Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 213 (4.2.1932)
- Date
- 1932-02-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nt. 213 — 4. Februar 1932 DIE STIMME Sette s seinem „jüdischen Wandertrieb“ erklären. Dieses antisemitische Werk gegen dla Hohensollern wird von nationalsozialistischen Buchhandlungen vertrieben. Major a. D. Curt v. Hake klagt darum ln der „Kreuz-Zeitung": „Wenn dl« Jet st so einflußreiche naionalgoal&listlsche Partei weiterhin die Rttokkehr der legitimen Monarchie ablehnt oder ihr min* deatena gleichgültig gogentibcrsteht, so verschüttet sie den Weg su Ihr immer mehr . . . Selbst wenn der Kaiser unzulänglich gewesen wäre, so ist für Monarchisten seine Ablehnung doch unstatthaft.“ Julius Levln 70 Jahre. Am 11. Jänner vollendete der Berliner Schriftatelier. Arzt und Geigenbauer Julius I^evln Min 70. Lebensjahr. Sein jüdischer Roman „Zweie und der Hebe Gott“ (1019), der die religiöse Verwirrung eines jüdischen Kaufmanns in einem deutsch-polnlsohen L&ndstädteben schildert, gehört zu den schönsten Büchern Jüdischen Inhalts ln deutscher Sprache. Theodor Leasing und der Antisemitismus in der deutschen Republik. In diesen Tagen erschien im Kommissionsverlag, Wien, eine Schrift «Der Antisemitismus in der deutsehen Republik» von Dr. Fritz Marburg, die, gestützt auf die Tatsachen und die These F. Bernsteins in seinem Buch «Der Antisemitismus als Oruppenerscheinung» eine Darstellung des Antisemitismus in Deutschland gibt und eine schwere Anklage gegen die deutsche Demokratie richtet, daß sie sich durch ihre Gleichgültigkeit und Passivität an «dieser Wiederkehr finsterer, mittelalterlicher Zustände» mitschuldig gemacht hat. Prof. Dr. Theodor Lessing gibt der Schrift ein Vorwort, das mit den Worten schließt: «Mag alles, was Juden bauten und der Menschheit gaben, nichtig sein und zugrunde gehen. Mag unser ganzes Leben vergeblich gewesen sein. Daß ein Volk wie das jüdische da war, daß Menschen gewesen sind von solcher Würde und von solcher Schönheit, solcher Seelengröße und Demut, wie ich sie unter Juden sah, das rechtfertigt und hebt uns hinweg über all das Kämpfen, Neiden und Hassen der armen notgetrieben irrenden Kreatur.» i&üdkewsdkau Taufik Canaan, Dämonenglaube im Lande der Bibel. 64 S. Verlag J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig, M. 2.70. Was wissen wir vorn inneren Leben der Menschen, die heute Palästina bewohnen? Man darf wohl antworten: sehr wenig. D>e eigenartige geistige Welt eines Volkes in seinen niederen Schichten, im Landvolk, dem durch die «Aufklärung» noch nicht durchgegangenen Am-Haarez, manifestiert sich im Volksglauben, Aberglauben, Magie, alter Ueberlieferung, die zur Deutung elementarer Seelenvorgänge, Lust und Angst und Verhängnis, dienen soll. Der Dämonenglaube ist bei allen Völkern vorhanden, man vergleiche nur die vor einigen Jahren im «Juden» erschienene Artikelserie von Dr. Rappoport über die religiösen Volksbräuche der Ostjuden, und man wird erstaunliche Parallelen finden zu diesen palästinensisch-islamischen Anschauungen, über die Dr. Taufik Canaan, der bekannte christlich-arabische Arzt in Jerusalem, ln der vorliegenden Broschüre berichtet. Ohne natürlich das Berichtete nachprüfen zu können, hat man den Eindruck, daß der Verfasser ein gründlicher Kenner und liebevoller Sammler palästinensischer Folklore ist, und er gibt in einer knap- {>en und sehr anziehenden Darstellung einen wirklich beehrenden Einblick. Alle Palästinenser und die mit Palästina zu tun haben, werden von der Schrift Nutzen haben, aber