Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 213 (4.2.1932)
- Date
- 1932-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-*m i DIE STIMME Nr. 213 — 4. Februar 1932 &afüstina~<ßTief Von Julian £. Jtleftxer Jerusalem, 15. Jänner 1932. Lord Reading Selten war eine solche Begeisterung unter den Juden Palästinas zu spüren, wie beim kürtlidhen Besuch von Lord Reading, dem früheren Vizekönig von Indien und ehemaligen Lord Überrichter von England, den man als «den größten lebenden Juden 'Englands» bezeichnet hat, Lord Reading erklärte bei einem Empfang in Tel-Aviv, bei dem ihm das Ehren-bürgerrecht deF Stadt verliehen wurde, in bescheidener Weise, er sei «als Jude in eine jüdische Stadt» gekommen. Diesef einfache Satz machte in Palästina tiefen und nachhaltigen Eindruck, mehr als alle anderen Aeußerungen in seinen zahlreichen Ansprachen, in denen er Großbritanniens Absicht bestätigte, an.; der Bolfour-Deklaration festzuhalten. Lord Reading versprach* sich in Zukunft'intensiver für die jüdische nationale Sache elrtzusetzen, als bisher. Während seines Besuches in Tel-Aviv säumten tausende von Neugierigen die Straßen der Stadt, die mit Flaggen und Dekorationen bunt geschmückt waren. «Ich hätte nie geglaubt — äußerte er — daß ich in meinem Alter noch solcher Begeisterung fähig bin, wie ich sie heute empfunden habe.» Lord Reading besuchte das Jordan-Elektrizitätsvyerk der Palestine Electric Corporation (deren Präsident er ist), sowie die anderen Kraftstationen in Haifa. Tiberias und Tel-Aviv, desgleichen auch die Werke der Palestine Potash Ltd. am Toten Meer. In Jerusalem weilten Lord und Lady Reading als Gäste des High Commissioners im Regierungsgebäude. «England hat seine mächtige Hand geboten, um vor allen anderen Völkern Palästina in Uebereinstimmung mit der Balfour-Deklaration zu verwalten», erklärte er in einer hervorragenden Rede. «Alle, die sich unter den Schutz Englands begeben, haben das Recht, Sicherheit für Leben und Eigentum zu erwarten.» - Invjerusalem wurde der ehemalige. Vizekönig im , Amtsgehäude :des .Keren .Kajemeth.. von Führern der nationalen und kommunalen Institutionen, empfangen. -.Am-,selben Nachmittag war er Ehrengast bei einem Empfange, bei welcher Gelegenheit sein Name zur Er- Jgnerung an,..-seinen Besuch, in Erez. Israel ins .Goldene Buch des Jüdischen ’Nafionälfonds eingetragen wurde. Industrie ' . ' Wehn gewisse. Pläne des Mriltimiliohärs Thomas Bata, des großen Schuhfabrikanten aus der Tschechoslowakei, zur Verwirklichung gelangen sollten, so wird eine «Schuh-Stadt» entstehen, die — wenn auch in kleinerem Maßstab — seinen Riesenwerken in Zlin ähneln und dem Nahen Osten eine neue Heimindustrie Verschaffen wird. Dieser Schritt ist sowohl von zolltechnisdhen Erwägungen als auch von Geschäftsklugheit diktiert. Wenn Bata eine Fabrik in Palästina besitzt und eine heimische Schuhindustrie schafft, so wird er das Vorurteil besiegen, das heute gegen importiertes Schuhwerk besteht. Ueberdies werden Ersparnisse an Fracht und Versicherung sowie Einfuhrzöllen gemacht werden, und in gewissem Maße auch durch Verwendung hiesigen Leders. Dem Vernehmen nach zieht er für diese Anlage Jerusalem in Betracht. Mit einer solchen Industrie wäre eines der ersten großen Unternehmen im Lande durch einen fremden Kapitalisten geschaffen, der dabei nicht von sentimentalen, sondern von kommerziellen Beweggründen geleitet ist Es würden 600 bis 700 gelernte Arbeiter gebraucht werden, so daß die meisten privaten Schuhmacher, die heute nur ein kärgliches Auskommen haben, in der Fabrik Beschäftigung finden und materiell gesichert sein würden. Zu Anfang sollen zirka 2ÖÖ0 Paar. Schuhe täglich fabriziert werden, eine Zähl, die sich mit der Ausdehnung des Marktes steigern wird. . Städtische Volkszählung Die vom Leiter der Volkszählung veröffentlichten Ziffern ergeben, daß Palästina eine städtische