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Die Stimme · 1932-01-14 · Heft 210 (14.1.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 210 (14.1.1932)
Date
1932-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Sette 7 Nr. 210—14. Jänner 1932 jivifda* Jtameiri Nachdruck auch kt Auszügen verboten* Autorisierte Uebertraguug aus dem Hebrftischeit von Sem Wolf so t $o war unser Leben im Vorhofe des Todes, in gemeinsamer Gefahr, knapp am Eingang zur Hölle; 4m Augenblick, wo jeder von uns von einer Kugel getroffen und getötet werden konnte. Jemand sagte einmal flüsternd: er verstünde nicht, woher plötzlich alle diese bösen Bestien gekommen.seien. Hierauf erwiderte Ihm mein junger Diener: «Bestien? Welche Bestie tut denn.so was? Eine Bestie haßt nicht, eine Bestie will nur fressen.» . Mein junger Diener sprach wenig, er ging und erfüllte seine Pflichten. Und er paßte auf mich auf wie . auf seinen Augapfel und brachte mir alle Neuigkeiten von. den Offizieren. Er hörte sie in der Offiziersmesse, . wo er mit anderen Offiziersdienern, zusammenkam. Er haßte glühend jeden, der Offizierssterne auf- .seinem Kragen trug. Einmal kam er und sagte mir ein Geheimnis; «Oberleutnant Stubnlk beschloß, daß der Herr nie Offizier werden wird.»: - «Ist nicht deine Sache, Pall.» ‘ Seine verhaltene Wut stiegt «Schön, es Ist nicht meine Sache.» Und er ging. Ich rief ihm nach:; «Warum hast du Angst? Wirst doch einen anderen Offizier finden, denn du bedienen kannst» ’ Er schnellte wie'eine getretene Schlänge empor und schrie, die Herrschaft über sich verlierend: ' «Schicken Sie mich nicht zu den andern, fch bin jrefhe Dirne.» Und er wollte gehen. Doch er drehte sich nochmals um und sagte: «Ich werde nicht die Hasen* betdienen,' die sie selbst zu Wölfett mactien: Es| gißt'^Tj:einen einzigen unter ' thfieii, •Übr'wenigstehä.eltie'kWifie Medaille' hätte. Feigijnge 'Sind sie alle. Das Schwein, der Hauptmann, hat ja nicht ei.nnia! "das Slgnüm laüdls. Dafür hinkt er, V';. v **■ ..„.'""V'L Noch am selben Abend ließ mich. der Oberleutnant . Stubnik rufen und verbot mir, 'einen Diener zu halten. Umsonst versuchte ich Ihm zu erklären, daß mein Diener, im Gegensatz zu anderen Dienern alle militärischen Arbeiten leistet. Und daß er mir freiwillig aus freien Stücken und ohne es auf Rechnung , der eigentlichen Arbeit zu tun, dient. . Mit seiner trockenen Stimme .Schrie-er^iriieh an:"; - j «Wenn du dir noch einmal einen Schuh von ihm putzen lassen wirst, kriegst du Einzelarrest und er die Spangen.» Was Spangen heißt? Man bindet einen Menschen in aufrechter Stellung an die Wand und läßt ihn so auf den Fußspitzen einige Stunden stehen. Etwas später brachte mir mein Diener das Abendbrot. Und als ich ihm das Neueste erzählt hätte, blieb '’ Häbtächt Vor'ihir Stehen, wie vor'einem Offiziell, schrie:';; <<Herr.Fähnrich, me)de gehorsamst, daß ich Sie V .nicht .verlassen werde.» T «Bist ein. Dummkopf», sagte ich, «es ist verboten, jemandem einen Chargentitel beizulegen, der ihm nicht . gebührt!» . «Herr Fähnrich, melde gehorsamst, morgen kommen wir an die Front und dort werden w f r zu reden haben und nicht die Feiglinge.» Kaum war ich mit dem Abendbrot fertig, kam auch schon der Befehl: Frühmorgens um vier Uhr an die Front! Wir sollten noch ein wenig schlafen und uns ausruhen. Meine Abteilung war in einer großen Scheune einquartierf. Das Dach hafte viele Löcher, die Sterne blinzelten durch, GHtzerhcle Sterne..