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Die Stimme · 1932-02-04 · Heft 213 (4.2.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 213 (4.2.1932)
Date
1932-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 g BEZUGS- BEDINGUNGEN V. b. b. Oesterreich eonat lieb S 1%Ql <nerte) l*hrl 8 «20, fisui ilhrL 8 \&- Deutschld eiertel jlhrl RM V- T«eheeho Slowake viertel) Kt 24* — Iufto«l*wie* viertel tihrl Di» 40* - Po*«r nerrelilh* lieh Zlor» 6*50 Ungarn viertel llhf lieb Pengd 4*20 Rutnlniee viertel Cfirl Lei 120* •bng«» Ausland viertelflhrl Sch« Pranken 4*50 5« Jahrgang Jüdisdke Zeitung Wien« Donnerstag, 4< Februar 1932 (27. Schwat S692) Ä 4J erscheint Jeden Donnerstag Redak om «lad Adnunietrer VMen I. Kernrn «tra&e 26 Tel R-27 4M O <rl Postsparkasse kontl .h Oesrert Pole» 191.1« Tseheeho* lcJ nowale 500 '«igoslawian 40.870 I D U3-5< H Nummer 2i Nahum Sokolow in Kanada „Geistesfreiheit, Ressenrelnheit, Volksfreiheit V* Seit Einbringung der Gesetzesvorlage über das Studentenrecht mehren sich die Zeichen, daß auch den Christlichsozialen vor ihrem eigenen Mut, mit dem sie den Hakenkreuzlern in der Frage des Studentenrechtes bisher Gefolgschaft leisteten, bange wird. Es gehen merkwürdige Dinge vor. Die Christlichsozialen fühlen sich zwar verpflichtet, gewaltig In das antisemitische Horn zu stoßen und Kunschak hat sich beeilt, den jüdischen Beamten der Kreditanstalt einen Vernichtungsfeldzug anzusagen. Die «Reichspost» hat anfangs über die Studentenrechtsvorlage gejubelt, in letzter Zeit scheint sich jedoch eine Ernüchterung vorzubereiten. Was eigentlich hinter den Kulissen vorgeht, ist bis jetzt nicht recht klar geworden. Es scheint aber, daß es mit der Gesetzwerdung der Studentenrechtsvorlage noch seine Wege haben wird. Die Regierung Buresch, welche den famosen Gesetzentwurf über die Studentenrechtsvorlage einbrachte, hat demissioniert Nach den parlamentarischen Regeln ist damit auch der Gesetzentwurf über das Studentenrecht erledigt und es müßte eine neuerliche Beratung im Ministerrate stattfinden, der eine andere Zusammensetzung hat. Da hat es sich nun wieder gezeigt, daß wir die patentierten Prügelknaben sind. Weil der Unterrichtsminister Czermak den Hakenkreuzlern zuviel versprochen hatte und weil sich nun Tendenzen zeigen auf dem von Czermak eingeschlagenen Wege nicht weiterzugehen, weil also die bisherigen Bundesgenossen sich in den HaäreWltlf^iVwWdeil jüdische Studenten und Studentinnen wieder einmal verprügelt. An der Universität kam es bei der Abhaltung eines Bibelvortrages durch' Rabbiner Dr. Kaminka zu Unruhen und Prügeleien, arp nächsten Jage durch schwere Exzesse def Hakenkreuzler hoch Übertroffen wurden. Die Hochschule für Welthandel wollte nicht Zurückbleiben, auch dort inszenierten die Hakenkreuzler blutige Unruhen. Nun ereignete sich aber etwas, was uns aufhorchen läßt Die Universität wurde gesperrt und der Rektor Maresch, der bisher an der Universität die Herrschaft dem Prorektor Uebersperger und den Hakenkreuzlern überlassen hatte, erließ einen Aufruf, in dem er die Hakenkreuzler als Feiglinge brandmarkte. Der akademische Senat kam plötzlich nach jahrelangem Schweigen darauf, daß es eine Feigheit sei, wenn ganze Gruppen von Hakenkreuzlern sich einzelne Juden herausholen und blutig schlagen. Es kam noch besser. Die «Reichspost» entdeckte plötzlich, daß aus Deutschland importierte Hakenkreuzler sich an der Universität breit machen und die Herrschaft an sich reißen und plötzlich zieht die christlichsoziale «Reichspost» gegen die Hakenkreuzler zu Felde. Auf diesem Wege folgte ihr auch der christlichsoziale Abgeordnete Kunschak, der im christlichsozialen Arbeiterverein auf das bedrohliche Ueberlaufen der Christlichsozialen zu den Hakenkreuzlern aufmerksam machte. Es ist einstweilen nicht abzusehen, welche Formen der Kampf zwischen Christlichsozialen und Hakenkreuzlern noch annehmen wird. Eines ist aber