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Die Stimme · 1932-02-04 · Heft 213 (4.2.1932) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 213 (4.2.1932)
Date
1932-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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!**»»?» DIE STIMME Nr. 213 — 4. Februar 1932 Liier atfur/ Kunst / Theater Eugen Tschirikow Ein Nachruf. Von Dr. Karl Rosenfeld. Stille EmigTantentragödie ... Von seiner Heimat weit verbannt, von Schicksalsschlägen verfolgt und gebrochen, starb Eugen Tschirikow einsam, vergessen und verbittert — in Not. Und doch gehörte der tote Dichter vor zirka 25 fahren zu den bedeutendsten Dramatikern, zu den geistvollsten Romanschriftstellern und feinsinnigsten Essayisten der damaligen, gigantischen, russischen Literatur. Seine Dramen beherrschten nicht nur ganz Rußland und Polen, von den kaiserlichen Theatern von Petersburg und Moskau angefangen bis zu den kleinsten Volksbühnen und Dilettantenschmieren in polnischen Dörfern. Er wurde auch in Deutschland, Frankreich und England, in Rumänien, ja auch in Amerika stürmisch gefeiert. Und wenn wir heute dieser so tragisch erloschenen, einst so hell leuchtenden Säule der russischen Dramaturgie gedenken, so danken wir Tschirikow nur ganz bescheiden fir sein edles Denken und aufrichtige Freundschaft, für seine Treue und Liebe, die er uns, Juden, wahrlich aufopfernd entgegenbrachte. Wir haben vor und nach Tschirikow hunderte von Judentypen auf der Bühne wandeln oder — leider — tänzeln gesehen. Abgesehen von der jüdischen Bühne, von Goldladen, Gordin, Lateiner und Richter, schufen russische und polnische Schriftsteller, wie Gorki und Tschechow, Zapolska und Feldmann viele Judengestalten, die sie jedoch fast ausschließlich von dtr tragikomischen Seite erfaßten und in einer unnatürlichen Verzerrung vorgeführt haben. Ohne «Marscheük» und «Mizwetänrel», ohne «Schadchen» oder «Szlachcicmoszko» war ein «jüdisches Stück» in der slavischen Bühnenliteratur kaum zu finden. Viel tiefer und objektiver in der Erfassung des jüdischen Typus, wenn auch nur in Episodenrollen, war der polnische Dichterfürst Wyspianski in seinem epochemachenden Drama «Die Hochzeit». Sein Jude, seine Rachel sind — keine Spaßmacher! Gleichfalls ernste, vollwertige Menschen schufen selbstverständlich auch unsere Großen, wie Dawid Pinski und Schalom Asch, Perez «— in der Novelle und in seiner Eigenart — Schalom Aleichem. Alle jedoch, mit geringen Ausnahmen, entwarfen eine treue Charakteristik des Judentypus nur von seiner privaten Seite. Mit ganz verschwindenden Ausnahmen wagte es kein slavischer oder jüdischer Bühnenschriftsteller, so mutig wie Tschirikow das politische Credo eines Juden, eines Zionisten, von einer nichtjüdischen Bühne erschallen zu lassen. Und hier liegt das Verdienstvolle, das Gigantische und Unvergängliche im Schaffen Eugen Tschirikows. Er war der Erste, der es wagte, mehrere Schwärmer und Märtyrer, Kämpfer und exaltierte Apostel der zionistischen Idee auf europäische und auf amerikanische Bühnen zu stellen und sie heldenmütig im harten Ringen mit . Sozialdemokraten , und Assimilanten siegen zu!assen> Dazu gehörte vor Jahrzehnten ein ganz gewaltiger literarischer Mut. In seinem erschütternden Drama «Die Juden», welches auch in Wien — am Raimund- und Stadttheater — mit durchschlagendem Erfolg aufgeführt wurde, hat Tschirikow erzgegossene Gestalten geschaffen, die fast sämtliche politische Strömungen und Parteien des damaligen russischen Judentums uns so verblüffend treu widerspiegelten, daß wir den Eindruck gewinnen müßten, uns selbst in diesen hartnäckigen Ideenkampf stürzen zu wollen, um sich auf die eine oder die andere Seite zu stellen. Von den stürmischen Volksversammlungen aus. über die russische Gasse getragen, drängte der fanatische