* Wir legten .uoa-, nieder. Mein Diener deckte mich gMfczu, wie einc.Mntter, Je näher die Gefahr war, um so größer wurde seine Anhänglichkeit* \ , Es, war .ganz, still, plötzlich hörte man Kanonen- , do.nner, der immer näher und näher kam. Ich stand auf und eilte zu meinem Vorgesetzten, dem Leutnant .. Joni; ich fragte ihn, ob irgendein Befehl da wäre. Er lag im Bett, und meine Frage beantwortete er fast zornig: «Geh’ schlafen! Was willst du von mir? Nicht von mir hängt es ab, sondern von den Russen.» Sonderbar. Von den Russen hängt es ab. Da sagte ich noch: «Wenn es von dien Russen abhängt, dann wehe ünsf» Ich ging. Als ich schon an der Tür war, sah ich, wie er sich nach mir umwandte, mir einen wütenden Hflck züwerfend. Wieder zurückgekehrt, fand ich meinen Diener nicht. Kaum aber legte ich mich nieder, selbstverständlich ohne mich ausztizrehen, da erschien er. Wo stfolchsf .du . denn belNacbt herum?» «Ich* wollte, ein wenig Strategie lernen und erfahren, von wem es abhängt, von uns öder von . den Russen.» Und er spuckte tüchtig aus: «Pfui!» Später erfuhr ich, daß er mir nachgegangen war und mein Gespräch mit dem Leutnant. belauscht hat. Auch er legte sich nieder, und murmelte: «Geschäfte, die Sie sich suchen! Wozu stehen Sie auf und gehen zu ihm hin?» «Bist nicht gescheit, Pali. Glaubst wohl, daß hier in der Scheune die Gefahr kleiner Ist als draußen!» Wieder war1 es~ gäriz^stttL Alle äctiilefen: Pjpfzt : lieh hörten wir das dumpfe Dröhnen eines russischen Kanonenschusses. Und dann ein pfeifendes Sausen über unseren Köpfen. Das Sausen wurde immer stärker — crecsendo — es war, als ob der Todesengel über der Scheune fliegen würde... Irgendwo schlug die Granate ein. Alle erwachten und schauten einander an. «Grüß Gott!» sagte der lange, naive Tiroler. «Drästute!» (Erst ein Jahr später verstand ich, was er darunter meinte. Es war der russische Gruß «Sdrästwujtel») * «Der Teuffei soll dich holen!» sägte jemand anderer. «Nicht einmal ruhig schlafen kann man hierl» Und nach dieser ersten Granate kam noch eine und dann wieder eine. Alle meine Kameraden krochen unter Ihre Decken, kauerten sich zusammen und zogen die Decken über Ihre Köpfe... Der lange Tiroler, der aussah wie ein Bär, der im Begriff steht, seinen Winterschlaf anzutreten, sagtet «Es gibt in der ganzen Welt keinen besseren Schutz vor russischen Kanonenschüssen als eine Decke.» XVI. Kapitel. Die Sechs Um drei Uhr früh hat man uns geweckt: An die Front! \ An die Front kam ich also nun schon zum zweiten •Male. Und doch waren diesmal meine Gefühle ganz anders als damäls. Damals, beim ersten Mat kam alles so plötzlich. Ich hatte keine Zeit, mir Rechenschaft darüber zu geben, was vorging. Die Reise durch das Hottentottenland, der Angriff auf die Kosaken in den Karpathen, meine leichte Verwundung, das Spital — all das kam mir wie ein böser Traum vor, der ein gutes Ende nahm, als mich die blauäugige Krankenschwester anläcjielte und streichelte.... Doch jetzt;— jetzt war alles ganz anders. Wir besetzten einen Schützengraben, der oben bedeckt war und vorn Löcher hatte, durch die man die Stellungen des Feindes beobachten konnte^ So nebenbei machte ich die. Berechnung, wie lange unser Schützengraben ist Von Czernpwltz bis Riga, also einige hundert Kilometer. Nicht länger... Punkt vier Uhr krochen wir in den Unterstand. Auf. dem ganzen Wege vom Dorf bis zu unserem Schützengraben gingen wir in einem Kugelregen. Als wir nun schon einigermaßen geschützt waren, betasteten wir uns