über diese praktische Bedeutung hinaus ist die — schon durch die vielen Hinweise und Bibelzitate auch für das Verständnis der Kontinuität von der Zeit der Bibel bis heute von Interesse. Vielleicht ist es am Platze, bei dieser Gelegenheit auf die vorzügliche Schriftenreihe «Morgenland, Darstellungen aus Geschichte und Kultur des Ostens», in der Canaans Abhandlung die Nummer 21 trägt, empfehlend hinzuweisen. Thomsen, Palästina und seine Kultur in fünf Jahrtausenden. Nach den neuesten Ausgrabungen und Forschungen dargestellt. Dritte, völlig neubearbeitete Auflage, 120 S. mit 8 Abb. im Text und 34 auf 16 Tafeln. Verlag J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig, 1931. M. 3.50. Der als Verfasser der großen, unentbehrlich gewordenen Palästina-Bibliographie (von der bisher vier Bände im Verlag Hindrichs erschienen sind) bekannte Professor Peter Thomsen (Dresden) gibt seine schon von früher geschätzte kleine Abhandlung nunmehr in einer dem Fortschritt der Wissenschaft entsprechenden Erweiterung in der wertvollen gemeinverständlichen Sammlung «Der Alte Orient» neu heraus. Wer sich kurz über den Stand der Ausgrabungen in Palästina orientieren und von einem kundigen, vorsichtigen, übertriebenen Konstruktionen abholden Führer durch die verschiedenen Kulturstadien des Landes leiten lassen will, der greife zu diesem Buch. Thomsen beginnt bei den ersten Anfängen menschlicher Zeugnisse und führt über die kanaanäische, israelitische, jüdisch-hellenistische, römisch-byzantinische bis an die Schwelle der arabischen Zeit. Die einzelnen aufgefundenen Ruinen, Denkmäler, Geräte, Dokumente werden in ihrem kulturhistorischen Zusammenhang gedeutet, so daß der Leser ein BHd des alten Orients erhält, in dessen Mitte das jüdische Volk seine für die Menschheitsgeschichte so wichtige geistige Tat vollbrachte. Ob freilich die These des Verfassers, daß der Gewinn der Ausgrabungen für die Bibel-Erzählung selbst sehr gering sei, zu Recht besteht, darf man vielleicht bezweifeln, wenn man bedenkt, wie viele kühne Vermutungen der Brbelkritik gerade durch Ausgrabungen bereits zugunsten der biblischen Ueberlieferung korrigiert worden sind. — Das Buch Thomsens kann auch Palästinafahrern gute Dienste leisten. Salomon Kaplansky, Realitäten und Möglichkeiten ln Palästina, mit einer Einführung von Prot. Dr. Franz Oppenheimer. Kart. 1.50 M. M, E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, Berlin W 30. Das kurze Vorwort von Franz Oppenheimer verdient schon Beachtung, denn es betont, daß die Fortschritte des Landbaues bewirken, daß eine immer kleinere Fläche genügt, «um den landwirtschaftlichen Produzenten, und zwar in immerer besserer Versorgung mit Gütern, zu unterhalten». Dies wird vom Verfasser, einem Führer der sozialistischen Zionisten, auf Palästina angewandt und dadurch bewiesen, daß Palästina noch eine Verdreifachung der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung ermöglicht. Das hat auf der einen Seite keine uneingeschränkte Einwanderung zur Folge und gestattet auf der anderen die Möglichkeit der Ausdehnung und Bodenbearbeitung auch den Arabern, er wünscht und laubt, daß die arabische Einwohnerschaft Palästinas weder edroht noch gefährdet ist. ln einem zweiten Abschnitt wird der Hope-Simpson-Bericht analysiert und kritisiert. Seine Fehlerquellen werden überzeugend nachgewiesen. Unter den drei als Anhang beigegebenen stücken verdient der Brief von Prof. Dr. S. Klein (von der Universität Jerusalem) wegen seiner geographischen und historischen Mitteilungen besondere Beachtung. Der