Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 213 (4.2.1932)
- Date
- 1932-02-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 213 — 4. Februar 1932 DIE STIMME Seife T JtviQdor Jiametri Nachdruck auch Hl Auszügen verböte«» Der großeWahnsinn Autorisierte Uebertragung op> dem Hebrlisehen von Sem Wolf es Der Onkel Oesterreicher erklärte mir folgender« maßen die «strategische Lage»; «Die Hauptsache ist, meiner Ansicht nach, Warschau. Wenn wir Waschau erobert haben, gehen wir sofort nach Hause. Mein Enkel wird in einem Monat Bar Mizwah. Da muß ich doch su Hause sein. Jetzt lernt er sehr schön seine «Deraschah». Ein herrlicher Junge...» Den Tiroler fragte ich, warum er die ganze Zeit so wütend «verfluchtes Biest» schrie? Ob er denn wirklich die Russen so hasse? «Ich die Russen hassen?» — antwortete der Tiroler — «Der Feldwebel hat mich so wütend gemachtt Der Teufel soll ihn holen t» «Ach sol» Wieder erinnerte Ich mich daran, was alle Kriege entfacht: an den sogenannten Patriotismus. Und der Schauspieler Madi —- er wußte nicht, daß Ich Jude bin — schimpfte unaufhörlich Uber die Juden. «Auch dort im Theater hat man mir Immer Lakaienrollen gegeben, und hier sind die Juden Kandidaten für Auszeichnungen. Dieses ekelhafte Jüdiein — er zeigte auf Margulies — sprang die ganze Zeit herum und zeigte seine «Heldentaten», nur um eine Medaille zu bekommen. Und Sie werden sehen, daß er sie kriegt Er kriegt sie bestimmt Er wird keine Ruhe geben, bis man ihn auszeichnen wird. Die Juden verbreiten doch schon überall die Lüge, daß unser letzter Sieg ein Erfolg der jüdischen Offiziere Ist. Der Leutnant Schlesinger! Ich kenne ihn gut, diesen jüdischen Lehrer, der vor seinem eigenen Schatten Angst hat. Jetzt macht man aus ihm einen Helden. Und Margulies, dieser ekelhafte Margulies — pfui)» Und er spuckte aus. Ich fragte: «Warum haßt Du ihn so sehr?» «Hassen? Davon ist keine Rede! Die kann man nicht hassen, die kann man nur verachten!» Dann sagte ich ihm, daß ich selbst Jude sei. Doch er behielt seine Haltung und wurde nicht verwirrt. Wie «ln Mensch, der nichts mehr zu verlieren hat, sagte er kurz: «Ich habe kein Glück. Auch hier bin ich In die Hände eines Juden gefallen.» Noch am selben Tage biederte er sich dem Feldwebel an. Und der Feldwebel nahm ihn unter seine Fittiche, und überlegte, was er mir antun könnte. Und bald hat er mir auch wirklich was angetan. Vor allem hat er aus meinen Händen den Diener «gerettet», der wieder zu mir zurückgekehrt war. Das war eine schwere Arbeit für den Feldwebel. Und als er dem Diener den Befehl erteilte, mich zu verlassen, sagte dieser: «Herr Feldwebel, melde gehorsamst, daß ich ein Kriegsfreiwilliger bin und es auch freiwillig auf mich genommen habe, den Herrn ZugsfOhrer zu bedienen. Ich tue das nicht auf Rechnung meiner soldatischen Verpflichtungen, sondern ln meiner freien Zeit.» | Aber der Herr Leutnant Joni fand einen Ausweg: I Er nahm Ihn als seinen eigenen Diener. | Daraufhin erschien der Tiroler bei mir und sagte: «Heute werde ich Ihnen die Menage bringen.» Etwas sonderbar erschien es mir, mich von diesem langen Tiroler bedienen zu lassen, dem ich kaum bis zu den Schultern reichte. Aber es dauerte nicht lange und mein früherer Diener kehrte zurück und erklärte mir ohne jede Oeheimnistuerei und mit lauter Stimme: «Am ersten Abend werde ich eine Kugel für ihn freihalten, eine von den Kugeln seiner Majestät» Für wen, mein Junge?» «Für diesen getauften Juden. Wozu braucht ihr solch ekelhafte Kerle unter Euch? Er ekelt mich an.» «Still! Schrei nicht, Du Dummkopf. Wenn Du nochmals so etwas sagst, kriegst Du zwei Ohrfeigen. Verstanden? Und jetzt verschwinde!» Der