gegenseitig: Nichts war uns geschehen, heil sind wir angekommen. Unsere Oesichter strahlten. Wir fühlten uns .sicher, als ob wir in der Festung Przemys! wären. Wir gewöhnten uns bald an den Kanonendonner, an Schrapnelle, an Granaten, die über unseren Köpfen sausten. Es kam uns vor, als ob wir einen Vertrag mit den Russen geschlossen hätten, demzufolge diese so zu schießen verpflichtet wären, daß die Kugeln über den Schützengraben dahinsausten und h i n t e r unserer Linie "explodierten. Wir hatten vorderhand nichts zu tun und warteten auf *!Befettterr IhziWsdhfen1 hät1 mört-un% "aber ln einige Abteilungen eingeteilt und mich hat man für eine Abteilung von dreißig Mann verantwortlich gemacht. Ich schloß rasch Bekanntschaft mit den neuen Kameraden, und bald sah ich, daß es nette Jungen sind, mit denen zu kämpfen es sich lohnt. Ich weiß nicht, wie es geschah, doch ich bemerkte unter ihnen auch meine alten Bekannten: so den Onkel Oesterreicher und den Gefreiten Margulies. Ich freute mich darüber. Aber ich' hatte noch einige Bekannte unter ihnen. Der lange Tiroler tauchte plötzlich auf, lächelte und sagte: «Herr Zugsführer, Infanterist Johann Maria Breidl meldet gehorsamst, es gibt nichts Neues.» Ich drückte ihm die Hand und umarmte ihn. Mein Kopf reichte genau bis zu seiner schmalen Brust. (Fortsetzung folgt.) Zwanzig Jahre „Hadassa“ . Von Dr. T. r u d e R o s m a r i tt - W e i ß (New York). 1 «Hadässa», die zionistische- Frauenorganisation von A'merlka, steht sowohl zahlenals auch bedeutuhgsmäßig an der Spitze der jüdischen Frauenvereinigüngeri Amerikas. 'Die «Hadassa«, die in 296 Ortsgruppen über 50:006 jüdische Frauen und Mädchen in ihre Reihen eingegliedert hat und die an Zahl und Einfluß der'Monistischen Vereinigung von Amerika mit ihren "ausschließlich mähnlithfeh Mitgliedern / Überlegen ist,, bat in den. zwanzig Jahren, ihres Bestehens ein / grandioses Werk in Palästina und rin Amerika geschaffen. " .Weifen wir zur besseren Orientierung einen kurzen Blick auf die Entwicklungsgeschichte der «Hadassa». ,.Im Jahre .1912. wurde die. .«Hadassa» von .einem kleinen; Häuflein jüdischer Fraiien unter der Führung von Henrietta Scoid gegründet. Als Arbeitsfeld wählte: sich diese kleine Gruppe das, was im besonderen Maße das Gebiet der Frau . ist: Die Verbesserung des Gesundheitswesens in Palästina. Schon im ersten Jahre ihres Bestandes bildete die «Hadassa» zwei jüdische Krankenschwestern aus und sandte sie nach Palästina. Mit wachsender Mitgliederzahl und größerem Budget konnte sich die «Hadassa» bald größeren Aufgaben zuwenden. 1915 wurde mit der planmäßigen Bekämpfung der Malaria und anderer Tropenkrankheiten begonnen. 1918 eröffnete die «Hadassa» ihre Krankenpfiegerinnenschule ih Jerusalem. 1921 öffneten sich die Tore der ersten «HadasSa»-Klndergesundheitsstatiön in Palästina, deren Zahl 1926 bereits fünfzehn betrug. Das zweite Jahrzehnt der «Hadassa» brachte ihr ein kontinuierliches Wachsen der Mitgliederzahl und der Spenden und damit eine rasche Vermehrung und Vergrößerung der «Hadassa»-Institutioneiv in Palästina. Allein in den Jahren 1021 bis 1930 wurden 4 Millionen Dollar von der, «Hadassa» in Palästina investiert. Heute werden von der «Hadassa» mit einem jährlichen Budget von 600.000 Dollar folgende Institutionen in Palästina unterhalten: 5 Krankenhäuser, 32 Polikliniken, eine Zahnklinik, eine Schwesternschule, ein Röntgen-Institut, die der «Hadassa» übergebenen Strauß-Gfesundheitszentren in Jerusalem