internationale jüdische Pfadfindertag Chämisch« Assar besehwat Der Gedanke des Pfadfindertums hatte sich in den letzten Jahren auch m die Ideenwelt der jüdischen Jugend mit immer wachsender Intensität Eingang verschafft. Einige jüdische Bünde in verschiedenen Ländern Europas waren bereits vollkommen zur pfadfinderischen Arbeit übergegangen. Da in der Weltorganisation de« Pfadfinder (World Union of Boy Scouts) nur Nationen Aufnahme finden, galt es, nun auch den Pfadfindern des jüdischen Volkes in der Weltbewegung vflHige Gleichberechtigung mit denen der anderen Völker zu verschaffen. Auf Initiative der E. I. F. (Eclaireurs Israälites de France) fand im August vorigen Jahres in der Normandie ein Welttreffen aller jüdischen Pfadfinder statt. Der Kongreß, an dem Vertreter von 16 verschiedenen Nationen teilnahmen, beschloß die Gründung einer Weltunion der jüdischen Pfadfinder (Brith olamith sehe) Zophim jehudim). Nach längeren Beratungen konnten die Statuten und Ziele der Union festgelegt werden, die in 9 Punkten grundsätzlich Folgendes bestimmen: 1. Durch eine Weltorganisation alle jüdischen Jugendbewegungen zusammenzufassen, die als Arbeitsbasis die erzieherischen Prinzipien anerkennen, die von Lord Baden Powell in seinem Buche «Scouting for boys» vorgeschrieben werden. An der Erhaltung und der Renaissance des jüdischen Volkes und seiner Kultur mitzuwirken und eine aktive Arbeit für Palästina zu leisten. 2. Zu allen Zeiten und überall, wo es jüdische Vereinigungen gibt, die Methoden des Scoutismus zu propagieren und zu begünstigen. 3. Schaffung von konstanten Beziehungen zwischen den verschiedenen Bewegungen, die einen Austausch der Erziehungsmethoden gestatten. 4. Alle Bemühungen und Aktionen des Weitverbandes, die von Interesse für die Allgemeinheit sind, zu vereinigen. 5. Sammlung aller Belege der dem WeHverbande angeschlossenen Oruppen und der anderen jüdischen Jugendorganisationen und Bekanntgabe der Tendenzen der einzelnen Bewegungen. 6. Bildung einer zentralen Presse, Propaganda- und Stätistilcstefle. 7. Organisierung eines Erziehungs- und Bildungszentrums, das als Ziel di« Heranbildung von Führern hat. 8. Vorbereitung internationaler Kongresse (Treffen, Lager, Führerkongresse und Jamborees). 9. Würdig« Repräsentation der jüdischen Jugend bei jeder Gelegenheit, hauptsächlich gegenüber dem Internationalen Pfadnndertum. Die Weltunion ist getragen von der festen Ueberzeugung, daß die Scouterziehung die geeignetste Grundlage für die Arbeit sowohl in Erez Israel als auch in der Diaspora darstellt, und die jüdische Scoutbewegung ein mächtiger Faktor in der ChaluZbewegung zu werden bestimmt ist. Einstimmig angenommen wurde ein Beschluß, der den Chamischa Assar beschwat-Tag als einen internationalen jüdischen Pfadfimdertag zu begehen bestimmt. Er soll eine jährliche Kundgebung für die Einigkeit der jüdischen Scouts der Welt darstellen. Reisen, Entsendungen von Austauschdelegationen, Botschaften und ähnliches sollen an diesem altjüdischen Festtage von dem Zusammengehörigkeitsgefühl der jüdischen Scouts der ganzen Weit Zeugnis ablegen. In Oesterreich sind zurzeit die drei Bünde Makkabi Hazair-Brith Zeirenu, Haschomer Hadati und der Jüdische Pfadfinderbund Oesterreichs (I. P. Oe.) der Weltunion beigetreten und haben ein gemeinsames Büro gegründet, Der Zweck des österreichischen Landesbüros besteht darin, die Zusammenarbeit in Dingen gemeinsamen Interesses der jüdischen Pfadfinderbünde Oesterreichs nach Kräften zu fördern. Es ermöglicht die Verbindung mit dem Zentralbüro — das