junge Soldat machte kehrt und ging. Und gerade, weil er mich wortlos verließ, wurde in mir ein Verdacht und eine Angst rege. Der ist imstande und hält sein Wort! Dieser junge Ungar, treu wie ein Hund und mutig wie ein Löwe, versteht keine Drehs. Insbesondere in der letzten Zeit, nachdem er schon in Todesgefahr war, hat er sich vollständig von aller Angst befreit. Er war mir treu und haßte den Leutnant Joni von ganzem Herzen. «Sag mal, Pali, gibt es in Deiner Familie keinen Juden?» Der Junge schaute mich mit großen Augen an und antwortete einfach: «Ich bin ein Christ, Herr. Und in unserer Familie gibt es keine Judasse.» Krach in die Melone. «Also?» — setzte ich behutsam fort — «Du glaubst, daß alle Juden Messias-Verräter sind, und daß man sie deshalb hassen müsse.» Der Junge wußte weder ein noch aus. Er verstand nicht, was ich von ihm wollte. So hat man ihn doch immer gelehrt: «Judas!» Insbesondere hat er nicht verstanden, was für ein Zusammenhang ist zwischen mir und dem Judas Ischarioth? Mich liebte er sehr und würde niemandem erlauben, mich zu beleidigen. Ich fragte weiter: «Haßt Du den Margulies?» «Den Margulies, Herr? Warum soll ich ihn hassen?» «Und den Onkel Oesterreicher?» «Im Gegenteil, den liebe ich, der betet ja für uns alle.» «Und den Korporal Rosenberger?» Jetzt verstand er endlich, warum ich ihn fragte: «Sie glauben Herr, daß ich ein Antisemit bin? Nein. Mein Vater ist Pächter beim Baron Freund- Toseggy. Es wäre zu wünschen, daß man auch unter Christen einen derartigen Menschen fände. Wenn Sie mich aber verdächtigen, daß ich die Juden hasse» — bei diesen Worten wurde er verlegen — «dann . . . dann .. . dann werde ich sie verlassen . . . wenn Sie es wünschen.» Ich habe Ihn beruhigt und Ihm gesagt, daß ich sehr wünsche, ihn als meinen Freund und Diener zu behalten. Aber der Leutnant verlange, daß er ihn bediene. Der Junge dachte eine Weite nach und sagte dan« mehr zu sich selber: «Das wird sich nicht lange halten. Doch vor diesem Leichenschänder müssen wir uns In Acht nehmen« Er ist eine stinkende Schlange.» Und er ging zu seinem neuen Herrn, dem Leutnant Joni. Am selben Abend wurde ein Befehl des Oberleutnants verlautbart, demzufolge ich zum Approvisttlonschef der ganzen Abteilung ernannt wurde. Ich habe nicht verstanden, warum gerade ich.. Das ist doch sonst die Angelegenheit der Feldwebel. Ich dachte nach, da kam gerade mein Diener und flüsterte mir ine Ohr: «Ich bitte Sie, Herr, nehmen sie es nicht an. Das ist keine reine Angelegenheit.» «Du bist ein Dummkopf!» «Ich bin ein Dummkopf, aber das ist keine rein« Sache. Sie werden schon Irgend eine Ausrede finden» um es nicht anzunehmen. Ich rate es ihnen.» Ich habe keine Ausrede gefunden und mußte den Befehl erfüllen. Ich verwaltete das Vermögen der Abteilung. Es war keine leichte Arbeit, aber trotzdem keine der schwersten, wie sie an der Front zu leisten sind. Und ich machte sie ordentlich und erfüllte meine Pflichten zur großen Zufriedenheit meiner Leute. «Wir sind an der Quelle» — dachten sie. Gewissermaßen war das richtig. Zwei Sachen im Soldatenleben werden als Protektion, die gestattet ist, anerkannt. Erstenst an der Front zu stehlen ist ein Delikt, das manchmal als ein Kapitalverbrechen geahndet wird; aber bei einem anderen Regiment stehlen, gilt als ein Gebot Zweitens: Die Portionen nach Protektion austeilen, zieht eine schwere Strafe nach sich; aber seinen eigenen Leuten anständige Portionen geben, ist eine schön« Eigenschaft und eine Selbstverständlichkeit. Und nur der junge Diener, der mich bei jeder Gelegenheit heimlich besuchte, war mit dieser meinet neuen Arbeit unzufrieden. Vergebens fragte ich ihir