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Die Stimme · 1932-02-11 · Heft 214 (11.2.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 214 (11.2.1932)
Date
1932-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nf 214 — 41» Ft&TMf 493$ dieser Sieinmann und Rbvaham Schlonsky in Wien Seit wenigen Tagen weilen die bekannten hebräischen Schriftsteller Elieser S t e i n ni a n n und Abraham Schlonsky In unserer Stadt, die in. Palästina «Ketuwim», das Organ der jungen kämpfenden Dichtergeneratiön herausgeben. Die beiden sind dem hebräisch lesenden Publikum gut bekannt. Es sind zwei Schaffende von Format, die auch in jeder anderen Literatur eine herv ngende Stellung einnehmen würden. Elieser Steinmann wurde im Jahre 1890 in einem podoiischen Städtchen als Sohn eines Rabbiners geboren, studierte in der berühmten Talmudschule Perlmutters in Kischinew und kam im Jahre 1912 nach Warschau, wo er indische Erzählungen und verschiedene Skizzen druckte. Nach dem Kriege lebte er einige Zelt in Odessa, später gab er ln Warschau d5e hebräische Zeitschrift < koloth» heraus. Im Jahre 1924 tibers«edclte Stein mann nach Palästina, gründete dort die literarische Wochenschrift *Kefuwim». «Ketuwitn» waren in der ersten Zeit das Organ der hebräischen Schriftstellervereinigung in Palästina. Nach einer scharfen Auseinandersetzung mit Bialik und F.chmann, die durch die Toleranz dieser beiden der jiddischen Sprache gegenüber hervorgerufen wurde, zog sich die Vereinigung von diesem Organ zurück und die «Ketuwim» wurden ein Sprachrohr Steinmanns und der um ihn sich gruppierenden jungen Schriftsteller mit Abraham Schlonsky und Dr. Jakob Horowitz an der Spitze. «Ketuwim» nehmen im geistigen Leben Palästinas eine bedeutende Stellung ein. Es ist eine lebendige Zeitschrift, die dusch und durch modern redigiert wird und gewissermaßen den französischen «Nouvelles Utferaires» ähnlich ist Steinman-n ist einer der fruchtbarsten zeitgenössischen hebräischen Schriftsteller. Er verfaßte folgende Werke: «Esther Chajes» (in zwei Teilen), «Haben Hanoded» (Der irrende Sohn), «Sippurim» (Eine Sammlung von Novellen), ferner den Roman «Sugoth* (Die Paare) usw. usw. In Palästina wie in hebräischen Blättern des Auslandes veröffentlichte er eine Rejhe ..ausgezeichneter Essays und Aufsätze, von denen viele dann als Broschüren erschienen sind. Obendrein ist er ein hervorragender Uebersetzer: Strindberg und andere -europäische .Schriftsteller, hat .er ins Hebräische. Jlber- - tragen. ßteinmanns Stärke ist das Essay und die Kritik. Darin ist er zweifellos in Palästina heute führend. Die Meinung der «Ketuwim» ist ausschlaggebend. Er ist auch der Führer des Klubs «Amudäim», einer zwangslosen Geistesgemeinschaft, die ,die Ideen und Richtung der «Ketuwim» verficht. Steinmann steht auch an der Spitze des Verlages «Ketuwlm», für den er Jetzt eine Aktion in Europa unternimmt. Abraham S c h l ö n s k y ist unter den jungen palästinensischen Dichtern zweifellos einer der originellsten und begabtesten. Er ist ein Dichter von Gottcsgn'aden, dessen Wirkung für die hebräische Literatur bestimmt von großer Bedeutung sein wird; ein Lyriker par excellence, der ursprünglich von der russischen Nachkriegsdichtung (Majakowski}, Jessenin, Blök und änderen) stark