Ideenkampf in das Haus des Uhrmachers Leiser Frankel. Um die Seele dieses siebzigjährigen, frommen Gottesdienstvorbeters wickelt sich schicksalschwer der Faden des Dramas zu einem gordischen Knoten zusammen, der ihm das von eigenen Kindern gemarterte Herz barbarisch zuschnürt und qualvoll ertahmen läßt. Er träumt von Jericho — noch nicht von Jerusalem — weil die Juden ihm noch unwürdig erscheinen, um nach Erez zurückzukehren. Vielleicht nächstes Jahr... vielleicht doch einmal wird uns Messias erlösen... Er erzieht auch seine Kinder, Boris und Lea, im streng religiösen Sinne, unter dem Einflüsse des Hauslehrers Nachman, der eben der Hauptträger der jüdischen Auferstehungsidee ist. Und doch verurteilt das grausame Scnicksal den alten Leiser, die Schändung seines Hauses durch Ausspotten des Judentums, durch die Liebe seiner Tochter zu einem Christen, erleben zu müssen. Ein patriarchalischer Träger des Mizrachigedankens, ein seelisch gefolterter Hiob, erweckt Leiser Fränkel, gepeinigt von eigenen Kindern, ein stärkeres Mitleid als König Lear oder Strindbergs Rittmeister. Zum alten Fränkel blickt wie zu einem Propheten der verträumte Uhrmacherlehrling Szlojme ehrfurchtsvoll hinauf, dem frommen Leiser steht auch zur Seite der früher erwähnte Erzieher seiner Knder, der Dorismelamed Nachman. Er ist ein exaltierter Jesziwapocher, der ohne entsprechende Führerqualitäten doch stolz und hoch die Zionsfahne schwingt und sie im Kugelregen der Pogrome unerschrocken vorwärts trägt. Er kämpft leidenschaftlich mit dem christlichen Studenten Berezin, der ihm »eine Schülerin Lea, Leisers Tochter, der Thora, aber auch Seinem Herzen entrissen hat; er polemisiert leidenschaftlich mit Boris, dem abtrünnigen Sohn Leiser Fränkds, und mit dem sozialdemokratischen Führer Isersohn. Doch nicht allein durch Wissenschaft und Theorie bekämpft er seine politischen Feinde. Sie verkohlen alle in der Glut seines jüdischen Herzens, in der Flamme seiner grenzenlosen Zionsliebe. Die schwersten seelischen Konflikte macht zweifellos neben Leiser und Nachman die zwischen Sentimentalität und Assimilation pendelnde Lea Fränkel durch. Erzogen im Thorawissen, leugnet sie ihr Judentum ab und schwärmt von europäischer Kultur. Sie möchte wohl ihren Vater nicht «kränken», bildet sich jedoch ein, unbedingt den Judentodfeind Berezin lieben zu müssen. Neben diesen Hauptgestalten und Typen wie Boris, Isersohn und Berezin, erscheint im Drama eine größere Anzahl meisterhaft gefeilter Episodentiguren, an deren Spitze der jüdische Pbilantrop und Tojwes-Zionist Doktor Fuhrmann steht. Als erschütterndes Finale des Dramas — ein durch eine grelle Realistik erschütternder Pogrom. (Der Dichter meinte dal Kiszeniewer Massenmorden.) Die in das Haus Fränkels hereinstürzenden Chuliganmassen wehrt jedoch Nachman mit rauchender Waffe in der Hand heldenmütig ab. Eine Apotheose der jüdischen Selbstwehr. Der Dichter hat in seinem Drama das Judentum verherrlicht, den modernen Moszkosozialismus .verflucht und den Bankrott der Assimilation prophezeit. Kein Wundtr, daß es bei Aufführungen dieses Dramas oft zu, lauten Kundgebungen, ja sogar zu Krawallen seitens der russischen «Schwarzhundertbanden» oder der polnischen Nationaldemokiraten gekommen ist (Hitler hat noch damals lein Fähnchen von rückwärts getragen.) Das starke Drama Tschirikows wurde leider von Abend zu Abend durch eine drakonische Zensur mehrmals gekürzt und geschwächt. Es feierte doch tn Europa und Amerika Triumph« und erlebte buchstäblich tausende Aufführungen. * Tschirikow schrieb nur in seinen stärksten Schöpferstunden, als er Adlersflügel über seinem Haupte rauschen hörte. Niemals — auf Bestellung. Trotzdem gehörte er, neben Dostojewski und Andrejew, zu den produktivsten russischen Dichtern. Von seinen anderen Dramen nennen wir nur den «Sowjetkommissär» (ebenfalls in Wien aufgeführt) und «Die Liebe ist stark». Von den vielen Romanen, die fast in alle europäischen Sprachen übersetzt wurden, hatten großen Erfolg: «Die Jugend», «Leere Seelen», «Das Tier des Ab- B rundes», «Die Liebe des Genossen Murawiew», «Zwischen limmel und Erde*, «Das Leben Tarchanows» und viele andere. Nun ruht Tschirikow in fremeter. kalter Erde. Nur wenige Russen in Prag schluchzten an seiner Bahre. Wir jedoch werden des großen Judenfreundes in Liebe und Dankbarkeit stets gedenken. Als aufricht ger Revolut onär entfaltete er in Europa durch seinen «Nachman» die iZonsfahne, als noch Haß und antisemitisches Dunkel unsere Menschenwürde niederhi eiten. Hinkemann Gastspiel Paul Baratoff in deti «Jüdischen Künstlerspielen» Es ist erfreulich, daß das Ensemble der Künstlerspiele sich der Aufgabe unterzogen hat, das jüdische TheaterpuMkum mit Ernst ToIIers «Hinkemann» bekanntzumachen. Nach «Der Fremde» und «Gott der Rache» verspricht dieses Nachkriegsdrama ein Zugstück zu werden. Baratoff verkörpert den zum Krüppel zerschossenen Eugen Hinkemann in wahrhaft erschütternder Weise; seine Auseinandersetzung in der Schenke wirkt geradezu vernichtend für die jetzige, auf den ebenso mörderischen wie sinnlosen Krieg eingestellte Gesellschaftsordnung. Dem Darsteller der tragenden Rolle ist es besonders hoch anzurechnen, daß er diese Szene glaubhaft und echt spielt. Der erniedrigte und beleidigte Mäusetöter wird da zum Sprecher und Rächer einer großen Schar unschuldig Verunglückter, die das ihnen zugefügte Leid bis ans Lebensende stumm und ergeben tragen müssen. Baratoffs wuchtiges und packendes Spiel läßt auch die Mitwirkenden sich zu einer auf diesen Brettern selten gebotenen Leistung aufschwingen. Fräulein S c h 1 i f k o w i t z, als Gast, der man nach den bisherigen Rollen eine gelungene Darstellung der Greta Hinkemann schwer zugemutet hätte, entledigt sich ihrer Aufgabe voll und ganz. Ausgezeichnet Herr Preis als Paul Groshan. Z e 1 n i k e r, der Darsteller eines bramarbasierenden Zirkusdirektors, erntete lebhaften Beifall. Frau Mira Floren als Mutter des Eugen Hinkemann debütierte erfolgreich ln den Jüdischen Künstlerspielen. Von den übrigen Darstellern zeichnete sich Herr S i g a 1 als politisierender Parteigenosse aus. D. S c h m i d. 11. Matinee der jemenitischen Künstlerin Sarah O^nath Halevy Am Sonntag, den 14. Februar 1932, findet im Theater in der Josefstadt (Reinhardt-Bühne), um 1^12 Uhr vormittags, die zweite Matinee der jemenitischen Gesangs- und Tanzkünstlerin, Sarah Osnath Halevy, statt. Der Kartenvorverkauf beginnt in den nächsten Tagen an der Theater-Kassa, Zionistisches Landeskomitee, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Buchhandlung M. Rath, Wien, II., Taborstraße 20a, Ein Abend jüdischer Kunst Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltete am 16. Jänner zum zweiten Male einen Abend jüdischer Kunst, der den Besuchern viel Genuß bereitete. Im musikalischen Teil brachte das Stein-Quintett in meisterhafter Weise die Suite für Streichquartett und Klarinette von Alexander Krein zum Vortrag. Die Mitwirkenden (Elise Stein, Ferdinand Adler, Marcell Dick, Emmerich Gara, Dr. Ernst Simon) spielten das melodisch« Werk des berühmten Komponisten ganz grandios. Der Wiener JOd. Gesangsverein sang unter der Leitung des bekannten Komponisten Israel Brand mann Chöre von Engel, Braslawsky, Rothmüileir u. a. Der virtuose Chor sang die schweren Kompositionen mit einer an die berühmtesten Traditionen gemahnenden Kunstfertigkeit. Der Dirigent Brandmann ist der berufene Leiter dieser Körperschaft Die bekannte Konzertsängerin Hilde D u II tzk a j a brachte jüdische und hebräische Volkslieder in meisterhafter Weise zum Vortrag. Ihr Gesang kam aus der Tiefe der jüdischen Seele und begeisterte