sicher. Ob sich diese antisemitischen Parteien in der Frage des Studentenrechtes einigen werden oder nicht, über einen Punkt werden sie sich immer einig sein: Daß entgegen der Bestimmung der Verfassung das Judentum unterdrückt werden muß. Einen Erfolg hat der Kampf der Antisemiten untereinander bisher gezeitigt. Die scheinheiligen Versicherungen über die Gleichberechtigung in der Studentenrechtsvorlage sind bei den Hakenkreuzlern verschwunden. Der schamhaft verhüllte Grundsatz des Volksbürgerrechtes tritt klar in Erscheinung. So lesen wir in der «Deutschösterreichischen Tageszeitung» einen Aufruf der Führersitzung des Wiener Turngaues des Deutschen Turnerbundes, in welchem es heißt: «Der Wiener Turngau stellt sich einmütig und geschlossen hinter ein auf volksbürgerlicher Grundlage aufgebautes Studentenrecht, weil nur Montreal, 26. Jänner. (J. T. A.) Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, ist zur Eröffnung der 23. Jahresversammlung der kanadischen Zionisten am 25. Jänner in Montreal eingetroffen und hielt, von rauschendem Beifall der aus ganz Kanada eingetroffenen Delegierten und sehr zahlreicher Gäste begrüßt, in der Eröffnungssitzung eine Ansprache über die gegenwärtige politische Lage des Zionismus. Sokolow kam 2m Verlauf seiner Rede auch auf die in der Presse erschienene Mitteilung über angeblich vom Landentwicklungsdirektor French in Palästina vorgeschlagenen antijüdischen Maßnahmen zu sprechen und führte dazu aus: Die Jewish Agency weiß nichts von solchen angeblichen Vorschlägen und mißt ihnen, wenn sie gemacht secn sollten, keine besondere Bedeutung zu, da solche Absichten Großbritanniens Verpflichtungen, die ihm im Palästina-Mandat international auferlegt wurden, dem Buchstaben wie dem Gesetze nach widersprechen. Die statistischen Ergebnisse der Untersuchungen des Herrn French hinsichtlich der Zahl depossedierter Araber werden sorgfältig geprüft und als Material bei der Durchführung des Landentwicklungsplanes fci Uebereinstimmung mit den legitimen Interessen des Jüdischen Nationalhelms und dem Wohl der arabischen Bevölkerung verwendet werden. Vorschläge gegen die jüdische Einwanderung, wenn sie wj^ftlich von Einzelpersonen gemacht worden sein sollten, würden auf den stärksten und unnachgiebigen Widerstand der Jewish Agency und der Weltjudenheit stoßen; sie würden Jerusalem, 26. Jänner. (J. T. A.) Am Montag, den 25. Jänner, fanden an der Hebräischen Universität zu Jerusalem die ersten akademischen Graduierungen statt. Dreizehn Studierende, unter ihnen zwei Frauen, erhielten an der Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen den Magistergrad. Die Graduierung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie, der der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope, der Chef des Justizdepartements der Regierung, die Professoren- und Dozentenschaft der Universität, 50 Angehörige des Konsularkorps, Vertreter der akademischen Körperschaften, wissenschaftlichen Gesellschaften und Kirchen u. v. a. beiwohnten. Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, der ebenfalls eingeladen war, erschien zur Zeremonie nicht. Die revisionistischen Studenten hatten am Tage vorher einen scharfen Protest gegen die Einladung Nashashibis veröffentlicht und erklärt, diese Einladung beweise einen Mangel an nationaler Selbstachtung seitens der Universitätsleitung, insbesondere im Hinblick darauf, daß Nashashibi Mitglied jener arabischen Delegaein solches seinen völkischen Hochzielen «Geistesfreiheit, Rassenreinheit, Volkesfreiheit» entspricht Allein die im Gesetz vorgesehene Scheidung von Deutschen und Juden ermöglicht bei Anwendung auf das gesamte Kulturleben die Geistesfreiheit und kulturelle Selbstbestimmung des deutschen Volkes. Der im Gesetz verankerte Abstammungsgrundsatz verbürgt die künftige Arterhaltung und Rassenreinheit im deutschen Volke. Die Bestimmung, daß nur eine Deutsche Studentenschaft