Bevölkerung von 386.407 Seelen hat, von denen 186.429 Mohammedaner, 128.541 Juden und 62.289 Christen sind. Mit anderen Worten: ein Drittel der Stadtbevölkerung .in Palästina sind Juden, die in der Mehrzahl ln Jerusalem und Tel-Aviv leben. In Jerusalem zählte man unter Insgesamt 90311 Einwohnern 31.416 Juden. In Tel-Aviv und Iaffa waren 32.739 Juden gegenüber 35.116 Mohammedanern und 9337 Christen. Die Oewntbevölkerung dieses Stadtbezirkes beträgt 97.482 und übersteigt also die Jerusalems, das nur rund 90*000 Einwohner zählt In einem Kommentar zu diesen Zahlen weist Doktor Ruppin darauf hin, daß in diese Zähiung nicht einge*chlos$en sind: a) die vielen orientalischen Juden, die nicht erfaßt worden sind, b) die Revisionisten, die sich aus politischen Gründen der Zählung fernhielten, c) die zeitweilig im Auslande befindlichen palästinensischen Juden usw. Er schätzt die Zahl der Juden in Palästina auf 180.000 bis 200.000. ' Ferner weist er darauf hin, daß von vier in Erez Israel lebenden Juden immer einer auf dem Lande arbeitet, was eine erhebliche Erhöhung dieser Ziffer seit der letzten Zählung im Jahre 1922 darsfclft. Stadtverwaltung;Angesichts der überwältigenden Mehrheit der Juden-in Jerusalem, . die einschließlich der Vorstädte fast 60 ProzeiH.der Bevölkerung ausmachen, ist es erstaunlich, daß die Stadtverwaltung ausschließlich arabische Mitglieder hat. Die jüdischen Mitglieder demissionierten im März 1930 als Zeichen ihres Protestes gegen die Ernennung eines christlichen Vize-BÜrgermeisters zum Vertreter des Bürgermeisters Ragheb Bey Naschascbibi, der als Mitglied der arabischen politischen Delegation nach London reiste, um dort gegen die prozionistische Politik der britischen Mandatsregierung in Palästina zu protestieren. Die Ironie, die darin, liegt,..daß der mohammedanische Bürgermeister einer in ihrer Mehrheit, jüdischen Stadt nach London fährt, um gegen eine angeblich projüdische Politik zu protestieren, bedarf keiner weiteren Erklärung. Es hat sich eine Pressekampagne erhoben, die eine Beseitigung dieses abnormalen Zustandes in der ‘wre» nu rmm Jaffa-Orangen. Grame Frall Karmel-Weine, Kognak Schemen-OlivenSl . Chedera-Honlg liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samuel VValpern Wien, n., FOrsterqasse G .;;; städtischen Verwaltung von Jerusalem fordert. Es wird aasgeführt, daß die westlichen Viertel von Jerusalem zum größten eTile von Juden bewohnt sind, und daß diese einem speziellen Stadtrat unterstellt werden sollen. Der Plan sieht einen zentralen Stadtrat mit Vertretern der einzelnen Bezirksstadträte und von der Regierung ernannten Mitgliedern vor. Orangen Bis zum 1, Jänner haben die palästinensischen Citruspflanzer 1 Million Kisten verschifft, eine Rekordausfuhr verglichen mit der gleichen Periode im Vorjahre, in der nur 835.000 Kisten versandt wurden. Trotz des Frostwetters in der letzten Dezemberwoche blieben die Preise in England fest. Die unvorhergesehene, strenge Kälte bedrohte einen Teil der Ernte, doch ergriff man energische Scfiutzmaßregeln (wie Räuchfeuer und Rauchschirme), so daß nur aus einigen vereinzelt gelegenen Gebieten in der Küstenzone Schäden gemeldet wurden, und auch hier nur aus den ungeschützten östlichen und nordöstlichen Teilen der Orangenplantagen. Im allgemeinen haben die Pflanzungen den Frost gut Uberstanden und man kann erwarten, daß. in diesem Jahre eine sehr große Ausfuhr nach England und dem übrigen Europa erfolgen wird. Gräberfunde - Es wird über interessante Funde berichtet, die kürzlich bei Jerusalem in Steinsärgen, die aus jüdischen Höhlengräbern stammen, gemacht wurden. Die letzte Ausgrabung stammt aus einer Zahl von Gräbern aus der Hasmonäerzeit in dem Dorfe Khlzmeh, das im Buche Nehemia erwähnt ist und nordöstlich von Jerusalem liegt. Es wurden Gerippe und irdene Geräte aufgefunden. Bei Nieren-, Harn-, Blasen- und Mastdafmleiden