nach den Gründen. Er sagte, er wisse nichts, aber er habe bloß eine böse Vorahnung. Zwei Tage darauf war wieder die Hölle los. Ein Generalangriff längs der ganzen Front. Kaum begann die Kanonade, da erschien schon mein Diener bei mit und meldete in Habtacht-Stellung: «Herr Zugsführer, melde gehorsamst, ich bin wieder da.» «Sofort kehrst Du zu Deinem Leutnant zurück. Verstanden?» «Melde gehorsamst, ich bleibe» — schrie er Im Lärm und Getöse. Wir krochen aus dem Schützengraben — dem Tode entgegen. (Fortsetzung folgt.) Jahren hindurchgegangen ist, haben Wasser auf ihre leeren Mühlen gegossen. Unsere politischen Mißerfolge, die Sünden der Mandatarmacht und die antizionistische Politik der palästinensischen Verwaltung haben natürlich die Opposition in den zionistischen Reihen gestärkt Das ist eine natürliche Entwicklung, die überall auftritt. wo Wahlen zu einer Zeit besonderer Schwierigkeiten stattfinden. Die 20 Prozent revisionistischer Delegierten hätten nicht genügt, um Weizmann zu stürzen, wenn nicht andere ihrem Beispiel gefolgt wären. Aber von hier bis zum Gedanken des «Dynamits» ist noch ein weiter Schritt und ln Wahrheit hat der Kongreß den Revisionisten weder Macht noch Möglichkeit gegeben, an der Leitung teilzunchmen. Die Angaben des revisionistischen Führers über das Verhältnis der 15 Millionen Juden zu England sind unwahr. Trotz aller schweren Prüfungen, Enttäuschungen und bitteren Erlebnissen liegt uns eine Animosität gegen Großbritannien ebenso fern wie der Gedanke Großbritannien aufzufordem, es solle sich aus'Palästina zurückztefcen. Selbst das Bewußt- Bei rheumatischen Sehmerzen aller Art $aben fl$ $0gat»$abIetten gan$ $erborragtnb bemä&rt. 3a$lYcl<f>e $an?f$reibeit Über $0gal Ui Utalttltn | Seihen, hei henen fein atibereä Mittel half- ®iw Serfudj I überjeuQt! — $n allen 2lp0tl)eten. — greift ®. 2.40. | sein, daß man sich gegen uns versündigt, kann uns nicht gegen die Erkenntnis blind machen, daß Englands Verhalten gegenüber dem jüdischen Volk anders ist als das Verhalten der übrigen Länder. Wir wissen wohl, daß das «Dynamit», welches das britische Weltreich sprengen und eine neue Welt erschaffen soll, sich auch gegen uns selbst richten muß, da es seinem Wesen und Ziel nach antizionistisch und antijüdisch ist Die Forderung, daß Großbritannien Palästina verlassen soll, beruht auf einem Mangel jeglichen Verantwortlichkeitsgefühls. Es gibt keinen einzigen Juden in Palästina, sogar unter den Revisionisten, der sich zu dieser Forderung bekennt. Schneidep Hit feine Hertengardetobe Jakob Ornslein umittmiiiittutiiiuuiiiutuuuMtittitiiiuuiiiiiiiiäiiiitimiiiiiimiitHiiiiiiiiiiniii>itiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiitiii Wien, 2. Bezirk, dUtnbttmnoaste Tie. 8 {bei der Mo»itnbtück«) Telephon Jir. A 44-4-54 Wir sind sicherlich nicht mit der antizionistischen Politik unserer Regierung einverstanden und werden sie mit voller Kraft bekämpfen. Aber das muß uns klar sein: wenn tt jemanden gibt, der diese Politik fördert und unseren Gegnern im Kolonialamt, in der Palästina-Verwaltung und in der englischen Öffentlichen Meinung die Waffen in die Hand drückt — so sin das eben die «Politiker» vom Schlage des revisionistischen Führers. Wenn diese Politiker sich bemühen, una die Verantwortung für ihre Worte und Taten aufzubürden, wenn sie sich anmaßen, im Namen von 15 Millionen Juden zu sprechen und andere Menschen durch Übertriebene Angaben über ihre Stärke innerhalb der zionistischen Bewegung irrezuführen, so müssen wir ihnen vor aller Welt erklären: ihr lügt. Jfldrt ansdrBclflfcb (bestellte Moiatttcafs gelten als Verlängert! m Tretet dem Verbände Allgemeiner Zionisten bei!