zunächst in Paris seinen Sitz hat, später sich in Erez Israel befinden wird — und dem Oesterreichischen Pfadfinderbund (Oe. P. B.), der nicht jüdischen Scoutorganisation, und sorgt für die Durchführung des Arbeitsprogrammes der Wefltunion. So halben am 15. Schwat 5692 zum erstenmal in der Geschichte der jüdischen Jugend 70.000 Zophim in aller Welt ein machtvolles Bekenntnis für das jüdische Pfadfindertum und die unauslöschliche Kraft der nach Erez Israel ge-* richteten Jugend abgelegt. Makkabi Hazair-Brith Zeirenu, Haschomer Hadati, Jüdischer Pfadfinderbund Oesterreichs. Durch die Kürze der Zeit, die zur Organisierung des jüdischen Pfadfindertages in größerem Ranmen. zur Verfügung stand, waren die obigen Bünde leider genötigt, diesen Tag unter brich zu begehen. Im Heim des Haschomer Hadati, das nur einer beschränkten Anzahl von Leuten Platz bietet, fand am 23. Jänner eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier der dem Weltverbande angeschlossenen Bünde statt Der Weltverband jüdischer Pfadfinder erließ aus Anlaß des internationalen jüdischen Pfadfindertages folgenden Aufruf, der in alle Länder gesandt wurde, in denen jüdische Scöutorganisationen bestehen: Chawerim l Jüdische Pfadfinder aller Länder 1 Die Tragödie Israels besteht in der Zersplitterung der Kräfte, in dem Fehlen einer Einheit, In dem gegenseitigen Unverständnis. Die heutige Generation muß sich einigen, um dem Chaos ein Ende zu machen — um eine neue Periode der Einheit zu schaffen — um alle vitalen Kräfte des Judentums zusammenzuschließen. Die Stunde des Schaffens hat geschlagen! Wir, die Jugend, müssen mit unserem Geist, mit unserem Herzen, mit unseren Händen wirken. Uns gehört die Arbeit des Bauens an dem Werke der Renaissance des JudentumsI Jüdische Pfadfinder! Um das prachtvolle Haus Israels wieder aufzubaucn, müssen wir herbe Maurer sein. Wir müssen Material schaffen, um festen Grund zu legen — wir müssen noch Steine sammeln, um feste Mauern zu heben — und fortsetzen ohne Unterhalt, bis alle zerstreuten Teile des königlichen Hauses Israels, in ihrer alten Pracht, neuen Jahmunderttausendstürmen trotzen kann. 2 V* Zimmer-Wohnunq alle Nebenräume, Badezimmer, Telephon, sonnseitig, Nähe Rothschild-Spital, ist teilweise zu vermieten oder ganz abzugeben, auch gegen kleinere zu tauschen, Zuschriften an die Administration unter «Wohnungsgelegenheit». TeL U 29-6*31. Theresienordens-Ritter General Fischer als Feldrabbiner Der 70. Geburtstag des Generals Fischer, de« berühmten Bukowina-Verteidigers, des «Andrea* Hofer des Ostens» ruft in mir die Erinnerung an eine interessante Episode aus dem Weltkrieg wach. Zu Beginn des Weltkrieges, den ich als Militärarzt ln der Fischerschen Armeegruppe mitmachte, hielten mangehaft ausgerüstete, aus Landstürmern, Gendarmen und Finanzern bunt zusammengewürfelte Bataillone den Süden der vom Feinde teilweise okkupierten Bukowina besetzt und schützten unter ihrem kühnen Führer Fischer tapfer den Boden ihrer Heimat vor dem wütenden Ansturm des Feindes. Eines Nachts — es war in den ersten Oktobertagen des Jahres 1914 — wurden die Truppen aut ihren Stellungen herausgezogen und mit der Eisenbahn nach Jakobeny gebracht. Von hier aus sollten sie in Gewaltmärschen über den Prislop-Paß nach Nordungarn vorstoßen, um die über den schwach verteidigten Karpathenübergang aus Galizien bis nach Marmorosch-Sziget vorgedrungenen, mehrere Tausend Mann starken Kosakenabteilungen wieder hinter den Karpathenwall zurückzujagen. Die Fischerschen Bataillone standen marschbereit auf dem Wege nach