die Zuhörer. Im zweiten Teil brachte Gertrud Kraus mit ihrer Gruppe ihre wie immer großartigen Tanzdarbietungen. Es gab durchwegs neue Schöp ungcn, von denen vor allem die Tänze «Jüdisches Mädchen» und «Arabischer Tanz» als Solodarbietungen hervorzuheben sind. Als Gruppendarbietungen errang der «Hochzeitstanz» die große Begeisterung des Publikums und nicht minder der neu einstudierte «Chassidische Tanz», der schon beim letzten Abend im Konzerlhaus Beifallsstürme erntete. Was diese Künstlerin darbietet, ist echte jüdische Kunst, wobei weder das Jüdische noch das Künstlerische zu kurz kommen. Gertrud Kraus ist eine vom Tanz «Besessene» und hat die große Gabe, stets neue Generationen von Schülerinnen heranzuziehen. Davon legt dieser Abend beredtes Zeugnis ab« Alles In allem: Diese Veranstaltung war ein Erfo’g für die Darsteller und eine Empfehlung für die Bestrebungen der Liga. Jlotixen Gastspiel Or. Paul Baratoff (Ben Zwi). Jüdisch© KOnst* lerspiele, fl., Prsterstraße 34, Tel. R 40-0*94. Wegen des andauernden Interesses für die derzeitige Aufführung von Ernst Tollera „Hinkemann" verbleibt dieses Stück bis Dienstag, den 9. Februar, auf dom Spiel plan. Am Mittwoch, den 10. d., gelangt „Schmates" von Lohvlk und am Donnerstag, den 11. d., „Eikale Maslk“ von J. Berkowltz zur Aufführung. Telephonischo Ivartenrcservlerung unter R 40-0-94. „Concordia"-Abend. Der am 31. Jänner stattgefundene Gesellschaftsabend der „Concordia“ erweckte auch beim Jüdisch denkenden Fublikum durch das Mitwirken zweier tm jüdischen Sinne gestaltender Künstler lebhaftes Interesse. Es waren dies Sarah Osnatb Halevy und Dr. Paul 13». ratoff (Ben Zwi). Frau Halevy brachte ein jemenitisches Gebet zum Vortrag und Dr. Paul Baratoff eins russische Rezitation aus Tschechows „Schwanengesang" und einen Jüdischen Monolog aus „Gott der Rache." Das Können dieser beiden Jüdischen Künstler wurde in diesem Blatte bereits genügend gewürdigt. Wir wollen nur unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß auch die nicht Jüdische Oeffentlichkeit Gelegenheit hatte, das hoho Niveau dieser prominenten Jüdischen Künstler kennen zu lernen. Das Publikum bewies durch seinen reich gespendeten Beifall großes Verständnis für die Jüdische Kunst. Eine gelungene Chamischah-Aesar-Feier. Am 23. Jänner fand im Helme der zlon. Sektion Leopoldstadt eins Chamischah - Assar- Feie r statt, die einen sehr animierten Verlauf nahm. In einer eindrucksvollen Festrede erläuterte der Vizepräsident Dr. A. Scbmerler die eigentliche Bedeutung der Feier. Das Abendprogramm wurde mit einem Trio für Klavier, Violine und Cello, welches vom jungen, aber bereits sehr berühmten Komponisten Julius Chajes komponiert, von drei prominenten Künstlern, Ferdinand Adler (Violine), Theo Salzmann (Cello), und dom Komponisten (persönlich am Klavier) schwungvoll zu Gehör gebracht wurde. Es ist ein dankbares Stück, durchpulst von einem melodischen Zug und bietet jedem Mitwirkenden die Möglichkeit, hervorzutretea. Diese Musik vertragt sowohl einen internen, als auch einen größeren Rahmen. Eine schöne Talentprobe, die zu großen Hoffnungen berechtigt. Nach den darauffolgenden humoristischen Vorträgen von M. Gelband vermittelte Theo Salzmann, (Solocelilst de« Wiener Sinfonieorchesters), von seiner Mutter am Klavier begleitet, zwei Vortragsstücko mit schönem singendem Ton und ausgeprägtem Stilgefühl. Er wurde für seinen Vortrag stürmisch akklamlert. Zum Abschluß brachte Konzertsänger Segal-Rosenbach elnigo hebräische und jüdische Volkslieder und erntete durch seine bekannt verständnisvolle Interpretation reichen Beifall. Für das Gelingen dieser würdigen Feier gebührt der Dank ganz besonders Herrn Prof. Rudolf Uhlanofsky. In der „Jüdischen Bühne", II., Praterstraße 60, gelangt Freitag, den 6. d., die Komödlo „Ich will ein Kind" mit