uiiü Tel-Äviv, 22 Gesundheitsberatungsstellen für Kinder und Mütter, ein Schulgesundheitsamt, das 24.000 Schüler im ganzen Lande überwacht. Die «Hadassa» veranstaltet ferner in verschiedenen Teilen Palästinas Kurse im Kochen und in der Krankenküche; sie verabreicht in 54 Kindergärten und 14 Schulen eine tägliche Mahlzeit an die Kinder. Außerdem versorgt die «Hadassa» 20 Institutionen, außer ihren eigenen, mit Wische und übergibt der Jüdischen Frauenorganisation in Palästina große Sendungen L von Wäsche,' Kleidern;- Schuhen _ usw. zur Verteilung. Zur Hebung des allgemeinen öesündh'eitszuständes deif' Bevölkerung’veranstaltet die; «Hadessa».AufklänipgS- und Bekämpfungsaktionen gegen d»e in den Tropen besonders gefährlichen Infektionskrankheiten. Von den Jungmädchengruppen der’«Hadassa» wird aus eigenen Mitteln ein Kinderdorf in Palästina unterhalten. Außer diesem ihren speziellen Werk nimmt die «Hadassa» an allen zionistischen Aktionen (Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Schekel usw.) in einem ihrer Mitgliederzahl entsprechenden Maße teil. Aber die «Hadassa» ist keineswegs eine Wohltätigkeitsinstitution, sie ist eine Erziehungsorganisation im besten Sinne des Wortes. Leistet die «Hadassa» in Palästina sanitäre Arbeit für die Volksgesundheit, so tut sie das nicht minder in Amerika, wo sie der gefährlichen Krankheit der Assimilation entgegenarbeitet Sie hat sidh die Aufgabe gestellt, die jüdischen Frauen Amerikas zu bewußten und wissenden Jüdinnen und Zionisten zu erziehen. Diesem Ziele gilt di? vorzüglich organisierte Kulturarbeit in den einzelnen Gruppen, jüdische Geschichte, zionistische Probleme und .Fragen des Palästina-Aufbaues stehen im Mittelpunkt der Diskussionen. Außerdem wird auch eifrigst Hebräisch getrieben, besonders in der «Jung-Hadassa». Eine eigene Zeitung bietet Raum für spezielle «Hadassa»*ProbIeme. Der Ton unter den «Hadassa»-Frauen ist ein ungemein herzlicher. Durch schwere und verantwortungsvolle Pflichten für das gemeinsame Werk verbunden, fühlen sich alle als Mitglieder einer großen Familie. Das «Hadassa»-Werk und der Palästina-Aufbau stehen im Mittelpunkt ihres Denkens. Immer neue Mittel werden gesucht und gefunden, um di« Einkünfte zu steigern und so das segensreiche Gesundheitswerk in Palästina weiter auszubauen. Ein besonderer 'Vorteil der «Hadassa» ist es, daß fast sämtliche Arbeiten von ehrenamtlichen Kräften erledigt werden, nur für Bureau-Arbeiten besoldet die «Hadassa» einige Angestellte; . Die «Hadassa», die nun in das dritte Jahrzehnt ihres Bestehens eintritt, hat sich um den Aufbau Palästinas Unsterbliche Verdienste erworben und in ihrem Gesundheitswerk ein Ehrenmal der jüdischen Frau geschaffen. Die polnische Regierung und die Ausschreitungen an den Universitäten Auf die Interpellation des Vorsitzenden des Jüdischen Parlamentsklubs Abg. J. Grünbaum, betreffend die Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten an deft polnischen Hochschulen erteilte der polnische Unterrichtsministef auch im Namen des Innenministers die folgende Antwort: Die Regierung Polens verurteilt entschieden die Exzesse gegen die Juden. Dank des energischen Einschreiten» der Universitätebehörden wurden die Unruhen liquidiert Die Propaganda für die Exzesse war durch unverantwortliche Faktoren von außen In die Universität hlneingetragent dieser Umstand erschwerte die Untersuchung und dl« Liquidation der Geschehnisse*

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