Kirlibaba, dem Ausgangspunkt zum Prislop-Paß. Da traten die Seelsorger aller christlichen Riten, der katholische, der griechisch-orientalische, def griechisch-katholische und der evangelische Feldprediger vor die Front der aufgestellten Truppen und hielten an ihre Gläubigen Ansprachen. Sie segneten ihre Waffen und flehten auf dieselben vom «Herrn der Heerscharen» den Sieg herab. Die christlichen Feldprediger hatten ihre zündetiden Ansprachen beendet. Nun sollten die Truppen abmarschieren. Da ritt General Fischer — er war damals erst Oberstleutnant — vor die Front. Er ergriff das Wort und hielt mit weithinhallender Stimme eine Ansprache an die jüdischen Soldaten. Er sagte: «Jüdische Soldaten 1 ln Ermanglung eines Feldrabbiners will ich an Euch einige Worte richten. Ihr steht im Begriffe, einem frechen Feind entgegenzutreten, der mit Uebermacht ln die Gaue tiri* seres teuren Vaterlandes eingedrungen ist. Das Vaterland vertraut auf die allzeit bewährte patriotische Gesinnung seiner jüdischen Söhne. Es erwartet, daß auch Ihr, Eurem Soldateneide getreu, Eure Pflicht voll und ganz erfüllen werdet. Wie es tapferen, ehrenhaften Kriegern geziemt. Möge der Herrgott, der der Vater aller Menschenkinder ist, Euch seinen Schutz angedeihen lassen! Möge er Euch Schirm und Hort sein bei der Erfüllung Eurer schweren Pflichten im heiligen Kampfe für Kaiser und Vaterland! Möge Gott Euren Waffen den Sieg verleihen, denn Ihr kämpfet für eine gerechte Sache! Ziehet darum mit Zuversicht in den Kampf! Gott mit Euch, jüdische Soldaten!» Und nun setzten sich die Bataillone in Bewegung, um den mühevollen Uebergang über den hohen, schneebedeckten Prislop bei grimmiger Kälte au bewerkstelligen und den Kosakenhorden den Rückzug abzuschneiden. Die Bataillone waren auf schwere Kämpfe gefaßt. Aber die Kosaken hatten — offenbar durch ihre Kundschafter gewarnt — rechtzeitig Reißaus genommen und waren so der geplanten Umzinglung entschlüpft. Aber die Episode des den Feldrabbiner vertretenden Heerführers, die ich als Augen- und Ohrenzeuge miterlebt habe, ist so eigenartig, daß sie der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. Dr. Berthold Frucht. I ft. « Sprechsaal der Stimme Für die Mitteilungen, die in dieser Rubrik eradheiueiv übernimmt die Redaktion keine Verantwortung» Wir erhalten folgend© Zuschrift: Der am Sonntag, den 81. Jänner 1. J„ von der „Ravag* aus dem Großen Konzerthaussaal übernommene Abend der Concordia wird wohl von einer zahlreichen Zuhörerschaft verfolgt worden sein, die jedoch gleichzeitig Zeugen einer Taktlosigkeit sein konnten, die vom genannten Institut auf keine Art rehabilitiert werden kann. Im Programm der Concordia war auch der berühmt* jüdische Charakterdarsteller Dr. Paul Baratoff angeeetzt auf dessen Vortrag sicherlich viele Anhänger mit Freude warteten, umsomehr als im Programme der „Ravag“ selbst spezifisch Jüdische Künstler nioht zu Wort kommen. Nun leistete sich die „Ravag“ die aufreizende Taktlosigkeit vor dem Vortrag des Herrn Dr. Baratoff eine kurze Pause anzusagen, während welcher Jazzmusik gesendet wurde, die man gar so selten hört, und dauerte da« Konzert den ganzen Vortrag des Herrn Dr. Baratoff hindurch, während man nur hin und wieder die Stimm« de« Herrn Dr. Baratoff die Jazzmusik Ubertönen hörte. Es ist nur zu bedauerlich, daß die „Ravag“ mit «Be» Mitteln zeigen will, daß da« Institut nur von einem «ewissen politischen Standpunkt aus geführt wird, was sicherlich den Zweck verfehlt, denn der Wahlsprueh der .ütvif" soll und muß sein „Für jeden etwas.“ O. St