische Reli-- gion nicht nur als ein wesentliches Merkmal -unserer Kultur, sondern auch als -Voraussetzung JUr :die Zuger, hürigkeit zur jüdischen Nation ansehen.' Dr. Seipef stellt fest, daß wir Täuflinge?entschieden.ablehnen, die. nach - seiner . Ansicht1. duTCh’.'di<&.Taute?;ntoht.\&entqatiö*. nalisjert» sind. UnMntesessie-rt *8Hm.kefflet3V.«tisß,;&tor mit unseren Renegaten geschieht, o.b sie in-die Deute sehe Studentenschaft aufgenommen, werden oder nicht; wir werden sie uns jedenfalls nicht aufzwingen lassen. Es mag für den christlichen Theologen. Dr. Seipel' peinlich sein, daß der nach kanonischem Recht durch die Taufe gewährte «character indelebllis» durch die famose Studentenschaftsordnung zu einem schwächeren Rechte gegenüber dem «Volksbürgerschaftsrechte» wird. Das ist aber auch eine Sache* die uns nichts angeht, die sich Dr. Seipel mit seinen katholischen Priesterkollegen auskochen möge. Wir. steilen nur mit Genugtuung fest, daß Dr. Sejpel sagt: «Die Juden werden nie h t. d a r a u f vc r zfcih t en» die Religion-., a I s yv c 11 te h.: saj&.fcifc$.e h * fl.* Das ist uns aber zu wenig. WI.r.,ye(laiig|tii,:dHß.'.1ftt “Uä4. Juden im Gesetze als weitere Voraussetzung fürste Bildung der jüdischen Studentennation das f r^l e Bev k e n n t n i s zurjüdischen Nation verankert wird. So wie es im österreichischen Eherechte spezielle Bestimmungen für die Judenschaft gibt, so kann es auefy für die Judenschaft im Studentenrecht spezielle Bestimmungen geben, die der abnormen Lage d*r jüdischen Nation Rechnung tragen. Trotzdem muß uns aber die Gesetzgebung dqa gleiche Recht wie den Deutschen gewährleisten. «Volksbürgprtyghäft», «Abstammung» und «Sprache» sind für uns Juden keine Kriterien für die Zugehörigkeit zur jüdischen Studentenschaft. Wenn Dr. Seipel es ehrlich mit der Gleichberechtigung meint, dann darf er nicht den . Versuch maeh’an; uns in das Prokrustesbett Tremder Terminologie : zu pressen und uns damit in■ unseren-.Rechten zu; beeinträchtigen. Findet er doch pathetische. Worte für dtöf Minderheiten, von denen er sagt: .• «Wir glauben, daß ihr Bestand einer Absicht des Schöpfers entspricht Wir glauben nicht, daß eine Einheits- oder eine Mischkultur ebenso vidS Blüten hervorbringen könnte.» Meint das Dr. Seipel wirklich, dann wird seine Politik die entsprechenden Wege Anschlägen müssen.. Sonst erschlägt er mit seiner Politik seine Moraltheologie.’ 1900940476

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