beeinflußt war, später jedoch seine eigene Note fand. Seine Dichtungen «D’waj» (Das Leid), «Bagalgal» (Im Kreise), «L’Aba ul Ima» (An Vater und Mutter), wie auch «B’Ele Hajamim» (In diesen Tagen) gehören zu den Perlen der jüngsten hebräischen Dichtung. Nach seiner Europareise im vorigen Jahre verfaßte er einen Zyklus «Kerakiel» (Gott der Großstadt). Schlonsky Ist der engste Mitarbeiter Steinmanns und Mifredakteur der Zeitschrift «Ketuwlm». Seine Werke sind der Ausdruck eines unverfälschten, eigenartigen Talents. Seine Meisterung der hebräischen Sprache ist ganz hervorragend. Wir können heute an dieser Stelle die Persönlichkeit dieser beiden Gäste nur In wenigen Umrissen skizzieren. Aber schon heute wollen wir unserer Freude Ausdruck geben, daß uns Gelegenheit geboten wird, mit den Führern der jungen palästinensisch-hebräischen Schriftstellergeneration in Verbindung zu treten, mit denen, die in. erster Reihe für das Lebendige Sinn haben und, dem Geiste der Zeit folgend, einen innigen Kontakt zwischen der hebräischen und der allgemeinen Literatur zu schaffen sich bemühen. Was die Chaluzlm in der zionistischen Bewegung sind, dies ungefähr bedeutet die Gruppe der «Ketiiwim» im hebräischen Schrifttum: Sie ist ein Pionier des Neuem In Elieser Steinmann und Abraham Schlonsky begrüßen wir aufs herzlichste die Avantgarde des jungert palästinensisch-hebräischen Schrifttums und wünschen ihnen vom Herzen viel Erfolg bei der Aktion, die sie jetzt in Europa unternehmen. Ein offizielles Romiquee Ober den Fimh-Bepicht Jerusalem, 2. Februar. (J. T. A.) Die Palästina- Regierung veröffentlicht ein Kommuniquee, betreffend den French-Berlcht, das — ähnlich dem bereits mitgeteflten Kommuniquee des Colonial Office ln London — die Mitteilung enthält, daß Lewis French bereits einen einleitenden Bericht dem High Comnilssloner unterbreitet hat und daß ein detaillierter Bericht von French, der sich mit den unmittelbaren Problemen der Landentwicklung befassen wird, im Verlaufe des Monats März zu erwarten ist. Beide Berichte würden dann der Exekutive der Jewish Agency und der arabischen Exekutive übergeben werden, damit diese Gelegenheit erhalten, ihre Bemerkungen zu den Vorschlägen zu machui bevor die englische Regierung ihn zum Gegenstand einer Bochluüfassung macht Diese Information, heißt es in dem Kommuniquee, hat der High Commissioncr kürzlich der Exekutive der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive gegeben. Paföstina in den britischen Reichs-Meist* begünstigungsplan eingeschlossen London, 7. Februar. (J. T. A.) ln der gestrigen Sitzung des Unterhauses gab der Schatzkanzler Neville Chamberlain eine Erklärung über die Tarifpolitlk der Regierung ab, aus der u. a. hervorging, daß Palästina in den jetzt in der Ausarbeitung befindlichen Reichs- Meistbegünstigungsplan eingeschlossen ist. Die im Juli dieses Jahres in Ottawa zusammentretende Reichskonferenz, sagte Chamberlain, werde die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedstaaten der British Commonwealth erörtern. Die Regierung messe dieser Konferenz die größte Bedeutung bei und werde die Konferenz veranlassen, Vorkehrungen zu größtmöglicher Erhöhung des Wirtschaftsaustausches zwischen den einzelnen Ländern des Imperiums zu treffen. Es ist unser Wunsch, fuhr Chamberlain fort, im wirklichen Geiste der Reichseinheit und Harmonie an diese Konferenz heranzugehen. Wir schlagen vor, daß alle Produkte aus den. Kolonien, Protektorätsländem und Mandatsterritorien, entweder von den allgemeinen Zöllen oder von den zusätzlichen Zöllen vollkommen befreit werden. Nashashlbi gegen den Mufti Jerusalem, 7. Februar. (J. T. A.) Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashlbi, überreichte im Namen des oppositionellen nationalen Moslem-Kongresses dem Obersten Gericht in Palästina zwei Petitionen, die die Position des Mufti und die des Moslemitischen Obersten Rates betreffen, ln der einen Petition wird erklärt, daß der Mufti Recht und Anspruch auf die Präsidentschaft im Moslemitiscben Obersten Rat nicht hat, um so weniger, als er ein Gehalt als Mufti bezieht; in der zweiten Petition wird gefordert, daß der Moslemitische Oberste Rat unverzüglich eine Rechnungslegung über die ln der moslemitlschen Welt auf Anregung des Mufti gesammelten Gelder veröffentlicht, damit man endlich jenen Gerüchten auf den Grund gehen könne, die besagen, daß der Muff! einen großen Teil dieser Gelder für sich persönlich verwendist hat Ein zweiter Fall Soroca Czeraowitz, 4. Februar. (J. T. A-) Vör einigen Tagen versuchten vier Personen, den Dnjestt in der Nähe von Tlghlnä nach Rußland zu Überschreiten, uachT dem sie sich zuvor mit einem Grenzsoldaten über ihren Plan verständigt hätten. E>er Grenzsoldat aber verständigte seine Vorgesetzten. Als die vier gegen 11 Uhr nachts am Dnjestr erschienen, wurde einer von Ihnen, der Jude Abraham Silbermann, erschossen, während die drei anderen, die Nichtjuden waren, gefangen genommen wurden. Die Hebraisten in Amerika treten dem Hebraisttft-Weltverband bei New York, 2. Februar. (J. T. A.) Der Verband der Hebraisten vereine Amerikas (Histadruth Iwrith) h.at in seiner soeben in New York abgehaltenen Convention beschlossen, dem in Berlin begründeten Weltverband der Hebraisten beizutreten, Wie ich Gordon gesehen habe (Eine Erinnerung«) Nach dem Kriege. Es kamen die ersten «Schwalben» aus Erez Israel, die «ausgezögen» waren, um den «jüdischen Kindern» In der Galuth von «Mutter Zion» Grüße zu Überbringern Unter diesen Abgesandten, die zum überwiegenden Teil junge, stramme Arbeiter waren, befand sich auch ein alter Jude mit gräüetf Vottbäft» ' Eswar A. D. Gordön. Sie träfen alle In größeren ©d.er kleineren Versammlungen als «Redner* auf. Und sie nahmen die Zuhörer gefangen mit Ihrem warmen, überzeugenden, aber einfachen, ohne Pathos gesprochenen Worten. Gordon ließ sich kaum bewegen, beim Rednertisch Platz zu nehmen. Als ich ihn dann sah, wie er beim Tisch saß, den Kopf auf beide Hände: gestützt und als Ich dann in seine Augen schaute, in w£chen sich jugendliches Wesen Und gesunde, echte Lebensbejahung spiegelten — fühlte Ich im Innersten meiner Seele den Unterschied zwischen «Verbannung» und «Erlösung» (Oaluth—-Geulah), Ich ahnte, welch: abg rund tief er.und himmelhoher Unterschied zwischen «Jüdische*? Kindern» in der Diaspora und jüdischen Menschen Im Xande unserer Väter ist. Als ich dann gesehen und gehört hatte, wie Gordon nach der Versammlung auf eine Gruppe von jungen Burschen, die da standen und debattierten, zuging, mit ihnen, sprach, als wäre er einer