Gisa Helden ln der Hauptrolle zur Erstaufführung. Das Stück wird Samstag und Sonntag wiederholt. Sonntag halb 4 Uhr nachmittags, große Kindervorstellung mit reichhaltiger Beschenkung. Gespielt wird die „Rumänische Chasene." Im „Neuen Jüdischen Theater", IL, Taborstraße 12, gelangt Freitag, den 5. d., eine dor lustigsten Jüdischen Komödien „Von Kasrillwkl bis New York“ mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle zur Erstaufführung. Das Stück wird Samstag, den 6. d., wiederholt. Sonntag, den 7. d„ halb 4 Uhr große Nachmittagsvorstellung „Die verschämte Kaie“, abends halb 9 Uhr „Dem Tatens TöchterP*. Dienstag, den 9. ds, wird das Lebensbild „Mensch soll man sein" mit Leon Kalisch als Gast aufgeführt. Mittwoch, den 10: „Die Negerin". — Donnerstag, den 11: Benefizabend für den Künstler Kosowskl. Gespielt wird „Unser Rebbeniu". 80. Geburtstag von Sir Frederick Cowen. Am 29. Jänner vollendete der berühmte Komponist Sir Frederick Hymen Cowen sein SO. Lebensjahr. Er wurde 1852 ln Kingston auf Jamaica geboren und lebt seit seinem vierten Jahre in London. Mit acht Jahren komponierte er seine erste (»per, mit elf Jahren trat er öffentlich auf. Von 1888 bla 1892 und von 1900 bis 1907 war er als Nachfolger von Sullivan Dirigent der Londoner Philharmonischen Konzerte, daneben 1896 bis 1899 Dirigent in Manchester und vieler Muslkfe8te ln Bradford und Glasgow. 1911 wurde er geadelt. Er komponierte vier Opern, zwei Operetten, drei Oratorien, acht Kantaten, sechs Symphonien, drei Orchestersulen, z\yei Konzerte, über 250 Lieder. Cowen gehört zu den englischen Musikern Leipziger Schulung. Hervorragende Musiker wie Sir Edward Eigar, Edward German und Sir Landou Ronald waren seine Schüler. Jüdische Abstammung des polnicchen Nationaldichtere Adam Mickiewicz. Der Historiker und frühere jüdische Senator Dr. Michael Ringel veröffentlicht ln der Tageszelüng „Nowy Dzlenaik" eine Abhandlung, in der nachgewie.sen wird, daß der größte polnische Dichter Adam Mikiewicz, geb. 24. Dezember 1798, gest 26. November 1855, mütterlicherseits von Juden abstammt. Seine Mutter war eine Tochter des Jüdischen Bürgers Majewsky. der sich später taufen ließ. Im Jahre 1879 erschien eins polnische Ueborsetzung deB hebräischen Buches .Schaare teschubah", welches Klagelieder der Juden über die Verfolgungen unter der Herrschaft Chmlelnlckis enthält Herausgeber der Ucbersetzung war ein polnischer Emigrant in Paris, Graf Branicki, Mitglied der Hetman-Famllie. In der Einleitung ist ein Briefwechsel zwischen Graf Branicki und Graf Tarnowskl enthalten. Auf Tarnowskis Frage, wieso Branicki das Buch übersetzt habe, behandelt der letztere ausführlich die Beziehungen der polnischen Szlacbta zur Judenfrage und zitiert auch die diesbezügliche Meinung von Adam Mickiewicz, wobei er erzählt, Mickiewicz habe ihm in Pari® erklärt, er sei Halbjude, seine Mutter, eine geborene Majewska, sei Jüdin gewesen. Das Buch, auf das sich Dr. Ringel bezieht, ist nur noch in ganz wenigen Exemplaren vorhanden, da die Magnaten* famllie seinerzeit die ganze Auflage aufgekauft und ver. nichtet hat. In der Tat wird in dem Buche von Je;k® Boynski über die getauften Juden ln Poleu auch die Familie Majewsky, der die Mutter von Adam Mickiewicz entstammt, zu den getauften jüdischen Familien gerechnet. Wilhelm der Judenkaiser. Es ist bekannt, daß gewisse arische „Rasaeforscher“ es versucht haben, die teilweise jüdische Herkunft der Familie Hohenzoilern „wissenschaftlich“ nachzuweisen. Das Buch „Seml-Imperator Wilhelm II.** bemüht sich um den Nachweis, das die unheilvolle Rolle, dl® die Hohenzoilern Im Leben des deutschen Volkes spielten« auf den JüdUchen Einschlag tn ihrem Blute zurttckzufü’uen ■et. Insbesondere will es die Stelsewut des Exkaiser® auB

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