lindert das natürliche «Franz-Joseto-Bitterwasser auch heftige Stuhlbeschwerden in kurzer Zeit. In sämtlichen Apotheken und Droguerien erhältlich. Nie stellt es um die Palästino-Landentwichiungsanleihe? Jerusalem, 30. Jänner, (I. T* A.) Hier war da» Gerücht verbreitet, daß der Direktor des Landentwicklungsamtes Lewis French von seinem Amte zurtickzutreten beabsichtigt. Wie die J. T. A. erfährt, hat das Gerücht keine andere Grundlage als die Tatsache, daß Herr hYench wegen Ueberlastung mit Agenden des von ihm verwalteten LandentwiCKlungsdepartements den Vorsitz im Bodensteuerkomitee an den Landkommissar Abramson abgetreten hat. London, 30. Jänner. (J. T. A.) Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen*Agentur betreffend das Gerücht über Frenchs angeblich bevorstehenden Rücktritt hat das Kolonialamt in London erklärt, man sei nicht in der Lage, dieses Gerücht zu bestätigen. Von der Zionistischen Exekutive wurde der J. T. A. erklärt, man wisse nichts über einen bevorstehenden Rücktritt Frenchs. Wie der J. T. A. aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, wird die Veröffentlichung des Berichtes von Lewis French, von dem in der ietzten diesbezüglichen Verlautbarung des Kolonialamtes die Rede war, nicht vor Ende Februar erfolgen. Oie arabische Exekutive beim High Commissioner Ein Palästinaparlament wird gefordert Jerusalem, 30. Jänner. (1. T. A.) Der Präsident der arabischen Exekutive Muza Kazim Pascha und die Sekretäre der Exekutive Jamal Hussein! und Auni Bey Abdul Hadi besuchten am 27. Jänner den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope und unterbreiteten ihm die Forderungen der arabischen Exekutive hinsichtlich der zukünftigen Verfassung und des Landentwicklungsplanes. Auni Bey Abdul Hadi trat in der Besprechung leidenschaftlich für die Schaffung eines Parlaments in Palästina ein. Wie die J. T. A. erfährt, war die Antwort des High Commissioner auf diese Forderung vollkommen unverbindlich. Bevor da* High Commissioner die arabischen Repräsentanten empfing, lud er den Leiter der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Chaiin Arlosoroff, zu sich ein und hatte mit ihm eine Unterredung, die etwa iy2 Stunden dauerte. Sir Böyd Merrhnam Mitglied der englischen Regierung London, 29. Jänner. (J. T, A.) Der Kronanwalt Sir Frank Böyd Merrimän, der die jewish Agency in der Angelegenheit der antijüdischen Unruhen im Herbst 1929 ln Palästina vor der Shaw- Kommission vertreten hat, ist zum Kronanwalt der Nationalen Regierung ernannt worden. Lord Readings Befinden zufriedenstellend Cairo, 26. Jänner. (J. T. A) Das befinden Lord .'Readings, der in Luxor krank darniederiiegt, ist im allgemeinen zufriedenstellend; die Lungen sind nicht angegriffen. Berlin—Jerusalem in zwei Tagen Die «Jüdische Rundschau» teilt mit: Bel der am Dienstag begonnenen Flugplänekonferenz zur Festlegung der internationalen Flugpläne für den Sommer ist li a. die Einrichtung einer neuen Expreßstrecke Berlin—Athen vorgesehen. Zweimal in der Woche wird ein Flugzeug von Berlin um 4 Uhr morgens abgehen und um 6 Uhr abends demselben Tages In Athen elntreffen, wo der Anschluß an die Luftverbindungen nach Indien bewerkstelligt werden söIL Da dl* direkte Linie Londön—Indien jetzt Uber Athan und von dort im Wasserflugzeug nach dem Tlberiaasee geht, wird e» au! diese Weise möglich sein, die Strecke Berlin—Jerusalem nunmehr In zwei Tagen zurückzulegen. Sichern Sie sich da* SplGlvcchf Die Ziehung der IV. Klasse der XXVI. Lotterie beginnt schon am 9. Februar 1932. Lospreise pro Klasse: V» S 6.—, % 8 12.—, y% S 24.—, 7t S 48.—. Lose sind zu haben bei der Geschäftsstelle der Klassenlotterie 1. M. Neufeld, Wien, II., Krummbaumgasse 16. Telephon Nr. A 45-9-05. Reservieret Euch den Abend des 9. Mär* (Mittwoch) für die Veranstaltung der gesamten Zionistischen Jugend sugunsten des Keren KaJemeth (Jubiläumsfeier)