aus ihrer Mitte und sie zum Schluß fragte: «Chawerim, matai nitrach beerezisrael» — wann werden wir uns in Erez Israel sehen? da fühlte ich, daß wir alle kleine Menschen, ganz kleine Menschen sind und vor uns einen großen, wahren Menschen haben.. Einen unverfälschten echtfarbigen Sohn der Erde seines Volkes, die aber für ihn das ist, was sie in Wahrheit ist; ein THl des Kosmos, nur ein Stück von der ganzen Erde, der Mutter aller Lebenden. . . Jehuda.. Mit Gordon (Aus dem Aufsatz von Schv Dajah im; «Hapoel Haiair».) . . . Eine Zeitläng wir er Wächter Htf Höfe lind in der Scheune, Wächter ohne Waffe, bloß mit Pfeife;. Wenn er Diebe spüren werde, wollte er es uns mitteilen; eine Waffe wollte er nicht ergreifen, sie ist ein Greuel, einvernichtendes Werkzeug. Aber wachen muß man. In der Scheu-ne schliefen wir, unsere Gewehre über unseren Köpfen, und er spazierte; mit Sicherheit 2Wisdltthldäli.^HiäßfeMv'1lldi<ii(eriSGefNtöftfö . ■ ... Er duldete, kein -'trauriges Gesicht: imd foräerte — forderte tatsächiich’ vönlsehfeh Chawefliri Freude, Munterkeit. Ihr seid jung, pflegte er zufechtzüw'elsen, wo ist die Freude der Jugend? . . .Er vertrug nicht das Waschen im Hause, spöttele der Jungen, die zu faul waren, zum Kinereth und Jordan hinunterzugehen, badete selbst mehrmals am Tage Im Jordan und Kinereth, das sei'sehr ^natürlich. ... Zu Gordon pflegte man“ ttbs' verschiedenen Winkeln des Gafil und Emek zu kommen, Jüngert und Mädel, um zu sprechen, seihen Rät 2u beftagen* in seinet Nähe zu sein, Meinungen -und' Gedanken zu klären, Stellungen und Anschauungen in verschiedenen Fragen festzulegen ... ln seiner Nähe wurden viele ermutigt; er verstand die Seele des Menschen und wußte Verzweiflung aus dem Herzen zu vertreiben. Er, das Symbol des Selbstvertrauens, war beispielgebend. Steigende Keren Hajessod-Eingänge Das Hauptbureau des Keren Hajessod teilt mit, daß an Spenden im Monat Dezember 1931 21.647 Pfund Sterling gegen 18,351 Im November und 16.205 Im Oktober eingeflossen sind: An den Gesamteinnahmen des ersten Quartals des laufenden Budgetjahres in Fjdhe von 56.204 Hund Sterling plnd dl* Vereinigten Staaten mit [6J52S, England mit 10.753* Südafrika-mit $729 Und pöien m|t 4002 iPfund Sterling beteiligt; pie Vergleichs- Ziffern für das Quartal Öktöber-Dezembcr tihd 1929 betragen 43.091 bezw. 59.116 Pfund Sterling. Die Eingänge sind also erheblich Tiöher als ffh letzten Jahre und etwas geringer als vor zwei Jahren, pie Berichte, die das Hauptbureau aus alten Ländern erhält, geben ein deutliches Bild von den Schwierigkeiten, die sich in der Hauptsache aus den wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen ergeben, lassen aber auch erkennen, daß trotzdem die Keren Hajessod-Arbeit mit unverminderter Energie forigeführt wird. Das Hauptbureau hat an sämtliche Komitees ut$ an alle seine Delegierten die Mahnung gerichtet, Inden kommenden Monaten die Aktionen auch dort, wo sie bisher aufgeschoben werden mußten; unter Einsatz aller Kräfte durchzuführen. •) AnliattoU C«» aehntiHi TodostwWÄ. (Anm,4, Red.) VcransiaHimq der qetamfsn ZiOKlSn»«h«lt JlHICIldXIHIUII' » M«wocMen9.Mär2 imSUhrabends tfm des Keren Kalemeth« Ort: Bayrischer Hof, Wien, II., Taborstraße Nr. 39

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