anerkannt werden kann, ist gleichbedeutend mit der gesetzlich verbürgten Volkseinheit an den höchsten deutschen Kulturstätten. Aus den angeführten Gründen fordert der Wiener Turngau Nationalst und Bundesrat auf, dieses Gesetz in der vom Unterrichtsminister vorliegenden Fassung ehestens zu verabschieden.» Wir wollen es uns hier versagen, nochmals auf die Mängel der Gesetzesvorlage zurückzukommen. Die hier mitgeteilte Kundgebung spricht für sich aber auch von der britischen Regierung im Zusammenhang mit dem Entwicklungsplan nicht in Erwägung gezogen werden. Sokolow wies auf die kürzlich vom englischen Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Llster anläßlich der New Yorker National Conferenc on Palestine an ihn, Sokolow, gesandte Erklärung als auf den alleinigen authentischen Ausdruck des Palästina- Programmes der englischen Regierung hin, ein Programm, das solche Vorschläge, wie sie French unterstellt werden, als undenkbar erscheinen lassen. Es ist bedauerlich, daß zu einer Zeit, in der die Jewish Agency mit der englischen Regierung zusammenarbeitet und bemüht ist, das Vertrauen Großbritanniens zur jüdischen Arbeit zum Besten des Jüdischen Nationalheims, dessen Bedeutung der Kolonienminister soeben unterstrichen hat, zu erneuern und zu stärken, solche Andeutungen gemacht worden seit) sollen oder, wenn sie nicht gemacht worden sind, solche Gerüchte in Umlauf gebracht werden. Die Konvention der kanadischen Zionisten beendet M o n t r e a 1, 27. Jänner. (J. T. A.) Die 23. KoiV* vention der kanadischen Zionistischen Organisation, die in den letzten Tagen unter Teilnahme de$ pr&r sidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow in Montreal abgehalten wurde, ist soeben geschlossen worden. Dia Konferenz brachte ejnen Ausgleich der langdauernden Kämpfe innerhalb der Organisation. A. Freimatt wurde zum Präsidenten gewählt. tion war, die in London die arabische Version über die palästinensischen Unruhen im Herbst 1929 darlegen sollte. Der Dekan der Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen, Professor Dr. Samuel Klein, geleitete die zu Graduierenden in den Saal, woraufhin der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes, die Graduierungen vornahm und die Zeremonie mit einer Ansprache an die Graduierten abschloß, in der er ausführte: „Wir senden Euch aus diesem bescheidenen und doch ruhmreichen Tempel des Wissens und des Lernens hinaus in die Welt Mögen Eure Lippen von der glimmenden Kohle auf diesem irdenen Altar berührt worden sein.» — Dr. J. L. Magnes wies auf die traurige Lage jener jüdischen Studenten hin, die an den Universitäten vieler Länder Zurücksetzung und Verfolgung zu erdulden haben, nur zu oft den Angriffen der Bestie im Menschen ausgesetzt sind, und denen die hebräische Universität, soweit es in ihren Kräften steht, gerne Zuflucht sein möchte. allein. Sollte der Gesetzentwurf Aussicht haben Gesetz zu werden, dann müssen wir darauf dringen, daß die weitesten Sicherungen für die tatsächliche Durchführung der Gleichberechtigung der jüdischen Studenten getroffen werden und müssen insbesondere durchsetzen, daß im Gesetze für die Zugehörigkeit zur jüdischen Studentenschaft nicht Abstammung und Sprache, sondern freies Bekenntnis zur jüdischen Nation und Zugehörigkeit zur jüdischen Religion als allein maßgebend verankert werden. Wir wollen es uns auch versagen, einstweilen dazu Stellung zu nehmen, daß der akademische Senat in einer heute versendeten Erklärung neuerlich seiner Entrüstung über die letzten Unruhen Ausdruck gibt und daß der Unterrichtsminister einen diesbezüglichen Erlaß an den akademischen Senat gerichtet und endlich das Recht der Studenten auf einen ruhigen Studienbetrieb anerkannt hat. Wir wollen abwarten, ob den schönen Worten auch Taten folgen werden» Q, (L Die hebräische Universität nimmi die erste Graduierung vor mm

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